Bereitschaftsbeitrag

Zur Front

27. Dezember 2007

Vorläufiger Entwurf der künftigen Gesellschaftsform

Soviel Galle habe ich nicht, als daß ich mich noch weiter über die Gegenwart verbreiten wollte, und an dieser Stelle ist es wohl auch angemessen anzudeuten, welchen Zwecken ich die mir angelegene vergrößerte individuelle Befähigung zuzuführen gedenke.

Daß sie letztlich den Menschen dazu dienen werde, sich gegenseitig bereit zu stehen, habe ich ja schon gesagt. Um sich nun im wahren Sinne bereit zu stehen, muß diese Bereitschaft freiwillig sein. Jeder Mensch muß also über die notwendigen natürlichen Ressourcen verfügen, um sein Leben aus eigener Kraft zu erhalten, wobei die Anzahl Hektar Land, in denen sich diese Forderung ausdrückt, von den örtlichen Gegebenheiten abhängt. Die Gesellschaft hat allerdings auch ein Recht darauf, gewisse Dienste von ihren Mitgliedern einzufordern, um sie ihnen im Gegenzug zuzusichern. Diese Dienste betreffen das kulturell notwendige, ohne welches die Kultur also nicht fortbestehen kann. Das höchste Ziel der hier beschriebenen Kultur ist aber die Freiheit ihrer in gegenseitiger Bereitschaft verbundenen Mitglieder, und andere Belange sind diesem Ziel unterzuordnen, wo es die Möglichkeit erlaubt und die Verhältnismäßigkeit ratsam erscheinen läßt.

Damit Menschen sich überhaupt produktiv bereit stehen können, müssen ihnen Produktionsanlagen offen stehen, wobei es eine Frage der Verhältnismäßigkeit ist, ob dies durch die Bereitstellung von Privateigentum geschehe oder durch eine gesellschaftlich gelenkte Unterhaltung von Produktionsanlagen. Das Kriterium, welches diese Frage entscheidet, ist, ob es in eines Menschen Kraft liege, eine Produktionsanlage zu errichten, welches natürlich nicht im einzelnen Falle bewiesen werden sollte, sondern großzügig nach oben abgeschätzt. Größere Produktionsanlagen müssen also von der Gesellschaft errichtet und in stand gehalten werden, was es einerseits notwendig macht, den Bedarf an solchen Anlagen zu ermitteln und andererseits Arbeitskräfte zu diesem Zweck zu rekrutieren.

Offensichtlich gibt es hier also zwei Arten von Arbeit, freiwillige und notwendige. Freiwillige Arbeit, in sofern sie Güter produziert, ist natürlich nicht notwendigerweise brotlos, sondern kann auf dem Markt durchaus ein Gehalt erwirtschaften, welches ihr Erbringer auch dazu verwenden dürfen wird, sich auf dem Markt von notwendiger Arbeit freizukaufen, wobei zumeist gewisse Regulierungen des Marktes, welche sich an Regeln des allgemeinen Anstandes orientieren, sinnvoll sind, und sei es nur, um Bürgerkriege zu verhindern.

Es ist nicht schwer einzusehen, daß eine so geregelte Wirtschaft für alle Gesellschaftsmitglieder sehr segensreich sein wird, wenn sie nur fähig gelenkt und fähig getragen wird. Sie fähig zu lenken wird, wenn es nur fähige Träger gibt, denen man genügend große Verantwortung überlassen kann, keine große Schwierigkeit mehr darstellen, sie fähig zu tragen beinhaltet aber insbesondere, daß jeder weiß, wieviel Zeit er braucht, um sich für eine Arbeit zu qualifizieren und diese Qualifizierung auch garantieren kann und dem gemäß auf dem Markt entsprechende Verträge aushandelt, bzw. entsprechende Entscheidungen trifft, auf welche Weise er anderen bereit stehen möchte. Generell sollte der Leitgedanke jeglicher Produktion Modularität sein, es sollten also viele Ausgangsprodukte im Umlauf sein, aus und mit denen man vor Ort angepaßte Produkte fertigen kann. Jeder muß, neben seiner Fähigkeit sich selbst auszubilden, in der Lage sein eine Reihe von praktisch relevanten Arbeiten selbst auszuführen. Auf diese Weise wird die Wirtschaft von unnötiger Produktion entlastet und die Freiheit geschaffen, anderen bereit zu stehen, um welche es ja bei dieser ganzen Veranstaltung erklärtermaßen geht.

Eine solche Gesellschaft ist möglich, ihr Freiheitsbegriff unterscheidet sich aber deutlich von dem heutiger Gesellschaften und setzt wie jeder solche Menschen voraus, welche auf diese Weise leben und frei sein wollen. Toleranz gibt es in dieser Angelegenheit nur in dem Sinne, daß Gesellschaften friedlich koexistieren, welches durchaus auch der natürliche Zustand ist, und natürlich liegt eine solche Offenheit gerade im Interesse schwächerer, und damit junger Gruppen. Betrüblicherweise besteht heutzutage allerdings ein weit verbreiteter Irrtum darin anzunehmen, daß es verbindliche Gesetze gebe, welche alle Gesellschaften teilten, und welche also die Grundlage aller Toleranz darstellten, wohingegen es die Grundlage aller Toleranz ist, andere leben zu lassen, wenn sie einen nur leben lassen, also ausdrücklich nicht etwa nur dann, wenn sie sich an jene moralischen Regeln halten, welche die jeweils eigene Kultur begründen, und freilich ist dieser Irrtum groß genug, um über ihm zu den Waffen zu greifen.

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