Bereitschaftsbeitrag

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20. Juni 2012

Von den übrigen deutschen Völkern

Nachdem ich mich bereits über die Sachsen ausließ (Ping Pong), reiche an dieser Stelle meine persönlichen Eindrücke von den Franken, Schwaben und Bayern nach.

Die Franken sind wahrscheinlich das lebensklügste Volk auf Gottes Erde. Ebenso wie die Sachsen sehen sie keinen Sinn darin, etwas an Dingen ändern zu wollen, an denen man nichts ändern kann, aber im Gegensatz zu letzteren hadern sie nicht im Stillen damit, sondern gehen die Sache geradezu offensiv an, frei nach dem Motto: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“

Es zeichnet sie eine Unbedingtheit, eine Entschlossenheit, bis zum Äußersten zu gehen, eine Sache voll auszukosten, aus. Sie sind zugleich derb und offen, mitreißend und doch im Grunde gänzlich nüchtern und überlegt.

Franken und Sachsen trennt wirklich in erster Linie ihre Zusammensetzung und kein historischer Zufall. Weil es unter den Franken deutlich weniger Versuchende gibt, haben sie weniger Probleme damit, das, was sie haben, zu genießen, indem sie höhere Ziele gründlich abschreiben. Diese Aussage ist natürlich keine unveränderliche Wahrheit, sondern hängt davon ab, was Franken und Sachsen nunmal derzeit haben.

Die Schwaben sind von weit unsteterem Gemüt als Sachsen und Franken, wiewohl das nicht für ihre Grundeinstellung zum Leben gilt. Ihr Herz aber pendelt zwischen Innigkeit und Öde, und oftmals bleibt es bei einem auch an einem dieser beiden Pole hängen, nicht ruhig, sondern in fortgesetzten Ausbrüchen.

Was hingegen ihre Grundeinstellung zum Leben betrifft, so sind sie auf's äußerste auf Sicherheit bedacht und ordnem diesem Streben buchstäblich alles unter, aus welchem Grund sie große Romantiker sind, also um auch noch am langweiligsten Partner etwas Interessantes zu finden.

Es läßt sich nicht leugnen, daß die meisten Essays über das Wesen der Deutschen über das der Schwaben geschrieben wurden, wohl deshalb, weil die Schwaben das größte Interesse an dieser Art Literatur haben, wiederum aufgrund ihres Hangs zum Romantischen.

Fairerweise muß man zugeben, daß dieser Hang natürlich auch ein herausragendes Monument der Lebensklugheit ist, nicht daß ich ihn hier nur verspotte.

Die Bayern schließlich zeigen ähnlich wie die Sachsen eine gewisse Reserviertheit dem Leben gegenüber und sind auch ähnlich selbstkritisch. Ihre Ideale lassen sich aber klarer fassen und liegen auf der Linie dessen, welchem man üblicherweise ein „wohl“ voranstellt: wohlgeformt, wohlgeordnet, wohlwollend.

Und weil die Bayern halt all das nicht immer sind, haben sie das Granteln erfunden, um sich zur Buße im Staub zu wälzen. Überhaupt geht es bei ihrem ganzen Katholizismus nur darum, eine Behörde für die Umsetzung jener Ideale zu haben, und entsprechend ernst und nüchtern diskutieren sie ihren „Glauben“.

Unter dieser Schicht gibt es natürlich eine urtümliche Wildheit, welche im genauen Gegensatz zum Christentum steht, wie bei vielen anderen katholischen Völkern auch. Weniger dekadent als bei Franzosen und Italienern, den Spaniern wohl am nächsten.

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