Bereitschaftsbeitrag

Zur Front

5. Mai 2026

Die Militäreinsätze der kulturellen Herrschaften

Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, meinte Clausewitz, und ein Korollar dessen ist, daß unterschiedliche Herrschaftsformen auch unterschiedliche Kriege führen, von welchen im übrigen nur einer die Bezeichnung Krieg verdient.

Wenn kulturelle Herrschaften aus subkulturellen Aktivismen erwachsen, so liegt die Vermutung nahe, daß es sich bei den Militäreinsätzen der kulturellen Herrschaften um die gewaltsame Variante dieser Aktivismen handelt, und in der Tat ist es so, daß
  • Erlebniskulturen zu Militäroperationen greifen, um Anreize zu schaffen,
  • Repräsentationskulturen zu Kriegen, um eine neue Ordnung zu etablieren, und
  • Willenskulturen zu Revolutionen, um die Macht zu ergreifen,
vergleiche auch die öffnend-verschließenden Glaubensverhandlungen, wobei Willenskulturen andere Kulturen dabei nur dann angreifen werden, wenn sie einen unterdrückten Verbündeten in letzteren haben, Repräsentationskulturen bei hinreichendem Ordnungsanspruch und Erlebniskulturen, wann immer es sich lohnt.

Daß der Ordnungsanspruch in Europa hinreichend hoch ist, hat, wie ich sagte, historische Gründe, namentlich daß die katholische Kirche die europäischen Völker dazu erzogen hat, siehe auch Lukas 12:51-53.

Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Europäer ihre nationalen Ordnungen an einander angeglichen und dadurch die sie motivierenden Kriegsgründe vermindert. Gleichzeitig haben sich die Gründe, welche die Militäroperationen der Vereinigten Staaten motivieren, beständig vermehrt, wobei Westeuropa infolge des gewonnenen Kalten Krieges davon profitieren konnte, indem es zum Vermittler des Zugangs zur kapitalistischen Welt wurde.

Wenn auch nicht mit militärischen Mitteln, setzt Europa bei alledem seinen Ordnungsanspruch aggressiv um, und steht nun vor der Frage, wie es mit amerikanischen Militäroperationen, welche Europas Attraktivität als Wirtschaftsstandort schmälern, einerseits und konkurrierenden russischen Ordnungsansprüchen andererseits umgehen sollte.

Meiner Meinung nach darf eine Repräsentationskultur dabei nie das moralische Recht überschreiten, denn ohne es kann ihre Ordnung nicht bestehen, und das beinhaltet insbesondere, Völker nicht gegen ihren Willen in Kriege zu pressen. Das sei an dieser Stelle wiederholt, mehr möchte ich hier indes nicht wiederholen.

Stattdessen möchte ich noch einmal auf die Vereinten Nationen zu sprechen kommen. Formal handelt es sich bei ihnen ja um einen rechtlichen Rahmen, welcher also dem Interesse von Repräsentationskulturen dienen sollte, indem sie ihre Ordnungsansprüche in ihm verwirklichen können. Andererseits wies ich bereits darauf hin, daß die Durchsetzung des internationalen Rechts durch das Militär der Vereinigten Staaten willenskulturelle Züge trägt, und an dieser Stelle möchte ich folgende, nicht sonderlich originelle Theorie vorstellen, welche dies erklärt: Der rechtliche Rahmen der Vereinten Nationen wird in seiner Unverbindlichkeit natürlicherweise von den Vereinigten Staaten im Rahmen ihrer Militäroperationen für ihre Zwecke ausgenutzt, was zur Etablierung von globalen Wirtschaftseliten führt, welche schließlich alle Nationen unterdrücken, so daß der Weltrevolution der Weg bereitet würde, wenn nicht eine Kritik dieser Verhältnisse zur Etablierung einer anderen Ordnung führte, was meiner Ansicht nach der Plan der katholischen Kirche ist, also vor dem Hintergrund des fortgesetzten Mißbrauchs mit Blick auf den wachsenden Unmut Änderungen der politischen Ordnung durchzusetzen.

Mit anderen Worten bieten die Vereinten Nationen allen kulturellen Herrschaften verlockende Perspektiven, jedoch nicht auf der Basis gemeinsamer Interessen, sondern auf der Basis der Möglichkeit, die jeweils anderen beiden zu hintergehen. Der Iran mag dabei gerade einen vernünftigen Krieg für die Neuordnung seines Weltteils führen, aber die Welt als Ganzes ist weit davon entfernt, vernünftig neu geordnet zu werden, und eine Weltrevolution sehe ich auch nicht am Horizont. Es ist bei alledem unumgänglich, sich, um größeres Übel abzuwenden, darüber klar zu werden, mit wem man es zu tun hat und wofür man sich selber einsetzt.

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