Abstrakte und reduzierte Gemeinschaftsstrategien
Ich hatte Gemeinschaftsstrategien bisher auf nationaler Ebene betrachtet. Bis ich 16 Jahre alt war, bestand dort für mich kein Zwiespalt zwischen statischen und dynamischen: Statisch galt es, die heimischen Lebensumstände uneigennützig zu verbessern, und dynamisch, die dazu nötigen Schritte zu unternehmen.
Dieses Bild verfinsterte sich mit 17, als ich zunehmend mit Leuten zu tun hatte, welche auf dem Standpunkt standen, daß charakterliche Fehler für das Ganze nützlicher seien als Tugenden, sozusagen Thomas Hobbes im Umkehrschluß:
Andererseits, nichts davon gefiel mir: Auch wenn wir keine Monarchie mehr sind, warum nicht die Staatstreue durch Postboten und Bahnschaffner fördern? Dafür gibt es gute Gründe, welche zu keinen schlimmeren Lastern als Behäbigkeit greifen. Doch hier stehen unsere Sadismusapologeten und wünschen Schröder die Pest an den Hals. Wehe, sie bekommen, was sie sich wünschen.
Andere hatten mich auch etwas genervt, und schon seit ich zehn war, Snobs, welche nur abstrakt an eine dynamische Gemeinschaftsstrategie glauben, in dem Sinne, daß es schon eine Gemeinschaft geben wird, welche ihre professionalen Fähigkeiten zu schätzen weiß. Aggressiv vorgetragen ist mir diese Haltung eher unsympathisch, aber hassen tue ich sie nicht, und unter Umständen könnte ich sie mir auch zu eigen machen, wiewohl ich es bisher nicht getan habe.
Der Grund, warum ich damit keine Probleme habe, ist, daß es nur den Einzelnen betrifft, welcher dazu auch nicht das Prinzip der Gemeinschaft an sich in Frage stellt. Das hat Schröder aber getan, wiewohl ohne sich dessen so recht bewußt zu sein. Was hier greift ist folgendes:
Zufällig verhält es sich damit aber nicht: Grundsätzlich wird die Mittelklasse im Interesse der Großkonzerne aufgerieben, weil die Abwicklung ihres Vermögens revolutionäre Zustände hinauszögert, jedoch erlauben primitivere Lebensverhältnisse in anderen Ländern es, einen Teil der Lasten auf sie abzuwälzen, da sie höhere revolutionäre Standards haben, sei es weil sie Armut gewöhnt sind oder es ihnen leichter fällt, ein Auskommen zu finden, oder ihre Gemeinschaft stärker ist. Freilich, je unwahrscheinlicher die Revolution, desto wahrscheinlicher der organisierte Widerstand (siehe Rußlands Niederlage im Ersten Weltkrieg)..
Unternehmen sollten keine Imperien sein, Nationen sollten ihre eigenen Industrien mit ihren eigenen Produkten haben, und internationale Qualitäts- und Modernitätsvariationen sollten völlig normal sein. Die Welt, welche wir uns angelacht haben, ist völlig pervers, notwendig menschenverachtend und von absurden innenpolitischen Frontverläufen geprägt. Dieser Mist führt nirgendwo hin. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, erscheint mir meine Utopie vergleichsweise alltäglich.
Dieses Bild verfinsterte sich mit 17, als ich zunehmend mit Leuten zu tun hatte, welche auf dem Standpunkt standen, daß charakterliche Fehler für das Ganze nützlicher seien als Tugenden, sozusagen Thomas Hobbes im Umkehrschluß:
Wenn die Leute bereit sind, jeden Gesellschaftsvertrag zu unterschreiben, in welchem ihr Nachbar genauso schlecht wie sie behandelt wird, was werden sie dann erst dafür geben, besser als er behandelt zu werden?Meine Genervtheit nahm zu, aber politisch änderte sich erstmal nichts. Was dann geschah, ist schon irgendwo ironisch: Ich hatte 1998, glaube ich, nicht gewählt, dachte aber, daß Schröder gewinnen würde und sein Sieg amüsierte mich, weil dieselben Leute, welche mich die letzten sieben Jahren genervt hatten, ihn haßten. Doch warum eigentlich? Abbau des Beamtentums, Privatisierungen, Kürzungen des Arbeitslosengeldes, staatliche Subventionen für geringe Wertschöpfung im internationalen Wettbewerb mit Niedriglohnländern - was hatten sie bloß gegen den Genossen der Bosse?
Andererseits, nichts davon gefiel mir: Auch wenn wir keine Monarchie mehr sind, warum nicht die Staatstreue durch Postboten und Bahnschaffner fördern? Dafür gibt es gute Gründe, welche zu keinen schlimmeren Lastern als Behäbigkeit greifen. Doch hier stehen unsere Sadismusapologeten und wünschen Schröder die Pest an den Hals. Wehe, sie bekommen, was sie sich wünschen.
Andere hatten mich auch etwas genervt, und schon seit ich zehn war, Snobs, welche nur abstrakt an eine dynamische Gemeinschaftsstrategie glauben, in dem Sinne, daß es schon eine Gemeinschaft geben wird, welche ihre professionalen Fähigkeiten zu schätzen weiß. Aggressiv vorgetragen ist mir diese Haltung eher unsympathisch, aber hassen tue ich sie nicht, und unter Umständen könnte ich sie mir auch zu eigen machen, wiewohl ich es bisher nicht getan habe.
Der Grund, warum ich damit keine Probleme habe, ist, daß es nur den Einzelnen betrifft, welcher dazu auch nicht das Prinzip der Gemeinschaft an sich in Frage stellt. Das hat Schröder aber getan, wiewohl ohne sich dessen so recht bewußt zu sein. Was hier greift ist folgendes:
Opportunisten führt die Gelegenheit nur einmal im Weltenlauf zusammen.Schröder meinte, einigen Gemeinschaftsmitgliedern gemeinschaftlich verbunden unter die Arme zu greifen, was er hingegen tatsächlich tat, war, die Gemeinschaft in mehrere reduzierte Gemeinschaften zu zerstückeln:
- Unternehmen, für den Weltmarkt fit gemacht, betrachteten sich fortan selbst als Gemeinschaften und verfolgten ihre eigenen imperialen Strategien und
- der sie besteuernde und Härten abmildernde Staat wurde zur Gemeinschaft der Weltverbesserer.
Zufällig verhält es sich damit aber nicht: Grundsätzlich wird die Mittelklasse im Interesse der Großkonzerne aufgerieben, weil die Abwicklung ihres Vermögens revolutionäre Zustände hinauszögert, jedoch erlauben primitivere Lebensverhältnisse in anderen Ländern es, einen Teil der Lasten auf sie abzuwälzen, da sie höhere revolutionäre Standards haben, sei es weil sie Armut gewöhnt sind oder es ihnen leichter fällt, ein Auskommen zu finden, oder ihre Gemeinschaft stärker ist. Freilich, je unwahrscheinlicher die Revolution, desto wahrscheinlicher der organisierte Widerstand (siehe Rußlands Niederlage im Ersten Weltkrieg)..
Unternehmen sollten keine Imperien sein, Nationen sollten ihre eigenen Industrien mit ihren eigenen Produkten haben, und internationale Qualitäts- und Modernitätsvariationen sollten völlig normal sein. Die Welt, welche wir uns angelacht haben, ist völlig pervers, notwendig menschenverachtend und von absurden innenpolitischen Frontverläufen geprägt. Dieser Mist führt nirgendwo hin. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, erscheint mir meine Utopie vergleichsweise alltäglich.
Labels: 42, formalisierung, geschichte, gesellschaftsentwurf, gesellschaftskritik, gesetze, institutionen, wahrnehmungen, zeitgeschichte, ἰδέα, φιλοσοφία