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20. März 2026

Zur Bedeutung eines konfessionellen Kanons für den Glauben des Volkes

Zwischen dem Glauben der Regierung und jenem des Volkes besteht ein Verhältnis, welches zwischen drei Polen angesiedelt ist, welche sich aus folgender Dialektik ergeben.

Entweder das Volk identifiziert sich mit dem Handeln der Regierung oder nicht. Im letzteren Fall hat es seinen eigenen Glauben, in welchem die Regierung lediglich einen Faktor darstellt. Wenn es sich mit ihrem Handeln identifiziert, so entweder explizit oder implizit, wobei ersteres einen Handlungskanon, eine allgemeine (schriftlich) fixierte Haltung, voraussetzt, welche Regierung und Volk bekennen. Im Falle der expliziten Identifikation handelt es sich bei der Regierung um Funktionäre, im Falle der impliziten um Führer.

Praktisch treten stets Mischformen auf, wobei der Grad, zu welchem eine Regierung lediglich als ein Faktor angesehen wird, nicht weiter interessant ist, jener des Ermessensspielraums von Funktionären hingegen sehr, denn was Männer in den Augen des Volkes groß, oder genauer gesagt interessant macht, ist die Unnachvollziehbarkeit ihres Handelns, welche dazu führt, daß seine Neugierde seine Verbundenheit zum Heiligen ersetzt und die Gunst das Gelübde, auf Gott zu vertrauen, und es beginnt, auf sie zu wetten.

Dies wird bisweilen als Vergötterung bezeichnet, treffender wäre allerdings Windschattenglauben, da das Volk praktisch den persönlichen Glauben des Führers oder der Führer übernimmt, und wo immer dies geschieht, werden die persönlichen Dramen des Führers oder der Führer zu jenen des Volkes, beispielsweise Napoléons zu jenen der Franzosen und Hitlers zu jenen der Deutschen (und zweifellos Nick Fuentes' zu jenen der Amerikaner, sollte es je dazu kommen, wonach es aber nicht aussieht).

Es heißt in der Offenbarung, 17:12-13,
Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind zehn Könige, die das Reich noch nicht empfangen haben; aber wie Könige werden sie eine Zeit Macht empfangen mit dem Tier. Die haben eine Meinung und werden ihre Kraft und Macht geben dem Tier.
und ich frage mich schon seit längerem, wie das von Statten gehen soll: Kann es sich um eine internationale Bewegung handeln, welche auf der Basis eines Manifests durch eine koordinierte Revolution an die Macht kommt? Theoretisch schon, aber danach sieht es nicht aus. Kann es sich um einen Putsch handeln, welcher weitgehend an den Menschen vorbei geht? Das wäre wünschenswert, und es scheint mir auch wahrscheinlicher als die erste Variante, aber einstweilen immernoch unwahrscheinlich. Kann es sich um die reguläre Einsetzung von Funktionären (Ministern) handeln? Nein, das dürfte ausgeschlossen sein, alleine schon wegen der international unterschiedlichen Wahltermine. Was also bleibt, ist die graduelle Ausdehnung des Ermessensspielraums unter dem Einfluß eines weltbewegenden Ereignisses, welche aus Funktionären Führer macht.

Wie gesagt, ich halte die gegenwärtige Situation für retardierend, da sie dazu angetan ist, Häresien und Fehlentwicklungen als solche zu brandmarken. Aber zugleich möchte ich nicht verschweigen, wie weit diese schon gediehen sind.

Doug Wilson ist eine ironische Figur, insofern er das Christentum durch die Autorität der mosaischen Gesetze zu festigen sucht: Faktisch erzeugt er dadurch eine Einstellung, welche da lautet: Ich kann machen, was ich will, da die mosaischen Gesetze von niemandem eingehalten werden (Kinder, welche sich weigern, ihr Zimmer aufzuräumen, müssen von der örtlichen Gemeinde gesteinigt werden. Städte in Israel, welche nicht alle mosaischen Gesetze durchsetzen, müssen bekämpft und ihre Einwohner getötet werden.) und die Bindung durch Christi Vorbild durch diese selektive Berufungspraxis relativiert wird. (Als ob Rechtsverdreher eine sicherere zivilisatorische Grundlage bildeten als der Neue Testament.)

Ich finde es auch ironisch, daß sich dieser Ansatz am Umgang mit der Homosexualität entzündet: Daß Moses dieselbe verboten hat, muß man als Beleg für Moses' Weisheit werten, denn es läßt sich leicht zeigen, daß Homosexuelle in Kirchen und in der Politik geächtet werden müssen, um Seilschaften, welche nicht der Sache dienen, vorzubeugen, und heutzutage gleichfalls an Universitäten, wiewohl nicht mit derselben Dringlichkeit, da alle diese Institutionen hauptsächlich von Männern getragen werden: Wie kann man den gemischt geschlechtlichen Unterricht ablehnen, da er die Schüler vom Lernen abhält, aber Homosexuelle in staatstragenden Institutionen zulassen? Gut, so lange sie die öffentliche Moral nicht durch ihren Hedonismus untergraben, kann man die Sache ignorieren, aber gleich wie es aus naheliegenden Gründen keine Gefängnisstrafen im mosaischen Recht gibt (Nomadentum und Gefängnisstrafen vertragen sich nicht), konnte Moses auch schlecht zwischen Privat- und Beamtenrecht unterscheiden (wenn man einmal von den seinen Bruder Aaron und dessen Nachkommen betreffenden Vorschriften absieht, aber es hätte ja auch nicht gereicht, ihnen die Homosexualität zu verbieten).

Nein, auf Doug Wilson zu bauen, heißt offensichtlich auf Sand zu bauen, wer Häresien sucht, wird viele finden, aber wer sich aufgrund der Schwächen seiner Gegner überlegen fühlt, obwohl er ihren Stärken nicht gewachsen ist, ist dem Wesen nach ein Giftzwerg und wird mehr Unheil stiften, als das Wohl der Menschheit zu befördern.

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