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10. August 2017

Meinungseinfalt

Daß die Deutschen einander immer ähnlicher werden und einander insbesondere immer ähnlicher klingen, hatte ich ja bereits letztes Jahr festgestellt, aber das Maß, zu welchem sich dieser Trend fortgesetzt hat, erschrickt mich doch.

In der Generation meiner Großeltern (Jahrgänge 1906, 1909 und 1919) machte es noch einen erheblichen Unterschied, bei wem man zu Gast war, ich etwa bei den Eltern meiner Mutter oder meines Vaters, aber so, wie sich die Deutschen heute gebaren, könnten 80% von ihnen nicht nur zur selben Familie gehören, sondern Klone von einander sein.

Das Fernsehen war erfolgreich, ich würde sagen, zu erfolgreich. Sie alle haben dieselbe Vorstellung von Erfolg, Charme, persönlichen Problemen und Wegen ihrer Auflösung, und ja, sie alle versuchen so zu klingen, wie ihre Vorbildner auf der Mattscheibe.

Wir haben uns einst darüber lustig gemacht, daß sich unsere Großeltern nur den Musikantenstadl und sowas angeschaut haben (beziehungsweise nur die Nachrichten, aber das erschien uns weniger lustig), aber im Nachhinein ist es ein Beleg ihrer persönlichen Reife, wohingegen das heutige Mitredenkönnen über alle Altersgrenzen hinweg ein Beleg für, ja, was genau ist?

Sie haben kein Leben, also nehmen sie sich eines. oder Sie hatten ein Leben, bis sie sich den Ersatz nahmen.

Letzteres ist der Fall. Der Wirtschaft gefällt's, das Marketing macht's leichter, insbesondere auch, weil auch die Nachrichten durch die Vorhaben der Politik ein Teil des geplanten Programms sind: Erst werden Diesel-PKW aussortiert, dann gibt es immer weniger Benzintankstellen und am Ende haben wir einen unvorstellbaren Berg an Akkusondermüll.

Nicht, daß es in all dem keine Intelligenz gäbe, aber sie ist von einer speziellen Art und duldet keine andere neben sich: Faktisch ist das Deutsche Volk ein garantierter Markt, welchen die deutsche Wirtschaft als Sicherheit bei Investitionen hinterlegt.

Und das ist nicht unbedingt gut so. Heute beklagen Die Grünen, daß die industrielle Landwirtschaft den Fledermäusen an die Wäsche geht, während sie von der industriellen Energiegewinnung massenhaft bis zum Platzen aufgeblasen werden (und in Bad Segeberg beispielsweise nur dank vergangenem industriellen Bergbau ein Winterquartier finden) und morgen?

Was werden sie sagen, wenn Deutschland erfolgreich auf Batterien gesetzt hat und andere Länder auf eine Kombination von Verbrennung und Induktion entlang der Hauptverkehrswege? Daß Deutschlands Modell ökologischer ist? Oder ökonomischer?

Alles, was sie sagen können werden, ist, daß es, ob gut oder schlecht, in jedem Falle doch ihr (zum Volke gewandt unser genannt) Baby ist, welches seine Existenz ihrer Ausschaltung konkurrierender Intelligenzen verdankt, und so ist es mit allem in Deutschland.

Daß ausgerechnet Bauernschläue und Hysterie die Zügel halten, bei dieser Einspannung aller produktiven Kräfte zum gelenkten Fortschritt, muß als besondere Ironie der Geschichte betrachtet werden, aber lang wird es so, auch aufgrund der beschriebenen Nebenwirkungen, nicht bleiben.

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