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14. Mai 2014

Geister und Gesinnungen

Der letzte Beitrag hat mich unverhofft auf die bisher klarste Einsicht des Wesens von Geist und Gesinnung geführt, der Geist wird von dem Bereich bestimmt, in welchem wir suchen, also Erregte den materiellen Vorteil, Erwartende den sozialen und Gestimmte den aus der eigenen Verfassung entspringenden, und die Gesinnung beschreibt, wodurch wir ihn zu erlangen hoffen, nämlich entweder durch unsere Taten, unsere Haltung oder unsere Begriffe.

Daß Erregte den materiellen Vorteil stets durch Taten zu erreichen suchen und niemals durch Haltung noch Begriffe, liegt in der Natur der Sache, aber a priori klar ist es nicht, wobei... Erregten ist die Bedeutung des Auftretens schon klar, nur ist es für sie ein Schauspiel, welches sie nicht länger aufführen als es ihnen nützt. Die Erwartung, daß sie eine Situation zu etwas bestimmtem auffordert, haben sie nicht, sondern lediglich die Erwartung, daß sie klug genug sind, um sich keine Nachteile zu schaffen.

Diese Gesinnung scheint überlegen, ist es aber nicht, sie erlaubt dem Einzelnen zwar größere Freiheit bei der Suche nach dem eigenen materiellen Vorteil, aber sie beraubt ihn zugleich auch der Möglichkeit, die Auswirkungen von Haltungen und Begriffen auf die Gesellschaft zu studieren.

Und gerade deswegen wenden sich weder Erwartende, noch Gestimmte diesem Bereich zu, um ihr jeweiliges Ziel zu erreichen. Der Erwartende weiß natürlich, daß er als größtmöglicher Egoist schwerlich mit gesellschaftlicher Anerkennung rechnen kann, und wie könnte er das auch, wo doch ein gesellschaftlicher Verband erst durch verbindliche Regeln zu einem solchen wird?

Es ist also klar, daß er sich seiner Verfaßtheit zuwenden muß, um sein Ziel, die bestmögliche Alternative für seinen Lebensweg zu ergreifen, zu erreichen. Und er hat dabei wie gesagt Recht. Denn Regelbefolgung ist eine bessere Alternative, als der Gewiefteste oder Stärkste zu sein, was daran liegt, daß der Mensch gefährlicher als die Natur ist und soziale Ächtung die größte Gefahr.

Und was die Gestimmten angeht, so haben sie ja gar keine Wahl, denn sie wollen ja ihre Verfassung verbessern, und sonderlich weit kommen sie auf dem Weg durch materiellen Wohlstand nicht. Der Erwartende erkennt den Wert der eigenen Verfassung möglicherweise gar nicht, sondern sieht nur die Reaktion der Gesellschaft auf sie, bei dem Gestimmten ist sie, wie der Name schon sagt, das Seinsbestimmende.

Ich widerspreche also Maslow. Selbstverständlich muß sich jeder erst einmal um materielle und soziale Grundlagen kümmern, weil er ansonsten nicht leben kann, aber das heißt nicht, daß wenn man diese jemandem nur zukommen läßt, er sich dann für seine Verfassung zu interessieren beginnt.

Maslow spricht ausschließlich von Gestimmten, und selbst bei ihnen ist zu bedenken, daß sie ihren geistigen Horizont im notwendigen Umfang entwickeln müssen, also verstehen, was Haltung, Begriffe und Glauben sind, um ihrer Sorge um ihre Verfassung vollumfänglich nachkommen zu können.

Warum, könnte man fragen, gibt es dann aber nicht auch eine gläubige Gesinnung?

Die Antwort darauf ist, daß es sie schon gibt, aber zugleich gilt auch, daß man Gott, seinen Herren, nicht versuchen soll. Die Not sollte einen in den Glauben treiben, nicht die eigene Entscheidung.

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