Quasiherrschaften und Pseudokoordinationen
Koordination führt natürlicherweise zur Herausbildung kultureller Quasiherrschaften, in dem Sinne, daß die Koordination freiwillig bleibt, aber die Herrschaft die Praxis dominiert, nämlich die
Bei der Kooption geht der Eingliederung die Ablösung der Koordination durch eine Pseudokoordination vorauf, das heißt eine Organisation, welche vorgeblich freiwillig erfolgt, tatsächlich aber nicht. Es gibt zwei solche Ablösungen:
Der Protestantismus stellt eine Rückforderung der abgelösten koordinierten Zuständigkeit dar, welche nach der Aufteilung der Welt zwischen Portugal und Spanien populär wurde, indem die kooptierten Quasierlebniskulturen den jähen Wunsch verspürten, sich von ihren Verfassungsauflagen zu befreien, denn was für eine Verfassung sollte das auch sein, welche Portugal und Spanien solches erlaubt?
Aber ursprünglich entspringt der Protestantismus der Gewissennot der Gläubigen, zu den Sünden der katholischen Kirche gezwungen zu werden, so schreibt etwa ein bayerischer Matrose in seinem Tagebuch über die Inder, daß ihnen die Kokospalme alles zum Leben nötige gebe, aber daß ihr Besitz nun auch wie von Gott vorherbestimmt den christlichen Europäern zufalle (ich sah einen entsprechenden Beitrag vor vielen Jahren im Bayerischen Rundfunk - derselbe Matrose rang in Indien auch mit einem Tiger, welcher während der Umklammerung seinen Rücken bös zerkratzte).
Wiewohl die Protestanten die freiwillige Koordination ihrer Zuständigkeit zurückforderten, konnten sie sich doch nicht deren wiederkehrender Kooption entziehen, wobei ihr größter verfassungsrechtlicher Erfolg in den Souveränitätsrechten der Einzelstaaten der Vereinigten Staaten bestand. Bei der Bill of Rights handelt es sich hingegen nur zum Teil um den Schutz der Zuständigkeit der Bürger, zum anderen aber auch schon um zur Ungerechtigkeit verführende Zugeständnisse.
In jedem Fall trat die koordinierte Zuständigkeit mit zunehmenden Jahren zunehmend hinter der Pseudokoordination des Volkswillens zurück. Die schweizer Demokratie verwehrt sich auf andere Art der Pseudokoordination des Volkswillens: Nicht indem sie Zuständigkeiten freiwillig koordinierte, sondern indem sie die staatlichen Herrschaftsakte tatsächlich dem Volkswillen unterwirft. In gewisser Weise dient die Schweiz als leuchtendes Vorbild also auch dazu, den wahren Sündenfall (der Staat als Mittel der Gewalt um ihrer selbst Willen) zu vernebeln, wobei ihr ihre relative Machtlosigkeit zu Gute kommt, womit ich nicht gesagt haben möchte, daß sich das Volk in öffentlicher Abstimmung nicht als weit tugendhafter herauszustellen pflegt, als es die Verlockung, sich über jede moralische Autorität hinwegsetzen zu können, von ihm erwartet.
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koordinierte Anvertrauung zu jener einer Quasirepräsentationskultur, indem das Gelübde, die eigene Rolle im gemeinsamen Vorhaben zu spielen, ein gemeinsames Interesse an der Sammlung und Analyse aller individuellen Erfahrungen begründet, um günstigere Voraussetzungen für alle zu schaffen,
- koordinierte geistige Anerkennung zu jener einer Quasiwillenskultur, indem die Befriedigung des brüderlich Anerkannten zur Pflege der Infrastruktur nötigt, und
- koordinierte Zuständigkeit zu jener einer Quasierlebniskultur, indem die am erfolgreichsten ihrer Zuständigkeit Verpflichteten der Entwicklung der Gemeinschaft die Bahn brechen.
Bei der Kooption geht der Eingliederung die Ablösung der Koordination durch eine Pseudokoordination vorauf, das heißt eine Organisation, welche vorgeblich freiwillig erfolgt, tatsächlich aber nicht. Es gibt zwei solche Ablösungen:
- eine koordinierte Anvertrauung mag eingeladen werden, sich in ein umfangreicheres Rollennetz einzufügen, dessen übrige Rollen nicht freiwillig eingenommen werden, und anschließend wird die Quasirepräsentationskultur mit der Auflage versehen, sich auf die Standards der Hauptverwaltung zu stützen (Putin meinte in einem Interview, sowjetische Sozialwissenschaftler hätten gemeint, die Ukraine auf diese Weise an Rußland gebunden zu haben) und
- einer koordinierten Zuständigkeit wird dieselbe abgeschwindelt, indem die Koordination angeblich im Namen des Volkes vom Staat übernommen wird, welcher nun die Quasierlebniskultur unter der Auflage lizenziert, daß sie seine Verfassungsvorgaben anerkennt.
Der Protestantismus stellt eine Rückforderung der abgelösten koordinierten Zuständigkeit dar, welche nach der Aufteilung der Welt zwischen Portugal und Spanien populär wurde, indem die kooptierten Quasierlebniskulturen den jähen Wunsch verspürten, sich von ihren Verfassungsauflagen zu befreien, denn was für eine Verfassung sollte das auch sein, welche Portugal und Spanien solches erlaubt?
Aber ursprünglich entspringt der Protestantismus der Gewissennot der Gläubigen, zu den Sünden der katholischen Kirche gezwungen zu werden, so schreibt etwa ein bayerischer Matrose in seinem Tagebuch über die Inder, daß ihnen die Kokospalme alles zum Leben nötige gebe, aber daß ihr Besitz nun auch wie von Gott vorherbestimmt den christlichen Europäern zufalle (ich sah einen entsprechenden Beitrag vor vielen Jahren im Bayerischen Rundfunk - derselbe Matrose rang in Indien auch mit einem Tiger, welcher während der Umklammerung seinen Rücken bös zerkratzte).
Wiewohl die Protestanten die freiwillige Koordination ihrer Zuständigkeit zurückforderten, konnten sie sich doch nicht deren wiederkehrender Kooption entziehen, wobei ihr größter verfassungsrechtlicher Erfolg in den Souveränitätsrechten der Einzelstaaten der Vereinigten Staaten bestand. Bei der Bill of Rights handelt es sich hingegen nur zum Teil um den Schutz der Zuständigkeit der Bürger, zum anderen aber auch schon um zur Ungerechtigkeit verführende Zugeständnisse.
In jedem Fall trat die koordinierte Zuständigkeit mit zunehmenden Jahren zunehmend hinter der Pseudokoordination des Volkswillens zurück. Die schweizer Demokratie verwehrt sich auf andere Art der Pseudokoordination des Volkswillens: Nicht indem sie Zuständigkeiten freiwillig koordinierte, sondern indem sie die staatlichen Herrschaftsakte tatsächlich dem Volkswillen unterwirft. In gewisser Weise dient die Schweiz als leuchtendes Vorbild also auch dazu, den wahren Sündenfall (der Staat als Mittel der Gewalt um ihrer selbst Willen) zu vernebeln, wobei ihr ihre relative Machtlosigkeit zu Gute kommt, womit ich nicht gesagt haben möchte, daß sich das Volk in öffentlicher Abstimmung nicht als weit tugendhafter herauszustellen pflegt, als es die Verlockung, sich über jede moralische Autorität hinwegsetzen zu können, von ihm erwartet.
Labels: 44, formalisierung, geschichte, gesellschaftsentwurf, gesellschaftskritik, gesetze, institutionen, präsentation, sehhilfen, wahrnehmungen, zeitgeschichte, ἰδέα, φιλοσοφία