Bereitschaftsbeitrag

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29. November 2017

Ein Leben zum verschenken.

Was empfindet der Homosexuelle, wenn er nackt vor dem Spiegel steht?
Nichts ist leichter, um Bedürfnisse zu wecken, als jemanden danach zu fragen, was er sein könnte, denn jeder kann sich vorstellen, mehr zu werden als er gerade darstellt, weshalb die Frage geradezu das Mantra aller Dienstanbieter ist.

Doch wer hört auf sie? Wer ändert seinen Gang und kommt ihr nach?

Hier ist alles aufgegeben, das Ziel von Gott gesetzt, die Welt ein Kasten blasser Farben, damit das Bild zu malen, welches im eig'nen Busen wohnt. Was ich sein könnte? Ein Maler, wenn ich die richt'gen Farben hätt'.

Und dann geh' ich weiter.

Doch wer bleibt steh'n?

Nur der, wer meint, sein Wachstum bedingte nicht seine einstige Form, sondern umgekehrt, seine einstige Form sein Wachstum, sodaß er sie zu erspähen sucht.

Schau' ich voraus, such' ich die Welt hinter dem Nebel der Zeit zu erkennen, nicht mich. Und er, der sein künftiges Selbst zum Fixstern nimmt, er wächst nicht, sondern ringt damit, sein Glück zu zwingen.

Indes, indem er darin verharrt, wächst aus ihm die Gier, und so zeigt sich sein Wesen, ungeachtet seiner Versuche, es einzukleiden.

Fast will es mir scheinen, daß auch dies Spott im Symposion war, daß der vorzüglicher sei, wer das Vorzüglichere vorziehe. Es ist nicht so dick aufgetragen wie der sich schließende Kreis zwischen Staatsmann und Strichjungem, aber die Keckheit der Versicherung entspricht genau der Dreistigkeit des Lebenswandels.

Die Metapher ist stimmig: das lockende Selbst, der dreiste Griff. Schwule, die um die Idee der Männlichkeit buhlen. Menschen, die um die Idee des Menschseins buhlen.

Wenn da mal nicht geben seliger als nehmen ist.

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