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10. März 2026

Strukturelle Voraussetzungen von Erlebnis- und Repräsentationskulturen

Der vorige Beitrag vergegenwärtigte mir, daß ich die von der katholischen Kirche im Jahre 800 A.D. getroffenen Entscheidungen noch nicht hinreichend verstanden hatte.

Damit eine kulturelle Herrschaft durch die Vorgabe einer Bildung herrschen kann, muß sie dazu natürlich in der Lage sein, das heißt
  • eine Willensherrschaft muß über Macht verfügen,
  • eine Erlebnisherrschaft über Zugang und
  • eine Repräsentationsherrschaft über Wissen
oder anders gesagt
  • eine Willensherrschaft muß bei Interessengegensätzen verbindlich vermitteln können,
  • eine Erlebnisherrschaft Gelegenheiten erschließen können und
  • eine Repräsentationsherrschaft Lösungen aufzeigen können.
Die strukturellen Voraussetzungen für die Willenskultur sind also trivial, nämlich daß die Regierung über die militärische Hoheit verfügt, wie von Mao ganz richtig festgehalten, und die übrigen beiden Kulturen lassen sich in gewissem Sinne als Erweiterungen der Willenskultur verstehen, indem
  • die Erlebniskultur die Entwicklung vorgibt, in welcher sich vorhandene Interessen umsetzen lassen, und
  • die Repräsentationskultur die Haltung, aus welcher eine solche Entwicklung entspringt,
was uns erlaubt, jeweils zwei Fälle zu unterscheiden, nämlich ob die Regierten die ihnen nützende Bildung unabhängig oder abhängig übernehmen.

Damit sie sie von einer Erlebnisherrschaft unabhängig übernehmen, muß deren Erschließung günstig für sie sein, und damit sie es abhängig tun, muß sie ihnen unmöglich sein. Erlebniskulturen tun also gut daran, ihren Regierten günstige Bedingungen zu erschließen und sich exklusive Fähigkeiten zu bewahren.

Und was nun die Repräsentationsherrschaft angeht: Unabhängig die aufgezeigte Haltung übernehmen tun nur Regierte, welche eine Ahnung ihres Loses haben, wofern sie ein gutes Los ahnen. Abhängig tun sie es hingegen nur, wenn ihr Los sie andernfalls eines besseren belehrt und sie, wie man recht treffend sagt, zu Kreuze kriechen.

Der Adelsstand ist, wie bereits im vorigen Beitrag halb erkannt, ein Schmiermittel, um das zu Kreuze Kriechen weniger blutig zu gestalten: Indem Adelige ständig um Titel konkurrieren, kann sie die katholische Kirche gegen einander ausspielen, und auf diese Weise sicherstellen, daß es Adeligen, welche schlechte Christen sind, auch schlecht ergeht, wobei die Vorrechte des Standes gegenüber dem gemeinen Volk (feudal und Vieh gehen etymologisch auf dieselbe Wurzel zurück), es also wie Vieh (mit christlichen Seelen) behandeln zu können, es als Preis ihrer Streitigkeiten aus denselben heraushalten.

Wie es 800 A.D. völlig unmöglich gewesen sein mag, das Christentum auf andere Weise in Europa zu verbreiten, ist es heute unmöglich, ihm so weitere Geltung zu verschaffen, da das gemeine Volk als Vieh ähnlich hoch im Kurs steht wie Feuerholz zur Energiegewinnung, mit anderen Worten eher als Gefahr und Beschwer betrachtet wird, denn als Ressource.

Bleibt nur die ehrliche Anerkennung der staatlichen Haltung wie von mir propagiert, wenn es sich um eine Repräsentationskultur handeln soll.

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