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3. April 2018

Formen der Verbundenheit

Aufbauend auf dem vorigen Beitrag möchte ich in diesem Beitrag Wachstum und Entwicklungsmöglichkeiten menschlicher Verbundenheit skizzieren.

Die elementarste Form der Verbundenheit ist jene, in welcher jedes Mitglied einer Gruppe mit jedem anderen Mitglied dieser Gruppe verbunden ist, wie etwa in einer Familie.

Dieser Form der Verbundenheit ist die Anteilnahme, in welcher jedes Mitglied von jeder Beratung und jeder Tätigkeit betroffen ist und den anderen Mitgliedern natürlicherweise mit Rat und Tat zur Seite steht.

Eine solche Gruppe mag fortan damit beginnen, andere Gruppen gleicher Art zu erschließen, indem einzelne Mitglieder zu sämtlichen Mitgliedern einer solchen anderen Gruppe Beziehungen knüpfen, sei es als Kundschafter, Händler oder Eingeheiratete. Tun dies eine begrenzte Anzahl von Gruppen in vollständiger Gegenseitigkeit wie im vorigen Beitrag beschrieben, so ist die entsprechende Form der Verbundenheit die freie Erschließung.

Bei einer größeren Anzahl von Gruppen ist die vollständige Gegenseitigkeit der Erschließung hingegen wie im vorigen Beitrag gesehen unmöglich, und es wird also so gehen, daß die Erschließung von einem Zentrum aus in konzentrisch Stufen in die Peripherie hinein wächst. Diese Erschließung ist dann nicht mehr frei, sondern strukturiert.

Und mit dieser Struktur kommt es zu strukturtypischen Formen der Verbundenheit, nämlich der Steuerung und der Vermittlung.

In zentralen Gruppen ist es nämlich so, daß die Erschließungsinteressen der Peripherie dazu führen, daß die Mitglieder der zentralen Gruppen hauptsächlich damit beschäftigt sind, sich um die Anliegen der von ihnen erschlossenen Gruppen zu kümmern, also ihrer Nachbargruppen, wenn man so will.

Tun sie dies in gemeinsamer Abstimmung, so handelt es sich um die Steuerung dieser Anliegen, bündeln sie die Anliegen hingegen lediglich und reichen sie an die jeweilige Nachbargruppe weiter, welche von den Anliegen betroffen ist, so handelt es sich um die Vermittlung dieser Anliegen.

Eine Gemeinschaft sollte sich also folgendes fragen:
  1. zu welchem Grad sie Steuerung und zu welchem Grad sie Vermittlung möchte und
  2. ob sie den Gesteuerten und Vermittelten die Möglichkeit einräumen möchte, auf ihre Steuerung und Vermittlung Einfluß zu nehmen.
Letzteres ließe sich einfach dadurch bewerkstelligen, daß Erschließung immer paarweise gegenseitig ist, also wenn Gruppe A eine Verbindungsperson zu Gruppe B besitzt, welche mit allen Mitgliedern von Gruppe B verbunden ist, dann Gruppe B auch eine solche Verbindungsperson zu Gruppe A, und alle Verbindungspersonen zu einer bestimmten Gruppe sollten unter einander auch verbunden sein.

Wenn n wiederum die Anzahl der Menschen bezeichnet, mit welchen ein Mensch maximal umgehen kann, so kann eine Gruppe der gegenseitigen Anteilnahme bei dieser Struktur der Erschließung also nicht mehr als n/4 Mitglieder haben, da zu den Mitgliedern der eigenen Gruppe noch die Mitglieder der erschlossenen Gruppe kommen und die Gesamtheit aller Verbindungspersonen zu ihr und zur eigenen Gruppe, unter den gemachten Annahmen jeweils ebenfalls n/4 an der Zahl, mit lediglich zwei Überschneidungen.

Die Erschließung erschließt bei dieser Methode immerhin noch n/4-1 neue Gruppen von jeder peripheren Gruppe aus, und jede Gruppe hat einen Vertreter in der von ihr aus zum Zentrum hin liegenden Gruppe, welcher auf die Steuerung und Vermittlung ihrer Anliegen Einfluß nehmen kann.

Dies alles ganz ohne Annahmen die Substanz der Gruppen, also die Natur ihrer Anliegen, betreffend. Es handelt sich schlicht um die Analyse der logischen Folgen der Kontaktknüpfung.

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