.edu .org .at .ch .de .uk Blogger hier
Bereitschaftsfront

„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
Eesti
EnglishClicky

8. Juni 2020

Gefolgschaft und Krieg

Gefolgschaft besteht darin, sich in einer Interessengemeinschaft mit den einen Beherrschenden zu wähnen, welche von Seiten jener leicht durch Anpassung der Dienstpflichten an ihr eigenes Wohlergehen vorgetäuscht werden kann.

Wo die Soldaten eine Gefolgschaft bilden, da überschattet die Änderung der zwischenstaatlichen vertraglichen Stellung alle sonstigen Erwägungen der Kriegsfolgen, und einen solchen Krieg möchte ich als Positionierungskrieg bezeichnen.

Positionierungskriege sind stets Kämpfe um Ressourcen.

Bilden die Soldaten hingegen keine Gefolgschaft, so gilt ihr überwiegendes Interesse den Aktionen fremder Staaten, und einen solchen Krieg möchte ich als Interventionskrieg bezeichnen.

Interventionskriege sind stets Kämpfe um Kurse.

Interventionskriege sind ihrem Selbstverständnis nach fast immer aggressiver als Positionierungskriege, aber hinsichtlich der ihnen zu Grunde liegenden Dynamiken gilt das Gegenteil, nämlich das hinter Positionierungskriegen fast immer eine systematischere Aggression steht als hinter Interventionskriegen.

Die meisten Kriege der letzten paar Jahrhunderte waren Positionierungskriege. Aber es gab auch Interventionskriege, nämlich die Napoléonischen Kriege und die Kriege der Vereinigten Staaten seit dem Ersten Weltkrieg, soweit es ihre Seite betrifft.

Es ist, wie man nach kurzer Überlegung einsieht, dem amerikanischen Militär nicht möglich, in absehbarer Zeit offen zu Positionierungskriegen überzugehen, gleich was Donald Trump in bezug auf Grönland sagt.

Andererseits hatte weder Hitler, noch Stalin ein Problem damit, einen Positionierungskrieg zu führen, und Hitler wiederum noch weit weniger als Stalin, weil ihre Gesellschaften eben Gefolgschaften der NSDAP, beziehungsweise der KPdSU waren.

Totalitarismus ist in meiner Klassifizierung der Herrschaftsformen die Herrschaft der Rücksichtslosigkeit, mit welcher sich stets die Gefolgschaft als Unterbindungsverein für die Sorge verbindet. Allerdings ist die im verlinkten Beitrag angegebene Liste von Unterbindungsvereinen nicht vollständig, sondern lediglich fundamental und damit ausbaufähig. Und ich habe mich auch schon früher mit solchen Ausbauten in totalitären Staaten beschäftigt, wenn ich mich recht erinnere unter der Bezeichnung Korporation, beispielsweise der sowjetische Schriftstellerverband, wie ihn Bulgakow beschreibt, bei welchen es sich nach der aktuellen Sprechweise um Vertreterschaften handelt.

Und das ist natürlich auch folgerichtig, denn schließlich kann nur ein Stab Leitungsverein sein, und alle anderen Bünde müssen irgendwie beherrscht werden, wozu sie in Vertreterschaften umgewandelt werden müssen.

Und hier wird es hinsichtlich der aktuellen politischen Lage spannend, denn Voraussetzung dafür, daß ein Stab andere Bünde dadurch beherrschen kann, daß er sie zu Vertreterschaften degradiert, ist, daß diese Bünde Teil seiner Gefolgschaft sind.

Aber wie ich eingangs sagte: Eine Armee, welche Interventionskriege führen will, kann sich nicht aus Gefolgschaften rekrutieren. Und das heißt, daß, wenn sich heute in den Vereinigten Staaten lauter Vertreterschaften ausbreiten, der Frauen, Schwarzen, Schwulen und was auch immer sonst, es kategorisch unmöglich ist, daß sie die Linie der US-Armee vertreten, sondern daß sie zwangsläufig zur Gefolgschaft eines anderen Bundes oder mehrerer anderer Bünde gehören, welchen es um Positionierungskriege geht.

Möglicherweise versteht die US-Armee das nicht und denkt, sie könne einmal im Namen dieser und ein andermal im Namen jener Vertreterschaft intervenieren, aber erstens stellt Intervention eine Vertreterschaft, wie schon gesagt, nicht zufrieden, und zweitens ist eine Intervention im Namen einer Vertreterschaft Mord im Namen von Sklaven und wird zu allen Zeiten als solcher erkannt.

Operativ steht der US-Armee auf absehbare Zeit auch weiterhin alles offen, doch kulturell kann sie sich keine Neutralität leisten, da ihr bei Fortsetzung der gegenwärtigen Vertreterschaftsbildung der Boden unter den Füßen entzogen würde. Trump sagt offen, daß er lieber Positionierungs- als Interventionskriege sähe, aber die Zersplitterung der amerikanischen Gesellschaft in verschiedene Interessengruppen stellte sicher, daß es auch dazu käme.

Natürlich sage ich, daß die Zersplitterung so ungeschickt betrieben wird, daß sie als abschreckendes Beispiel letztlich der Einheit dienen soll, aber es gibt erhebliche Müdigkeitserscheinungen, welche dieses Maneuver behindern, und die US-Armee wird aufpassen müssen, daß sie sich nicht von den Füßen spielt: Natürlich tut sie gut daran, Soldaten nicht auf Plünderer schießen zu lassen, doch wenn die Lust an der Umwälzung der Besinnung davonläuft, wird es sich nicht vermeiden lassen, ihr Zügel anzulegen.

Labels: , , , , , , , , , ,

6. Juni 2020

The gatekeepers

Where there are locks that might be opened, there may also be gatekeepers, and it so happens that there are, as evidenced by the description of the seven churches in the Revelation:
  • obsession and renunciation keep us from prayer,
  • suppression and addiction keep us from partaking in God's initiatives and
  • commitment keeps us from accepting God's wishes.
Obsession and renunciation are the fruits of Hegelian dialectic: obsession with making points and winning arguments (Ephesus) and renunciation of orthodoxy by the general admission of antitheses (Thyatira).

Suppression is brought about by professionalism (Smyrna) and addiction by hypes, which eventually leave us desensitised and exhausted (Sardis).

Commitment as the fruit of bigotry in the original sense, i.e. double standards, seeing only the good in one's ways, but not the bad, whereas with others it's the other way round, is full of demands that can't be satisfied by what God wishes for. It creates a fire driving to outrage (Pergamos).
These things saith he that is holy, he that is true, he that hath the key of David, he that openeth, and no man shutteth; and shutteth, and no man openeth;
Well, we shall see. At least the locked gates and their keepers have come into sight. (Philadelphia's gate is open, because the generous deed that God wishes for cannot be slandered.)

Labels: , , , , , , , , , , ,

Three locks

Although the previous post was born out of great vagueness, it makes the difference between a godly man and an ungodly man precise: the former asks what God represents, initiates or wishes for and the latter asks that of himself.

But if that is so, then in order for something happening to be considered an act of God, it must
  • allow God to represent Himself in it,
  • seem initiated by Him and
  • be to His liking.
In order to represent Himself properly, God has to answer prayers, thus being both concerned for us and our final judge.

So, concerning Christ's second coming,
  • the answering of prayers,
  • the fulfilment of the prophesied signs and
  • the fittingness of His return
are the three keys that unlock the belief in it.

Labels: , , , , , , ,

5. Juni 2020

Die anthropozentrisch verstandene Welt

Ich habe mich im Rahmen des gestrigen Beitrags noch einmal mit den Sassaniden beschäftigt, und angesichts dieser Bilder
dürfte es klar sein, daß das europäische Mittelalter in militärischer Hinsicht, also was Ausrüstung und Berufsethos angeht, eine Fortsetzung der persischen Aswaran war, was sich auch damit deckt, daß der Stahl von Ulfberhtschwertern wohl aus Persien importiert wurde.

Und was nun das Berufsethos angeht, so ist er doch dadurch geprägt, etwas darzustellen, und zwar als freiwillige Entscheidung. Was sind die diesbezüglichen Alternativen?
  • Die Zeit zu prägen,
  • auf der Höhe der Zeit zu sein und
  • der Zeit zu widerstehen.
Und mit ihnen verbinden sich die Liebe der Ordnung, die Wertschätzung der Teilhabe und der Stolz auf die Verantwortung, also philosophische, heroische und materielle Gesinnung, doch auf eine politisch-strategische Weise.

Also kommen wir zu den Geistern zurück,
  • Gestimmte versuchen die Zeit zu prägen,
  • Fordernde auf der Höhe der Zeit zu sein und
  • Erregte der Zeit zu widerstehen,
und ihre Strategie betrifft die anthropozentrisch verstandene Welt, in welcher
  • das Verfolgte das Dargestellte ist, in bezug auf welches sich der einzelne erklärt,
  • das Ausgelöste das möglichst ordentlich Angestoßene und
  • das Eingelöste das Erwünschte, worauf sich die Absicht des einzelnen richtet.
Wahrscheinlich läßt sich an der Affinität zum Dargestellten, Angestoßenen oder Erwünschten der Geist eines Menschen am sichersten bestimmen. Doch insofern ein Mensch stets der ist, wer er ist, muß sich auch sein Begriff der göttlichen Gerechtigkeit dem anpassen, wonach
  • sich Gott aus Sicht des Gestimmten in der Welt darstellt,
  • aus Sicht des Fordernden Gott die Welt anstößt und
  • aus Sicht des Erregten sich Gott die Welt wünscht,
so daß sich
  • der Gestimmte als Teil der göttlichen Darstellung sieht,
  • der Fordernde als Teil des göttlichen Anstoßes und
  • der Erregte als Teil des göttlichen Wunsches,
und nicht als das, als was sich jeweils die andern sehen.

Freilich, abstrakt läßt sich einräumen, daß alles drei stimmt, doch persönlich hängt jeder nur an einem von diesen dreien. Auch ist nicht gesagt, daß sich Menschen in dem, was sie darstellen, anstoßen und sich wünschen, nicht verrennen können. Daß die Könige der Sassaniden philosophisch gesinnt waren, ist durchaus anzunehmen, hatten sie doch die Macht, die Darstellung zu wählen, aus welchem Grund auch Platon die Philosophen unter den Kriegern sucht, also weil er letztere, wie die Nomoi verdeutlichen, für Darstellende hält, doch heißt das natürlich nicht, daß ihre Könige sonderlich gute Philosophen waren, und in dem Punkt sind die christlichen Ritter ihnen dann auch überlegen, da nicht ihr König, sondern die Kirche bestimmte, was sie darstellten.

Labels: , , , , , , , , ,

4. Juni 2020

Wars over taxes

It might been generally known that the American Revolutionary War was over taxes, but at least in Germany there is massive suppression of even the idea that paying taxes could be a reason for war.

In order to prove this point, I shall mention three instances of such suppression. The first two are dealing with the translations of the The Three Investigators novels. In Robert Arthur's The Mystery of the Silver Spider there is a group of people in the kingdom of Varania called the minstrels, who, because of their tax exemption, are particularly loyal to Prince Djaro. In the German translation, which changes many things, there is no trace of such a group whatsoever. In Mary Virginia Carey's The Mystery of the Scar-Faced Beggar the terrorists are rich landowners who despise paying heavy taxes, in the German translation they are cult members fighting for the starving masses.

The third instance concerns the Thirteen Years' War. This is the English Wikipedia article about it, and this the German - compare them at your leisure. Although this is German history, the English article is three times as long. And the German article opens with essentially stating that the Prussian cities have been traitors in a time of war. And of course you'll hear nothing about this war in German schools.

Both the American Revolutionary War and the Thirteen Year's War have been fought in newly established colonies, at a time, when national identity and local administrative structures were still weak. I claim of course that there has been another war over taxes, which would have occured however at another point of societal development, namely during a reformation. The Quran tells us:
The Romans have been defeated in the nearer land, and they, after their defeat will be victorious within ten years - Allah's is the command in the former case and in the latter - and on that day believers will rejoice.
which places the time of telling at around 620 A.D., assuming that people back then would have laughed at retrospective prophecies. Assuming further that the source of this prophecy was not an angel, but a plan that was being implemented, we're left to ask: What plan?

Upon the closure of the Platonic Academy in 529, Damascius travelled to the Persian court in 532, from which he returned backed by a peace treaty between Justinian I and Khosrau I allowing him free movement in the Byzantine Empire. He was last seen in Syria in 538 at age 76. Assuming with very good reason (additionally Muhammed was supposedly born on Plato's 1000th birthday) that Damascius wrote the Quran in the sense that he provided a basis that was later incorporated in its current form, the obvious idea then is that Damascius toured Anatolia and Syria promoting a juster society under what is now known as Sharia law. There is indirect corroboration that there was demand for it in Anatolia by the subsequent establishment of themes. So the plan then was: Recruit supporters of the cause (who would have initially lived like the sleepers described in Surah 18), let them aid the Persians at the appointed time (i.e. open the city gates), and eventually let the Arab contingent of the Sasanian army desert in order to grant Constantinople the opportunity to carry the war into Persia. It is a reasonably promising plan. And the accounts that we have match it.

This, too, is a story that isn't being told. Not for lack of evidence, but because the theme of the divergence of particular interests from the common interest underlying all wars over taxes is anathema to the Catholic Church, unless the case is being made that the common interest is illegitimately claimed and the particular interest does indeed support the common one, which, somewhat ironically, happened when the Founding Fathers of the United States claimed that their particular interest was the common interest of mankind and by that, knowingly or unknowingly, embraced Catholicism, because any philosophy that aims to be universal has to submit to the winner of the battle of ideas, so either Catholics have to become good Americans or Americans good Catholics, and it is somewhat obvious which of the two is more likely. The same argument could be made for Islam, but the Quran doesn't argue in the name of the common interest exactly, but rather in the name of human nature and nature in general, being a divine dictate. I, of course, try to stay as close to the truth as possible and trust it. And the truth of the matter at hand, as I see it, is that particular interests cannot be surrendered unconditionally to the common interest nor vice versa, which isn't much of a statement amongst sane people, but if that is so then there should be a fair discussion of tax wars while there isn't.

Labels: , , , , , , , ,

2. Juni 2020

Exponentialtangenten

Analog zur Definition der linearen Tangente
(f(x+h)-f(x))/h
definieren wir die Exponentialtangente
(f(x+h)/f(x))1/h.
Der Wert der Exponentialtangente gibt die Basis b an, für welche lokal f(x)=bx gilt.

Beim Studium von Flüssen dürften Exponentialtangenten eine Rolle spielen, wobei die Multiplikation durch die Funktionsverknüpfung gegeben wird. Am einfachsten ist das Beispiel eines linear um eine Achse rotierenden Flusses, in welchem Fall f(x,t)=(aij)txj mit der üblichen Summationskonvention für Indizes und einer konstanten Rotationsmatrix A gilt, welche den konstanten Wert der Exponentialtangente des Flusses f(t) = ft (Funktionscurrying) darstellt.

Auch beim Zulaufen eines inkompressiblen Flusses in einer Düse tritt, sofern sich die Schnittfläche S der Düse in sich verdoppelnden Abständen halbiert* und der Fluß über S = {(1,x)} zur Zeit t=0 parametrisiert wird, eine konstante Stauchstreckungsmatrix als Wert der Exponentialtangente auf (also exponentielle Beschleunigung, von welcher mancher bei diesem Wetter versucht sein wird, Gebrauch zu machen, wozu es auch nicht mehr als des Daumens und des Zeigefingers bedarf).

Nun denn, das ist nicht gerade viel, und ich würde wirklich gerne die Änderung der polaren Darstellung (A=(AA*)1/2U) unter At wenigstens im zweidimensionalen Fall allgemein betrachten, aber die Formeln sehen allzu unfreundlich aus. Dennoch, unterschlagen möchte ich die vorstehende Betrachtung auch nicht.

* Im Zweidimensionalen wird die Düsenform also durch {(x,c/x),(x,-c/x)} gegeben, da exp((log(1/s)/log(s))log(x)) = exp(-log(x)) = 1/x ist, und im n-Dimensionalen durch den Radius c/x1/(n-1) an der Stelle x, falls die Düse rotationssymmetrisch ist.

Labels: ,

1. Juni 2020

Duty in these days

When I think back to when I was six and remember the duty I felt to proceed on the path of improving the common living conditions, a path I shared with many others, I feel like dirt, for what duty is there to proceed on my current path?

But let me go through the numbers:
  1. righteousness,
  2. openness,
  3. valour,
  4. mastery,
  5. dutifulness,
  6. charity,
  7. gratitude.
1. Studying the nature of things.
2. Sharing my metaphysical experiences.
3. Following the path laid out in the Revelation.
4. Living according to my teaching.
5. Reaping the fruits of my path.
6. Explaining what is broken.
7. Acknowledging beauty.

Duty enough for me. Yet I don't feel like laying it on anyone else.
And they sung as it were a new song before the throne, and before the four beasts, and the elders: and no man could learn that song but the hundred and forty and four thousand, which were redeemed from the earth.
I'm not saying I'm one of them, but the choir is exclusive, their ancestors have been sealed by the Alhambra Decree and they, besides being Christian, are virgins. It just so happens that remarkably close to 144000 Jews did convert to Christianity during the Iberian Inquisition. But only because the Revelation is literally true it doesn't mean that it is not at the same time a guiding metaphor, or differently put, only because something is a miracle doesn't mean that it cannot be a sign at the same time. And the sign says: Let them learn their duty on their own. No one can teach it to the common man.

But while this account may sound grandiose, it describes quite the opposite: a shameful separation from the hearts of the people of good faith - though, if they were bright enough, having the light, no Christian would seek the light elsewhere.

Labels: , , , , , , , , , , ,

31. Mai 2020

Das Geheimnis der Geschichte der letzten 150 Jahre

In meiner bisherigen Beschäftigung mit dem Thema ist mir der entscheidende Aspekt bisher durch die Lappen gegangen.

Ich habe mich zunächst recht unverbindlich mit der popkulturellen Erneuerung befaßt, um dann zur Einsicht zu gelangen, daß Hegel die Schlüsselrolle im gegenwärtigen Zykel spielt, und bin schließlich auf das recht seltsame Erbe der Fanbewegung gestoßen, von welcher ich meinte, sie hätte keines, was auch stimmt, abhängig davon, wie man es nimmt.

Nun, da Hegel die Schlüsselrolle spielt, liegt dort auch der Schlüssel zum Verständnis der ganzen Entwicklung. Was also hat Hegel getan? Wie läßt es sich fassen, so daß es die Jugendbewegung der 1920er Jahre und den technologisch-elitären Globalismus Moonraker's in trivialer Weise vorwegnimmt?

Er hat den Geist aus seiner religiösen Abhängigkeit gelöst, er hat ihn selbständig gemacht, so daß seine weitere Entwicklung dadurch zu bewältigen wäre, ihn nur mit genügend vielen Thesen zu mästen.

Entscheidend ist aber dies:
  • Wenn sich etwas verfolgen läßt, so ist es möglich,
  • wenn sich etwas einlösen läßt, so ist es gültig und
  • wenn sich etwas auslösen läßt, so ist es wirklich.
Das ist das empirische Möglichkeitsverständnis: Möglich sind die Gedanken, welche sich fassen lassen.

Daneben gibt es aber auch das logische Möglichkeitsverständnis: Möglich ist, wessen Ungültigkeit nicht eingesehen wurde.

Indem Hegel den Geist als Synthetisierer definiert hat, welcher die gültigen Teile von These und Antithese bestimmt und miteinander verbindet, hat er nebenbei dafür gesorgt, daß das logische Möglichkeitsverständnis fundamental wurde.

Und diese Fundamentalität wirkt sich wiederum auf das Verhältnis von Geist und Welt aus. Nach dem empirischen Möglichkeitsverständnis hängen die möglichen Gedanken von der Wirklichkeit ab, um also einzusehen, muß sich der Geist mit der Welt abstimmen, sie einerseits einrichten, sich andererseits aber auch in ihr zurechtfinden. Nach dem logischen Möglichkeitsverständnis in Verbindung mit Hegels Auffassung des Geistes ist die Geistesoperation von der Wirklichkeit unabhängig und also gilt es ausschließlich die Welt einzurichten.

Ich rede hier nicht von Nachbars kläffenden Hunden, ich rede von der Notwendigkeit, Ansatzpunkte zu finden, welche sich verfolgen lassen, und welche nur konkret in der sich gerade vollziehenden Gegenwart gefunden werden können. Hegel war ja so bequem, diesen Prozeß dadurch zu übergehen, daß er schlicht behauptete, Geist und Zeit seien dasselbe, also zu sagen, daß, so lange die Zeit nur flösse, der Mensch auch denken würde.

Also nochmal,
  • prähegelianisch: Abstimmung mit Gott und Welt,
  • posthegelianisch: Einrichtung der Welt.
Stimmt es dann? Warum die Jugendbewegung der 1920er Jahre? Weil der nächste Teil der Welt der eigene Körper ist und die Leibesübung das Mittel seiner Einrichtung.

Und warum ist der technologisch-elitäre Globalismus Moonraker's zum Erben George Harrison's geworden?

Daß eine Bewegung, welche die Stellung zur Welt erneuert, in Konflikt mit dem logischen Möglichkeitsverständnis gerät ist selbstverständlich, denn ihr natürlicher Leitstern ist ja gerade das empirische Möglichkeitsverständnis. Also ist es schließlich auch dahin gekommen, daß weite Teile der Fanbewegung sich von Hegel ab- und Drogen und Spiritualität zugewendet haben.

Das Problem dabei ist nur, daß es ihnen ja nicht um ein besseres Verständnis, sondern um eine bessere Stellung ging, und also versank die eine Hälfte der Bewegung im Drogensumpf, während die andere verstärkt in den hegelkonformen Universitätsbetrieb miteinbezogen wurde, und Moonraker ist sozusagen die letzte große Fähre, welche dorthin ablegte.

Wenn wir hingegen nur fragen, ob es eine Beziehung zwischen dem technologisch-elitären Globalismus und dem selbständigen Geist Hegels gibt, so lautet die Antwort, daß
  • soweit es das technologisch betrifft, es jedenfalls stimmt,
  • das elitär Sachzwängen geschuldet ist und
  • der Globalismus sich dem Umstand verdankt, daß sich Hegels Schule bereits weit genug verbreitet hatte, um eine globale Rebellion gegen sich loszutreten, so daß folglich auch die Abhilfe global sein mußte.
Um es ganz kurz zu sagen: Als die Zeit kam, sich besserzustellen, wurde die hegelianische Geistesmast ausgebaut - und was auch sonst?

Wir sehen also, daß die Geschichte der letzten 150 Jahre nichts weiter als die folgerichtige Entwicklung der Selbständigkeit des Geistes ist, welchem die Welt untertan wird. Und damit sehen wir natürlich auch, in wiefern sich ein künftiges Verständnis des Geistes vorteilhaft vom immernoch vorherrschenden unterscheiden kann.

Labels: , , , , , , , , , , ,

In the shadow of Moonraker

Fillhand of the sixth moon since the sun's lowest point

Strangely enough, I never considered Moonraker much of a 70s movie. While the year, 79, could be an explanation, as it is for Alien, it isn't in Moonraker's case, which swims in a sea of 70sness.

No, the reason is that I never could see Moonraker through the eyes of its original audience, and there is again a reason for that, which I will be coming to later.

Now, there are few films I can relate to as well as to The End with Myrna Loy and Death on the Nile with Bette Davis. These spell 70s to me like few others. And mainly, because I didn't want to go to bed with Lois Chiles murdered, I decided to watch Moonraker as well.

Yes, it's all the same, even if Roger Moore is getting older. It's still ironic, still filled with societal jabs. The next three Bonds and the last three with Roger Moore are focussed on the Cold War, but Moonraker isn't.

Yet, it is as if Moonraker was pregnant with something. There's something rising up like mist from meadows. A hope, an aim. Although The Spy Who Loved Me had a very similar plot, Cord Jürgens' crew of merry sailors never quite instills the same feeling. Moonraker is more professionally styled, and particularly on the science end.

You can feel that having fun is no longer enough, the outward signs of the 70s are there, but inwardly something new is taking on shape. Science towers over Moonraker, a bridge to a better world, and also the bridge to world domination. You watch Moonraker and you're being programmed to become a nerd, whether you know it or not.

It is boring to see a thing for the first time, because nothing is ever seen for the first time. But it is interesting to see a thing before its time. Having grown up for the most part in the 80s, Moonraker doesn't naturally have this quality for me, for it is, in my experience, surrounded by the things that it foreshadowed.

We were not quite there at the end of the 70s. More efficient means of regulation were necessary, which were soon being developed and are being developed still. As long as digital applications will become slicker, we will still be in the shadow of Moonraker, we will still be following the same programme.

And if thus hypnotised, how about the other parts of the programme, world community and elitism with the implicit promise that the 70s would thus last forever?

Oddly enough, John Boorman took a shot at that already five years prior, two days after I was born. But is the idea dead? It has certainly taken on strange forms after 9/11, first under Bush, then under Obama, but is it dead?

Trump doesn't profess it, but does that mean that it doesn't lie in hiding?

I wouldn't say so. However, with God the dew is followed by the sun and not preserved in precious bottles. Into the long wait of the sleepwalkers breaks the light of an unexpected day. With enough abstraction, Zardoz really fits quite well.

Labels: , , , , , , , , , , ,

30. Mai 2020

On bearing life

Do not allow evil into your heart, it will make a home there.

If love can't live there, evil will do just as well.

Oh. How... How sad, mademoiselle.
I wonder whether that spiked Woody Allen's interest, he seems to be the type.

Yes, you could give your heart to revenge and be content that its spirit fills you with life, some life.

I never seriously considered giving in to that temptation, though. You may ask, why not - I shall answer.

It is, in a manner of speaking, indeed a question of the salvation of the soul. But then again, what is the salvation of my soul?
If I will that he tarry till I come, what is that to thee?
Shades of the Flying Dutchman. No, I would never give away my power for some life, even when I'm duty-bound not to use it. This life may well be a preparation for another kind of existence, but it is not unsupervised, it is not without limits or crossing-overs here in this world, guided by existences of another kind, as it were.

Choosing some life is to perform a minor function in the flow of karma, to let oneself be woven into the fabric of passing events, it is a way to dissolve into the world. But to hold on to one's own life is to see its end. A person, though, who felt that he had no life, would gladly choose some.

Labels: , , , , , , ,

29. Mai 2020

Schulden und schenken

Drei Formen der Macht verbinden sich damit zu schulden und zu schenken:
  • die Macht Schulden einzutreiben,
  • die Macht Schulden zu begleichen und
  • die Macht zu schenken.
Vertrauen bildet sich stets in Folge von Machtausübung. Angewandt auf die vorstehenden Formen der Macht bedeutet dies,
  • daß der Schuldeneintreiber die Möglichkeit hat, das Vertrauen der Schuldigen zu gewinnen, indem er darauf verzichtet, ihre Schulden einzutreiben,
  • daß der Schuldenbegleicher die Möglichkeit hat, das Vertrauen seiner Gläubiger zu gewinnen, indem er seine Schulden stets bestimmungsgemäß begleicht und
  • daß der Schenkende die Möglichkeit hat, das Vertrauen seiner Klienten zu gewinnen, indem er sie beschenkt.
Ersteres und letzteres vollzieht sich relativ schnell, das zweite dagegen nur langsam.

Es stellt sich die Frage, was dies für verschiedene Gesellschaftsformen bedeutet. Fragen wir also zunächst genauer, wer die Schulden eintreiben sollte.

Wenn die Aufgabe, die Schulden einzutreiben, bei den Gläubigern liegt, steht nicht zu erwarten, daß sie auch nur einem Schuldigen seine Schuld erlassen werden. Liegt sie hingegen in anderen Händen, so mag das Vertrauen der Schuldigen schwerer wiegen als die eingetriebene Schuld. Die Gläubiger der meisten Schulden, Dienstschulden und Wiedergutmachungsschulden, sind die Bürger eines Gemeinwesens. Mit der Eintreibung jener Schulden sind heute hingegen Presse und Gerichte betraut. Es ist also wichtig, daß diese nahe an den Bürgern bleiben, andernfalls sie ihre Macht dazu verwenden könnten, sich das Wohlwollen von Veruntreuern und Gewaltverbrechern zu gewinnen. Nahe, freilich, bleiben sie jenen, welche sie bezahlen.

Fragen wir als nächstes, ob es für das Vertrauen auf die Obrigkeit besser ist, wenn sie sich rechtfertigen muß oder nicht, wiewohl ich die Antwort natürlich schon gegeben habe, nämlich daß der Rechtfertigungszwang die Gewinnung des Vertrauens sehr verlangsamt.

Selbstverständlich mag es andere gute Gründe geben, die Obrigkeit dazu zu zwingen, sich zu rechtfertigen, aber in einer Situation, in welcher das Vertrauen ungewiß ist, wäre es verhängnisvoll, darauf zu bestehen. Vertrauen zwischen gleich Mächtigen mag schleichend dadurch gewonnen werden, einander Fesseln anzulegen, Vertrauen zwischen ungleich Mächtigen wird dadurch erschwert.

Wir werden also gut daran tun, Stabilisierung stets durch die unter keiner Kontrolle stehende Tat zu suchen.

Und wenn es uns um mehr als nur Stabilisierung geht, nämlich um eine Gesellschaft voller Vertrauen statt Mißtrauen, werden wir allgemein fordern müssen, daß ein jeder seiner Arbeit möglichst frei, möglichst wenig schuldend und mit möglichst großer Gelegenheit zu schenken, nachgehen kann.

Das sind völlig unstrittige Punkte. Und sie zeigen uns überdeutlich, welche Folgen die Einsetzung von Kontrollgremien ungewisser Loyalität hat. Gibt es tatsächlich eine ernstzunehmende politische Kraft, welche darauf wettet, daß der Durchschnittsbürger zu dumm ist, um zu bemerken, welches Spiel hier mit ihm getrieben wird?

Was ich meine ist dies: Ist es glaubwürdig, daß die Mehrheit einer durch solche Gremien dominierten Architektur ihre Zukunft anvertraut? Eine solche Dummheit kann es doch nicht geben. Und damit ist die ganze Kulisse ein einziger Popanz. Letztlich, jedenfalls. Auch wenn bis zur hinreichend erwachten Klarheit noch etliche gespensterhafte Leiden durch die Straßen ziehen müssen.

Labels: , , , , , , , , , ,

Amongst barbarians

I'm 46 years old and it took me so long to realise that I'm not the only person on the face of the earth, who believes in going through life and sifting out what is beautiful for later use. It is actually a family trait that at least some members of my extended family share.

Although it doesn't really make that much of a difference in absolute numbers, one or some very few, and it makes absolutely no difference in terms of my actions, it does make a considerable difference in how I feel, namely beleaguered or filling my place in society.

When I took refuge to the Lord in the name of everything that is beautiful in the world when I was three, I did the only reasonable thing considering the odds, but I thought ever since that I was living in a bubble, whereas I simply tried to stay true to my nature.

A man may of course collect what is beautiful in different ways, in a specialty shop, in his garden, as a painter and also as a philosopher collecting interesting angles on various subjects. Whatever the public's esteem for the latter occupation may be, it certainly has a wider scope than that of painting.

Most people consider beauty a prize of honour, an open display an act of boasting, but the tiniest minority believes that all it takes to make the world a more beautiful place is to choose beauty over ugliness.

Well, it is no pleasure to live in a land where people expect to be honoured for embracing ugliness and turn violent on you for embracing beauty, because they feel disrespected. So I kept my head down since I was twelve, I enjoy no luxury whatsoever, still there is hatred simply for being content. Someone's got it backwards: respect is a relative thing, taking its meaning from the quality that engenders it, beauty is absolute and who ever said it would be just to sacrifice her at the altar of respect? Wouldn't respect based on a quality that manifests a higher beauty, which the virtues are, need no sacrifice, but be willingly served? Still they are set in their way, ever appeasing the dragons.

Labels: , , , , , , , , , , , ,

28. Mai 2020

Hierarchische und autonome Gesellschaftsformung

Wenn eine Gruppe die Vormacht in einer Gesellschaft gewinnt, so kann sie diese hierarchisch formen und tut es in den sechs Herrschaftsformen des I Chings.

Aber auch wenn eine Gruppe nicht die Vormacht innehat, kann sie sich immernoch autonom an der Gesellschaftsformung beteiligen, entweder durch Selbstverbesserungsgemeinschaften, oder durch Absicherungsgemeinschaften.

Absicherungsgemeinschaften bilden sich aus dem Bemühen heraus, sich vor den sozialen Gefügen der Seelenteile abzusichern:
  • in einer Schule vor der in Banden wirkenden Lust,
  • in einem Stab vor der in Parteien wirkenden Achtung und
  • in einer Clique vor der in der Zurückgezogenheit wirkenden Sorge,
wobei es sich allerdings um eine ganz spezielle Schule, einen ganz speziellen Stab und eine ganz spezielle Clique handelt, nämlich
  • im Falle der Schule um eine Patenschaft,
  • im Falle des Stabes um eine Weichenstellerschaft und
  • im Falle der Clique um eine Ausloberschaft.
Die Patenschaft bietet der Lust, was sie begehrt, wenn sie die Vorgaben der Paten verinnerlicht. Das einfachste Beispiel für sie ist durch die Gemeinschaft der Erwachsenen gegeben, welche sich gegenüber der Jugend absichert.

Die Weichenstellerschaft bietet sich Parteien an, indem sie ihren Mitgliedern versichert, daß sie ihre Ziele leichter erreichen können werden, nachdem die Weichenstellerschaft die Ansprüche der Gesellschaft erst durch bestimmte Projekte verändert hätte, und in so weit wie diese von diesem Angebot Gebrauch machen, verlegen sie sich von der Koordination verschiedener Interessen auf die dem Interesse der Weichenstellerschaft gemäße Formung neuer Bürger. Beispiele lassen sich in der Politik leicht finden, ohne daß ich hier eines im besonderen herausheben wollte.

Die Ausloberschaft versucht die Sorge für sich einzunehmen, indem sie Preise für die Lösung bestimmter Probleme auslobt, wobei die Belohnung auch psychologischer Art sein mag.

Jede Absicherungsgemeinschaft bietet dem kontrollierten Seelenteil etwas an, was ihn ablenkt, und sichert sich so vor seiner Wirkung ab. Selbstverbesserungsgemeinschaften führen zu Wirkungsschüben, Absicherungsgemeinschaften halten sie im Zaum. Und zusammen bilden sie die autonome Gesellschaftsformung.

Labels: , , , , , , , ,

27. Mai 2020

A bit more on the corona virus

I read Paul Garner a while back writing:
The illness ebbs and flows, but never goes away. Health professionals, employers, partners, and people with the disease need to know that this illness can last for weeks, and the long tail is not some “post-viral fatigue syndrome”—it is the disease. People who have a more protracted illness need help to understand and cope with the constantly shifting, bizarre symptoms, and their unpredictable course.
It seems the South China Morning Post has just given a scientific explanation for this:
Coronavirus uses same strategy as HIV to dodge immune response, Chinese study finds

Both viruses remove marker molecules on surface of an infected cell that are used to identify invaders, according to Chinese researchers
Three things:
  1. It certainly lends credibility to the hypothesis that the corona virus originated in a laboratory.
  2. While this explains why the disease resurfaces, it doesn't mean that the corona virus targets the immune system like HIV does.
  3. It is by now blatantly obvious that corona virus news are currently being considered items of warfare, released to influence the confidence of the public in its political leaders and economic future.

Labels: , , , , ,

26. Mai 2020

Glaubensbezügliche Perspektiven

Ich drückte im vorigen Beitrag eine gewisse Unzufriedenheit mit der heute vorherrschenden Geisteshaltung aus, welche ich hinsichtlich der Anwendbarkeit von Verständnissen, oder Perspektiven, wie ich sie in diesem Beitrag nennen möchte, präzisieren werde.

Wir können zunächst einmal drei Anwendungsfälle von Perspektiven unterscheiden, nämlich
  • Zurechtfindung in etwas Unabänderlichen,
  • Abstimmung mit etwas Abänderlichen und
  • Einrichtung von etwas Willkürlichem,
also reine Wahrnehmung, Wahrnehmung und Tat und reine Tat.

Jeden dieser Fälle können wir dann der Motivation nach ein zweites Mal dreiteilen, nämlich ob Vorliebe, (subjektiver) Glaube oder Gewissen die Anwendung leitet, und in sofern sich Perspektiven besonders für einen Anwendungsfall eignen, können wir diese Unterteilung auch auf sie übertragen.

Ein paar Beispiele. Gebete dienen der Abstimmung, einige sind durch Vorliebe motiviert, andere durch Glauben und dritte durch das Gewissen. Und dasselbe gilt für die Perspektiven auf sie. Die Beschreibung der Herrschaftsformen des I Chings dient der Zurechtfindung und ist durch den Glauben motiviert. Vereine der höheren Kommunikation dienen der Einrichtung, und dasselbe gilt für die Perspektiven auf sie.

Die Geisteshaltung unserer Zeit besteht nun darin, vorzuschlagen und das beste aus den Vorschlägen zu bestimmen und zu verbinden - jedenfalls in der Theorie, praktisch findet es selbstverständlich nicht statt, denn es wäre selbstverständlich ein ungeheurer Aufwand. Aber aus dem theoretischen Anspruch ergibt sich die Pflicht, den theoretisch gemeinsamen Beschluß mitzutragen. Praktisch heißt es selbstverständlich nichts anderes, als daß wir alle an die Notwendigkeit den Laden zusammenzuhalten gekettet sind.

Und das gilt für alle posthegelianischen Systeme gleichermaßen, ob Markt- oder Planwirtschaft macht nicht den geringsten Unterschied, weder die eine, noch die andere kann den freien politischen Gestaltungswillen ihrer Teilnehmer kanalisieren, so lange sie die genannte Geisteshaltung teilt.

Doch kommen wir auf die obige Unterteilung der Anwendungsfälle von Perspektiven zurück. Von den neun möglichen Fällen kommen in unseren Gesellschaften nur sechs vor*, weil
  • es nichts bringt, sich seinem Glauben gemäß zurechtzufinden, wenn die Pflicht zur Kooperation glaubensunabhängig ist,
  • glaubensgemäße Abstimmung nur einseitig, bei einem selbst, erfolgen kann und
  • glaubensgemäße Einrichtung nur in Abtrennung von der Gesellschaft möglich ist.
Wir haben aus Bequemlichkeit darauf verzichtet, den gemeinsamen Glauben als leitendes Element zu erhalten, und haben dafür die Quittung bekommen, indem glaubensbasierte Perspektiven ihre gesellschaftliche Funktion verloren haben.

Darin besteht die Breite unserer Gesellschaften, von welcher ich sprach, und die Anwendbarkeit, von welcher ich sprach, ist die Anwendbarkeit von glaubensbezüglichen Perspektiven.

Dabei ist alles, was wir zu unserer Befreiung brauchen, etwas Ehrlichkeit: Es besteht keine natürliche moralische Pflicht, sich der Staatspropaganda gemäß für die Interessen des eigenen Staates einspannen zu lassen. Hörten wir auf, dies gegenseitig von uns zu fordern, gewännen glaubensbasierte Perspektiven sofort ihre soziale Funktion zurück.

* eine glaubensbezügliche Perspektive (x zwingt y) können wir selbstverständlich auch heute noch anwenden, und sie kann an den physikalischen Fakultäten unserer Universitäten studiert werden.

Labels: , , , , , , , , , , , , ,

24. Mai 2020

Hegel

I never thought much of Hegel's influence, it seems trivial that the mind will try to learn from anything as much as it can, but as I discussed this morning: Hegel lived at a critical time of conceptual renewal and even if he ostensibly stayed very close to the Augustinian idea of perpetual progress (i.e. Jacob's ladder), he made one superficially inconsequential change: according to St. Augustine the progress is the result of continued devotion, according to Hegel it is automatic, the mind simply won't allow anything else.

Why do I say that this demonstrable falsehood is superficially inconsequential? Well, because the devotion is unbroken.

And so... so what? But as I already explained: There are second order consequences. Hegel's view is very convenient when it comes to specialisation. It allows us to pursue the necessities of our enterprises, without having to worry about maintaining the necessary unity for political action. That is supposed to follow automatically. And when it does not, we are predisposed to turn a blind eye to the mechanism that does provide it, i.e. propaganda.

And that is the way we live. In breadth there is strength, if you will. Of course, Hegel is also intimately linked to more pernicious practices, e.g. those of the Leviathan*, whom he gives perfect cover, but it's not as if Hegel would have the authority to actually help with any of those.

If then we are to enter another time of conceptual renewal, we'd have to find fault with In breadth there is strength. and find strength in application.

* There's also those of Punch and Judy like political theatre, where all aspects of the good guy and the bad guy are carefully designed so as to result in the desired takeaway, i.e. synthesis.

Labels: , , , , , , , ,

Go, Steamboat, go!



It's the 96th time since March 15, 2018 that Steamboat Geyser has erupted and the interval since the last eruption has been a very respectable 3 days, 18 hours and 56 minutes.

Well, I'm not rooting so far, it's more like a pawn of sorts. After all, earlier this year it looked as if Steamboat had come to the end of its current series.

Labels: ,

Selbstverbesserungsgemeinschaften

Indem sich Befassungsgemeinschaften mit Verfolgung, Einlösung und Auslösung befassen, entwickelt sich die Stellung, das Verständnis oder die Haltung ihrer Mitglieder. Befassen sie sich dabei mit zweien zugleich, so werden sich die zugehörigen Orientierungen auf einander angepaßt entwickeln, wenn sie sich aber nur mit einem befassen, so findet die Entwicklung der zugehörigen Orientierung prinzipiell autonom statt, und diese Autonomie ermöglicht den Sonderfall, daß die Befassung der allgemeinen Verbesserung der eigenen Stellung, des eigenen Verständnisses oder der eigenen Haltung dient, in welchem Fall ich angesichts des Zusammenhangs von Befassungsgemeinschaften und Vereinen der höheren Kommunikation von
  • Verständnisorden,
  • Stellungsverbänden oder
  • Haltungsräten
sprechen möchte.

Ein paar Worte der Klärung. Wir verfolgen das, woran wir glauben, das, wovon wir uns etwas erwarten. Auch wenn es längere Zeit gedauert hat, mir darüber klar zu werden, ist diese Definition der Stellung doch in völliger Übereinstimmung mit ihrer ursprünglichen. Ein Verständnisorden widmet sich dem geliebten Verständnis, ein Stellungsverband koordiniert seine Mitglieder hinsichtlich dessen, woran, es zu verfolgen, ihnen gelegen ist und ein Haltungsrat plant die Einübung der ihren Stolz erweckenden Haltung.

Der Grund, warum ich mich die letzte Zeit, ohne es zu wissen, mit Selbstverbesserungsgemeinschaften beschäftigt habe, ist, daß ihr Aufkommen keineswegs selbstverständlich ist, so daß, wenn sie einmal aufkommen, dies der Zeit, in welcher sie aufkommen, einen ganz besonderen Zauber verleiht, selbst wenn hinsichtlich der Verbesserung der eigenen Orientierung nichts entscheidendes gewonnen wird.

Ich fragte mich nämlich, ob es wohl möglich wäre, daß heute, oder auch im letzten Jahrhundert, die so genannte unsterbliche Partie Berühmheit erlangen könnte, oder auch, ob es einem Mathematiker möglich wäre, denselben Einfluß auf Mathematik und Physik zu entfalten wie Bernhard Riemann seinerzeit. Die Antwort lautet natürlich Nein in beiden Fällen. Die Begründung dafür, welche einem sofort in den Kopf kommt, in einem Wort verdichtet: Gründerzeit, ist aber unbefriedigend, wenn man ähnliche Episoden in den Blick nimmt.

Warum ist Evel Knievel ein Star geworden? Ich habe als Kind auch noch Stuntshows gesehen, aber da war es schon nichts besonderes mehr. Warum kam es zu Filmen wie
  • The Italian Job,
  • Live and Let Die,
  • The Man with the Golden Gun und
  • Death on the Nile?
Was ich meine, Filme, in welchen Schauspieler Durchschnittstypen von der Straße spielen, welche in die Filmhandlung eingebunden sind. (Freilich, im Falle von The Man with the Golden Gun nur eine einzige Schauspielerin, nämlich Britt Ekland, aber ihre Präsenz ist derart, daß sie es locker mit dem Rest der Crew aufnimmt.)

Und zunächst habe ich vor dieser Frage kapituliert. Dann aber, gestern, bin ich auf ein weiteres Beispiel aus dem 19. Jahrhundert gestoßen, und da habe ich es schließlich kapiert. Die Rede ist von den Seventh-day Adventists. Nachdem Christus nicht am 22.10.1844 zurückkehrte (wie auch?, damals gab es ja all die Geräte noch nicht, welche Johannes in der Offenbarung beschreibt), machte sich diese Gruppe daran, in der Bibel nach einer Begründung für ihren Irrtum zu suchen, und wurde fündig. Entscheidend für ihr Fortbestehen war ihre Überzeugung, auf ihrem Weg zu besseren Gläubigen zu werden, wie sie exemplarisch an Ellen G. White zu erkennen ist.

Wenn also Menschen nur glauben, daß sie sich in einer Befassungsgemeinschaft selbst verbessern können, dann werden sie auch an einer solchen teilnehmen. Im 19. Jahrhundert waren Mathematik und Schachspiel nicht die Werkzeuge, welche sie heute sind, sondern vielmehr Möglichkeiten der Veranschaulichung, welche die Erkenntnisfähigkeit des menschlichen Geistes wecken. Das ist mir im Hinblick auf die Gegenstände, mit welchen sich Bernhard Riemann beschäftigte, und die von ihm verwendeten Beweismethoden völlig klar, und die unsterbliche Partie dürfte auch nur aufgrund ihres metaphorischen Gehalts berühmt geworden sein, nämlich der Überlegenheit des zusammenarbeitenden Ganzen gegenüber nur auf sich selbst achtenden Spitzen.

Und wie dies also Verständnisorden sind, so kam es Mitte des 20. Jahrhunderts zu Stellungsverbänden von Teenagern, welche sich durch den Besuch von Konzerten und dergleichen mehr eine sie erfüllendere Teilhabe am Leben erhofften, als ihnen in den gewohnten Bahnen offenstand. Durch ihre Sehnsucht nach Verbindungen erschufen sie den Typus des Fans, und dieser Typus erschuf seinerseits den Typus des Stars. Und also begannen andere, bereitwillig in die Rolle des Stars zu schlüpfen, unter ihnen auch Evel Knievel. Und weil die Filmindustrie stets darum bemüht ist, ihr Publikum zu erreichen, oder jedenfalls war, bevor sie von anderen finanziert wurde, nahm sie schließlich die Beziehung zwischen Fan und Star spielerisch auf, wie an den genannten vier Filmen zu ersehen ist.

Natürlich ist nichts bleibendes dabei entstanden, ja, im Vergleich zum 19. Jahrhundert ist diese Episode geradezu beschämend, aber es ist andererseits immer schön, sich regendes Leben zu betrachten, insbesondere, wenn es sich nur alle 50 Jahre oder so einmal regt.

Wieso 50?, und nicht 100? Nun, ich denke, daß sich in den Wanderbewegungen der 1920er Jahre ein Beispiel für Haltungsräte erkennen läßt. Vielleicht ist auch die Abfolge der Selbstverbesserungsgemeinschaften durch den Eigenlauf des Ichs bestimmt: Wie Einlösung auf Verfolgung folgt und Auslösung auf Einlösung und Verfolgung wieder auf Auslösung, so mögen auch Verständnisorden auf Stellungsverbände folgen, Haltungsräte auf Verständnisorden und Stellungsverbände wieder auf Haltungsräte, doch bedürfte es einer umfangreicheren Betrachtung der Geschichte der populären Kultur als jener der letzten 200 Jahre, um diesbezüglich zu Gewißheit zu gelangen.

Labels: , , , , , , , , , ,

22. Mai 2020

Gesellschaftsingenieure

Ich habe ein wenig in Rudolf Christoph Euckens Geistige Strömungen der Gegenwart hineingelesen, und bin doch recht erschüttert, daß er es schafft, zwei Bestrebungen des Menschen so anzufassen, daß ihre Verbindung mehr oder weniger zwangsläufig durch ein menschenverachtendes System zu erfolgen hat, nämlich
  1. den Wunsch, die Welt, in welcher wir leben, möglichst gründlich zu verstehen und zu beherrschen und
  2. den Wunsch, selber darüber zu entscheiden, wie sich unsere Geschichte entwickelt.
Die Wahrheit ist natürlich, daß sich diese beiden Wünsche nicht gleichzeitig erfüllen lassen. Die Wahrheit ist, daß wir sie je nach unserer gegenwärtigen Lage gegeneinander abwägen. Und die Wahrheit ist auch, daß sich, wenn wir eine Weile lang entschieden den einen Wunsch verfolgen, unsere Lage hinsichtlich des anderen verschlechtert.

Hier nun wagt es Eucken zu behaupten, daß Wahrheit dasjenige sei, was politische Einigkeit herstellt, in einem Worte also Propaganda.

Nicht, daß sich Eucken dessen bewußt gewesen wäre. Vielmehr entspringt seine Definition einer Art hegelianischer Fortschrittsgläubigkeit, also in etwa so:
  1. Wir sind die besten Menschen, welche es je gab.
  2. Also sind unsere Bestrebungen auch die besten Bestrebungen, welche es je gab.
  3. Dies könnte aber nicht so sein, wenn der Geist nicht fähig wäre, im Laufe der Zeit gegensätzliche Bestrebungen in eine ihnen überlegene mit sich selbst übereinstimmende Bestrebung zu überführen.
  4. Also ist die Verbindung von Weltherrschaft und Entscheidungsfreiheit möglich.
  5. Da unsere Gefühle aber nicht zu zur Weltherrschaft hinreichender politischer Einigkeit führen, muß es eine andere Entscheidungsgrundlage in unserem Geiste geben, und diese bezeichnen wir als Wahrheit.
Man kann es auch anders sagen: Eucken sieht den Zerfall der politischen Handlungsfähigkeit in Folge des Übergangs der Herrschaft der Achtung zur Herrschaft der Unvernunft und meint, die Philosophie könne die Sorge hinreichend erneuern, um gleich wieder in die Herrschaft der Rücksichtslosigkeit überzugehen und die politische Handlungsfähigkeit wiederherzustellen.

Genau das ist in Deutschland natürlich auch geschehen, nur daß die Rücksichtslosigkeit nur 12 Jahre hielt, um Berlin herum sogar 56 Jahre, doch in jedem Falle im historischen Maßstab keine bleibende Errungenschaft darstellend.

Das platte Fortschrittsdenken entpuppt sich also als eine Spielart der Kostenschneiderei, bei welcher sich die Betroffenen am Ende fragen, warum bloß ihr mangelhaft zusammengeschusterter Apparat nicht hält.

Und immer dient sich die Philosophie dabei in echter aristotelischer eierlegende Wollmilchsau-Manier an.

Freilich, Eucken dachte an Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit und so weiter. Aber das sind Trugbilder. Dadurch, daß von den bestehenden Religionen so weit abstrahiert wird, bis sie alle gleich erscheinen, ist in der Sache wenig gewonnen. Selbstverwirklichung, beispielsweise, hört sich erst einmal schön an, aber wenn sie konkret wird, ist es doch nicht egal, was sich verwirklicht. Politische Einigkeit ist immer das Resultat einer Täuschung, wenn ihr Standpunkt durch die Effizienz des Systems vorgegeben wird, denn es entspricht durchaus nicht der Natur des Menschen, in der Effizienz von Systemen aufzugehen. Echte politische Einigkeit stellt immer einen der Natur der sich Einigen angepaßten Kompromiß aus Freiheit und Notwendigkeit dar.

Labels: , , , , , , , , , , , ,

Der Kampf der Systeme

Folgende Beiträge Zur Front Vorherige Beiträge