Bereitschaftsbeitrag

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19. Mai 2026

Imperiale und kleinstaatliche Wirtschaftsdynamik

Zunächst möchte ich die Behauptung im vorigen Beitrag, daß die meisten Wirtschaften es vorzögen, die höchsten Zölle auf Nießgüter zu erheben, präzisieren: Kleine Wirtschaften ziehen dies vor, da sie auf den Import von Komponenten und Instrumenten angewiesen sind, während hinreichend große Wirtschaften es aus machtpolitischen Gründen, also um nicht von auswärtigen Komponenten und Instrumenten abhängig zu werden, nicht tun, siehe auch meine diesbezügliche Betrachtung zur statischen und dynamischen Verbündung.

Es gibt nun zwei Situationen: Entweder die globale Wirtschaft wird von Kleinstaaten dominiert oder von hinreichend großen Imperien, und zu diesen gehören zwei verschiedene Wirtschaftsdynamiken.

In der von Imperien dominierten Situation verlegen sich alle Wirtschaften auf den Export von Nießgütern, jedoch findet ein für den Bedarf der Kleinstaaten hinreichender Export von Komponenten und Instrumenten statt, so daß diese aufgrund ihrer diesbezüglichen Flexibilität von der Gesamtsituation profitieren, allerdings auf Kosten ihrer Sicherheit, denn ihre Mittel, sich der Annexion durch ein Imperium zu erwehren, sind begrenzt, also leichtsinnig, man denke etwa an die heutige Schweiz.

In der von Kleinstaaten dominierten Situation verlegen sich alle Wirtschaften auf den Export von Komponenten und Instrumenten, jedoch findet ein für den Bedarf der Imperien hinreichender Export von Nießgütern statt, auf welche Weise jene ihre wirtschaftliche Entwicklung leichtfertig vernachlässigen, man denke etwa an das Perserreich vor Dareios III.

Indem die wirtschaftlichen Situationen also die ihnen nicht entsprechenden Teile zur Nachlässigkeit verlocken, stabilisieren sie sich, was die Lage am Übergang von einer zur anderen Situation instabil macht, wie ein Baumstamm, welcher seine Lage aus der senkrechten dadurch stabilisiert, daß er geradenwegs eine horizontale einnimmt.

Freilich, wie das Beispiel Alexanders des Großen zeigt, gibt es stets die Möglichkeit, daß die kleinstaatliche Verbündung versagt und Kleinstaaten zu größeren heranwachsen, üblicherweise infolge waffentechnischer Durchbrüche, der Balliste im Falle Alexanders, wie auch umgekehrt größere Staaten in kleinere zerfallen, wenn ihre Herrschaft erdrückend wird, doch entspringen diese Entwicklungen nicht der elementaren wirtschaftlichen Dynamik der jeweiligen Situation.

Der gegenwärtige Aufstieg Chinas verdankt sich seiner überheblichen Einschätzung als Kleinstaat, dem so genannten unipolaren Augenblick, und infolge Chinas Aufstieg wird die Wirtschaftsdynamik zunehmend imperial; daß sie es nicht schon mit jenem Amerikas und der Sowjetunion wurde, liegt daran, daß die beiden Wirtschaftsräume weitgehend getrennt blieben, so daß Europa einzig das Gegengewicht zu Amerika bildete.

Indes sind Hopfen und Malz noch nicht verloren, und China könnte die Rolle des einstigen Perserreichs einnehmen, doch müssen die zu ihr Neigenden ihrer Selbstbestimmung Ausdruck geben, um die nötigen wirtschaftlichen Anreize zu schaffen, um eine Orwell entsprechende imperiale Aufteilung der Welt zu verhindern - wobei der einfachste Weg dahin weiterhin darin besteht, daß ein imperiales Aufbäumen Amerikas gegen den seine Sicherheit untergrabenden Freihandel zunächst diesen beseitigt, bevor es selbst dem Modell der kleinstaatlichen Verbündung weicht, da der antiimperiale Kampf andernfalls nicht nur gegen einen imperialen Hegemon geführt werden müßte, sondern gegen ein lokal etabliertes Imperium, welches wahrscheinlicherweise solider, da aus weniger freiheitlicher Tradition erwachsen, wäre, oder, um es anders zu sagen: Der Freihandel ist eine Absurdität aus amerikanisch-imperialer Sicht, also möge Amerika ihn aufheben, bevor eine Reevaluation der Lage in, relativ zu China, kleinstaatlicher Verbündung münden wird.

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