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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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28. April 2011

Zur Idee der Seelenwanderung

An dieser Stelle werde ich mich eher kritisch mit dem Hinduismus auseinandersetzen und Unterschiede zu meinen Ansichten herausstellen.

Im Hinduismus wird das Bild eines sich zu allen Zeiten manifestierenden Gottes gebraucht, welcher für die sich im Umlauf befindenden Seelen verschiedene Rollen bereit hält, je nach dem, wie wacker sie sich im letzten Leben geschlagen haben.

Die Rollen in diesem Bild stehen fest und sind das Ergebnis göttlichen Ratschlusses. Die Beziehung des Einzelnen zu Gott ist eine Abzahlung einer Schuld.

Nun glaube ich nicht unbedingt, daß dieses Bild die innersten Ansichten des Hinduismus getreu widerspiegelt, denn in diesem Bild gibt es beispielsweise keine Wirkung in der Wirkungslosigkeit und keine Wirkungslosigkeit in der Wirkung, sondern nur Belohnung in der Wirkungsloskeit und ausbleibende Belohnung in der Wirkung, aber nichtsdestotrotz halte ich es für maßgeblich genug, um mich von ihm abgrenzen zu müssen.

Machen wir es einfach, gehen wir von den Rollen aus. Gott manifestiert sich in der Tat zu allen Zeiten in unterschiedlichen Rollen. Aber diese Rollen entspringen nicht allein göttlichem Ratschluß, sondern entwickeln oder stabilisieren sich unter Mitwirkung von uns. Unsere Beziehung zu Gott ist kein bloßes Abzahlen einer Schuld, sondern vielmehr die Übernahme einer Patenschaft für eine veränderliche Rolle, welche auch nach unserem Tod im Repertoire Gottes bleibt. Nicht die Seele wandert, sondern der Willenskeim zu einer bestimmten Rolle.

Um sich die eigenen Pflichten, welche sich aus diesem Umstand ergeben, klar zu machen, blicke man zunächst schlicht auf die Frage, was es bedeutet, wenn eine Rolle nicht stabil ist.

Wenn eine Rolle nicht stabil ist, verkommt sie entweder und geht zu Grunde oder sie formt sich zu einem anderen stabilen Zustand hin um. Letzteres ist eher selten der Fall (ich werde allerdings im folgenden auch davon handeln), und somit besteht die grundsätzliche Pflicht eines jeden darin, das Nötige zu tun, um die Stabilität seiner Rolle zu gewährleisten. Diese Pflicht wiegt in der Tat schwerer als die Verantwortung für das eigene Leben, denn sie gilt mehr als ihm, sie gilt der Möglichkeit zu einer bestimmten Form des Lebens, der Form, welche man selber lebt. Hört man auf das Nötige zu tun, so bricht die Rolle zusammen, denn sie bestand überhaupt nur, weil sie alles Überlebensnotwendige enthielt, als ein Satz von Verhaltensweisen, welche zusammengenommen das Überleben ermöglichten.

Oftmals wird man nicht in der Lage sein zu verstehen, welche Verhaltensweise welche Wirkung hat und wie diese alle zusammenkommen, um das eigene Überleben zu gewähren, indes besteht in der eigenen Geburt bereits das stärkste Argument dafür, daß sie das schon auf irgendeine Weise erreichen werden.

Nun wird man vielleicht einwenden, daß man nicht jeder Regung nachgehen sollte. In der Tat, man sollte sich auf den Bereich beschränken, welcher einem heilig ist, denn er ist es einem nicht umsonst. Heiligkeit ist dabei zugleich Geheiß notfalls zu vertrauen, also, wenn man es technisch sieht, ein Gefallen an unseren Vertrauensakten. Allerdings besteht hierbei ein Zirkel der Verzagtheit, da wir erst mit der Erkenntnis, daß wir durch unser Vertrauen mit Gott verbunden sind, das Heilige wahrhaft wertschätzen, dann erst verstehen, daß unser Verbleib in ihm die Gestalt der Welt bestimmt, nicht durch Tat, sondern durch Vertrauen allein und umgekehrt ohne Vertrauen eine solche Erkenntnis nie zu Stande kommt, ein Paradox, welches nur bedingungslose Demut brechen kann.

Kommen wir nun abschließend zu der erwähnten Möglichkeit zur Umgestaltung der eigenen Rolle. Letztlich liegt in unserem Inneren stets noch etwas Ungeformtes, welches, nachdem unsere Einsicht entschieden unser Wesen zurecht gestutzt hat, zu neuer Form sprießen mag.

Einsicht ist der Schlüssel zu jeder solchen Veränderung, ohne Einsicht kommt sie nie zu Stande, wobei die Einsicht nicht notwendigerweise reflektierend festgehalten worden sein muß, es reicht, wenn eine Frage eine Antwort fand.

Eine solche Veränderung ist somit auch nie freiwillig, sondern wird immer durch eine lebensbedrohliche Verletzung unseres Wesens angestoßen, aus welcher wir uns unter Aufbietung all unserer Kräfte retten müssen.

Die Frage mag hier noch erwogen werden, ob es vielleicht so etwas wie eine ideale menschliche Rolle gibt. In gewisser Weise ja, in sofern man die Welt als das betrachtet, was sie ist und die uns vom Heiligen auferlegten Pflichten freudig ergreift.

Andererseits auch wieder nein, denn die obige Rolle ist eine Abstraktion. Jeder kann letztlich nur seine ideale Rolle finden, wobei seine Einsicht sie, wie gesagt, auch noch nach hier- und dorthin umgestalten mag.

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23. April 2011

Ein paar Gedanken zu den Epochen im Hinduismus

Es fällt relativ leicht, die den Yugas zu Grunde liegenden Purushartas durch meine Begrifflichkeit zu definieren.
  • Kama: materialistische Gesinnung
  • Artha: heroische und philosophische Gesinnung
  • Dharma: Bewußtsein ausstehender göttlicher Gebote
  • Moksa: Bewußtsein erfüllter göttlicher Gebote
Ein paar Bemerkungen dazu. Kama könnte enger gefaßt werden, unter Ausschluß gegenseitiger Achtung erworbener Rechte. Es scheint so zu sein, daß rein materialistische Gemeinschaften einen Hang haben, sie nicht zu respektieren, verursacht durch eine Abscheu allem Rationalen gegenüber, welche überall allzu homogene Gruppen befällt. In der Tat ist der Genuß der Homogenität einer Gruppe stets eine gemeinschaftliche Abkehr von Rationalität und umgekehrt. Freilich gibt es hierbei begrüßenswerte Grade und weniger begrüßenswerte.

Dharma und Moksa setzen den geistigen Horizont des Vertrauens voraus, weil erst in ihm konkrete göttliche Gebote, also solche, welche sich auf konkrete Vorgänge und nicht auf allgemeine Ideale beziehen, erfahrbar werden.

Der Wegfall des Dharmas beim Übergang vom Krita Yuga zum Treta Yuga ist einigermaßen zwingend erklärbar, wenn man annimmt, daß am Beginn jedes neuen Zykels zunächst einmal eine Vollendung in den Prinzipien steht. Sind diese erst einmal vollendet, haben die Menschen volle Freiheit ihnen zu folgen, was heißt, daß diese Konkretionen gerade keine göttlichen Gebote darstellen. Wer also in dieser Zeit über den geistigen Horizont des Vertrauens verfügt, kann nur Moksa anstreben.

Indem eine Kultur so wächst, verholzt sie eben auch, wie ich es bereits geschildert habe. Die Welt wird hektischer, es gibt mehr menschengemachte Probleme, und darüber gerät das Bewußtsein des Vertrauens in Vergessenheit.

So entsteht das Dvapara Yuga, in welchem Kama die gesellschaftlichen Ziele vorgibt und Artha die gesellschaftlichen Organisationen mit Leben erfüllt. Letztere sind in der Begründungslogik einer Gesellschaft von ersteren abhängig, so daß sie, wenn es an neuen Zielen mangelt, langsam zerfallen, wodurch schließlich das Kali Yuga heraufzieht.

Dieses nun versteinert und hält also die Menschen in Ketten, so lange sie nicht rein genug geworden sind, ihnen zu entkommen. Also zieht eine neue Zeit der Götter herauf, und der Kreis schließt sich.

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20. April 2011

Femmes fatales

Einige Bereiche unserer Psyche sind ausgesprochen seltsam, so auch derjenige, welcher uns denken läßt, eine Frau müsse doch mehr sein als sie scheint, das aber nicht glaubt und uns dann an uns selbst verzweifeln läßt, weil wir uns offenbar nicht eingestehen möchten, daß sie eben nicht mehr ist als sie scheint.

Die Paradoxien in diesem Satz alleine mögen als Beleg dieser Seltsamkeit genügen.

Ich löse das gleich auf, weiterer Spannung bedarf es auch nicht. Wenn so etwas passiert, wird eine Frau falsch eingeschätzt, insbesondere bezüglich ihres geistigen Horizontes unterschätzt und bezüglich ihrer Gesinnung falsch beurteilt. Der doppelte Fehler ist nötig, um nicht sogleich über ihn zu stolpern, denn eine reine Unterschätzung des geistigen Horizontes bei richtig erkannter Gesinnung ist zu leicht durchschaubar.

Also beispielsweise, sagen wir jemand sei heroisch gesinnt oder philosophisch und sein geistiger Horizont sei die Vernunft, und was ich hier beschreibe ist zugleich auch der Standardfall bei Femmes fatales, und wir nehmen an, und sei es unbewußt, es handele sich um einen materialistisch Gesinnten mit geistigem Horizont des Gemüts. Dann machen wir es uns zum Vorwurf, daß wir diese falsche Einschätzung nicht akzeptieren wollen, daß es etwas gibt, das schreit, daß es doch unmöglich so sein könne, welchem wir aber zugleich nicht einen Nu lang Glauben schenken.

Um bei diesem Beispiel zu bleiben, wodurch ergibt sich dieses falsche Bild?

Nun, es ergibt sich durch eine Verstellung, eine Abschirmung genauer gesagt, aus welchen Gründen auch immer. Das erklärt, warum die Gesinnung eine materialistische zu sein scheint, weil materialistische Motive das Odium der Objektivität genießen und deshalb unbefangener nach außen getragen werden können.

Die Abstufung des geistigen Horizontes ist hingegen wohl dem Umstand geschuldet, daß eine Rolle gespielt wird, welche reflektiert und kontrolliert sein will, weshalb sie absichtlich einfacher gehalten wird als die eigene Persönlichkeit.

Die spezielle Anfälligkeit von Männern diesem Phänomen gegenüber ist indes skurril. Es spiegelt sich darin ein unbewußtes Bedürfnis danach, nicht genug tun zu können. Würde die Frau richtig erkannt und angegangen, würde sie schnell langweilig. Aber indem der eigene Ansatz auf die Rolle zurückgeschraubt wird, welche sie spielt, bildet sich das Gefühl, nicht genug getan zu haben, welches als essentielles Faszinosum dieser Angelegenheit betrachtet werden muß.

Nicht, daß ich jemanden auf Ideen bringen möchte, mir geht es um Charakteranalyse, und da erscheint der Mann hier sehr deutlich als streben Wollender.

Ich habe diesen Aspekt bisher nicht übermäßig herausgekehrt, da ich die Schwierigkeit eine gefallende Gewahrung zu erreichen als etwas selbstverständliches zu betrachten pflege, wohl, weil es mir so geht, und Streben also mit Erreichung untrennbar verbunden ist. Indes habe ich bereits angedeutet, daß es durch unsere Handlungen bedingte Rückkopplungen unseres Gefallens gibt, welche einen erwarteten Zustand aufheben können.

Es mag die Antizipation dieses Umstandes sein, welcher in meinem Fall die Selbstverständlichkeit der Schwierigkeit begründet, jedenfalls ist es nicht ganz von der Hand zu weisen, daß ich mir systematisch Steine in den Weg lege.

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16. April 2011

Abrakadabra

Ich möchte mich jetzt doch einmal kurz zur Geldpolitik der Vereinigten Staaten äußern, da ich bereits zuvor gewisse Entwicklungen als zwangsläufig angesehen habe, ohne näher zu erläutern, warum sie das sein sollten.

Man kann sich auf den folgenden Seiten über die Arbeitsweise der FED informieren, wobei dort zunehmend Desinformation in Gestalt von Fokusablenkung, Nebelhaftigkeit und verfälschenden Resümees betrieben wird (insbesondere beim zweiten Link).

FED
Monetary policy of the US
US Treasury security
Federal funds rate
FED Notes
Seigniorage

Die FED verpflichtet amerikanische Banken dazu, die so genannte Mindestreserve auf Depots bei ihr oder im lokalen Tresor zu halten. Haben manche Banken höhere Reserven als sie brauchen, so verleihen sie diese zu individuell ausgehandelten Zinssätzen an andere Banken. Den Mittelwert dieser Zinssätze kontrolliert die FED nach politischer Maßgabe durch den An- und Verkauf von US Staatsanleihen und der damit einhergehenden Vermehrung bzw. Verknappung des Geldes. Außerdem verleiht sie auch selbst Bargeld als kurzfristige Reserve zu einem leicht höheren Zinssatz für jeweils einen Tag. Dieser Kredit muß gedeckt werden, in der Regel durch US Staatsanleihen, und die FED benutzt diese Deckung, um das Geld, welches sie verleiht, zu decken. Eine Dienstleistung, für welche sie sich wohlgemerkt bezahlen läßt.

Bleibt die Frage, was beim An- und Verkauf von US Staatsanleihen durch die FED geschieht. Da die Geldmenge ja unablässig anschwillt, kauft die FED offenbar hauptsächlich Staatsanleihen an. Aber wodurch bezahlt sie diese? Nun, durch Geld, welches sie druckt und durch eben jene Staatsanleihen deckt.

Freilich nicht ohne dafür die fälligen Zinsen für diese Staatsanleihen zu kassieren.

Auch hier schafft die FED sich also einen Zinsfluß aus dem Nichts.

Aber diese Regelung bedeutet natürlich auch, daß die Vereinigten Staaten Schulden machen müssen, um Dollars in Umlauf bringen zu können. Deshalb ist auch das Gerede vom Abtragen der Schulden durch Inflation Schwachsinn, da eine Verringerung der Kaufkraft mit einem weiteren Anschwellen der Geldmenge einhergeht und ein weiteres Anschwellen der Geldmenge mit einem entsprechenden Schuldenwachstum.

Die halbjährliche Dividende all dieser Machenschaften geht allerdings nur zu 6% an die Anteilseigner der FED, die übrigen 94% gehen an die Vereinigten Staaten.

Es ist übrigens kein Zufall, daß die BRIC Staaten (Brasilien, Rußland, Indien und China) ihre Geldwirtschaft durch die Veränderung der Mindestreserve steuern, da dies im FED Modell einer Zentralbank die einzige Möglichkeit ist, sie zu steuern, ohne vorrangig die Zentralbank zu bereichern.

Der Wert der Mindestreserve unterschiedlicher Zentralbanken spricht auch Bände:

EZB 2%, Rußland 4%, Indien 6%, FED 10%, Brasilien 20%, China 21,5%.

Und in Deutschland sah die Entwicklung so aus:

1968 19%, 1973 19,3%, 1988 17,2%, 1998 11,9%.

Eurozonenbanken halten gerade mal ein 50stel des Geldes, welches bei ihnen angelegt ist, vorrätig. Wenn nur 3% der Sparer ihr Geld auf einen Schlag abheben würden, wäre das schon das Ende.

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13. April 2011

Widerlegen wir mal den Unabomber

117. In any technologically advanced society the individual's fate MUST depend on decisions that he personally cannot influence to any great extent. A technological society cannot be broken down into small, autonomous communities, because production depends on the cooperation of very large numbers of people and machines. Such a society MUST be highly organized and decisions HAVE TO be made that affect very large numbers of people. When a decision affects, say, a million people, then each of the affected individuals has, on the average, only a one-millionth share in making the decision. What usually happens in practice is that decisions are made by public officials or corporation executives, or by technical specialists, but even when the public votes on a decision the number of voters ordinarily is too large for the vote of any one individual to be significant. [17] Thus most individuals are unable to influence measurably the major decisions that affect their lives. Their is no conceivable way to remedy this in a technologically advanced society. The system tries to "solve" this problem by using propaganda to make people WANT the decisions that have been made for them, but even if this "solution" were completely successful in making people feel better, it would be demeaning.

Was Kaczynski nicht in den Kopf zu kommen scheint ist, daß es eine Sphäre des Notwendigen und eine Sphäre des Ersprießlichen gibt. Wahrscheinlich geht ihm einfach der Sinn für das Ersprießliche ab. Natürlich kann die industrielle Gesellschaftsform, soweit sie das Notwendige betrifft, nur so weit in kleinere Einheiten zerschlagen werden, wie der Effizienzverlust durch Aufgabe des Ersprießlichen bezahlbar bleibt.

Und sinnvoller Weise wird man dabei auch nicht so weit gehen, daß das Autonomiebedürfnis der Menschen in dieser Sphäre erfüllt wird, sondern nur so weit, wie es eine sinnvolle ökonomische Entflechtung aus politischen Gründen erfordert und dann innerhalb dieses Bereichs im höchsten Grade organisiert vorgehen, also wie in den einstigen Kolchosen. Dabei kann und sollte man dem Einzelnen die Möglichkeit geben, sich selbst zu versorgen, also genug Land für seinen Bedarf an Kartoffeln zur Verfügung stellen, was aber eine Option wäre, welche nicht einmal einer unter tausend wählen würde, denn einfacher ist es freilich seine Arbeitsschuld in der Kolchose abzuleisten.

So auf diese Weise für das Notwendige gesorgt wäre, ließe sich die Sphäre des Ersprießlichen unter Rahmenbedingungen, welche die Autonomie der Betroffenen sicherstellen, neu aufbauen. Ich habe das ja alles schon ziemlich detailliert beschrieben, einschließlich eines möglichen dezentralen Geldwesens, und will es hier nicht wiederholen. Nur der Grundgedanke sollte klar sein, daß da, wo Dinge freiwillig getan werden, kein Effizienzzwang herrscht. Und natürlich würde eine Beschäftigung in diesem Bereich, auch wenn sie nicht notwendig ist, immer noch das eigene Leben und das Leben anderer beeinflussen und wäre also weit entfernt von einer rein akademischen Übung.

Kaczynski's Äußerungen zur prinzipiellen Untauglichkeit von so genannten Ersatzhandlungen sind ausgesprochen ärgerlich. Es ist niemandes Schuld, wenn er nichts genießen kann. Und es macht einen himmelweiten Unterschied, ob eine Handlung kein äußeres Ziel hat oder ob sie unter geeigneten Umständen verzichtbar ist. Dies ständig zu vertuschen und so zu tun, als ob es außer einer Hand voller Ausnahmen, darunter insbesondere die Materialisten mit geistigem Vertrauenshorizont, noch jemanden gibt, welcher nur dann Erfüllung findet, wenn er sich in herausgeforderter Weise mit etwas beschäftigt, mit welchem sich ein Mensch schlechthin beschäftigen muß - und was soll da auch die Undeutlichkeit?, das sind nur Nahrungssuche, Kampf und Sex - ist sicherlich das Hauptärgernis, was er gibt. Wie gesagt, als unterschwellige Tendenz mag das in einer reinen Gesellschaft von Materialisten ein Problem sein, aber dort findet eine unbewußte verstärkende Rückkoppelung statt, welche es so in Europa beispielsweise nirgends gibt.

Abschließend zur Möglichkeit der skizzierten Utopie möchte ich noch sagen, daß die Verquickung von Markt und Inspiration auch höchstgradig unnatürlich ist und nicht wirklich funktioniert. Der Markt ist beispielsweise zu eigenständiger Forschungsarbeit nicht fähig, und das heutige Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft in diesem Punkt gleicht nicht nur einem sondern ist auch ein Eiertanz mit immer groteskeren Erscheinungen. Geschichtlich gesehen haben Menschen immer aus freien Stücken gegeben und unverdient empfangen. So wird es auch bald wieder sein, wenn die Menschen wieder frei sein werden, denn alleine schon aus diesem Grund lassen sich Menschen nicht lange gefangen halten. Wer es versucht, versiegelt die Quelle, aus welcher der Mensch sich erst selbst empfängt, ohne welche er als Tier bestehen muß.

Natürlich kann jeder Mensch unter allen Umständen den power process durchlaufen, jedenfalls prinzipiell, darum geht es bei einigen Religionen auch, jenen, welche eine Verbindung mit Gott anstreben, wie auch immer sie das nennen. Freilich, und das habe ich ja auch schon gesagt, ist es nicht gerade erstrebenswert eine große Zahl von Menschen auf diesen Weg zu treiben auf die Weise, auf welche es der atheistische Materialismus tut, nämlich durch systematische Negation der Grundwahrheiten unserer Existenz.

Der Mensch ist kein Tier, ihn artgerecht zu halten kein hinreichender politischer Ansatz, obzwar eine notwendige Rücksicht. Kin-Dza-Dza handelt im letzten Abschnitt ja auch davon, und dem kann ich mich nur anschließen, Planet Alpha ist nicht die Erde, sondern lediglich eine Gruppe auf der Erde, welche sich im selben Geist zu anderen Gruppen hier verhalten sollte, wie Planet Alpha zu den anderen Planeten dort, also wie es Eltern gegenüber ihren Kindern tun. Die Erde mag indes einst Planet Alpha sein, aber wenn man geschichtlich realistisch bleibt, sollte man für diese Umwandlung schon 10000 Jahre veranschlagen.

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12. April 2011

Das Ich

Mir sind in letzter Zeit die Dinge etwas auseinandergelaufen. Der Grund dafür lag in mangelnder Gelegenheit zur Konzentration. Deshalb ist es unter anderem dazu gekommen, daß ich ein und denselben Gegenstand mit parallelen Begriffen traktiert habe (so geschehen mit Stimmung und Sorge). Ich werde diese Dinge nun in angemessener Einfachheit und Klarheit darstellen.

Es ist sinnvoll, unser Bewußtsein als in vier Bereiche eingeteilt zu denken.

Da wäre zunächst das Ich, es bündelt unsere verschiedenen Eindrücke in der Gewahrungsstruktur, wobei es keine vorhandenen Verbindungen darstellt, sondern willkürlich Verbindungen durch Zusammenstellung begründet. Ich werde das gleich genauer erläutern.

Zum zweiten können wir unser Gemüt betrachten, in welchem sich unsere jeweilige Stimmung zeigt, zum dritten unsere Anschauung, in welcher unsere Umgebung im obigen Sinne dargestellt wird.

Schließlich bleibt noch unsere Vernunft, in welcher sich die Verhältnisse zeigen, welche unser abstraktes Verständnis bilden.

Gemüt und Anschauung sind unterschiedslose Teile der Gewahrung, das heißt, es bestehen keine Verhältnisse außer der bloßen Koexistenz zwischen ihnen. Dasselbe gilt auch für die einzelnen Facetten der Anschauung, also Gesicht, Geruch, Gehör, Getast, Geschmack und Gleichgewicht, sowie wiederum für deren Facetten, so vorhanden (e.c. Geschmacksrichtungen). Desweiteren gehören zur Gewahrungsstruktur Gegenstände, welche stets willkürlich aus einem Bewußtseinsbereich gewählt sind, wenngleich womöglich durch einen Spezialfall des im folgenden noch beschriebenen Handlungsprozesses genauer spezifiziert, durch welche sich Verhältnisse auf Inhalte (möglicherweise) anderer Bewußtseinsbereiche beziehen. Findet eine Gegenstandswahl nicht statt, so bleibt auch die Vernunft untätig.

Und schließlich gehören zur Gewahrungsstruktur die Abgrenzung von Vergangenheit, Möglichkeit und Gegenwart von einander, sowie das Gefallen an ihnen.

Bewußt zu handeln heißt, wie bereits gesagt, daß die Möglichkeit ein Vorsatz ist, welcher gefällt, wobei ein Vorsatz die Reflexion des Überganges in ein anderes Verhältnis ist und jenes andere Verhältnis im Zustand der gefallenden Möglichkeit die Grundlage einer unbewußten Handlung. Die Reflexion selbst ist stets eine unbewußte Handlung, wie alle Besinnungen, also Verhältnisvervollständigungen, da der Möglichkeit hier notwendigerweise ein Gegenstand fehlt und sie somit nicht reflektierbar ist. Genau das ist natürlich die oben erwähnte genauer spezifizierte Wahl, welche im Falle der Reflexion glücklicherweise eindeutig (erweiterbar) ist.

Von den bewußten Handlungen wissen wir Dank der obigen Gleichsetzung, daß wir sie getan haben, das heißt, wir wissen, daß uns ein Vorsatz gefallen hat, Vorsatz hier natürlich im obigen Sinne als etwas, das unsere nächste Handlung betrifft. Von den unbewußten Handlungen wissen wir nur, daß uns die Vorstellung ihres Ergebnisses gefiel. Die meisten Handlungen sind natürlich unbewußt, einige, wie gesehen, sogar zwangsläufig, weshalb man auch niemanden zwingen kann, etwas zu verstehen, und als praktische Regel für diese Fälle ist Wunschdenken nur anzuraten, beispielsweise beim Baseball, wenn man versucht den Ball richtig zu treffen. Im Deutschen nennt man dies auch völlig blödsinnigerweise selbstbewußt zu handeln. Es ist natürlich das genaue Gegenteil, besser wäre es also zu verlangen, jemand möge selbstvergessen auftreten, freilich mit Hang zum Größenwahn und nicht zur Selbsterniedrigung.

Die Einteilung des Bewußtseins in diese vier Bereiche ist zu einem gewissen Grade selber willkürlich, und konkret selbstverständlich durch einen willkürlichen Akt zu Stande gekommen, indes sind durch die Gegenstandswahl die Grenzen der Bewußtseinsteile aufspürbar, in sofern sich nämlich gewisse Eindrücke nicht ohne die Begleitung durch andere Eindrücke denken lassen, e.c. die Höhe eines Tons nicht ohne seinen Klang und seine Lautstärke, eine Farbe nicht ohne ein Gebiet, welches sie färbt.

Das Gefallen von Gemütsmenschen hängt stärker von ihrer eigenen Stimmung ab als von ihrer Umgebung. Vernunftmenschen bilden einen Spezialfall dessen, in sofern ihre Stimmung von ihrem Verständnis der Dinge dominiert wird. Letztere Zuschreibung ist natürlich nicht unmittelbar erfaßbar, sondern beruht auf einer Koinzidenzanalyse.

Es kann als gesichert gelten, daß sich diese Typen erst relativ spät in der menschlichen Evolution gebildet haben, also lange nach der Erlangung von Vernunft und Menschentum. Gerade bei den Gemütsmenschen ist man ja oftmals geneigt das zu bezweifeln in Anbetracht ihrer doch beträchtlichen gelebten Dämlichkeit, aber eine gründliche Analyse der intellektuellen Struktur des Menschen läßt keinen anderen Schluß zu. Es ist auch zu bedenken, daß eine Bevölkerung von Anschauungsmenschen nie einen Vernunftmenschen hervorbringen wird, ohne daß sie zuvor Gemütsmenschen in großer Zahl hervorgebracht hätte.

Nun wird man darauf vielleicht einwenden, daß Wissenschaft keine Vernunftmenschen braucht. Die Frage kann ich ehrlich gesagt nicht entscheiden, wenngleich es zu Gründungszeiten immer einen gehörigen Anteil von Vernunftmenschen gegeben zu haben scheint. Was ich allerdings zu bedenken geben möchte ist, daß sich Wissenschaft letztlich, nachdem alles gesagt und getan wurde, für einen Anschauungsmenschen immer so darstellen wird, wie sie sich Theodore John Kaczynski dargestellt hat, wenngleich natürlich nicht jeder Anschauungsmensch mit derselben Vehemenz auf diese Darstellung reagieren wird wie der Unabomber.

Indes liegt genau hier die Erklärung für bestimmte Umstände auf der Welt. Ted Kaczynski ist extrem, in sofern er keinen Ersatz akzeptiert, indes ist das, was er Ersatzhandlungen nennt, für einen Gemütsmenschen gar nicht als Ersatz erkennbar. Mithin ist eine Gesellschaftsform, welche kaum etwas anderes als Ersatzhandlungen zuläßt, für eine Gesellschaft, welche ausschließlich aus Anschauungsmenschen besteht, ein kaum zu ertragendes Ärgernis. Und sobald eine Gesellschaft industrialisiert ist, läßt sie fast nur noch Ersatzhandlungen zu.

Kaczynski sprach davon, daß man die Spannungen in einer solchen Gesellschaft verschärfen müsse, damit ihr Untergang möglich werde, indes werden diesen Untergang nur die wollen, denen Ersatzhandlungen nichts bedeuten. Ob nämlich eine Reform der heutigen Mißstände möglich ist oder nicht, hängt sehr davon ab, was als Mißstand betrachtet wird. Die meisten Menschen in den zivilisierten Regionen der Welt sehen es sicherlich als einen Segen an, wenn sie selber entscheiden können, womit sie sich beschäftigen und nicht durch Not dazu gezwungen werden. Ihre Probleme ließen sich sehr wohl durch Reformen lösen.

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6. April 2011

Fragen zum materiellen Eingreifen der Transzendenz

Wenn man sich den vorigen Beitrag durchliest mit der Frage im Hinterkopf, wie Transzendenz wohl in die materielle Welt eingreifen könnte, so ergibt sich als schlüssigste Erklärung, daß in bestimmten Situationen Bewußtsein und Gesetz in die Welt geboren wird, wo vorher keines war.

Freilich, wenn man das so sagt, liegt es nahe die gesamte Sorge darunter zu fassen, in welchem Fall sie nicht von außen induziert werden könnte. Dabei spielt es natürlich nur eine untergeordnete Rolle, ob man von neuem Bewußtsein spricht oder der Erweiterung schon bestehendens, objektiv unterscheiden wird man das eh nicht können. Subjektiv könnte man diese spezielle Frage schon angehen, doch möchte ich das an dieser Stelle nicht tun.

Aber wie ich schon sagte, es ist sehr unwahrscheinlich, daß unsere Sorge, welche ja auch zu einem großen Teil nicht dem Augenblick entspringt, sondern autonom ablaufenden Prozessen in unserem Gehirn, in jedem Augenblick vollständig auf göttliche Intervention zurückgeht. Vielmehr wird man eine materielle Hilfsmaschinerie annehmen müssen mit ihren eigenen Gesetzen, welche indes die Offenheit gegenüber transzendenter Beeinflussung besitzt, welche wir in ihr beobachten können, und also wiederum der Teil unseres Bewußtseins ist, in welchem wir transzendente Beeinflussung gewahren.

Diese Sicht setzt zwingend voraus, daß sich unser Bewußtsein über diese ganze Maschinerie erstreckt, ein Punktbewußtsein kann man alleine schon aus diesem Grunde ausschließen. Dafür spricht natürlich auch, daß sich beispielsweise der visuelle Kortex verorten läßt. Wir haben hier also ein System, welches in seinen Einzelteilen durch einfachere Gesetze beschrieben zu seien scheint, als Ganzes jedoch der Wirkungsraum eines höheren Gesetzes ist. Es liegt übrigens an der physikalischen Methode Experimente durchzuführen, als welche voraussetzt, daß sich alle relevanten Phänomene isolieren lassen, daß diese Art Phänomen nie in ihr Sichtfeld kommt. Aber zurück zum transzendenten Eingreifen. Dieses findet in diesem Fall also auf zwei Ebenen statt, es ist ein koordiniertes Eingreifen auf der unteren Ebene, welches also als Form der höheren Ebene erscheint.

Ich denke, ich habe mit diesen Ausführungen zunächst einmal die Zweifel beseitigt, welche man an der Durchführbarkeit des zuvor vorgestellten Ansatzes der Welterklärung haben konnte. Es gibt durchaus noch eine Menge Detailfragen, welche bisher nicht eindeutig festgelegt sind und sich prinzipiell auf subjektiv meditativem Wege untersuchen ließen, und deren Beantwortung großen Einfluß darauf hätte, wie wir der Welt Erscheinungen sehen. Andererseits ist es bedenklich, wenn das, was uns am meisten bewegt, auf dem schwankendsten Grund unserer Erkenntnis steht.

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5. April 2011

Einige Fragen zur Materialität des Bewußtseins

Mit Plotinos sage ich, daß wir letztlich Naturgesetze sind, welche in unseren Hirnen in Erscheinung treten, dabei aber beeinflußt durch die transzendente See der Sorgen, welche wiederum zu einem guten Teil aus uns selbst fließt, wenn wir vertrauen.

Unser Hirn aber ist ein Instrument, dessen Empfindlichkeit durch äußere Faktoren gesteigert oder auch gemindert werden kann. Wir sprechen da von Drogen. Und natürlich läßt es sich von außen her auch ganz ausschalten.

Kann auch der Inhalt der Gewahrung von außen induziert werden?

Nun, im Bereich der Erfahrung offensichtlich ja, dafür ist sie ja da, im Bereich der Sorge wahrscheinlich auch, da sich die Sorge, auch wenn sie transzendenten Quellen entspringt, doch im Hirn materiell manifestieren muß. Bleibt das Gefallen, welches allerdings, wenn man wieder auf den Drogenkonsum blickt, offenbar auch inhaltlich beeinflußt werden kann.

Wie ist es dann mit einer Sprungsequenz, kann die auch von außen induziert werden?

Sagen wir ruhig ja, denn danach sieht es nach dem vorigen doch aus. Aber eine Sache sollte man hierbei bedenken: Jede Kraft ist Äußerung eines Bewußtseins und seines Naturgesetzes. Wenn sich ein physikalischer Vorgang vollständig durch eine Menge bekannter Naturgesetze beschreiben läßt, so ist darin kein weiteres Gesetz und kein weiteres Bewußtsein. Was aber heißt hier vollständig? Es bedeutet hier beliebig wiederholbar. Wie aber ist das, wenn die Gewahrung vollständig vorgegeben ist? Erfolgt der Sprung dann zwingend immer gleich? Durchaus, andernfalls wären wir ja letztlich keine Naturgesetze.

Wie wollen wir diese Situation auflösen? Die Antwort ist, daß in der obigen Gegenüberstellung ein Denkfehler steckt, nämlich die Annahme, daß die Induktion auch für die durch die Sprünge selbst verursachten materiellen Änderungen verantwortlich ist, was in der beschriebenen Situation indes nicht der Fall war. Würde die Induktion auch darauf abzielen, so käme es zur Addition zweier gleicher Kräfte, welche in einer veränderten Wirkung resultierte.

Welche Rolle spielt Transzendenz? Was ist keinesfalls von außen bestimmbar?

Nun, einerseits offensichtlich die subjektive Form des Bewußtseins, also daß Farben Farben sind, Töne Töne und so weiter. Und andererseits, per Definitionem, die transzendente Wirkung des Vertrauens, wenngleich sie nach dem vorigen indirekt sehr wohl bestimmt werden könnte, allerdings, und da beißt sich die Katze in den Schwanz, sie wird durch Gott vermittelt und Gott wäre des Vorsatzes dieser indirekten Bestimmung gewahr.

Wenn also die Form unseres Bewußtseins entsteht, und das tut sie ja bei jedem neu gezeugten Menschen irgendwann, in mehreren Schritten wohl, ist jeder dieser Schritte eine transzendente Wirkung und also prinzipiell unerzwingbar.

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4. April 2011

Was also ist bewußt getan?

Nur um's festzuhalten.

Aus der Sorge treiben allzeit Sprünge,
getrieben durch Gefallen,
und wenn der Sprung sich selbst gefällt,
dann handeln wir bewußt.

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1. April 2011

Der Augenblick der Erwägung

Im Augenblick der Erwägung (s. Von den vollständigen Wahrnehmungen) gibt es eine Begleitung durch die Sorge richtig zu urteilen. Eine Absicht ist also durchaus eine Erfahrung, die Erfahrung einer Vorstellung.

Zuvor habe ich freilich Erfahrungen und Vorstellungen von einander unterschieden. Ich tue das einstweilen nicht, weil ich erst einmal wieder einen Begriff finden müßte, welcher diese beiden (und die verwandte Erinnerung) zusammenfaßt, aber zugleich nur einen Spezialfall der Gewahrung darstellt.

Eine Erwartung ist dann in diesem Sinne auch wieder eine Erfahrung, und eine Sorge genauer gesagt ein Ausrichtungsimpuls oder, schließlich, ein Entschließungsimpuls. So muß man den vorigen Handlungsimpuls präzisieren.

Im Augenblick der Erwägung gilt das Gefallen dem Entschließungsimpuls, nämlich ob er standhaft ist oder schwankend. Es ist aber letztlich genau dieses Gefallen, welches die Entschließung auslöst, worüber es selbst auch wieder mißmutig werden kann, was sich als Reue oder Unwohlsein zeigt. Dieses passiert in der Regel, wenn man schlecht vorbereitet war.

Im Augenblick der Erfahrung gilt das Gefallen hingegen ihr, und im Augenblick der Erwartung entsprechend der Erwartung, wobei im Falle der Erwartungsschachtelung natürlich auch so etwas wie ein Gefallen an dem Prozeß der Schachtelung selbst vorliegt, also einfach gesprochen, ob man konzentriert und informiert ist, welches indes erst im Augenblick der Erwägung gewahr wird und einen Aspekt ihres Gefallens darstellt (Gefahr ist beispielsweise ein anderer Aspekt).

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29. März 2011

Grüße

Sowohl zur Selbstdiagnose als auch zur praktischen Übung der Diagnostizierung anderer bietet sich die bevorzugte Ansprache an, als da wären:
  • Sichere Bewährung!
  • Klare Haltung!
  • Guten Fortschritt!
  • Liebenden Frieden!

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27. März 2011

Sinnlichkeit, Gemüt, Vernunft und Seinssinn in der aktuellen Architektur

Sinnlichkeit, Gemüt, Vernunft und Seinssinn waren als Verbindungen definiert worden, zwischen Wahrnehmung und Tat, Stimmung und Haltung, Gegenstand und Begriff und zwischen Not und Vertrauen, mit der innewohnenden Aufgabe, die richtige Antwort auf die vorliegende Situation zu finden, wobei sich die Richtigkeit in den ersten drei Fällen aus einer zugehörigen Form des Gefallens ergibt und im letzten Fall aus einer Zusammenfassung dieser drei Formen.

In der jetzigen Architektur wirken diese Definitionen und Behauptungen sehr krumm, wobei es wenigstens jene Verbindungen gibt. Aber sind sie so, wie sie sind, auch nur sinnvoll?

Gehen wir es mal anders an. Die Gesinnungen sollten sich als unterschiedliche Schwerpunkte der Besorgtheit zeigen. Und sie sollten menschlich sein, also auf Vernunft beruhen. Also wäre der Materialist um seine Erfahrung besorgt, wie sie sich ihm durch Vernunft darstellt und ihm gefällt. Die Brücke zur Tat ergibt sich daraus, daß Taten Sprünge in andere Erfahrungen sind. Der Held wäre hingegen nicht direkt um seine Erfahrung besorgt, sondern um seine Haltung zu ihr und allgemeiner zur Sinnlichkeit, wie sie sich ihm durch Vernunft darstellt und ihm gefällt. Und der Philosoph wäre um seine Darstellung der Gewahrung durch Vernunft, wie sie sich ihm durch Vernunft darstellt und ihm gefällt, besorgt.

Die Darstellung der Gewahrung durch Vernunft ist, wie gesagt, eine Haltung und resultiert also in einer Stimmung. Sie ist indes keine Haltung zur Sinnlichkeit, sondern zum Assoziationsgeflecht der Begrifflichkeit, welches durch Verstand und Vernunft entsteht. Durch Verstand alleine entstehen lediglich Assoziationen von Eindrücken, welche allerdings selten gesondert betrachtet werden (ausgenommen von der modernen Psychologie) und zwar eine Stimmung erzeugen, aber keine spezielle Sorge um sie, da niemand gerne traumatisiert ist, mit anderen Worten hier lediglich für die eigene Gesundheit Sorge getragen wird, ohne daß es in diesem Bereich so etwas wie eine positive Leistung gäbe. Gäbe es nur Philosophie und keine Mathematik, könnte man, wenn man boshaft wäre, das selbe freilich auch von der Begrifflichkeit sagen. Dann wäre es allerdings erstaunlich, daß die Massen in diesem Punkt schwerkrank wären.

Der Grund für die drei Gesinnungen besteht also im wesentlichen aus dem Vorhandensein der Haltung, durchaus meiner anfänglichen Darstellung entsprechend, wenngleich ich damals die Dinge unzulässig vereinfacht hatte.

Der geistige Horizont ergibt sich aus der Beschäftigung mit den Zusammenhängen, welche ja für Gemüt und Vernunft mit den obigen Verbindungen mehr oder weniger übereinstimmen und, wenn man großzügig ist, für die Sinnlichkeit auch. Natürlich ist all dies auch ein stückweit vage geblieben und mußte zu allen Zeiten geeignet gedeutet werden, wobei ich aber denke, daß diese letzte Darstellung jetzt doch einigermaßen eindeutig ist.

Die Verbindung zwischen Vertrauen und Not wurde ja bereits in den letzten beiden Beiträgen gesondert behandelt und ist natürlich weitgehend unverändert übernommen worden.

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Nochmals zur Architektur des Bewußtseins

Ich werde im folgenden versuchen, Bezeichnungen mit doppelter Bedeutung zu vermeiden.

Bewußtsein ist zunächst die Gewahrung dreier Dinge, welche erst durch eine Erweiterung seiner unterschieden werden, Erfahrung, Besorgtheit und Gefallen.

Die Besorgtheit ist eine Funktion der Erfahrung und des Gefallens, sowie des vorherigen Vertrauens aller existierenden Bewußtseine und Gottes Willens, sowohl als Moderator des letzteren als auch als eigenständige Instanz. Es ist dies der natürliche Zustand, daß die Sorgen in einen hineinströmen und man dadurch, daß man vertraut, Sorgen der Besorgtheit anderer beisteuert. Dabei ist die Besorgtheit ein Reservoir von Handlungsimpulsen, aus dem man schöpft, wobei Vertrauen eben ein Abtreten einer dieser Sorgen ist.

Das Gefallen wiederum ist eine Funktion der ersten beiden Teile, insbesondere ist Seinsangst die Antwort auf fehlende Sorgen. Wie sich die gegenseitige Abhängigkeit von Gefallen und Sorge genau auflöst, läßt sich schwer beantworten. Nahe läge zu vermuten, daß einer der beiden Teile der vorherigen Gewahrung hinterherhinkt, und es gibt auch eine Beobachtung, welche das Hinterherhinken des Gefallens zu beweisen scheint, nämlich die vorsätzliche Änderung der eigenen Stimmung durch Vorstellung einer anderen, welches zunächst gelingt, dann aber zu einer Abwehrreaktion, einem Mißfallen dieses Vorstellens führt. Die Antwort auf dieses Problem ist indessen nicht von allzu großer Bedeutung, so daß ich mir darüber nicht weiter den Kopf zerbrechen werde.

In diesen immer gleichen Mechanismus des Bewußtseins sind unterschiedliche Schichten eingetaucht. Wie gesagt, im einfachsten Falle, wenn Gewahrung reine Sinnlichkeit ist, ist nichts vom Vorigen von einander unterschieden, und alles ist bloß gewahrte Bewegung.

Kommt Verstand hinzu, so wird die Sinnlichkeit gegliedert und die Gewahrung um diese Gliederung erweitert. Dieses ist auch bei Tieren so. Das Gefallen an dieser Gliederung besteht aus den eigentlichen Emotionen, und das Vertrauen unter dieser Gliederung besteht aus Kommunikationen unter dieser Gliederung.

Kommt wie beim Menschen Vernunft hinzu, so wird die letztere Gliederung selbst wieder durch das Tripel zweier Gegenstände und eines Verhältnisses gegliedert und die Gewahrung um diese Gliederung erweitert. Das Gefallen an dieser Gliederung besteht aus den Stimmungen, und das Vertrauen unter dieser Gliederung besteht wieder aus Kommunikationen unter dieser Gliederung, wobei allerdings Gott hier aktiv als Übersetzer in Erscheinung tritt.

Es bleibt noch über Haltungen zu sprechen. Eine Haltung ist nichts weiter als eine willkürliche Assoziation, in welcher man sich als handelndes Subjekt zu gewissen Verhaltensweisen setzt, also daß man von sich sagt, daß man sich auf eine bestimmte Weise verhalte. Die Bezeichnung eines Begriffs, ist ein Spezialfall dessen. Beides findet in der Vernunft statt und wird durch Stimmungen gespiegelt, wobei die Ordnung der Begriffe zu Klarheit führt, nach welcher der Philosoph strebt.

Haltungen werden aber nicht zwangsläufig befolgt, vielmehr ist das Befolgen der eigenen Haltungen selbst eine Sorge, welche Teil der eigenen Besorgheit sein mag oder auch nicht, meistens natürlich graduell für die einzelnen Sorgen verschieden irgendwo dazwischen liegt.

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26. März 2011

Leere und Fülle

Daß, wenn man sich auf die Gänze seines Bewußtseins besinnt, dort ein Abgrund erkennbar wird, kann man so natürlich nicht sagen. Er wird sichtbar, wenn man leer ist.

Jemand kommentierte dieses Video mit der Aussage, daß es voller Angst sei. Ist das so?



Ich würde es verneinen. Gezeigt wird die ursprüngliche menschliche Haltung und wie alles ihr gemäß, alles Ausdruck ihrer ist. Was immer all das stimmt, es stimmt auch uns. Und wer gestimmt ist, der ist voll, wobei wirklicher Friede voraussetzt, daß man auch zurückgibt, seine eigene Stimme findet.

Man ist aber nicht immer voll, alleine schon weil man schläft. Jugendliche wollen leer sein, und sind es auch. Es entspringt dem Hang zum Triumphalismus des Lebens, daß neue Herrlichkeit stets inmitten von Ruinen ersteht. Das ist im Urwald so, und in den Herzen der Menschen eben auch.

Wenn allerdings einer voll ist, so sieht er da keinen Abgrund, sondern sein ganzes Selbst, wie es allem entspringt und in alles zurückfließt.

Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna, Krishna, Hare, Hare.
Hare Rama, Hare Rama, Rama, Rama, Hare, Hare.

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24. März 2011

Einige, wohl notwendige, Klarstellungen zum gestrigen Beitrag

Die Wesensgleichheit zwischen Handlungen und Vertrauen sollte nicht dahin gehend verstanden werden, daß es sich um Äußerungen desselben Organs handelt. Gemeint ist lediglich eine Gleichheit des Auftretens in unserem Bewußtsein. Also, was ich vom Vertrauen schrieb, daß es eine Antwort auf unser Leiden an unserer Wahrnehmung ist, das gilt so auch von den Handlungen. Beides sind Sprünge aus der Not.

Wir können uns darauf bescheiden, sinnlich zu sein, die Reflexionen des Lichts auf der Wasseroberfläche spielen zu sehen, eine Weile, bis die Lichtlachen, welche wir anfangs auffaßten, vorübergezogen sind oder sich rekombiniert haben. Unser Bewußtsein macht dann keinen Gebrauch von unserem Verstand und keine Handlung findet statt, denn die Handlung ist eine Verstandesäußerung. (Freilich arbeitet der Verstand auch dann autonom weiter vor sich hin, in sofern er die Auffassung der einzelnen Lichtlachen aktualisiert.)

Selbst in diesem Zustand können wir indes vertrauen, allerdings nicht auf eine Weise, welche auf den Verstand bezug nimmt. Und um das hier ganz klar zu sagen, ohne Verstand gibt es kein Bewußtsein eines Sprunges, keine Grenze zwischen den Wahrnehmungen, vielmehr wächst eine Wahrnehmung, bis sich schließlich doch wieder der Verstand einschaltet oder sie beginnt, sich örtlich zu verlieren.

Es kann aber Willen, also Leiden, und anknüpfendes Vertrauen in diesem Zustand geben. Leiden ist sehr melodramatisch gesagt, zumeist kann man's nicht wirklich so nennen, aber es verdeutlicht den Zusammenhang zum Vertrauen halt sehr schön. Wobei der explizit natürlich durch Ohnmacht gegeben ist. Und da stellt sich die Frage, ob es neben der Handlung, welche ja des Verstandes bedarf, noch eine andere Form der Macht gibt. Oder ist alles Organische, Sinnliche stets auf Vertrauen angewiesen? Die Frage wird leichter zu beantworten, wenn man sich besäuft, denn in dem sich dann vollziehenden organischen Versagen wird es klarer erkennbar. (Ich habe gerade ein Déjà vu, das zweite heute..., wahrscheinlich habe ich mich schonmal hierzu geäußert, schlimm wäre das natürlich nicht.) Nun, die Antwort muß notwendig unbefriedigend bleiben, es gibt dort erkennbare Anstrengungen, bestimmte Formen zu bilden, doch stecken wir in diesen Anstrengungen nunmal nicht drin, wie es bei den Äußerungen unseres Verstandes der Fall ist, es bleibt also Spekulation, ob dabei stets Vertrauen eine Rolle spielt oder nicht. Allerdings, wenn etwas autonom in unserem Bewußtsein abläuft, dann müssen wir, um es gut einzubinden, auf höherer Ebene darauf vertrauen. Das gilt insbesondere für unsere Vorstellung und damit für unsere malerische Begabung, nun, bezogen auf Stimmungen gilt es natürlich ebenso für unsere kompositorische Begabung. Aber, interessanterweise, werden Dinge, die zuvor autonom abliefen, wenn man betrunken ist, abhängig von bewußter Konzentration auf sie. (Die Gedankenführung hier sieht wahrscheinlich besoffener aus, als sie es ist. Nichts für ungut, an dieser Stelle ist eben Schluß, bewußte Konzentration ist ja nicht das eigentlich Interessante, sondern lediglich der letzte Schritt davor.)

Im Sinnlichen bleiben wir also am besten undifferenziert. Es kommt zu Anstrengungen. Manchmal sind diese transzendent, das läßt sich durch Experimente erschließen. Wie es um sie gewöhnlich bestellt ist, dafür fehlt uns schlicht der Begriff.

Lassen wir aber das Sinnliche hinter uns und ziehen unseren Verstand hinzu, dann sind wir uns des zwischenzeitlichen Abgrunds nur zu bewußt, welcher vor unseren Handlungen klafft.

Es sind dies die Angst und das Nichts, von denen Heidegger spricht. Die Angst entspringt dabei daraus, in diesem Bewußtsein keinen Anhaltspunkt für die nächste Handlung zu haben, denn so ist es, wenn wir uns auf unser Sein in der Zeit als Ganzes konzentrieren, unser Wesen wird von unserer Phantasie vor uns ausgebreitet, aber alles bleibt zu dunkel, als daß es uns anleiten könnte. Natürlich besteht der nächste Schritt dann immer darin, sich auf einen Teil dieses Ganzen zu konzentrieren, und sobald das geschieht, gibt es wieder Anleitung genug. Diese Teile sind aber Vertrauen, Verstand, Gemüt und Sinnlichkeit, wobei letztere normalerweise nicht ohne Verstand wahrgenommen wird, sondern nur, wenn man explizit das Bewußtsein der Innerzeitlichkeit unterdrückt. Bei den anderen Teilen geht dieses nicht, denn sie sind, in dieser Form (das betrifft das Vertrauen, welches ansonsten ohne Bewußtsein seiner stattfindet), allesamt Verstandesäußerungen, wobei allerdings beim Gemüt nicht recht von Innerzeitlichkeit die Rede sein kann, da bleibt man beim Leiden an einem bestimmten Eindruck stehen, wenn man nicht gerade der Phantasie folgt, und beim Vertrauen vielleicht auch eher von Überzeitlichkeit die Rede sein sollte, denn der Sprung geht ja quer zur Zeit.

Der tiefere Grund für den vorigen Umstand ist natürlich, daß unser Wille in diesen Teilen steckt.

Die vorige Erklärung ist im Hinblick auf das Gemüt verwirrend. Wir erfassen unsere Willensäußerungen in unserem Gemüt, es sei denn, sie wären rein sinnlich, also Anstrengungen. Da es aber so viele Erfahrungen und Ideen gibt, auf welche unser Wille reagiert, wenn man sie ihm zuführt, macht es eben Sinn, sich auf sein Gemüt zu konzentrieren, in welchem alle Anhaltspunkte von Interesse von der Phantasie aufbereitet werden. Dies funktioniert natürlich nur deshalb, weil unsere Phantasie unseren Willen kennt.

Im sinnlichen Bereich ergibt der letzte Gedanke überhaupt keinen Sinn, da die Sinnlichkeit selber das Produkt der Anstrengungen ist, und allenfalls gefragt werden könnte, welchen Bereichen der eigenen Sinnlichkeit der eigene Wille wohl gerne zum Bewußtsein verhülfe, was aber für die eigentliche Sinnlichkeit deswegen nie gefragt wird, weil der Wille, sofern er rein sinnlich ist, gerne die gesamte Sinnlichkeit zum Bewußtsein brächte.

Der Unterschied zwischen der Besinnung auf das Gemüt und der Besinnung auf die Sinnlichkeit besteht darin, daß in letzterer der Wille nicht reflektiert wird, sondern direkt auf ihrer Grundlage wirkt. Man könnte auch sagen, daß im Gemüt alle unaufgelösten Emotionen gespeichert werden.

Post scriptum vom 25.3.1011. Natürlich handelt es sich bei der Besinnung auf das Vertrauen auch um eine Besinnung auf etwas, das sonst schlicht nebenher läuft. Ich denke, ich habe mit dem Vorigen Sinn und Zweck der Besinnung auf das Gemüt gut getroffen, also Fehler des ersten Durchgangs auszubügeln, doch das Vertrauen verhält sich nicht analog dazu. Und wo ich gerade dabei bin, die Besinnung auf den Verstand erlaubt natürlich den systematischen Ausbau von Begriffen, nicht daß ich morgen noch ein Post Scriptum anfüge. Beim Vertrauen allerdings geht es um etwas ganz anderes, nämlich um die Begrenzung, also Überwindung, diesseitiger Ambitionen. Es erlaubt eine objektive Sicht auf die Existenz als Ganzes, befreit von den Ängsten des zwingenden Geistes, also eine objektive Wahl zwischen Haß und Liebe.

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23. März 2011

Handlungen (zum wiederholten Male)

Doch, es ist schon mehr als nur etwas verwunderlich, daß das, was die meisten Menschen für das Wichtigste überhaupt halten, kein eigenständiger Gegenstand in unserem Bewußtsein ist.

Wenn ich im Kopf 12 mal 17 ausrechne (was so natürlich nur funktioniert, wenn ich das große Einmaleins nicht parat habe), dann ergreife ich dabei nicht in mir selbst vorliegende Additions- und Multiplikationsroutinen.

Und wenn ich schnüffele, kann ich etwa nach einer bestimmten Geruchskomponente schnüffeln? Oder wenn ich spähe, kann ich, bevor ich eine Form als Ganzes aufgefaßt habe, nach der Farbe fragen, welche mir ein bestimmter Punkt auf der Netzhaut liefert?

Und auch wenn ich einen Finger bewege, ist es nicht anders, wenngleich das Skelett den Anschein dessen zu geben vermag. Man konzentriere sich nur auf seine Augenmuskeln. Alles ist Eindruck, Eindruck, der ist, und Eindruck, in welchen man hinüberspringt, dabei den Willen zum Sprung, die organische Anspannung vor ihm gewahrend.

Üblicherweise findet dieses Springen in einem Sprung statt, wenn man es aber sorgsam tut, springt man zunächst besinnend in die Gewahrung des gegenwärtigen Eindrucks, durch welche das Ziel eines Sprunges innerhalb dieser Eindrucksform vorstellbar wird, was dann der nächste Sprung sein mag oder auch nicht, aber selbst wenn nicht, so sind wir uns doch unterschwellig verschiedener Ziele bewußt, da unsere Phantasie zu einem gewissen Grade autonom agiert und es auch muß, um uns die Möglichkeit zu geben, aus den vorhandenen Möglichkeiten zu wählen. Wohl gemerkt, eine solche Wahl setzt voraus, daß man sich zunächst besinnt. Sie ist dabei auf zwei Weisen möglich, nämlich zum einen als Vorstellung und zum anderen als Tat, wobei die Vorstellung lediglich festhält, was die Phantasie vorgab, oder anders ausgedrückt einen dieser Phantasieeindrücke als ausgewählt bezeichnet, wodurch er referierbar wird. Die Vorstellung gibt dabei der autonom agierenden Phantasie eine genauere Richtung, welche entweder zu nützlicheren oder zu weniger nützlichen Phantasieeindrücken als den vorherigen führt. Im letzteren Falle würde die anfängliche Besinnung wiederholt.

Allerdings ist auch hier alles nur ein Hinüberspringen in einen Eindruck, daß man weiß, was Vorstellung ist, daß durch sie ein Referenzpunkt erzeugt wird, ändert nichts daran, daß dieses Vorstellen selbst nur wieder durch den Eindruck im Bewußtsein bekannt ist, welchen es erzeugt, also den Eindruck etwas aufzufassen, welcher letztlich nicht von den Eindrücken verschieden ist, etwas zu spüren, zu sehen oder zu riechen.

Unabhängig davon, ob ein Phantasieeindruck vorgestellt wird oder nicht, bleibt er selbstverständlich unterscheidbar vom gegenwärtigen Eindruck der selben Form. Dies beruht auf dem Bewußtsein des Wahrnehmens, naheliegender Weise, welches in Träumen allerdings nicht vorhanden ist, wodurch Träume auch gekennzeichnet sind. Wenn jemand träumt, so kann es vorkommen, daß er sich zwar seines Auffassens bewußt ist, seiner visuellen Wahrnehmung aber nicht, was ihm die Möglichkeit gibt, sich durch Besinnung auf seine visuelle - oder auch gleich auf seine volle - Wahrnehmung aufzuwecken.

Das Bewußtsein des Wahrnehmens des Wahrgenommenen ist dabei schlicht die natürliche Form, welche sich nicht anders denn als Wachheit bezeichnen läßt. Zugleich ist sie auch die Voraussetzung dafür, das eigene Gefallen vertrauend zu bewerten. Im Traum passiert das nicht, entsprechend werden wir von unserem Mißfallen im Traum erdrückt. Ebenfalls fehlt im Traum die Möglichkeit zu handeln.

Ich wage also an dieser Stelle zu behaupten, daß unsere Handlungen, jenes Hinüberspringen, wesensgleich ist dazu zu vertrauen. Streng genommen gibt es keine immanenten Akte. Sämtliche Akte verlassen den Bereich des uns Bewußten, der Unterschied besteht einzig darin, daß zu vertrauen sich auf etwas außerhalb unserer Eindrucksformen bezieht, mithin kein bloßer Sprung zurück in die Zeit ist, sondern die im wahrsten Sinne des Wortes zwischenzeitliche Transzendenz zur Verbindung nutzt.

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22. März 2011

Parsifal

Es gibt schon beachtliche Konvergenzen im Denken Kants, Schopenhauers, Dostojewskis, Wagners, Tolstois und Tarkowskis. Ich denke, es ist sinnvoll, dies als eine wesentliche neuzeitliche Geistesströmung zu bezeichnen. Als Name böte sich Bewußtseinsrestauratismus an.

Übrigens, durchaus interessant, da ich nicht wußte, ob es Restaurismus oder Restauratismus heißen muß, habe ich beide Begriffe gegoogelt und dabei diesen SPIEGEL-Artikel gefunden. Paßt sehr schön zu geistigen Strömungen, und deutlicher hätte der SPIEGEL auch nicht sagen können, daß er marxistisch ist. Mich irritierte dbzgl. lange Zeit seine unterschwellig psychologische Unterstützung nationalsozialistischer Sichtweisen, doch erklärt sich dies wohl aus der Notwendigkeit, im Leser einen (gelenkten) Prozeß innerer Auseinandersetzung im Gang zu halten.

Ich denke freilich nicht, daß diese Strömung bisher auch nur in der Theorie einen ausreichenden Entwicklungsstand erreicht hat, bemühe mich indessen natürlich genau hier Abhilfe zu verschaffen, muß aber andererseits einräumen, daß sie bereits überragende Kunstwerke hervorgebracht hat, die größten wahrscheinlich Parsifal von Wagner und Stalker von Tarkowski.

Stalker verdeutlicht das Wesen der Transzendenz als Vertrauen und unterstreicht zugleich die Bedeutung persönlicher Reife. Dies ist absolut zutreffend dargestellt, in dem Punkt gibt es auch theoretisch nichts zu kritisieren, doch ist das eben nur eine punktuelle Betrachtung.

Parsifal andererseits ist eine interessante Weiterentwicklung der Gedanken, welche Wagner in Erkenne dich selbst (die Schrift steht auf dem Index, entsprechend hier die englische Übersetzung) geäußert hat. An der Rolle der Juden als ewige Versucher hat Wagner freilich nichts geändert, auch nicht an der Notwendigkeit, ihnen zu widerstehen, noch an der sich daraus ergebenden Folge, daß sie dann schließlich ihr Judentum aufgeben werden (Kundrys Taufe), aber es ist doch bemerkenswert, daß Kundry in Parsifal nur auf Geheiß eines Eunuchen tätig wird. Bisher habe ich Klingsor allerdings noch nicht mit Bischofsstab in der Hand gesehen. Das wäre allerdings eine schöne Inszenierung, Bindung durch Sündhaftigkeit.

Es ist dies eine tiefe Einsicht Wagners, zu der ich ja vor kurzem unabhängig von ihm, Hitlers geschichtliche Bedeutung bedenkend, auch gekommen bin. Daß Hitler sich bei der Zerstörung Wagners Kernanliegen auf dessen Spuren wähnte, ist natürlich wieder einmal eine böse geschichtliche Ironie, dieses Mal indes nicht Folge eines Versagens des Wagnerschen Erklärungsansatzes der Realität, sondern Folge einer mangelnden Bereitschaft, sich auf ihn einzulassen, welche sich auch schon zu Wagners Lebzeiten zeigte, als man ihm vorwarf, die Uraufführung von Parsifal von Hermann Levi dirigieren zu lassen.

Parsifal gibt also ein sehr klares Bild von der geschichtlichen Situation, in welcher sich der Bewußtseinsrestauratismus vollziehen muß, und den konkreten Herausforderungen, welchen er gegenüber steht. Darüberhinaus ist in der Figur des Narren die Grundhaltung vorgezeichnet, mit welcher sich dieses nur bewerkstelligen läßt.

Dieses sind sehr wertvolle Betrachtungen, welche freilich nicht sagen, worin Bewußtseinsrestauration eigentlich besteht. Natürlich, eingedenk Wagners Hintergrund, ist es klar, daß sie für Wagner selbst im Werk Schopenhauers bestand.

Man sollte sich, denke ich, nicht von den unerfreulichen Wendungen auf dem bisherigen Weg entmutigen lassen. Letztlich kann man für die eigene Ohnmacht und den damit einhergehenden Mißbrauch durch Mächtige nichts. Es bedarf eines Bewußtseins für die Länge des Weges, für die gegenwärtige Situation und auch einer gewissen Flexibilität, um sich nicht an unnützer Stelle zu verschleißen.

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15. März 2011

Zur grundlegenden Architektur

Ich habe zuletzt Sinnlichkeit, Gemüt, Vernunft (die vorherige Verwendung des Wortes Verstand hierfür ist höchst unvorteilhaft, siehe unten) und Vertrauen als separate Teile behandelt, was aber so, wenn man sich mit der Beschaffenheit des Bewußtseins beschäftigt, nicht stimmt.

Sinnlichkeit ist die frühere Anschauung. In ihr ist alles enthalten. Sie liefert einen Zustand, welcher wiederum in ihr selbst bewegt erscheint. Die Bewegung begleitet unser Wollen, ein Streben hin zu einer angenehmeren Form, welches doch keine andere Möglichkeit eröffnet als an dieser Bewegung leidend, wenn wir nämlich ohnmächtig sind, uns anderen Mächten anzuvertrauen.

Es gibt keine Sinnlichkeit ohne Vertrauen und kein Vertrauen ohne Sinnlichkeit. Diese beiden bilden zusammen in ihrer vorstehenden Beziehung die einfachste Form von Bewußtsein.

Das Gemüt ist eine Erweiterung der Sinnlichkeit innerhalb der Sinnlichkeit, deren Zuständigkeitsbereich aus den durch einen Verstand im Schopenhauerschen Sinne zum Zwecke der Analyse der Sinnlichkeit gebildeten Verhältnissen besteht. Wo Vernunft fehlt, richtet sich das Gemüt nur auf die Gegenwart und die Art und Weise, auf welche sie zu verbessern ist, also beispielsweise Ungerechtigkeit durch einen Wutausbruch. Wo Vernunft vorhanden ist, werden die eigentlichen Emotionen um Stimmungen ergänzt, deren Gegenpart durch die in der Haltung zusammengefaßten begrifflich festgelegten Verhaltensweisen gegeben ist. Man wird also niemals ein Tier melancholisch finden oder sonstwie gestimmt. Ich kann an dieser Stelle nur betonen, daß meine Gleichsetzung des Gemüts mit dem Thymus rein gleichnishaft gemeint war. Ein Gleichnis freilich, daß sich nur dem erschließt, wer sowohl Gemüt als auch Thymus genau versteht.

Die Vernunft schließlich ergibt sich daraus, daß die Verhältnisse, welche der Verstand liefert, selbst in den Bereich der Sinnlichkeit rücken und dort auch wieder vom Verstand analysiert werden, also durch die so genannte Fähigkeit zur Reflexion, wohingegen das Gemüt diese Verhältnisse bearbeitet, ohne mehr als sein Wollen dabei der Sinnlichkeit zu offenbaren. Die Vernunft als bewegende Kraft, als Erkenntnisdrang, das Bestehen von Verhältnissen zwischen Gegenständen aufzufinden, ist also wieder Teil des Gemüts, da auch dies eine Verbesserung der Gegenwart nach Maßgabe der Verstandesanalyse ist.

Freilich kann auch das Wollen des Gemüts nicht grundsätzlich vom organischen Wollen der Sinnlichkeit unterschieden werden, sondern stellt vielmehr eine Spezialisierung durch ein bestimmtes Organ, nämlich das Gehirn, dar, welches in ein Kontinuum Fallunterscheidungen bringt.

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14. März 2011

Epochenanfänge

Vorneweg, es ist nicht meine Schuld, daß der Begründer der gegenwärtigen Epoche als Menschwerdung Gottes gilt. Ich bitte dies im folgenden zu berücksichtigen.

Ich schrieb, daß Jesus Christus für den Fortschrittsglauben verantwortlich ist. Die entsprechende Stelle findet sich im Johannesevangelium, Augustinus hat das Thema später im Gottesstaat ausgebreitet. Indirekt stimmt das auch, in sofern Jesus Christus die notwendige Voraussetzung dieses Glaubens geschaffen hat, nämlich daß Menschen die Initiative bei der Gestaltung gesellschaftlicher Ideale ergreifen, selbst bestimmen, was ihnen verdienstvoll ist und es nicht den Umständen überlassen. Erst aus dieser ideologischen Selbständigkeit heraus ergibt ein Glaube an einen kontinuierlichen Fortschritt auch Sinn.

Nun muß an dieser Stelle angemerkt werden, daß die heroisch Gesinnten Träger sämtlicher Kulturen sind, weil sie formbar sind. Eine neue Epoche kann nur beginnen, wenn sie sich neu ausrichten. Die Zielausrichtung des Christentums war gemäß der erstrebten ideologischen Selbständigkeit der Vorrang des Guten, Schönen, Wahren vor der Loyalität der eigenen Interessengruppe gegenüber und das Vehikel, diese Neuausrichtung herbeizuführen, das Martyrium.

Fragen wir jetzt also analog, welche Voraussetzung ein Leben in gegenseitiger Bereitschaft hat. Nun, zentral dabei dürfte, neben wirtschaftlicher Unabhängigkeit und Disziplin, die klare Erkenntnis der eigenen Natur sein, denn nur unter Voraussetzung allgemeiner Klarheit in dieser Frage kann eine praxistaugliche Selbstorganisation nach Interesse angenommen werden, können etwaige Interessenkonflikte antizipiert und verhandelt werden. Heute wird dieses Problem durch die Nachfrage gelöst, es wird produziert, von wem geglaubt wird, daß es nachgefragt werden wird, aber das Charakteristikum gegenseitiger Bereitschaft ist es ja gerade, sich gegenseitig durch Zusammenarbeit Gestaltungsfreiheit zu geben.

Was ist also die Zielausrichtung der heroisch Gesinnten und wie läßt sie sich erreichen? Das Ziel ist es, daß allgemeine Selbständigkeit in ihren drei Facetten als höchstes irdisches Gut gilt. Der Weg dahin führt über den fröhlichen Verzicht auf alles Unwesentliche beim Bemühen um das Wesentliche.

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6. März 2011

Temperamente und Gesinnungen

Von den vier Teilen des Bewußtseins, Vertrauen, Verstand, Gemüt und Sinnlichkeit - letzteren Begriff werde ich fortan im Sinne von sinnlicher Erfahrbarkeit an Stelle von Handhabung und Beherrschung verwenden - sind drei willenshaft und der vierte (bzw. hier der erste) vermittelnd. Aus diesen drei Teilen entspringen die drei Gesinnungen, die Suche nach dem rechten Begriff, der rechten Haltung und der rechten Handhabung (im engeren Sinne) oder eben die philosophische, die heroische und die materialistische Gesinnung.

Diese werden schon von Platon erwähnt, und es wäre daher nicht direkt verwunderlich, wenn sich die klassischen vier Temperamente mit ihnen decken würden - was sie tun. Der Phlegmatiker hat schlicht keine Motivation, und wir können ihn also von vorn herein aussortieren. Die übrigen drei Temperamente, also der Sanguiniker, der Choleriker und der Melancholiker, werden durch ihre schlechten Seiten beschrieben, genauer gesagt durch ihre Nervenzusammenbrüche, was freilich das gemeine Volk nur bei den letzten beiden Temperamenten als solches versteht und dem Sanguiniker also vor ihm den Anschein der Erstrebenswertheit gibt, da er als einziger nicht defizitär zu sein scheint.

Das ist aber eine lächerliche Falschdarstellung, oder jedenfalls wäre sie es, wenn sie nicht auch zugleich gefährlich wäre, denn durch sie werden Materialisten eugenisch und Helden und Philosophen dysgenisch beeinflußt. Nur weil der Philosoph, in seinem Bemühen, die Dinge zu begreifen, manchmal melancholisch wird und der Held, in seinem Bemühen vorbildlich zu sein, manchmal in Wut ausbricht, sind sie gewiß nicht defizitärer als der Materialist, welcher manchmal die feine Abwägung seiner Interessen über der Leidenschaft (zumeist der Spielsucht) vernachlässigt.

So ist es richtig dargestellt, und es ist beunruhigend, wie wenig diese richtige Darstellung verbreitet ist, denn natürlich ist dies sehr wichtiges Wissen, welches für ein gedeihliches Zusammenleben auch unabdingbar ist. Aus dem Grund haben es die antiken Autoren auch immer hervorgehoben, welcher Bewußtseinsteil für die Handlung eines tragischen Helden verantwortlich war: als Beweis ihrer Einsicht und Würde, nämlich legitime Kulturschaffende zu sein.

Heutige Wissenschaftler sehen darin hingegen einen niederen Bewußtseinszustand, in welchem es keine Verbindung zwischen den einzelnen Teilen gegeben hat. Damit ist freilich alles gesagt. Aber wie kann das sein? Kann diese Einsicht restlos verschüttet worden sein oder werden wir planmäßig dumm gehalten?

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