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Zur Front

17. Juni 2018

Zur Fußball-WM in Rußland

Wenn Sie wissen wollen, was gerade in Rußland abgeht, in puncto Stimmung und so, sollten Sie bei Instagram vorbeischauen: https://www.instagram.com/explore/tags/fifafanfest/.

Es ist schon lächerlich, ich habe gestern ungefähr vier Stunden gebraucht, um die üblichen Bilder von Fans mit Landesfarben im Gesicht und Flaggen zu finden. Die Bilder sind da, aber Google leitet einen nicht hin. Ehrlich gesagt wird mir zunehmend mulmig, wenn ich daran denke, zu was genau sich Google entwickelt. (Einen Eindruck davon, was es stattdessen sein könnte, gewinnen Sie hier.)

Nun denn, wie minimal auch immer sich die Medien als Katalysator daran beteiligen werden, die angereisten Fans sind jedenfalls vor Ort und erleben die Atmosphäre dort rund um Johanni, die weißen Nächte, den wasserfarbenen Himmel, die spielzeughafte Traditionslosigkeit der Städte, die Weite der Wolga.

Es findet etwas Unerhörtes statt: Der finanzgetränkte Circus Maximus tropft mit seiner dionysischen Schar auf unbestellten Boden, und was ich Würde nannte, wird Zehntausenden aus aller Welt offenbar, wir erleben das große Pfingsten der Offenbarung der geistigen Segnung der Armen, daß der Herr die voll macht, welche sich, weil sie nichts in der Welt zu erhaschen hoffen, auf ihre grundsätzliche Lage als Menschen besinnen.

Nicht, daß es keine Russen gäbe, welche etwas zu erhaschen hofften, aber es gibt genug, welche es nicht tun, und in jedem Falle gerät der Hunger der dionysischen Schar selbst für ein paar Wochen aus dem Takt, und die Seele öffnet sich and'rer Nahrung.

Es ist ja dem Unterhaltungssüchtigen das Unbegreiflichste, daß er überhaupt keine Unterhaltung braucht. Wer weiß, wer am Ende meine Prioritäten teilt:
  1. denken,
  2. lesen,
  3. anschau'n und -hören.

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