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8. Dezember 2017

Zur Ordnung der Gefühle

Mein Verständnis der Gefühle ist rhapsodisch gewachsen, mein erster Ordnungsversuch im Beitrag Gefühle an der Sorge gescheitert, und außerdem überging ich dort die beurteilenden Gefühle.

So, wie es jetzt steht, den letzten Stand stellt der Beitrag Die Betroffenheiten und Beurteilungen der vier Bewußtseinsbereiche dar, steht es im Großen und Ganzen geordnet, allerdings im Gebiet der Betroffenheiten der Sorge nur mit einer gewissen Verrenkung geordnet, welche alles mögliche unter den Titel der Einsicht bringt, und in jedem Falle keineswegs klar und präzis.

Weiterführend auf dem Gebiet der Betroffenheiten der Sorge ist der Beitrag Geisteszustandserfassungen.

Wenn man diesen Beitrag genau liest, steigt ein Verdacht in einem auf, was die natürliche Ordnung der Gefühle wohl sei, aber anstatt ihn auszusprechen, betrachten wir lieber die Gefühle der Achtung, da sie so schön wenige und klar umgrenzte sind, und fragen uns, was genau sie von einander unterscheidet.

Wir haben dort drei Gruppen.

Betroffenheiten.

Ahnungen. Neugierde, Kühnheit.
Mahnungen. Ärger, Schrecken, Angst.

Beurteilungen.

Eifer, Verdruß, Gunst, Ungunst, Zuverlässigkeit, Unzuverlässigkeit.

Offenbar stehen die Beurteilungen in einem Verhältnis zu den Ahnungen, aber in welchem?

Nun, ich hoffe, daß wir uns alle darin einig sind, daß es sich dabei um das Verhältnis der Wahrnehmung zu der auf ihr basierenden Tat handelt, wir beurteilen die Lage und entscheiden uns zu einer Tat, während derer Ausführung uns das Urteil gefühlsmäßig als Ahnung begleitet.

Entscheiden wir uns hingegen nicht, so wirkt das Urteil als Mahnung fort und stellt unseren Willen dar, unsere gegenwärtige Lage zu verlassen.

Mit anderen Worten sollte die Unterteilung unseres Ichs in Wahrnehmung, Tat und Willen zur weiteren Unterteilung der Gefühle der Lust, Achtung und Sorge dienen, beziehungsweise auch umgekehrt: die Gefühle sind in eine quadratische, neungliedrige Tafel einzutragen.

Drei dieser Felder haben wir bereits ausgefüllt. Betrachten wir als nächstes die Sorge.

Betroffenheiten.

Bestürztheiten. Betretenheit, Besessenheit, Beklommenheit, Ungebundenheit.
Stimmungen. Zufriedenheit, Unzufriedenheit.

Einsicht ist eine spezielle Zufriedenheit, wahrscheinlich die einzige bewußte. Unzufriedenheiten sind etwa Vergessenheit, Sorge und Niedergeschlagenheit, wobei
  • Vergessenheit darin besteht, sich ein Verhältnis nicht vergegenwärtigen zu können, beziehungsweise lediglich den Eindruck eines Begriffes wahrzunehmen, ohne seinen Namen und was man gewöhnlich zu ihm assoziiert,
  • Sorge darin besteht, die Angemessenheit einer Haltung für die Bewältigung einer Aufgabe in Zweifel zu ziehen und
  • Niedergeschlagenheit darin besteht (wie in eigenen Beiträgen zur Depression auch schon mehrfach beschrieben), den Sinn seines Lebens außerhalb der Ethik zu suchen: Aussichtslos ist dies, aber nur diese spezielle Aussichtslosigkeit führt zur Niedergeschlagenheit.
Es ist ausgesprochen schwierig, einen Überblick über die Zufrieden- und Unzufriedenheiten zu gewinnen, da die Arten und Weisen, in welchen unsere Haltung inadäquat sein mag, also unsere regelbasierte Selbstdressur, schwer zu überschauen sind. Die Bestürztheiten sind indessen vollständig und hinreichend detailliert angegeben, wie aus den diesbezüglichen Beiträgen hervorgeht.

Beurteilungen.

Glück, Unglück, Wertschätzung, Zuwiderheit, Liebe, Haß, Stolz, Schmach.

Die im Beitrag Von den beurteilenden Gefühlen vorgenommene Subsumption dieser Gefühle unter Zufrieden- und Unzufriedenheit ist falsch, wobei freilich der bereits im Bereich der Achtung beobachtete Zusammenhang besteht: entschließen wir uns zur Tat, spiegeln sich unsere Beurteilungen in den Bestürztheiten, doch wenn wir uns nicht entschließen, so spiegeln sie sich in unserer Stimmung, welche eine weitere Erfahrung mit unserer Haltung abgleicht.

Eine weitere, bei diesen Worten sofort in den Sinn kommende Unzufriedenheit ist die Gewurmtheit, wobei
  • Gewurmtheit darin besteht, die Notwendigkeit der Änderung der eigenen Haltung aufgrund einer speziellen Erfahrung anzuerkennen.
Bleibt der Bereich der Lust.

Hier haben wir bisher vier Gruppen, und entsprechend müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie daraus drei werden.

Fragen wir uns dazu zunächst einmal, wie wir die Betroffenheiten allgemein in zwei teilen können. Einmal haben wir ja die aktiven Betroffenheiten und zum anderen die willensmäßigen. Ich behaupte, daß es sich bei den willensmäßigen, konkret Ärger, Schrecken, Angst und (Un-)Zufriedenheit, um Bedürfnisse handelt, welche sich auf diese Weise ausdrücken, nämlich konkret um das Bedürfnis nach Gleichbehandlung, Geistesgegenwart, Vorbereitung oder Verkörperung.

Und bei den Betroffenheiten der Aktion, aktive Betroffenheiten hört sich etwas irreführend an, also konkret Neugierde, Kühnheit, Betretenheit, Besessenheit, Beklommenheit und Ungebundenheit, handelt es sich um Einlassungen (auf irgendwelche Abenteuer).

Was also sind die Beurteilungen, Bedürfnisse und Einlassungen der Lust?

Beurteilungen. Erwartung.
Bedürfnisse. Schmerzen, Übelkeit, Gereiztheit, Schwindel, Desorientierung, Verwirrung, Hunger, Durst, Müdigkeit, Nervösität, Dumpfheit.
Einlassungen. Begehren, Aufbegehren.

Damit wären sowohl die Gefühle nach den wichtigsten Kriterien geordnet und damit prinzipiell verstanden, als auch die Natur des Willens zusätzlich erhellt. Genauere Betrachtungen, insbesondere im Bereich der Stimmungen, bleiben aber weiterhin möglich und wohl auch ratsam. Nichtsdestotrotz, für dieses Mal reicht's.

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