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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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19. Juni 2019

Zeit- und Willensgenossenschaft

Der Wille bestimmt das Wesen eines Menschen, und seine Wesensfortführung findet derselbe in seiner Verwandtschaft.

Zugleich aber wird das Leben eines Menschen durch die zeitgenössischen Umstände (Unternehmungen, Anschlüsse und Versehenheiten) bestimmt.

So mag es denn geschehen, daß sich die Verwandtschaft spaltet und sich neue Verwandtschaften unter anderen Umständen bilden.

Kommt insbesondere ein Zeitalter an sein Ende, so besteht die natürliche Veranlagung darin zu versuchen, seinen Umständen zu entfliehen, wie Noah der Sündflut oder Lot aus Sodom.

Doch dies ist wie gesagt nicht der Pfad aus den heutigen Umständen. Stattdessen wird die Besonnenheit der Menschen auf die Probe gestellt, indem sie ihre politische Verantwortung Schritt für Schritt wieder aufnehmen, nachdem sich das Vorige als unverantwortlich erwiesen hat.

Also kann ich meine Verwandten nicht hinter mir lassen, sondern bin auf ihren Kreis als Fortführung meines Wesens angewiesen.

Indes bin ich nicht ihr Zeitgenosse, sondern anderen Unternehmungen, Anschlüssen und Versehenheiten verpflichtet. Und aus deren Richtung bezieht mein Geist sein Leben.

Religion ist eine Schule, und eine Schule sucht das gemeinsame Gewahrsein von Stimmungen, Einsichten und Erwartungen, aber zugleich bedarf sie solcher Willen, welche zu der Erfahrung dieses Gewahrseins streben. Und also bin ich beiden Seiten Zeuge, der Schule und den mir verwandten Schülern. Und dies erklärt den Anspruch meines Willens auf die Beeinflussung des Schicksals derselben.

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16. Juni 2019

Steamboat Geyser: 45 eruptions in 365 days

Totally incredibly Steamboat Geyser reached for a quarter of an hour 45 eruptions in 365 days, starting 4 minutes before I published my previous post.

It was the 54th eruption since March 15 last year. And it set a new quite unbelievable record for the shortest interval between two eruptions, namely 3 days, 3 hours and 48 minutes.

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Weltanschauungstrichter

Weltanschauungen kommen nicht von alleine zu Stande, sondern durch
  1. eine weltanschauliche Analyse und
  2. eine weltanschauliche Vermittlung,
deren Kombination ich einen Weltanschauungstrichter nennen möchte.

Bis vor 100 Jahren dominierte der familiäre Weltanschauungstrichter Europa. Seine beiden Teile sind
  1. Lebenserfahrung und
  2. Geselligkeit.
Seitdem hat sich hierzulande der nationalromantische Weltanschauungstrichter breitgemacht. Seine beiden Teile sind
  1. Inspektion und
  2. Zurechnung.
Es ist erschreckend, wie selbstverständlich wir diese Trichter unserer Phantasie zu Grunde legen. Wann immer wir uns beispielsweise eine andere Zeit vorstellen, etwa die der Kreuzzüge, werden wir sogleich, wenn wir dem nationalromantischen Weltanschauungstrichter anhangen, damit beginnen, uns unsere Möglichkeiten als Angehörige dieser oder jener Gruppe in jener Zeit zu vergegenwärtigen, während unseren Vorfahren gänzlich andere Dinge in den Kopf gekommen wären, nämlich Herausforderungen aller Art und die Weise, sie zu meistern.

Die Inspektion ist das Geschäft der Hochschulen, und wurde als weltanschauungsstiftende Institution bereits von Aristoteles beworben. Die Zurechnung anzuregen, ist das Geschäft von Medien und Politik.

Wir reden auch nicht mehr im eigentlichen Sinne mit einander, sondern kommentieren wechselweise aus gleicher Perspektive, nämlich derjenigen, welcher wir uns gemeinsam zurechnen.

Das Schlimme ist, wie gesagt, wie selbstverständlich und unbemerkt diese Prozesse ablaufen, denn  nicht immer landet man so bei der passenden Auffassung. Insbesondere ist es völlig verfehlt, Christus als Inspektor zu betrachten und Nachfolge als eine Frage der Zurechnung aufzufassen, mit anderen Worten zu erwarten, daß man sich nur in Seinen Kurs einschreiben müsse und dann gelehrt bekäme, was man als Christ wissen muß.

Aber anders können sich die Meisten heute Nachfolge gar nicht mehr vorstellen.

Ich möchte indes behaupten, daß es noch einen weiteren Weltanschauungstrichter gibt, nämlich den autoritativen Weltanschauungstrichter, bestehend aus
  1. Erwägung und
  2. Anerkennung,
welcher sich vom familiären dadurch unterscheidet, daß er sich mit dem Leben auf theoretische Weise beschäftigt und dabei zu allgemeinen Urteilen kommt, welche der Übernahme der Ansichten Anderer einen formellen Charakter verleihen.

Und dieser Weltanschauungstrichter ist der geistlichen Nachfolge sehr viel angemessener; mit anderen Worten muß man seine eigene Geistlichkeit einbringen und sich nicht nur einer Standardidentität zurechnen.

Ich gebe zu, selbst unbemerkt in den nationalromantischen Weltanschauungstrichter abgerutscht zu sein, woher ein gewisser Defätismus rührte, aber die letzten Betrachtungen hatten doch ihren Sinn, insofern sie die Frage der Zuständigkeit verdeutlicht haben.

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15. Juni 2019

Impulsivität

Manche Menschen werden zeitlebens von ihren Aufwallungen umhergeworfen, wie andere nur im Schlaf.

Der Grund dafür besteht darin, daß diese am Sinn ihres Leben zweifeln, so daß sie ihn in emotionalen Aufwallungen suchen, und die Erklärung dafür, warum dieses Verhalten an den Schlaf erinnert ist, daß wir im Traum unfähig sind zu erwägen, und daß uns dies nicht nur unfähig macht, uns für eine Handlung zu entscheiden, sondern auch für eine Haltung, wie die Anerkennung des Lebenssinnes eine ist.

Das bei Kollektivisten übliche gemeinsame impulsive Eindreschen auf Abweichler, das stalinistische Verhör, die von Philip Kindred Dick beschriebene Attack Therapy, ist eine der Entmutigung dienende Zur Schau Stellung des eigenen Orientierungsmangels, vor welcher das Opfer kapitulieren und damit seinen eigenen Lebenssinn aufgeben soll.

Selbstverständlich sind die Aggressoren dabei nicht notwendigerweise grundsätzlich impulsiv, aber zu dem Grade, zu welchem sie es nicht sind, sind sie der Bedeutung des Lebens gegenüber taub, oder, wie man sagt, zynisch.

Ich ringe seit ein paar Tagen mit dem Leitgedanken meines gegenwärtigen Lebensabschnitts. Der Kern der Sache ist aber bloß der, daß ich es als Hohn auffaßte, nicht mit eigenen Augen mitanzusehen, was das, woran ich glaube, für Meinesgleichen bedeutet. Ich würde mich aus der Wirklichkeit stehlen und am Ende wäre die Wirklichkeit an mir vorbei gegangen.

Vieles sähe ich nicht, all die falschen Prüfungen, in welchen man nichts mannhaftes beweist. Die Zyniker, die Kopflosen, die Kuschenden. Mein Segen gilt den Ängstlichen, denn mehr und mehr zum Ungetüm gestaltet sich die Welt.

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14. Juni 2019

Chorlauscher

Zuerst versuchte ich, die Ordnung zu stützen,
dann der Unordnung zu entgehen,
nun zieht es mich zum vertrauten Chor,
daß ich der Stimmen Klang vernehm,
denn in ihren Schwingungen erkennt mein Ohr
was das Schicksal wahrhaft ist,
und mein Glaube ist um mich.

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13. Juni 2019

Meinen Bekannten

Die Lust sucht die Unternehmung, zu bewirken oder zu wehren, die Achtung den Anschluß, zu erleben oder zu entkommen und die Sorge die Versehenheit, aufzunehmen oder abzulegen.

's ist Frühling, und es scheint doch herbstlich. Die Sonne glänzt mehr als sie wärmt, und der Wind zerrt an den Blättern. Das Licht hält noch eine Stunde, ein letzter Auftrag steht bevor: Ein Griff nach den letzten Trauben.

Aus der Tiefe meiner Vergangenheit, aus den Adern des Landes, ruft mich eine Versehenheit, etwas aufzunehmen, wessen die Zeit noch harrt.

In der Ferne ist bereits alles geschehen, und aufschubslos ist mein Blick auf die Welt, hier aber wartet noch eins, daß sich ein namenlos Verstreutes erkenne.

Jeder ist zunächst seinen Nächsten ein Fingerzeig.

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12. Juni 2019

Zur rationalen Approximation der quadratischen Wurzel von n/(n-1)

Leichter als die Approximation der Wurzeln ganzer Zahlen ist die Approximation der Wurzeln von Brüchen der Form n/(n-1).

Eine Lösung der Gleichung nx2-(n-1)y2=1 finden wir immer, nämlich x=1 und y=1.

Um die Approximation zu verbessern, betrachten wir wieder x'=ax+by und y'=cx+dy mit nx'2-(n-1)y'2=nx2-(n-1)y2. Über Koeffizientenvergleich gelangen wir zu
  • na2-(n-1)c2=n
  • nb2-(n-1)d2=-(n-1)
  • nab=(n-1)cd
und daraus durch Einsetzen zu
  • nb2+(n-1)=(n-1)a2.
Damit können wir die Lösung überprüfen, also
  • a=2n-1
  • b=2n-2
  • c=2n
  • d=2n-1.
Es gilt
  • a=d
  • (n-1)(2n-1)2=(n-1)(4n2-4n+1)=(n-1)+n(4n2-8n+4)
  • n(2n-1)2-n=n(4n2-4n)=4n2(n-1),
quod erat demonstrandum.

n=2. a=3, b=2, c=4, d=3. (1,1), (5,7), (29,41), (169,239), ... y/x -> 21/2.

n=3. a=5, b=4, c=6, d=5. (1,1), (9,11), (89,109), (881,1079), ... y/x -> (3/2)1/2.

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11. Juni 2019

Drei (partielle) Lösungen des euklidischen Algorithmusses für Quadrate

  1. (2x+3) x2 - (2x-1) (x+1)2 = 1
  2. (x-1)2 (x+1)2 - (x2-2) x2 = 1
  3. (x+3) x2 - (x-1) (x+2)2 = 4
Insbesondere gilt nach (1) für x=10: 23*102 - 19*112 = 1.

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10. Juni 2019

Selbstzucht

Das I Ching beschreibt die Beschäftigung des Menschen mit der Welt, aber seine sechs Herrschaftsformen, Sorge, Achtung, Lust, Unvernunft (Opportunismus), Rücksichtslosigkeit und Abgemessenheit, bilden zugleich auch die sechs Formen der Selbstzucht.

Selbstzucht besteht darin, seine Seele im hinreichenden Gleichgewicht zu halten. Die Formen der Selbstzucht, zu welchen ein Mensch greift, hängen von seinem Geist ab, und zwar dergestalt, daß der väterlich bestimmtende Seelenteil gestützt wird und die anderen beiden Seelenteile gestutzt.

Mit anderen Worten kommt es zu folgenden Formen der Selbstzucht:
  • Gestimmte: Sorge, Rücksichtslosigkeit und Abgemessenheit
  • Fordernde: Achtung, Opportunismus und Abgemessenheit
  • Erregte: Lust, Opportunismus und Rücksichtslosigkeit,
wobei die einzelnen Formen wie folgt genauer beschrieben seien.

Sorge. Vergegenwärtigung der menschlichen Verantwortung.
Achtung. Vergegenwärtigung der geschuldeten Ehrerbietung.
Lust. Vergegenwärtigung der noch vorhandenen Schwächen.
Opportunismus. Vergegenwärtigung des Opportunen.
Rücksichtslosigkeit. Vergegenwärtigung des einheitlich Ausrichtenden.
Abgemessenheit. Vergegenwärtigung des Einhalt Gebietenden.

In der ehelichen Paarung von Gestimmten und Fordernden sind Rücksichtslosigkeit, beziehungsweise Opportunismus Versündigungen an der Natur des Partners, selbst wenn es sich bei ihnen nur um Formen der Selbstzucht handelt.

Entsprechendes gilt für die übrigen Paarungen: bei Gestimmten und Erregten sind es Abgemessenheit, beziehungsweise Opportunismus und bei Fordernden und Erregten sind es Abgemessenheit, beziehugnsweise Rücksichtslosigkeit.

Der Grad der Versündigung ist selbstverständlich variabel, aber wenn die Selbstzucht nicht die Natur des Nächsten verletzt, so entspricht es auch nicht Gottes Gerechtigkeit, einen Menschen für seine Selbstzucht zu strafen.

Dies ist im Falle Deutschlands von einiger Bedeutung, da die Selbstzucht zur deutschen Identität gehört. Mit anderen Worten beschäftigen sich die Deutschen mehr als andere Völker mit sich selbst als mit der Welt. Und dem entsprechen auch ihre Ansichten. Mit anderen Worten haben dieselben sehr oft keinen weltlichen Zweck, sondern lediglich einen persönlichen.

Wer sich aber mit anderen unterhält, um gemeinschaftlicher Selbstzucht zu frönen, anstatt die Welt zu prägen, der kann nicht gerechterweise für seine Herrschaft über sich selbst gerichtet werden, wie es ein Herrscher über Andere würde. Stattdessen wird er früher oder später aus seiner Beschäftigung mit sich selbst herausgerissen werden und genötigt werden, zu einer Stellung zur Welt zu finden.

Und ich sollte meine Meinung sagen, wenn ich dabei gefragt werde.

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9. Juni 2019

Im pfingstlichen Licht

Gott hat die Welt nicht so gemacht,
daß sie uns fortwährend an unsere Verfehlungen gemahnt,
sondern im Liebreiz begegnet sie uns
und lädt uns ein, ihr gleichermaßen zu entgegnen,
und so sollten wir's auch unter einander halten,
indem wir einander Rahmen schaffen,
unserer Liebe Ausdruck zu geben.

Und gleich muß ich wieder klagen: Wo sind die älteren Herren in den weißen Anzügen mit den roten Krawatten geblieben? Ich habe mir gestern noch eigens eine weiße Hose zu meinem in Rottönen karierten Hemd gekauft, aber ich war weit und breit der einzige, der sich an die pfingstliche Kleiderordnung hielt. Freudenthal's Gasthof gibt's auch nicht mehr in Haseldorf. Ich hatte dem Geburtsort meiner Großmutter mütterlicherseits letzte Woche einen Besuch abgestattet. Und doch bin ich dieses Jahr noch zu einem Stück Pfingstochse in Elmshorn gelangt. Ein sehr kleines Stück. Aber es hat sehr gut geschmeckt, besser als ich dachte. Jetzt habe ich also ein Mal Spanferkel gegessen, da durfte ich mir sogar selbst ein Stück vom Hintern abschneiden, und ein Mal Pfingstochse mit einem Stück vom Oberschenkel. Und ja, der ganze Körper hängt an einem Spieß, allerdings zusätzlich zusammengepreßt.

Ich habe ehrlich gesagt den Verdacht, daß der aus Ostpreußen stammende Wirt der Größe des Bratens einfach nicht widerstehen konnte, genährt durch meine Kenntnis des lettischen Freßtempels Lido. Es ist durchaus so, daß sich die Menschen in der Ecke der Welt noch am ehesten für norddeutsche Traditionen begeistern.

Hier hingegen liegt der Sinn für jede Art gemeinschaftlicher Feier verschüttet.

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7. Juni 2019

Zum menschlichen Anteil

Wir können Gott darum bitten, daß Er uns erkennen lasse, was uns frommt, und auch, daß Er uns dabei helfe, das Unfromme zu überwinden, und im Rahmen des letzteren können wir auch wiederum Ihm zu Deinsten sein, wie ich es im vorigen Beitrag beschrieb, aber wir können Gott nicht darum bitten, daß Er uns helfe, das Heilige nicht in den Wind zu schlagen, was eben der Sinn des Spruches über die Lästerung des Heiligen Geistes ist:
Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung wider den Geist wird den Menschen nicht vergeben. Und wer etwas redet wider des Menschen Sohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet wider den Heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.
Mit anderen Worten müssen wir schon selbst dafür Sorge tragen, das Rechte auch zu tun und nicht von ihm zu lassen.

Ich möchte dazu zwei Beispiele betrachten. Ich beschrieb schon vor geraumer Zeit die kulturstiftenden Paarungen, und insbesondere die Paarung der Suchenden (Gestimmten) mit den Versuchenden (Umgangsfordernden). Innerhalb dieser Paarung obliegt es den Suchenden, offen gegenüber den Versuchenden zu sein, und den Versuchenden, die Beweggründe der Suchenden anzuerkennen. Verschließen sich die Suchenden, so versauern sie in ihren Verhältnissen, und überheben sich die Versuchenden, so versinken sie in Mißtrauen und Ungewißheit, im Großen wie im Kleinen.

Die rechte Gemeinschaft setzt hier also Respekt vor der Vertrauensseligkeit und der Bescheidenheit des Anderen voraus.

Als zweites sei die Stimme des Volkes betrachtet. Nicht jedes Volk hat eine Stimme, und die Völker, welche eine Stimme haben, haben Stimmen verschiedener Art. In der Schweiz ist die Stimme des Volkes die Volksabstimmung, in Deutschland war sie über lange Zeit die SPD.

Damit eine Partei aber die Stimme eines Volkes sein kann, muß sie sich
  1. über die Lebensumstände des Volkes definieren und
  2. als eine aktive, auf Ziele zu schreitende Kraft verstehen;
beides trivialerweise. Was genau die Stimme des Volkes dann bewirken kann, was eine andere Partei nicht zu bewirken vermöchte, läßt sich dabei gar nicht so leicht sagen, doch scheint es mir erwiesen zu sein, daß Bismarcks Konzessionen an die SPD auf dieser Funktion beruhten, und ebenso, daß sich nur die Stimme des Volkes in Deutschland gegen eine deutsche Kriegsbeteiligung stellen kann.

Nun ist es aber seit den 80er Jahren in Deutschland zu einer merkwürdigen Umkehrung gekommen:
  • einst war die Rechte eine Allianz verschiedener Interessen und die Linke über die Lebensumstände der Arbeiter vereint,
  • heute hingegen ist die Rechte über die Lebensumstände der Bürger vereint und die Linke eine Allianz verschiedener Interessen,
und in Folge dieser Umkehrung kann es im heutigen Deutschland keine Stimme des Volkes geben, da der Linken die Definition über die Lebensumstände des Volkes fehlt und der Rechten die Ziele, auf welche sie zu schreiten könnte: die Arbeiterschaft war aktiv, die Bürgerschaft ist passiv.

Schuld an dieser Entwicklung ist selbstverständlich wesentlich die SPD selbst. Es kann nicht sein, daß eine Partei, wenn sie mehr als einen qualifizierten Bewerber für das Kanzleramt hat, sich aus Gründen des Burgfriedens auf einen unqualifizierten wie Rudolf Scharping einigt.

Aber auch hier gilt: Wer das Heilige in den Wind schlägt, verliert seinen Segen, und kein Gebet kann ihn wiederbeschaffen, denn der Weg vom Heiligen zum Segen ist der menschliche Anteil.

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6. Juni 2019

Göttliche Aufgetragenheit

Hätten sich alle meine Hoffnungen erfüllt, so wäre Europa heute ein Platz, an welchem jeder seine Vorstellungen vom Heiligen in auf gegenseitiger Anerkennung fußenden Bünden verwirklichen würde.

Stattdessen klammern sich die Menschen an die Fetzen der Mäntel, welche einst Macht versprachen und ihnen immer noch Gewalt über Ohnmächtige geben.

Als ich ein Kind war, glaubte ich noch eine Zeit, daß die Menschen durch Mahnung auf dem rechten Weg gehalten werden könnten, doch schon damals erkannte ich, daß sie nur den Willensschwachen hilft und nicht den Vermessenen.

Und doch, vor dieser Erkenntnis unterwarf ich mich der Mahnung als einem göttlichen Instrument, welches die Menschen zu heilen vermag. Und einem solchen Instrument werde ich mich immer unterwerfen.

Die Zeit meines Entlassenseins ist vorbei. Es gibt wieder ein Instrument der Genesung, und es ist der gelenkte Kollaps. Stets haben mich Bekannte geziehen, daß ich nicht genug für den Erfolg täte, aber es war stets ihr Erfolg, für welchen sie nicht genug taten, ja, noch nicht einmal als solchen erkannt haben sie ihn, ganz zu schweigen von ihrer Verpflichtung vor Gott.

Vieles läßt sich ja tun, was gut ist, gar heilig, doch nur innerweltlich und nicht als Eindringen Gottes in dieselbe. Doch dieses ist die nötige Heiligkeit zur Stund'. Von diesem geht die Heilung aus, es allein erschafft sich Diener, welche das Netz zu knüpfen wissen, welches den Fang fängt.

Unter den Menschen muß ein jeder wandeln, keinen Ort für sich hat er, aber das Maß trägt er in sich, zu verwerten und zu bauen.

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5. Juni 2019

Politik als rechte Wahrnehmung

Politik als gemeinschaftliche Verantwortungsübernahme zerfällt in Vermittlung und Planung: erst was vermittelt wurde, kann geplant werden.

Die Vermittlung aber ist das Geschäft der Liebevollen und die Planung das Geschäft der Treuen, in der Sprache der sieben Geister Gottes.

Die Aufgabe der Vermittlung besteht darin, jene anzusprechen, welchen ein Anliegen auf die eine oder andere Weise angelegen ist. Wesentlich ist also eine effektive Adressierung.

Die Aufgabe der Planung besteht darin, die verfügbaren Mittel auf die unternommenen Vorhaben zu verteilen. Wesentlich ist also eine effektive Bereitstellung.

Ich brachte zuvor Lustgestörtheit und Verbiesterung mit Hure und Tier der Offenbarung in Verbindung, und in Verbindung stehen sie auch, aber nur als Widerhall derselben im Volk.

Im Volk sehe ich Hure und Tier selbst nicht, aber ich sehe sie seit ein paar Tagen propagiert, das heißt, ich habe mit einigem Erschrecken zur Kenntnis genommen, daß die sich als Zukunftsoptionen verstehenden politischen Bewegungen, von denen die eine auf die Vermittlung zielt und die andere auf die Planung, als Ausdruck der gegensätzlichen Beurteilung des angemessenen Handlungsrahmens, global für die ersten, national für die zweiten, von Übeln zerfressen sind, welche der Herrschaft des Tiers unmittelbar voraufgehen müssen, nämlich Hemmungslosigkeit und Gier.

Der Vermittlung fehlt die Scheu, der Planung fehlt die Treu'. Wer heute hemmungslos ist, ist morgen vergeudet, wer heute giert, schüchtert morgen ein. Hemmungslosigkeit ist fehlerhafte Adressierung, Gier fehlerhafte Bereitstellung.

Rechte Wahrnehmung hingegen ist rechte Bereitschaft und rechter Dienst, rechte Adressierung und rechte Bereitstellung. Die heutigen politischen Versprechungen sind vergiftet, Kooperation braucht interessierte Partner und Unabhängigkeit gemeinsame Opfer. Was uns versprochen wird, kann weder stehen, noch gehen. Doch von der Welt besitzergreifen, das kann es wohl, als Albtraumgespann.

Die Stunde, scheint's, ist hier.

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4. Juni 2019

Vom wechselnden Glück

Niemand kann von Gott erwarten, was er selbst für ungerecht hält. Und daraus alleine folgt schon, daß wir vieles zu ertragen haben, denn da wir nur für einen von vielen Zwecken gemacht sind, muß sich um uns herum vieles für andere Zwecke vollziehen.

Dieses Fremde, welches wie Regenwolken über uns kommt, erfüllt uns mit Schwermut, aber es ist so nötig wie der Regen. Und an seinem Ende erinnern wir uns, daß unser Zweck auf einer anderen Bahn liegt, daß es nicht um unseretwillen geschah und wir einem anderen Stern folgen, wie die Blätter des Baumes der Sonne, seine Wurzeln aber der Nässe der Erde.

Jede Befreiung aus solcher Gefangenschaft, jede Rückkehr zum Eig'nen, gleicht einer Entführung in ein neu geschaffenes Land, in welchem man Herr wird. Wie Schlangen ringen die Fäden des Schicksals mit einander, dieses Bündel ist mir gegeben, durch dieses Bündel ziehe ich mich, mein Stern ist die Quelle des Lebens.

Weniger als alle achte ich, was ich übernehme. Mehr als alle verwand'le ich's. Die Stunde meiner Freude ist der Anbruch des Neuen. Freilich: Zunächst muß ein jeder seiner Aufgabe wachsen.

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3. Juni 2019

Glaubensvorbehalt

Es gibt ein spezifisches Gefühl der Gespaltenheit, bei welchem man meint, daß man in anderen Zusammenhängen als den gegenwärtigen von Bedeutung sei. Es kann sich zu der entsetzlichen Erkenntnis steigern, daß man in den gegenwärtigen Zusammenhängen seine Bedeutung verfehlt, und umgekehrt kann es auch vergehen, wenn man daran glaubt, seine Bedeutung in den gegenwärtigen Zusammenhängen zu finden.

Es ist ein Glaubensvorbehalt, daß der eigene Glaube über die gegenwärtige Problemlage hinausgeht, daß er noch eine weitere Bedeutung hat. Wir gleichen Schiffen auf dem Meer, welche eine Ahnung der heimatlichen Gewässer in sich tragen.

Wir sehen die Welt auf diese und jene Weise an, und auf einmal akzeptieren wir sie als Rahmen unserer Bedeutung. Es ist nicht klar, woran es liegt, nur daß unser Glaube seine Bewandtnis gefunden hat.

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2. Juni 2019

Steamboat Geyser's 44th eruption in the last 365 days

and the 51st eruption since March 15 last year. It happened for the second time now, but this time it doesn't depend on at what hour a day starts.
If Steamboat continues like this, this record will be broken several times starting in the second half of June until the end of August, but I figure that seasonal changes in the water supply are normal.

Last year's 32 eruptions were concentrated in the last nine months, so at that pace 43 or 44 eruptions per year is the new standard, which may or may not move up this year. In any case it's substantially higher than 29 eruptions per year.

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1. Juni 2019

Weltversehenheit

Gott lebt gleichermaßen in
Unternehmungslust und Eingebung,
Entschiedenheit und Anrührung und
Angelegensein und Erkenntnis.

Die Jugend durchstreift das Mögliche,
das Alter sieht auf das Nötige,
und dazwischen werden irgendwann
die entscheidenden Verknüpfungen geknüpft.

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30. Mai 2019

Whomever the shoe fits.

I just stumbled over the easily most provocative lines in the history of cinema. I did see that film already several times and they slipped by completely unnoticed. It is only because I've been watching films in chronological order for some time now that I noticed them now. More precisely I still had a sufficiently good memory of Ingrid Bergman in Cactus Flower in order to be interested in how she would have changed in Murder on the Orient Express. Voilà, this is the part she received an Oscar for:
I'm fright.

Only God can give peaceful.

Nej, talar ni svenska.

I... I was born backwards. That is why I work in Africa as missionary, teaching little brown babies more backward than myself.

I was in... In a mis... I... I... International group. In... For getting money for African mission from American rich. I... I speak Swedish to big audiences in... In... In Swedish-American institution in Minneapolis and other big cities. In ten weeks, we make 14000 dollars and... And 27 cents.

From five years. In summer, in... I had been sick as always. And I sat in the grass in the garden. And I... I saw Jesus in the sky, mit many little children, but all the children were brown. So it was a sign for me to look after little brown babies.

Ne, they had no respect for God. No. So it was not just a sign, it was also a punishment.

Ja, and here is my number seven bed.

Is filled with Miss Debenham, a very nice young lady from Baghdad, where she teach English shorthand to children, to forward children.

Ne, she sleep just like me.

In Shimoga Mission, I can hear snake breathe. I would know.

Ne, not till morning, in my bed gown.

Ne, is Jaeger.

Den var em lila.

Just det.

Just as always, money, money for mission.

God will find you a reward.

Tack så mycket. Tack. Tack.
This is decently acted, but Ingrid Bergman looks even intelligent when she's cowering under parental rejection. She has a depth of character she cannot, or at least doesn't, conceal. Some call it class, I call it irony.
I was born backwards. That is why I work in Africa as missionary, teaching little brown babies more backward than myself.
Ass first, not seeking the future, but the past. The only credible reading - and the most ironic. I believe, and I think so did Ingrid Bergman, that any and all conceit can be brought down by childish simplicity of outlook. At the time those lines were probably addressing atheist, eugenicist progressivism in Sweden, calling into mind the human desire for peace and tranquility, but if you read those lines today, they call something else into mind, namely the simplicity of many a person's reasoning and motivation, and not the enemies of Christians seem the target in their reliance on science, but Christians in their comfortability with manipulation.

There is nothing that you cannot overdo. The ironic mind is humble, aware of life's trappings. It seeks no certainty beyond what a child would know. And those who have ventured beyond that find themselves understandably offended by the suggestion that there is no truth but simple truth contained in ironic speech, here that a person is born with his own desires, and no council has the right to replace them.

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29. Mai 2019

Die Leitsterne der geistigen Horizonte

Lage. Der körperliche geistige Horizont orientiert sich an der Lage, dem Zustand, in welchem sich die Welt befindet.

Mode. Der persönliche geistige Horizont orientiert sich an der Mode, der Haltung, welche in einer Zeit vorherrscht.

Methode. Der philosophische geistige Horizont orientiert sich an der Methode, den Begriffen, welche Ausgangslage, Ziel und Verwandlung erfassen.

Glaube. Der gläubige geistige Horizont orientiert sich am Glauben, dem Verständnis der Gebundenheit der eigenen Haltung an die eigene Stimmung und dem Vertrauen auf die göttliche Eingebundenheit der letzteren.

Mode, Methode und Glaube sind Grade der Vorkehrung mit vorsorglicher Intention, welche die Lage direkt und indirekt absteigend beeinflussen:
  • die Mode die Lage,
  • die Methode die Mode und die Lage,
  • der Glaube die Methoden und Moden und die Lage.
Wenn sich Menschen einer Mode anschließen, wollen sie sehen, wie weit sie mit einer Haltung kommen. Bei der Methode ist es die Analyse, welche ausgereizt wird. Und beim Glauben ist es die Beachtung des Heiligen.

Natürlicherweise wenden sich die niedrigeren Grade dabei nicht gegen die höheren. Wäre es anders, könnten die höheren gar nicht gesellschaftlich wirken, da die Gesellschaft zahlenmäßig von den niedrigeren Graden dominiert wird, so daß gegenläufige höhere Grade in ihrer Gegenläufigkeit weitgehend unbemerkt blieben.

Moden, welche sich gegen die anerkannte Methode und den anerkannten Glauben richten, können sich nur mit fremder Hilfe behaupten. Methoden, welche sich gegen den anerkannten Glauben richten, ebenso, sofern es um soziale Phänomene geht. Andernfalls läßt sich eine Methode natürlich oft genug auf der Grundlage ihres Erfolges bewerten, aber der Erfolg des gesellschaftlichen Lebens läßt sich nur schwer bestimmen, sofern es der Gesellschaft auch nur halbwegs gut geht, vor welchem Hintergrund der Begriff des Heiligen auch nur besteht.

Wenn die Menschen in einem Land vor Moden dort erschrecken,  ist etwas faul in jenem Staat. Moden sollten unverfänglich sein und nicht mit Methoden und Glauben konkurrieren. Wessen Schicksal von einer Mode abhängt, der sitzt auf einem Floß, und eine Gesellschaft, wo dergleichen passiert, ist schlecht verfaßt, der fehlen die nötigen Institutionen.

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What Parmenides was about

I don't know which came first, Plato's Parmenides or Parmenides' On Nature. I consider it possible that the latter was penned by Simplikios as an essay on that which is suggested in the former.

In any case Parmenides is a code referring to the source of all knowledge.

I've already written a post on Parmenides, but its main purpose is to highlight the relevant sections of On Nature.

Just now I read The Egg Came First and felt that I should make a neat statement of what I think Parmenides was about.

It is this:
As a philosopher you have to be concerned with what you know to exist and this is one and just one, namely that which you perceive while you study it. Be aware of the unity of your awareness in which all of your thought is contained. That which does not change in time, but contains the appearance of time. Flee from idle logic not rooted in what it refers to. Always start with the perception, never the assumption. Do not think that any object could ever be more real than the mind that relates to it. The one, uniform in apparent time, mind.
My best shot at describing this mind in total, although I tried to do so against much inner resistance, is captured in the post Zur Formalisierung des Denkens: Ein Lagebericht. How transcendence fits into this has been described in the relevant sections, but there is a more fundamental point here, namely:
Since we really only know our own mind to exist, it is most logical to assume that the fundamental form of existence is mind like.
And from there it is a very short distance to
Ἐν ἀρχῇ ἦν ὁ λόγος, καὶ ὁ λόγος ἦν πρὸς τὸν θεόν, καὶ θεὸς ἦν ὁ λόγος:
the idea that partaking in a specific assessment creates the world, existence. In holiness our minds bleed out into the divine mind, which creates that which is. Thus we create our own hardships as punishments and opportunities as rewards. And in all of this there is really just one undivided, unchanging thing at work, to which we belong through common nature.

And the only reason I state this is because that is what lies in front of me, what I have always known.

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