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19. April 2017

Ahnungsüberlassung

Transzendenz besteht nicht nur aus transzendenten Akten, sondern auch aus Inspiration, wie ich sie mehr oder weniger vollständig in den Spirituellen Warnungen beschrieben habe.

Ich sage mehr oder weniger, weil sich zwar jede Form der Inspiration unter einen der dortigen Punkte bringen läßt, aber das Gesamtbild doch einen anderen Charakter hat, als das dort vorgestellte.

Im übrigen ist dies nicht die einzig mögliche Klassifikation der Inspiration, in den Beiträgen Von den beurteilenden Gefühlen und Gegenstände und Projektionen des Vertrauens stelle ich eine technisch gesehen relevantere Weise vor.

Hier nun möchte ich mit einem ganz speziellen Fall befassen, nämlich Ahnungen verhängnisvoller und warnender Art, welche sich in Gunst und Ungunst ausdrücken, denn dieser Fall ist praktisch gesehen von großer Bedeutung.

Halten wir zunächst einmal fest, daß wir uns nicht beliebigen Ahnungen überlassen können, sondern nur solchen, welche im engeren Sinne gegenwartsabhängig sind, welche sich also mit dem Verstreichen der Zeit augenblicklich ändern, denn das bedeutet eben, daß wir uns auf Gunst und Ungunst bschränken können, da Erwartung, Glück, Wertschätzung, Liebe und Stolz, aber auch Eifer und Sicherheit, alle von einer gedankengebundenen, einmaligen Art sind.

Gunst und Ungunst aber begleiten unser Wachen, wenn wir es nur richtig anstellen. Das heißt: Um uns unseren Ahnungen zu überlassen, müssen wir fortwährend Alternativen formulieren können, welche wir dann entweder, je nach Ahnung, ergreifen oder verwerfen. Die Tätigkeit muß also eine gewisse Gleichförmigkeit aufweisen, mit Gegenständen gleicher Art auf gleiche Weise umgehen, nach einander, wiederholt, und sie muß offen sein gegenüber der im genaueren gewählten Umgangsweise.

Beispiele.
  1. Die Befragung des I Ching's. Die Münzen werden fortgesetzt in den Händen gedreht, bis schließlich die Alternative ergriffen wird nachzusehen, welche Seiten sie zeigen.
  2. Die Komposition einer Melodie. Stück für Stück wird jeweils die Möglichkeit der weiteren Entfaltung der Melodie ergriffen, welche am günstigen scheint.
  3. Das Warten auf den richtigen Moment. Analog zur Befragung des I Ching's.
  4. Die Wahl des nächsten Zugs in einem Glücksspiel.
  5. Seine Schritte lenken zu lassen.
Den letzten Punkt möchte und muß ich genauer besprechen. Der Witz hierbei ist, daß wir uns nicht bei einer vergleichbar genau bestimmten Aktivität befinden, wie in den anderen Fällen. Und das heißt, daß wir uns die Gegenstände, welche wir zur Formulierung der Alternativen heranziehen, zunächst einmal schaffen müssen, was, meiner Erfahrung nach, darauf hinausläuft, es zuzulassen, die Welt auf recht merkwürdige Weise aufzuteilen und in Beziehung zu setzen, mit anderen Worten sich also für Eindrücken entsprungene Gleichnisse oder Modelle zu öffnen, deren Elemente nach auf sie bezüglichen Handlungen unter diesem Blickwinkel zu beurteilen sind.

Ein Beispiel dafür ist etwa dadurch gegeben, sich zu verstecken und sich dabei von der erahnten Sichtweise des Suchenden leiten zu lassen.

Im buchstäblichen Sinne, auf einer Wanderung, kann man seine Schritte selbstverständlich einfacher vor jeder Gabelung lenken lassen, aber der Witz ist eben, daß die Gabelungen durch weit flexiblere Entscheidungssituationen ersetzt werden können, mit anderen Worten, daß die Verzweigungspunkte nicht nur vom Weg abhängen können und selbst inspiriert sind.

Freilich, man sollte es nicht dahinkommen lassen, daß man die Paranoia um der Paranoia Willen sucht - das wäre zuviel des Eskapismusses - ein bestimmbares Ziel sollte man schon haben, und sei es, daß man es erst während der Überlassung findet.

Übrigens geschieht auch das Verfassen eines Beitrags hier auf diesem Blog oftmals auf die nämliche Weise.

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