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8. Juli 2017

Welt und Herz

Es gehört zu den Eigenheiten der menschlichen Existenz, daß nicht hauptsächlich die Umstände, sondern in erster Linie das Herz darüber bestimmt, ob wir etwas finden, wofür wir leben wollen: Ist es voll, so verschenkt es sich auch an Kleinigkeiten, und ist es leer, so hat es auch für das Größte nicht mehr als eine mürbe Fürbitte übrig.

In der Flut des Seichten ist es das Werte, was uns Kurs halten läßt, und im Druck auf die innere Höhle ist es die Demut, mit welcher wir die Empfindung der Welt unterordnen, denn auf diese Weise bleiben Geist und Welt versöhnt, die Welt bekräftigt des Geistes Vorzug und der Geist der Welt Zugrundgelegtheit, es ist das Spiel des Potentiellen mit dem Aktuellen.

Indes, die Stunde, in welcher das Aktuelle allen Glanz verliert, ist nicht bloß zum ertragen da, sondern gibt uns auch die Gelegenheit, das Taugliche mit neuen Augen zu entdecken, und sei es nur, um uns dazu zu bringen, die vor uns liegenden Fäden aufzunehmen und mit neuem Mute zu verspinnen, denn wie sonst kehrte unser aufstrebendes Gemüt zu den ersten Dingen zurück?

Ich habe diese Stunde mit dem gestrigen Tag hinter mich gebracht, leidend, versucht, aber nicht erschüttert, als Teil meines Ringens um Aufrichtigkeit im Angesicht der nahenden Prüfung der Herzen, und aufrichtig fand ich, daß jene, welche auf die eigenen Belange beschränkt scheinen, noch nicht verloren sind und unter den richtigen Bedingungen gesellschaftlich ausschlagen mögen. Es ist etwas Reines in ihnen, dessen Verderbung die Politik so schmutzig macht.

Und was die andern in Saus und Braus angeht:
Niemand, der jemandem nach dem Mund tut oder redet, ist frei oder er selbst.

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