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10. Oktober 2026

Mögliche Gründe anscheinender Lagebewältigungsunfähigkeit

Nur allzu oft scheint es mir so, daß ich in einer Zeit mangelnder Arrangierungtechniken, gewitzter Fazite und mangelnden Begrenztheitswissens lebe, und dafür gibt es nach dem vorigen vier mögliche Gründe:
  1. Scheu (der Scham nahe verwandter Modus der Angst): die Leute wagen sich nicht, öffentlich Fehler zu benennen,
  2. Verlust der exemplarischen Bestürztheiten (Spiele, Gerangel und Vorschriften),
  3. Ausbreitung des philosophischen geistigen Horizonts und
  4. LSD, wobei ich nach erneuter Sichtung von Hendrickson's Film vor allem einen Mangel an Begrenztheitswissen sehe und eine Erosion der Arrangierungstechniken, was das gewitzte Fazit angeht, so ist es zwar vorhanden, aber zynisch, das heißt den (subjektiven) Glauben und das Gewissen verspottend, einzig auf eine ekstasenorientierte Vorliebe ausgerichtet, also darauf, die Voraussetzungen für die größtmögliche Beeindruckung zu schaffen, wobei ich die Sinatra-Metapher für das wahre Kreuz zugegebenermaßen sehr witzig fand, allerdings nur so lange, bis ich mir eingestehen mußte, daß diese Leute es tatsächlich tun würden.
Es mag schon sein, daß die exemplarischen Bestürztheiten in der heutigen Welt an Bedeutsamkeit eingebüßt haben, und daß dies zu primitiveren Arrangierungstechniken, Faziten und primitiverem Begrenztheitswissen geführt hat, also zu
  • bloßem Anfragen,
  • schulterzuckender Resignation und
  • Zurückhaltung,
doch ist das zu klischeehaft, als daß ich es glauben mag. Andererseits würde die Ausbreitung des philosophischen geistigen Horizonts zwangsläufig zu wenigstens lokal ordentlicheren Lebensverhältnissen führen, welche die exemplarischen Bestürztheiten bedeutungsloser machten, was uns allerdings auch allen seit jeher bewußt ist, weshalb wir mit unseren Kindern auf Reisen in die Vergangenheit gehen.

Wie dem auch sei: Der philosophische geistige Horizont bildet die Voraussetzung für die im Zeitalter der Wunder anstehende gemeinschaftliche Entwicklung der Erfassungsweise, und wenn die Atrophie des Instinkts sonst auch erschreckt, ganz abgesehen von den erschreckenden Verirrungen des philosophischen Horizonts im Bereich des Woken und den Auswüchsen des LSD-Konsums, einzig die Scheu erschreckt hier nicht, besteht in jener grundlegenden platonisch dialektischen Funktion des philosophischen Horizonts doch der Ausweg aus diesem Schreckenstal.

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