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27. März 2017

Zeit, den Leitstern zu wechseln

Die letzte Zeit war etwas unruhig:
  1. Ich muß von nun an damit rechnen, jederzeit meine Eltern zu verlieren.
  2. Ich hatte einen Autounfall, keine Gefahr für Leib und Leben, aber viele Scherereien deswegen.
  3. Die politische Lage ist in Bewegung geraten, und die Möglichkeit zur ruhigen, ungestörten, gemütlichen Vorbereitung schwindet zusehends - nicht für mich selbst, sondern für meine potentiellen Leser.
  4. Ich mußte mich auch sonst mit einigen Beschönigungen, oder, wo nicht Beschönigungen, in jedem Falle doch Erleichterungen, Entlastungen auseinandersetzen, welche keine Verankerung in der Wirklichkeit besitzen.
Der dabei an den Tag gelegte Exhibitionismus ist eine Standardverfahrensweise von mir:
Wenn ich weiß, daß ich nicht verweilen kann,
brenne ich die Bleibe nieder, weil ich mich sonst nie entfernte.
Außerdem gibt es längerfristige Entwicklungen, welche schließlich zur Reife gekommen sind.

Mit 3 Jahren wählte ich, in einer Situation großer psychischer Not, die erlösende Liebe als meinen Leitstern und bekannte mich zu ihr. Dieses Bekenntnis ist unauflösbar, denn sonst wäre es keines. Aber dieses Bekenntnis bedeutet nur, daß ich nichts unterlassen werde, was die Erlösung verlangt.

Ich habe meinen Teil vollbracht. Nach meiner Spaltung von den Deterministen, als ich Gott bat, mich wenigstens zu töten, wenn er sonst nicht in den Lauf der Welt eingreifen wollte, und im Moment meiner finalen Anstrengung das Nichts zu erreichen (mit einer durch vorigen Blick auf den Wecker bedingten Genauigkeit von 10 Minuten) vor Indonesien die Erde bebte und die entstehende Flutwelle an die 270 000 Menschen tötete, begann ich, weiterhin dem Leitstern der erlösenden Liebe folgend, die Natur des Gebets oder der Transzendenz zu erforschen. Das Beben am Ostermontag mit seinen an die 8000 Opfern diente einzig diesen Forschungszwecken, denn schließlich hätte es beim ersten Mal ja auch nur ein Zufall sein können. Das dritte Mal, als mit einer halbschlafbedingten Genauigkeit von 30 Minuten Alexius II, Patriarch der russisch orthodoxen Kirche, verstarb, verfolgte ich hingegen keine Absichten, sondern befand mich wie gesagt im Halbschlaf. Als ich scließlich aufstand, ging ich gleich an den Rechner, um zu sehen, was geschehen war, und der estnische Postmann meldete, daß Alexius einem plötzlichen Fieber erlegen wäre, was ich freilich nicht glaube. Ich vermute stark, daß er an einem orthodoxen Gebetsmarathon teilnahm, dessen Kulmination mich im Halbschlaf erfaßte.

Seit dem Osterbeben bin ich von jenem Gebet abgestanden, da es keinen Zweck mehr erfüllt. Man kann sein Leben nur einmal geben. Daß mir Gott die Versicherung erlaubte, ist schon erstaunlich genug.

Ich habe mich seit dem 26.12.2004 als rechtlich tot betrachtet, als jemand, der, wenn er stirbt, nur den ausgemachten Preis bezahlt, dem Homo sacer nicht unverwandt, auch in dem Sinne, daß, wer immer Hand an mich legte, sich dem Anspruch Gottes beugen muß, aber gewisse praktische Kleinigkeiten wie Heirat und Familiengründung habe ich mir noch herausgenommen, da ich diesbezüglich durch ein Gelübde, welches ich im Alter von 3 Jahren bei meinem Bekenntnis zur erlösenden Liebe leistete, gebunden war.

Auch wenn ich dieses Gelübde, ein besserer Vater zu sein, bisher nicht vollumfänglich erfüllt habe, so kann es doch nicht zur weiteren Verschleppung der Dinge bemüht werden.

Ich habe einen Aufriß der transzendenten Akte gegeben, zu welchem Zweck ich sie wie gesagt, dem Leitstern der erlösenden Liebe folgend, halbwegs systematisch erprobt habe.

Aber diese Art zu beten ist gänzlich unnatürlich, und nur dadurch zu rechtfertigen, daß wir in einer Zeit leben, in welcher nichts über Gebete bekannt ist.

Die natürliche Art zu beten ist, dem Leiststern der göttlichen Aufgehobenheit zu folgen, denn nur dadurch lassen sich der Willkür geschuldete Katastrophen wie der Tsunami 2004 vermeiden, was freilich nicht heißt, daß dieses Ereignis nicht doch seinen Sinn gehabt hätte, nämlich die Blasphemie George W. Bush's der ganzen Welt zu offenbaren, welcher das Menschenopfer von New York bemühte, um die Welt in die Dunkelheit zu stoßen, doch allzu schwer einzusehen ist es nicht, daß derartige Ereignisse unmöglich einen Sinn haben können, wenn Milliarden von Menschen versuchen, sie aus Neugier heraufzubeschwören.

Deshalb also müssen sie sich zur göttlichen Aufgehobenheit bekennen, dazu, ihren Platz in Gottes Schoß zu suchen. Das kann ich nicht, denn ich habe mich schon bekannt, aber, wie gesagt, es steht mir frei, auch ohne Bekenntnis diesem Leitstern zu folgen, und, wie gesagt, das muß ich nun auch tun.

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