Bereitschaftsbeitrag

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21. Februar 2026

Mannschaftsdegradationen

Durch welche gesellschaftlichen Prozesse verlieren Mannschaften ihre Eigenschaft, ihre Rolle im Leben zu entwickeln?

Zur Orientierung seien ein paar notwendige Bedingungen für letzteres festgehalten: Die Mannschaft muß
  • ein Konsortium sein, da sich das Leben nicht insgesamt überblicken läßt,
  • ein Gremium, da sich das Leben nicht vollkommen aufteilen läßt,
  • ein Ensemble, da sich die Entwicklung einer Rolle im Leben nicht alleine umsetzen läßt, und
  • sie muß trivialerweise vorhaben, ihre Rolle im Leben zu entwickeln.
Am Anfang der Degradation von rollenentwickelnden Mannschaften stehen Versklavung oder Verdingung und als deren Folge Verwaltung.

Versklavung und Verdingung sind Formen, in welchen Vorhaben nicht mehr in einem Ensemble koordiniert werden, sondern unter welchen Menschenführungsverhältnisse, welche Vorhaben vorgeben, bestehen, und zwar bei der
  • Versklavung jenes zwischen Abrichtendem und Gefügigem und
  • Verdingung jenes zwischen Auftraggeber und -nehmer,
wobei dem Sklaven seine Beteiligung an seiner Rollenentwicklung genommen wird, während sie der Söldner freiwillig aufgibt. Das Verhältnis zwischen Sieger und Duldendem tritt hier nicht auf, da es nicht um seiner selbst Willen gesucht wird. Als Abrichtender oder Auftraggeber verwandeln sich Gremien indes in Verwaltungen, indem sie nicht mehr zu dem Ensemble gehören, welches ihre Wahlen umsetzt: Im gleichen Maße, in welchem Sklaven oder Söldner zur Verfügung stehen, werden Gremien frei, ihre Vorhaben nicht mehr umzusetzen.

Lassen wir die Sklaven einmal außen vor. Bei der Verdingung handelt es sich um eine Verselbständigung, einem Gewinn an der Möglichkeit, auf sich gestellt zu (über-)leben, aber zugleich auch um einen Verlust an Eigenständigkeit, der Möglichkeit, der eigenen Gehießenheit nach zu leben, zu welcher die Entwicklung der eigenen Rolle im Leben gehört.

Verwaltung führt zu Erschlaffung, da es genügt, passiv im Gremium zu sitzen, und Erschlaffung zu Profitisierung, da die einzige Funktion der passiven Teilnahme an einem Gremium darin besteht, an irgendwelchen Gütern reicher zu werden, und Profitisierung ist ebenfalls eine Form der Verselbständigung, bei welcher die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Mannschaft mit keinen tieferen Motiven verbunden ist.

Die Profitisierung durchdringt die geschichteten Gremien, bis ein Gremium erreicht wird, welches die Umsetzung seiner Wahlen nicht aus der Hand geben mag, nämlich ein Gremium, welches über Investitionsstrategien entscheidet, und bei welchem die Teilnehmer ihr Geld der Strategie nach selbst investieren. Dieses Gremium ist zugleich ein Konsortium, da jeder über sein eigenes Geld verfügt, und, wie gesagt, ein Ensemble.

Allerdings entwickelt dieses Gremium nicht seine Rolle um Leben, da es die Verantwortung für die gesamte Menschheit trägt und sich keine Subjektivität leisten kann, weshalb sich hier eine Generalisierung zeigt.

Die Aufteilung spielt nur insofern eine Rolle, als sie zu kleineren Gremien führt, welche unter Umständen so klein sein mögen, daß sie nicht erschlaffen und keine Profitisierung einsetzt, beispielsweise handelt es sich bei Hochschulprofessoren um Ein Mann Gremien, welche wählen, womit sich ihre promovierenden verdingten Assistenten beschäftigen, was ihnen bei hinreichender allgemeiner Sorglosigkeit erlaubt, ihre Rolle im Leben wenigstens in einem speziellen Bereich zu entwickeln, was ich als Spezialisierung bezeichnen möchte.

Und somit läßt sich zusammenfassend festhalten, daß die Rollenentwicklung
  • in der Verselbständigung und Generalisierung aufgehoben ist und
  • proportional zur Spezialisierung eingeschränkt zu ihrem Grade überlebt.
Dies ist natürlich der Grund, warum die katholische Kirche die europäischen Gesellschaften als nationale Monarchien organisiert hat, also damit im Monarchen ein genügender Rest an Spezialisierung vorhanden bliebe, um den Völkern zu erlauben, ihre Zukunftshoffnungen zu entwickeln. Freilich, seit Ende des 17. Jahrhunderts sind diese Hoffnungen einer allgemeinen auf die Verbesserung der Lebensbedingungen gewichen, im Einklang mit der persönlichen Phase des Glaubenszykels des Zeitalters der Werke, unter deren Umständen die Gehießenheit hinreichend kanonisch war, um sich verallgemeinern zu lassen, doch in Anbetracht der heutigen technischen Fortschritte ist es nicht mehr so, indem sie vornehmlich dystopische Tendenzen nähren, und wir haben uns in unserer eigenen Gesellschaftsstruktur verfangen.

Auch wenn es rollenentwicklungsauflösende Eingriffe gab und gibt, hauptsächlich von der dominanten allgemeinen Strömung, welche schwächere aufreibt, ist der eigentliche Motor der Entwicklung die Geringschätzung der Eigenständigkeit.

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