Bereitschaftsbeitrag

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15. April 2017

Der Blick auf's Ganze und auf's Eigene

Man kann das Leben nach der Form erwägen, welche es mit der Zeit annimmt, und man kann es nach dem Geist erwägen, welcher sich in den eigenen Taten ausdrückt.

Selbstverständlich hinterläßt jeder tätige Geist Spuren, doch sie alle zusammengenommen sind doch nicht mehr als das Pflaster, auf welchem sich das Leben seine Form sucht.

Oftmals ist es dabei so, daß ein fremdes Pflaster einem Formstreben besser paßt als sein eigenes: Zu partiell wirken die Geister für gewöhnlich, als daß sie insgesamt einen Einklang mit ihrer Natur erzielten. Diesen zu erreichen bedarf es einfacher, allgemein geteilter und verstandener Grundsätze, welche der Natur der Menschen genügen, oder aber großer Männer, welche den Menschen ihre Natur überstülpen.

Jesus ist durchaus kein großer Mann in diesem Sinne, und was wissen wir schon von seiner Natur? Es braucht dazu ein anschauliches Beispiel konkreter Lebendigkeit, welches die Gedanken fesselt, indem es uns dazu bringt, uns ständig an ihm zu messen. Und mal ehrlich: An Jesus messen wir uns ja selbst dann nicht, wenn wir es in einer ganz bestimmten Situation sogar mal könnten. Und zu Recht! Denn Jesus will durchaus, daß wir unserem eigenen Maße genügen, und keine Armee von Knechten unter seiner psychischen Fuchtel.

Es ist diese seine Offenheit, auf welcher die tiefe Anerkennung seiner Lehre beruht.

Doch zurück zu der Art der Erwägung des Lebens. Der Blick auf den eigenen dargestellten Geist gibt Kraft und Richtung, der Blick auf's Ganze die Weisheit, die Folgen der wirksamen Strömungen zu erkennen. Werden wir ersterem gerecht, so blüht etwas auf, gelingt uns der letztere, so eröffnet sich uns die Möglichkeit, die größere Harmonie zu verbessern.

In ihm liegt auch der Trost Gottes Weisheit, doch auch im ersten liegt Trost, der Trost des treuen Gottesnarren, der weiß, wer der Herr ist, dessen Gebote er hält.

Wir leben in einer kleinen Zeit, das heißt: Wir fügen die Steine nicht zusammen, welche uns die Freigebigen reichen. Sei für einen Augenblick die Zeit angehalten und vergessen, daß diese Kleinheit in schlecht gekleidete Uniformität münden wird und sich die Menschen erst danach wieder einfachen Grundsätzen öffnen werden. Heute und hier habe ich ein Stück Land in einem Land, in welchem Land kein Ausstellungsstück ist, sondern genutzt. Ich habe mich etappenweise auf es zu bewegt. Und dieses Stück mag blühen, wenn ich in ihm weiter mein Betätigungsfeld finde und dem auch sonst nichts in die Quere kommt.

Es scheint fast gänzlich symbolisch. Und doch... von Beliebigkeit kann keine Rede sein. Ich bin nur halb so zufällig hier, wie es scheint. Gewiß, mein Platz ist mir zugefallen, aber nur, weil ich dort, wo ich zuvor war, nicht bleiben konnte. Heute mag es mich nicht mehr betreffen, aber damals quälte mich die Aussicht. Freilich, zuletzt war ich gewillt, mich ihr zu stellen, aber and're waren's nicht. Und so bin ich hier, irgendwo zwischen entsetzt und entmutigt.

Wieder andere wurden aufgehoben oder abgeschoben, doch ich habe meine Entscheidungen selber getroffen. Ist es wichtig? Subjektiv gesehen wohl nicht: Was ich hier tue, ist genauso unwichtig wie das, was jene tun, es ist nicht mehr als ein Gnadenrahmen. Aber ich bin hier, und wenn ich auch nicht gerade zufrieden mit der hiesigen Entwicklung bin, so entsetzt sie mich doch nicht. Einstweilen bedeutet das nichts Konkretes, und wer weiß, was es morgen bedeutet, aber irgendwo auf dem Grund meines Herzens glaube ich doch, daß wir die Warnungen, welche wir erhalten, in Entscheidungen überführen sollten, gleich wie viel Baldrian wir auch intus haben mögen.

Und vielleicht ist das sogar die Stelle, wo sich der Blick auf's Ganze und der Blick auf's Eigene überschneiden und wir zweifach gefordert sind.

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