Eine Apologetik der Offenbarung
Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: So jemand dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und so jemand davontut von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott abtun sein Teil vom Holz des Lebens und von der heiligen Stadt, davon in diesem Buch geschrieben ist.Mit anderen Worten: Der Preis ist es wert. Doch ist er es?
So lange wir eine Wahl, welche wir haben, nicht erkennen, sind wir nur bedingt für sie verantwortlich. So lange wir die Offenbarung nicht verstehen, müssen wir sie nicht verteidigen. Doch wenn wir es tun, auch wenn wir nicht vorhaben, uns an ihren Worten zu beteiligen, müssen wir uns doch fragen, ob das Geoffenbarte unserem Gerechtigkeitsempfinden entspricht.
Worum geht es uns? Was versprechen wir uns von der Zukunft? Und ist es sie wert?
Wie ich zuletzt ausführte, geht es mir um die Wiedererlangung eines gehießenen Lebens und dazu die Befreiung aus den Herrschaftsvermengungen.
Die Offenbarung beschreibt die erste als die Zerstörung der großen Stadt, Kapitel 17-18, die zweite als die Absetzung des Tiers, Kapitel 19, und die dritte als Harmagedon, Kapitel 16, wobei es nicht gänzlich klar ist, daß es sich bei den letzten beiden um zwei verschiedene Ereignisse handelt, dies jedoch gehofft werden darf.
Angenommen, jemand schaffte es, die Herrschaftsvermengungen auf eine Weise zu überwinden, welche die Offenbarung lediglich metaphorisch erfüllte, ohne all das Blut zu vergießen, so könnte man es doch schwerlich gegen ihn halten, und wenn sich einer dazu anschickte, muß man sich gegen ihn stellen, weil die Offenbarung offenbart, was sie offenbart? Oder muß man ihm Glück wünschen?
Und wenn es dann doch so kommt, wie es die Offenbarung in Visionen vorhergesagt hat, war es dennoch richtig? Entsprach der geoffenbarte geschichtliche Kurs dem Weg des Menschen zu Gott?
Wenn das Ziel es wert ist, muß man sich auf den Weg machen und andere ehren, wenn sie es tun, doch auch die Offenbarung, indem man sich darauf einstellt, daß es genau so kommt, wie sie es vorhersagt.
Wenn wir das Ziel erreichen müssen, und es auf keine bessere Weise erreichen können, haben wir sie offenbar verdient. Und wenn wir es auf eine bessere schaffen, hat Gott uns weniger gestraft als befürchtet. Das ist eine Apologetik der anscheinenden Grausamkeit der Offenbarung. Und wenn sie uns auch nicht unbedingt, wie von Terry Pratchett und Neil Gaiman in Good Omens beschrieben, dazu bringt, es, vor ihr zurückschreckend, besser zu machen, gäbe sie uns doch wenigstens Zeit, uns vorzubereiten.
Blind auf sie vertrauen sollte aber niemand, sondern nur, wer sie als wahr erkennt, und auch dann kann das Kommende nicht als bereits geschehen beurteilt werden, sondern allenfalls als kommend, so das eigene Urteilsvermögen dazu hinreicht.
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