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14. Januar 2014

Betrachtungen zum Altsächsischen (d-)

Das dro/uht-Wortnest.

Drohtin (Gefolgsherr), wohl von dragan (tragen, seltsamerweise sowohl zu engl. und nsächs. ziehen, möglicherweise, weil es eine nicht angegebene Nebenbedeutung ist, etwa im Satz: thana wiirook droog after them alaha - die Weihrauchkugel an ihrer Kette wird ja quasi gezogen), also Träger, vielleicht auch Zieher. Dazu druht-folk (Gefolge), druhtning (Gefolgsmann, im konkreten Fall der Brautführer des Hochzeitsgefolges) und druht-skepi (Herrschaft, im Sinne des Organisators, Ausrichters, Trägers).

Eine Hochzeit ist ein schönes Beispiel für eine derartige Veranstaltung, in welcher das Gefolge den Vorgaben des Trägers folgt, außerhalb des Militärs und Hofzeremoniells. Allgemeiner wird man dieses Verhalten auf jedem Fest finden: ein unausgesprochenes Einverständnis, sich nach den Vorgaben des Ausrichters zu richten. Dem Wesen nach mehr Kunst als Arbeit, mehr Willkür als Not, vielleicht auch, wenn man es so betrachtet, im Falle des Militärs - wie wäre ein rein zweckmäßiges Militär organisiert?

Natürlich bedient sich auch die Kirche dieser Struktur und mit drohtin ist im Heliand gemeinhin Christus gemeint, und ich wage zu behaupten, daß das Verlangen, an einer solchen Aufführung teilzuhaben, das Kennzeichen Erwartender (also insbesondere Achtender und Versuchender) ist - übrigens schön getroffen in den ersten drei Captain Future Folgen Der Herrscher von Megara.

Das droom-Wortnest.

Nein, hier geht's nicht um's Träumen, sondern um's Trommeln. Droom (Treiben, Getreibe, Leben) und droomian (sich fröhlich bewegen, jubeln).

Das draa/oo-Wortnest.

Alles rund um engl. dread. Ant-draadan (fürchten, bangen), droobi (lichtlos, trübe), droobian (sich betrüben, zurückschrecken), gi-droobian (erschrecken), droor (triefendes Blut), droorag (blutig).

Wiederum recht feinfühlig.

Das doom-Wortnest.

Also, doomsday stimmt, engl. doom aber nicht ganz. Doom (Urteil), a-doomian (urteilen), doom-dag (Tag des Gerichts). Urteil allerdings in etwas freierer Bedeutung, alles was entschieden wurde, gleich wie gut begründet, vielleicht am ehesten durch Machtwort getroffen. (Es wurde ein Machtwort gesprochen, jetzt sind wir doomed. als mögliche Begründung der Bedeutungsverschiebung im Englischen - oder es wurden eine Zeit lang nur Todesurteile verhängt.)

Übrigens auch schon im Altsächsischen in seiner heutigen Bedeutung als -tum Suffix: Deutsch-tum = Deutsch-doom = zum Deutschsein verurteilt. Wiederum ein Indiz dafür, daß es in der altsächsischen Gesellschaft normal war, den einzelnen Mitgliedern Rollen vorzuschreiben.

Das der-Wortnest.

Hier also die Verwandtschaft des Wortes derb - auch etwas überraschend: derbi (kriegerisch, feindlich, frech, ruchlos), derian (schaden, beschädigen), derni (heimlich, heimtückisch), dernian (verhehlen).

Ob nsächs. Deern tatsächlich davon abstammt? Unfreundlicher könnte sich kaum ein Mensch über seine Töchter auslassen, obwohl es natürlich stimmt: Geheimnisse haben die immer... aber so als Anrede: Junge Deern... (hüstel) Hallo, junge Giftmischerin! - Sollte man mal ausprobieren...

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