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21. August 2011

Vom Christentum und seinen Nachäffern

Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt's allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.
Das Christentum ist eine Religion des Vertrauens. Und der obige Vers beschreibt Vertrauensakte allgemein, daß mehr in einer Sache getan werden kann, wenn man nicht selbst die Zügel in der Hand halten will, wo es das eigene Vermögen übersteigt. Aber insbesondere beschreibt er das Vertrauen darauf, daß Gott seine Anliegen jeweils in Vielen wirkt, deren Erfolg einzig von ihrer geistlichen Gesundheit abhängt, und also darauf, daß der Einsatz für ihre geistliche Gesundheit mehr Früchte bringt, als selbst nach eigenen Kräften Früchte wirken zu wollen.

Diese Einsicht selbst ist Jesu Geschenk an die Welt, wer immer dies getreu beherzigt, selbst Frucht seines einsamen Opfers, er hat den Seinen den Weg gezeigt, auf welchem sie das Werk, welches Gott ihnen enthüllte, auch wirken können, nämlich indem sie die Einsicht, welche ihre Blindheit heilte, an andere abgeben.

Es sind hier zwei Fälle zu betrachten, aber für beide gilt dasselbe. Entweder einer strebt ein wahrhaft gutes Werk an, also eines, welches nichts mit seiner Persönlichkeit zu tun hat, dann ist es schon a priori klar, daß es unmittelbar aus der Erkenntnis einer allgemeinen geistlichen Krankheit folgen muß. Aber auch wenn es ein persönlicheres Werk ist, ist er doch nur einer von Vielen, deren Persönlichkeit sie zu diesem Werk hin führte, wenn sie die Dinge nur so sähen wie er.

Letzteres ist, unter einem anderen Blickwinkel, auch in der Vorstellung des Umlaufs der Seelen festgehalten worden. Deinesgleichen gibt es viele, deine Seele stirbt nicht, denke nicht daran, was gut für dich ist, sondern gut für sie. Die fundamentale Wahrheit ist die selbe, unterschiedliche Sichtweisen auf sie können keine entgegengesetzten Wertvorstellungen ergeben. Der Streit zwischen beiden Lagern betrifft lediglich die Anwendung der christlichen Heilungsmethode, also in welchen Fällen es erfolgversprechend ist, sie anzuwenden. Wird man eine korrupte Fraktion immer auf diese Weise heilen wollen?

Das bezweifle ich sehr. Nur als Christ wird man nicht die Gefahr, in welche man sich selbst bei ihrer Anwendung begibt, als Gegenargument gelten lassen, da es dem Kern des Christentums, also der Bereitschaft zum Vertrauen, widerspricht.

Dieses ist kein Fanatismus und auch kein Fatalismus. Es ist die bewußte Entscheidung zum Gebet.

Das Christentum ist auch keine Gemütsreligion. Der Mensch besitzt Vernunft, und sie ist unveräußerlicher Teil seiner Würde.

Wer glaubt, geistliche Gesundheit bestünde in einem friedlich grasenden Gemüt, irrt schwer. Und wer andere in das Christentum nachäffender Weise zu einem solchen Gemüte kurieren möchte, ist ein Schänder der Menschlichkeit seiner Opfer.

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