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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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25. Januar 2009

Von der Furcht um das Gute

Jeder Mensch lebt nunmal in einer Welt, in welcher er nur begrenzt Einfluß darauf nehmen kann, was ihm und wie es ihm begegnet. Das Gefühl, welches ihm dort den Weg weist, sich zu wappnen und Gefahren aus dem Weg zu gehen, ist die Angst.

Desweiteren hat jeder Mensch eine seinem Schicksal gemäße Vorstellung von der Verwirklichung des Guten und damit auch eine Vorstellung von dessen Auflösung.

Es ist daher nur natürlich, daß wir um die Verkörperung des Guten fürchten.

Ich schrieb zuvor von der emotionalen Abhängigkeit, daß sie darin bestehe, nur in Abgrenzung zu den Taten anderer aktiv zu werden. Dies ist aber dasselbe, wie um die Verkörperung des Guten zu fürchten, da letzteres eine Bedrohung durch die Taten anderer voraussetzt und ersteres die Verletzung seiner Verkörperung.

Wenn sich jemand aber auf diese Weise der Welt annimmt, so führt das nur zu den zuvor geschilderten negativen Konsequenzen für die Gesellschaft, welche nur dann von den positiven Konsequenzen überwogen werden, wenn die Schwierigkeit Arbeit auszuführen die Schwierigkeit Arbeit anzudenken überwiegt, da dann und nur dann Zwang ein angemessenes Mittel zur Steuerung der gesellschaftlichen Aktivitäten ist.

Doch abgesehen von den Konsequenzen, begeht jener doch in jedem Fall einen Fehler, da er durch Taten das zu stützen versucht, aus welchem Taten erst entstehen, also das Gute. Introvertiertheit heißt letztlich nichts anderes, als um die Natur des Guten zu wissen, es als den eigenen Leitfaden zu akzeptieren und dadurch das Gute selbst zu verkörpern, während der Extrovertierte dem bereits verkörperten Guten hinterherjagt, ohne ihm doch auch nur einen einzigen zusätzlichen Tag Lebenszeit schenken zu können, da das Gute unter äußerem Einfluß aufhört, Gutes zu sein.

Post scriptum vom 28. Januar 2009. Ich habe im vorigen keinen Unterschied zwischen jenen gemacht, welche nur in Abgrenzung zu den Taten anderer aktiv werden können und jenen, welche sehr wohl auch ihren eigenen Vorstellungen nachgehen könnten, es allerdings als ihre Pflicht ansehen, die Taten anderer zu regulieren. Das ist in sofern unglücklich, weil es sich bei jenen beiden natürlich um sehr verschiedene Persönlichkeiten handelt, und was von der einen gesagt ist, trifft auf die andere normalerweise nicht zu.

In sofern es die Tugend als solche betrifft, ist selbstverständlich nur das Potential von Bedeutung, wenn hingegen die gesellschaftlichen Auswirkungen studiert werden, zählen einzig die Taten. Diese Dinge müssen also entsprechend von einander getrennt werden.

Desweiteren besteht natürlich bei jeder Pflicht die Frage, ob sie wirklich eine ist, in welchem Falle die Disziplin geböte ihr nachzukommen, was unter Umständen sehr schwierig zu klären sein mag. Extrovertiertes Verhalten mag also einem Mangel an emotionaler Unabhängigkeit entspringen, aber auch großer Disziplin oder einer landläufigen Irrlehre von den Pflichten des Einzelnen. Wo es allerdings besonders stark verbreitet ist, da darf man schon den Mangel als Urgrund dieses Umstands annehmen.

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13. Januar 2009

Und nochmals zur Transzendenz

Ich habe mich bisher weitgehend an das Prinzip gehalten, nur von dem zu schreiben, was mir auf irgendeine Weise begegnet ist, aber um Ordnung in diese Phänomene zu bringen, habe ich auch Strukturbau um des Strukturbaus willen betrieben.

Dazu gehört auch die Dreifaltigkeit der Transzendenz, welche eher willkürlich zu ihrer Dreizahl gelangt ist.

Es gibt im Menschen zwei verschiedene wirksame Kräfte, das Organische, die Anschauung, und das Tierische, den Verstand. Diese Kräfte besitzen Leben und in diesem liegt der Grund für die Transzendenz.

Das Leben des Verstandes liegt in der Anstrengung einerseits und der Aufnahme einer Handlung andererseits. Gründet sich der Verstand auf die Reflexion, so ist die Anstrengung eine Besinnung und die Aufnahme ein Begreifen, tut er das nicht, so ist die Anstrengung eine Anspannung und die Aufnahme eine Bewegung.

Das Leben der Anschauung liegt im Sehnen einerseits und im Aufgehen andererseits. Im Falle der Reflexion ist das Sehnen dabei auf eine Einsicht gerichtet, in welchem es aufgeht, ansonsten ist es auf ein Erleben gerichtet, in welchem es das tut. Ein Beispiel für letzteres wird durch die Unrast gegeben, deren Ziel es ist, daß uns Neues begegnet.

Was ich die Seinsheimat nannte, gehört zum Sehnen, das Lebensgeflecht zur Anstrengung und Aufnahme und die Einheitsschwelle zum Aufgehen.

Die Transzendenz besteht dabei darin, daß Sehnen, Anstrengen, Aufgehen und Aufnehmen von einem Bewußtsein auf andere überspringen, wofür es eine Reihe von Beispielen in allen acht Bereichen gibt. Daneben bildet es das natürliche Werden der Dinge, daß auf ein Aufgehen immer wieder ein Sehnen folgt und auf ein Aufnehmen immer wieder ein Anstrengen.

Nun gut, das ist die saubere Erklärung dieser Dinge. Was ich sonst noch davon sagte, unter der Überschrift der geistigen Zeugung, ergibt sich rein logisch, also der existentielle Drang, das allgemeine Konzept und das Verschmelzungsvermögen mit dem Zielbewußtsein.

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10. Januar 2009

Die nötigen Tugenden

1. Disziplin. Die Fähigkeit niedere Impulse höheren Gütern zu Liebe zu unterdrücken. Dabei muß ein niederer Impuls nicht per se schlecht sein, es genügt, daß er einem höheren Gut entgegensteht. Alternativ dazu ein gesetzesmäßiger Lebenswandel, in welchem überhaupt keine Widersprüche mehr auftreten.

2. Emotionale Unabhängigkeit. Die Fähigkeit sich nicht von äußeren Anstößen leiten zu lassen.

3. Intellektuelle Unabhängigkeit. Die Fähigkeit Sachverhalte eigenverantwortlich zu beurteilen.

Das war's auch schon. Wozu Disziplinlosigkeit führt, muß ich nicht erklären, das ist klar genug, und über intellektuelle Abhängigkeit habe ich mich schon ausgelassen (Mobwesen). Bleibt also nur noch die Notwendigkeit der emotionalen Unabhängigkeit zu zeigen.

Emotionale Abhängigkeit bedeutet nun aber per definitionem, daß ein Mensch nur durch äußere Reize tätig bleibt. Nun kann es in einer Gruppe solcher Menschen zu zwei verschiedenen Verläufen kommen. Entweder, die Mitglieder der Gruppe reizen sich gegenseitig zu immer neuen Taten oder sie tun es nicht. Damit aber ersteres eintreten kann, müssen wenigstens zwei Fraktionen mit einander verfehdet sein, also gegensätzliche Interessen verfolgen, da eine den eigenen Interessen entsprechende Tat kein Anreiz für diese Art Mensch sein kann, denn es macht ja keinen Unterschied, ob diese Tat von einem selbst oder von einem anderen ausgeführt wurde, und wäre sie von so einem selbst ausgeführt worden, erschöpfte sich sein Handlungswille laut Voraussetzung ja bald wieder. Wer nun einwendet, daß es der gute Wille der anderen sei, welcher den entscheidenden Unterschied bei der Motivation mache, dem halte ich entgegen, daß dieser Umstand nur bei mangelnder Disziplin einen Unterschied machen kann.

Die Folge aus dieser Auseinandersetzung ist, daß emotionale Abhängigkeit entweder mit Streit oder mit Apathie einhergeht, oder, anders ausgedrückt, daß der emotional Abhängige nur lebt, um anderen das Leben zu vermiesen.

An dieser Stelle könnte man wieder eine Betrachtung von Loki anschließen. Loki ist, nach dem bisher gesagten, emotional abhängig, zugleich aber intellektuell unabhängig und andere zu intellektueller Unabhängigkeit erziehend. Indem auf diese Weise der Mob aufhört Mob zu sein, wird der hierarchischen Gesellschaftsordnung der Boden entzogen, zugleich aber verliert Loki auch seinen äußeren Anstoß, wie bereits gesagt, nochmals in diesem Rahmen reflektiert.

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6. Januar 2009

Vom inneren Schweinehund

Dieser Beitrag betrifft mich persönlich, ist aber vielleicht trotzdem auch für andere von Interesse.

Mir macht seit einigen Monaten meine eigene Unzufriedenheit zu schaffen. Dabei geht es gar nicht mal um meine Ohnmacht, denn ohnmächtig bin ich nicht, sondern vielmehr darum, daß ich mich, wie ich nun einsehe, aus eindeutig niederen Motiven gegen meine persönliche Integration in eine, meiner Meinung nach, wohlgeordnete Welt gesträubt habe.

Ich möchte ein paar Worte zu Loki sagen, nicht der Frau von Helmut Schmidt, sondern dem Mann von Sigyn. Sigyn ist eine der älteren Gestalten der germanischen Mythologie, wie auch die Vanen, und es ist wohl dieser älteren Fraktion, welcher sie schließlich durch ihren Mann den Sieg über die Asen bringt. Jedenfalls ist das meine Interpretation von Lokis Wirken, die germanische Mythologie verarbeitet die Militarisierung Skandinaviens während der Epoche des klimabedingten Exodus', indem sie durch Loki die Wiederkehr vormaliger idyllischer Zeiten in Aussicht stellt.

Loki ist aber zugleich auch ein psychologisches Phänomen, nämlich der entfremdete Wille, das sich selbst verkennende Wirken, womit er sowohl für die Verzerrung des Selbstbildes zuständig ist, als auch für die spontane, scheinbar unmotivierte, Tat. Es sind also diese Kräfte, denen der finale Sieg über die Kräfte der Selbstherrlichkeit zugetraut wird, welche die militaristische Ordnung stützen. Folgerichtig töten sich Loki und Heimdall am Ende gegenseitig, stirbt der alles zu kontrollieren trachtete durch die grundlose Tat und der grundlos handelte dadurch, daß er endlich auf sich selbst zurückgeworfen ward.

Daß Loki ausgerechnet mit den Gedärmen seines Sohnes gefesselt wurde, gibt eine klare Vorstellung davon, mit welchen Mitteln die herrschende Ordnung ihre Herrschaft aufrechterhält. Einst aber wird die Sorge um die eigenen Kinder der Entschlossenheit zu handeln nicht mehr im Wege stehen.

Nach diesem mythologischen Überbau wieder zurück zu mir und meinem eigenen Gefallen an der Entfremdung meines Willens, welche mir zu einer ziemlich festen Gewohnheit geworden ist.

Was mich aber konkret zurückhält, meine Liebe aufzunehmen und selbst anderen Menschen bereitzustehen, das sind diese drei. Ich fürchte übervorteilt zu werden und zu übervorteilen. Lächerlich, aber wenn man sich ein Problem nicht bewußt macht, spielt seine Größe keine Rolle. Ich fürchte, daß sich meine Investition in mein Leben nicht zufriedenstellend auszahlt. Eine berechtigtere Furcht, aber eine auf Eitelkeit gebaute. Und schließlich fürchte ich, daß mein Wirkungshorizont zu klein bleibt. Das aber zu fürchten gleicht dem, das Schwimmen zu fürchten, weil man das Wasser fürchtet, während man sich schon mitten im Wasser befindet.

Mit diesen Worten will ich diese Fürchte nun hinter mir lassen.

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31. Dezember 2008

Gegenwärtige Versündigungen durch Zwang und Ausgrenzung

Ich beziehe mich hier auf den Sympathien-Antipathien-Zykel des vorigen Beitrags.

Gelingt es einem Glied das umworbene Glied zur Zusammenarbeit zu zwingen, obschon jenes das ja nicht will, so geht damit, wie gesagt, die Ausgrenzung des dritten Gliedes und damit eine defizitäre Gesellschaft einher.

Es gibt heute zwei große auf diese Weise defizitäre Strömungen. Von der einen habe ich schon gesprochen, nämlich der kommunistisch-humanistischen Strömung, bei welcher der Heroismus den Opportunismus zu zwingen versucht, unter Ausgrenzung der Philosophie, welcher in der in dieser Strömung vorherrschenden negativen Betrachtungsweise menschlichen Fortschritts auch keine Rolle zukommt. Die andere Strömung ist der Kapitalismus, bei welchem der Opportunismus die Philosophie zu zwingen trachtet, unter Ausgrenzung des Heroismus.

In gewisser Weise mache ich mich selbst der Ausgrenzung der Opportunisten schuldig, ich hatte es aber anfänglich nicht darauf abgesehen, vielmehr vollzieht sich an ihnen nur das Gericht über ihre eigenen Verfehlungen, und ich fürchte, es muß so sein. Letztlich kann eine Gesellschaft nur funktionieren, wenn jede Gruppe die von ihr ungeliebte Gruppe gewähren läßt. Nun, da sich unsere Gesellschaften hingegen verfahren haben, muß wohl oder übel ein Neuanfang versucht werden, und in diesem Neuanfang spielen die Verwalter bestehender Macht naturgemäß keine Rolle, genauso wenig wie die Verfechter alter Ideale.

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30. Dezember 2008

Die drei Wege

Wo es drei Schlachtfelder gibt, da gibt es offenbar auch drei Wege, sich dem Leben zu stellen.

Wen es zu Besitz, Macht und Herrschaft zieht, der ist opportunistisch gesonnen.

Wer seine Wirkungsansprüche nichts und niemandem unterordnen mag, heroisch.

Und wer Selbstverständnis als etwas erst mühselig zu erreichendes betrachtet, philosophisch.

Die zu erringenden Güter sind Macht, Tapferkeit und Weisheit, und ihr Fehlen Ohnmacht, Feigheit, Narrheit, woraus sich bereits eine Reihe professioneller Antipathien ergibt, da die Bedachtheit des Weisen dem Helden als Feigheit erscheinen wird, die Festigkeit des Helden dem Opportunisten als Verbohrtheit und der Realitätssinn des Opportunisten dem Weisen als Ziellosigkeit. Umgekehrt besteht in diesen Fällen Sympathie, der Opportunist bedarf ja einer leitenden Idee, der Held einer zu verteidigenden Herrschaft und der Weise eines bewahrenden Herzens.

Wenn man diese Verhältnisse etwas bedenkt, so wird man wohl zu dem Schluß kommen, daß die Rolle der Antipathien darin besteht, dafür zu sorgen, daß der jeweils als uninteressant befundene Teil als Mittler der Sympathien miteinbezogen wird. Geschähe dies nicht, so würde die Zusammenarbeit stets gegen den ausgegrenzten Teil gerichtet sein, was mit entsprechenden Verlusten einherginge. Deshalb sollte auch kein Held ohne die Bereitschaft eines Opportunisten auf die Worte eines Weisen hören, kein Opportunist sich ohne die Bereitschaft eines Weisen an Helden richten und kein Weiser sich ohne die Bereitschaft von Helden um einen Opportunisten kümmern.

Diese drei Wege verbinden sich nicht per se mit den fünf Schicksalen. Es ist vielmehr so, daß diese drei Wege sich einander im Laufe der Zeit immer weiter annähern, so daß nach Eintritt der persönlichen Reife keine wesentliche Spezialisierung mehr besteht. Wer sich schließlich selbst versteht, wird schließlich auch entschlossen, wer seine Wirkungsansprüche stets in die Tat umsetzt, wird schließlich auch realistisch und wer sich alles unter den Nagel reißt, was er kriegen kann, der versteht schließlich auch seinen Willen.

Andererseits gibt es natürlich gewisse Präferenzen der sich auf diesen Wegen Mühenden bezüglich ihrer Lebensaufgaben. Dabei wird der Opportunist als Bewahrer und Gestalter taugen, der Held als Bewahrer und Verkörperer und der Weise als Verbreiter, Entwickler und Verkörperer, wobei Helden und Weise recht unterschiedliche Dinge verkörpern, wie auch Opportunisten und Helden recht unterschiedliche Dinge bewahren.

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29. Dezember 2008

Die drei Schlachtfelder

Es ist töricht zu glauben, daß nur um Herrschaftsbereiche gekämpft werde, denn Machtausübung hat psychologische Voraussetzungen, welche sich oftmals leichter unterminieren lassen als einen direkten Angriff zu führen. Am deutlichsten zeigt sich dies natürlich bei der Tierdressur. Das Tier wird dabei an eine bestimmte Verhaltensweise gewöhnt, und diese Gewohnheit verhindert in der Folge, daß das Tier seine ursprünglichen Handlungsanreize aufnimmt.

Beim Menschen nun gibt es noch eine weitere Art der Zähmung, welche nicht auf die Unterdrückung seiner Wirkungsansprüche abzielt, sondern auf die Verwirrung seines Selbstverständnisses.

Dabei besteht ein gewisser Gegensatz zwischen den zugehörigen Freiheitsbestrebungen, denn jedes Selbstverständnis beinhaltet auf es gegründete Gewohnheiten, welche im einzelnen Fall zu psychischem Anpassungsdruck führen können. Das deutlichste Beispiel ist wohl das im Rahmen der Gastfreundschaft geschlachtete Lamm, welches einem Vegetarier angeboten wird.

Derartige Dinge passieren stets, sobald man sich gesellschaftlich auf gewisse Grundpfeiler dessen festlegt, was das menschliche Wesen ausmacht. Würde man auf diese verzichten, raubte man damit dem sozialen Umgang seinen ethischen Wert, was auch wieder völlig inakzeptabel wäre.

Kulturen definieren sich durch ihre Verallgemeinerungen und sind somit zwangsläufig fehlerbehaftet, deswegen gibt es ihrer auch mehrere, welchen indes insgesamt ihre Sterblichkeit gemein ist. Es ist diese mangelnde Vollkommenheit, welche in den letzten 150 Jahren dazu geführt hat, gesellschaftlichen Fortschritt ex negativo zu definieren, also die Aufhebung von Ungerechtigkeiten und Hindernissen in den Mittelpunkt zu stellen, was freilich zu Lasten zunächst des Selbstverständnisses und in Folge dessen der menschlichen Substanz geht.

Interessanterweise ist dieser Schwenk umgehend thematisiert worden, in herausragender Form von Friedrich Wilhelm Nietzsche, welcher in ihm allerdings die bloße Fortführung der jüdisch-christlichen Moral sah. Das allerdings ist überzogen, denn sowohl die jüdische, als auch die christliche Lebensweise hat jeweils einen positiven Kern, ganz im Gegensatz zu den Utopiegebilden, welche aus dem Hegelschen Gedankengut emporsprossen. Aber auch wenn Nietzsche diesen Kern nicht zur Kenntnis nehmen wollte, mindert das nicht die Berechtigung seiner Einwände gegen eine gesellschaftliche Dynamik, welche lediglich auf Negation ausgerichtet ist und im Endeffekt eine gute, wenn auch nicht vollkommene Herrschaft, durch eine katastrophale ersetzt.

Wie gesagt, es besteht in dieser Frage ein Gegensatz zwischen für sich genommen löblichen Absichten, welcher heute zu Lasten eines menschlichen Miteinanders, welches eben eine Vorstellung des Menschseins des Gegenübers voraussetzt, aufgelöst wird, und ohne menschliches Miteinander kann dann auch kein Mensch mehr sonderlich gut Mensch sein.

Dies ist natürlich der Grundgedanke des Nihilismus', daß es etwas dreckiges zu gebähren gelte, wie Nietzsche es gesagt hat. So beliebig, denke ich, müssen wir aber nicht verfahren, dafür besitzen wir ethischen Instinkt genug, aber es bleibt natürlich ein ungeheuerliches gesellschaftliches Versagen, daß diese Fragestellung der wissenschaftlichen Diskussion entglitten ist und sich auf die historische Weise politisch manifestiert hat. Ein Versagen, von dem wir auch heute noch nicht frei sind, und es scheint mir darum so, als ob der größte Dienst, welchen man der Gesellschaft heute erbringen könne, darin bestehe, das Gefallen der Menschen an universeller Regulierung gründlich zu zerrütten.

Aber wie dem auch sei, dieses entbindet den Einzelnen ja nicht von seiner Verantwortung für die Gewichtung von Bewertung und Offenheit, und seine eigene Position diesbezüglich zu finden, mit welchen Maßen man sich und andere messen will, welche Freiheiten man sich und anderen gestatten möchte, ist ein langwieriger und schwieriger Prozeß und je langwieriger und schwieriger, desto weniger die vorherrschende politische Strömung darauf verzichtet, ihre eigene Meinung durchzudrücken, wozu sie natürlich immer neigt, nur dummerweise in wodurch auch immer verschuldeten Krisenzeiten (also insbesondere auch in selbstverschuldeten) um so unnachgiebiger, was zu der unschönen Erscheinung des hadernden Sturkopfes führt, welche man allerdings nur dort findet, wo Gutes zu tun bestrebte Menschen Verantwortung tragen.

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8. Dezember 2008

Berichtigungen einiger Vermutungen

Ich habe mich zuletzt wieder praktisch mit der geistigen Zeugung beschäftigt und möchte meine bisherige Darstellung in einigen Punkten korrigieren oder, angesichts ihrer Vagheit, jedenfalls in ein richtigeres Licht rücken.

Die wesentlichste Grundlage der geistigen Zeugung ist ein existentieller Drang sein Schicksal zu erfüllen, welcher, solange wir reifen, uns zu weiterer Vorbereitung zwingt, und, wenn wir unsere Reife erreicht haben, sich in dem Bestreben äußert unserer wesensgebundenen Wertschätzung eine konkrete Form zu geben.

Wir, das sind im vorigen Satz die Fremden, Überkulturellen oder Personen vom sexuellen Typ 3a, welche eben gerade dazu leben, Kultur zu erzeugen, indem sie ihrer Liebe Form geben, und in meinem Fall betrifft es meine Gewissenhaftigkeit oder anders ausgedrückt meine Vorstellung von Verantwortlichkeit, nämlich eine maximale, allumfassende Verantwortlichkeit, welche ich im vorigen immer wieder beschrieben habe, ein uns Bereitstehen zu unserer Handlungsfreiheit, ein uns Grundlage zu all dem zu sein, was wir im Leben genießen wollen.

Eine konkrete Form wird dabei dadurch konkret, daß wir uns vorstellen können, wie das Leben in einer Gemeinschaft, welche den von uns geliebten Wert verkörpert, aussähe, nicht in jedem Detail, aber ein allgemeines Konzept der entstehenden Lebenssituation ist dafür notwendig, also ein Konzept, welches alle Menschen einbezieht.

Und neben diesen beiden Teilen, welche sich schon, wenn man es darauf absähe, mit Hinterkopf und Herz identifizieren ließen, gibt es noch einen dritten Teil, welcher aber von anderer Art ist, als ich es bisher beschrieben habe.

Wir müssen uns dem stellen, was da ist, soweit stimmt das noch, also dem Lebensgeflecht, und da weicht es bereits von der vorigen Darstellung ab. Es gibt nur eine Trinität, nicht zwei in einander verschachtelte. Unser Herz hängt an unserer Seinsheimat, und unsere Treue an dem Faden, durch den unsere individuelle Existenz mit der Einheit allen Seins verbunden ist. Und unsere Zügelung betrifft unseren Umgang mit der Welt, mit dem Lebensgeflecht.

Es geht nicht darum ein Gesetz aufzuheben, das ist bereits in der geliebten Form enthalten, es geht darum zu wissen, welchen Teil der Welt es zu treffen gilt, welchen Teil der Welt es zu beeinflussen gilt, um in ihm und durch ihn die Form Wirklichkeit werden zu lassen.

Im Grunde ist es dasselbe, wie wenn man eine Pflanze zum Wachstum anregt. Ich schreibe das natürlich nur für jene, welche dies können. Wenn man hingegen nicht weiß, welchen Teil der Welt es zu treffen gilt, so wird man blind Teile herausgreifen und Dinge tun, welche anderen Zwecken, nicht notwendigerweise schlechten, dienen, aber in jedem Falle im Nachhinein als besser vermiedene betrachtet sein werden.

Wie bei der Pflanze ist Liebe des Teiles die Voraussetzung dafür, ihn in seinem Leben anzuregen und zu erweitern. In meinem Fall besteht ein beträchtliches Problem darin, daß ich die Naturgewalten mehr liebe als die Menschen. Aber jene überkulturellen Menschen liebe ich doch, egal welcher Mission sie sich nun verschrieben haben. Letztlich hoffe ich darauf, daß sie meine Liebe absorbieren, und mein eigenes Bewußtsein gibt mir auch Hoffnung, daß sie es tun werden, denn ich selbst habe mehrmals Kongenialität zu anderen Liebenden erfahren, mit welchen ich nie persönlichen Kontakt hatte, welche lange vor meiner Zeit gestorben sind. Und indem sie meine Liebe absorbieren und ihr Leben danach ausrichten werden sie meiner Vorstellung von Verantwortlichkeit Form geben und die kulturgebundenen Menschen durch ihr Vorbild einbinden.

Dreimal habe ich bisher jene Zeugung versucht, dreimal ist es zu nachrichtenwerten Ereignissen in der nämlichen Stunde gekommen. Der Schaden wurde dabei von Mal zu Mal geringer und zugleich gezielter. Wenn ich es noch einmal versuchen werde, was nicht alleine in meiner Macht steht, so wird es hoffentlich still von Statten gehen und nachhaltig.

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30. November 2008

Vom Lebensrhythmus

Was ich im letzten Beitrag schrieb, betrifft nur die eine Hälfte unserer Handlungen, nämlich die Schritte. Neben diesen gibt es natürlich noch die Haltungen, oder, genauer gesagt, zwischen diesen.

Ich meine damit die Zeiten, in welchen uns die Verfolgung eines Zieles ausfüllt, in welchen wir mit unserem Handeln im Reinen sind.

Wenn wir schreiten, so auf der Suche nach einer neuen Haltung. Und ja, unsere Weltsicht macht einen Großteil unseres Haltens aus. Daneben gibt es aber natürlich auch noch unser Tagesgeschäft, welches es auch erst zu finden gilt.

Ich bin es letztlich zufrieden ein einfacher Teil einer Gesellschaft zu sein, welche ihre Machtgrundlage gemeinschaftlich errichtet und betreibt. Privatbesitz von Macht sollte einem schlicht anstößig sein. Mir jedenfalls ist er das auch, wozu ist Handlungsfreiheit schon gut, wenn sie über die eigenen Bedürfnisse hinausgeht? Warum sollte sich jemand Gedanken darüber machen, auf welche Weise andere ihr Leben erkaufen dürfen? Die Möglichkeiten, welche uns gemeinschaftlich verbunden offenstehen, können doch letztlich nur von uns jeweils selbst genossen werden. Nur wen Komplexe, Sadismus oder andere Perversionen steuern, kann an der Zerstörung oder Beschneidung anderer Menschen Freude empfinden. Genug gibt es von denen natürlich auch.

Aber niemand zwingt einen sich mit ihnen gemein zu machen.

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28. November 2008

Nochmals zum Lebensgeflecht

Mein gestriges post scriptum wurde der Angelegenheit nicht gerecht, ich muß weiter ausholen.

Wer kennt sie nicht?, die Haltung, ohnmächtig dabei zuzusehen, wie alles, einschließlich einem selbst, langsam zerfällt. Aber gerade in dieser Distanz zur Welt fühlen wir uns sicher, nein, sind wir sicher, so sicher, wie wir es überhaupt nur sein können.

Es ist natürlich nicht genug, und früher oder später wehren wir uns gegen uns selbst. Was dann aber passiert ist unheimlich und auch schwer zu ertragen, wir nehmen an einer Schlacht teil, in der nichts so kommt, wie wir es gerne hätten, sondern alles so, wie wir es wollen. Es ist schwer seinen eigenen Willen anzunehmen, die Aufgaben anzunehmen, welche sich aus seiner Erfüllung ergeben. Am schwersten aber ist es, die Polyphonie alles Geschehenden, das Zusammenfließen der Einzelwillen, bewußt zu ertragen, es ist so schwer, weil wir in ihr zu ertrinken drohen, weil wir in ihr beständig mit den Grenzen und dem Ende unseres Wollens konfrontiert sind und wir uns daran gewöhnt haben, Zeit zu haben. Wenn wir dort also sehen, wie monatelange Beschäftigung sich in einem Augenblick umsetzt, um dadurch irrelevant zu werden und uns auf das Nichts zurückwirft, welches der Anfang aller Beschäftigung ist, so fühlen wir uns natürlicherweise verschlungen.

Und das ist der glückliche Verlauf, in welchem sich unsere Beschäftigung umsetzt und nicht etwa zerbricht.

Wir müssen aber voranschreiten, Anläufe nehmen und sehen, wohin es uns bringt. Letztlich liegt alles dort im Dunkeln, einschließlich der Kraft, welche die Fragen der Welt klärt. Sie liegt auch dort, oder genauer gesagt ist sie eine Facette einer größeren Kraft, der Teil, welcher die Saat austreibt, welcher das nimmt, was ward, um es zu seinem Ende sein zu lassen.

Was liegt vor mir?

Ich weiß, daß alle weltlichen Taten inadäquat sind, ich weiß es schon seit längerem. Und dennoch muß ich mich der Welt in kleinen Dosen stellen, hier und dort ein Schicksal beeinflussen, ohne daß es dadurch aufhörte auf sein eigenes Ziel zuzulaufen, und gelangte wohl zu dem Schluß, daß es nichts Höheres zu hoffen gibt, als daß all diese Lektionen, welche wir uns beibringen, für ein späteres Zusammenkommen von Nutzen gewesen sein werden, wenn ich nicht wüßte, daß sie realisiert werden müssen, daß es die Lehren hier und jetzt zu ziehen gilt, weil die Zeit da ist, weil sich die Frucht über die Reife hinaus nicht weiter verbessert.

Die Möglichkeit besteht, daß die Menschen ihre Wunden zur Kenntnis nehmen und heilen. Niemand wird aufgrund seiner Leichtgläubigkeit verdammt, und es ihre Leichtgläubigkeit, welche die Menschen in ihre Verstrickungen getrieben hat. Aus diesem Dickicht führt ein breiter Weg heraus, aber beschritten werden muß er doch von jedem selbst.

Was kann ich hoffen?

Exemplarisch zu erfahren, was sich bewerkstelligen läßt, um diese Gewißheit weiterzureichen, weiterzureichen als praktische Gewißheit, nicht bloß als theoretische. Aber dazu muß ich meine Ansprüche ernst nehmen in meinem Leben. Jeder muß es.

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26. November 2008

Von dem, was falsch und von dem, was richtig ist.

Ich sprach den Unterschied dazwischen sich in der Welt einzufinden und sich der Welt anzunehmen schon an, aber so recht bewußt, wie sich dieser Unterschied zeigt, war ich mir noch nicht. Das ist mir nun am Beispiel menschlicher Bekanntschaften klar geworden, wo es nämlich darum geht, ob man sich mit jemandem einläßt oder an ihn herantritt, auf ihn zugeht, weil er ganz einfach etwas hat, was man von ihm will, im Gegensatz dazu, daß man Für und Wider abwägen müßte.

Und das ist freilich eine Volkskrankheit. Wenn man den menschlichen Hang betrachtet, sich einer Gruppe anzuschließen, mit welcher einen zumeist rein nichts verbindet, und selbst wenn einen geschmackliche Gesichtspunkte verbänden, diese Beziehungen doch nicht mit dem geringsten persönlichen Gewicht belastbar sind, nur um dann als Mitglied der Gruppe in der Lage zu sein, auf bestimmte Fragen mit einer Stimme antworten zu können, und sei es auf die Frage, wohin der Touristenführer den Bus lenken solle, und insbesondere wie hoch die Menschen ihre Zugehörigkeit zu ihr einschätzen, welche Dinge sie ihr unterzuordnen bereit sind, nämlich alle, so packt einen hoffentlich das Entsetzen.

Wie konnte es nur soweit kommen?

Ich denke, daß der Anfang in der Kindeserziehung liegt. Es ist nur natürlich, daß das Kind nimmt und der Erwachsene gibt. Hätte der Erwachsene nicht vor zu geben, setzte er doch gar nicht erst Kinder in die Welt. Und obwohl dies die einfachste und natürlichste Sache ist, halten es viele Erwachsene für nötig ihren Kindern einzubleuen, daß sie lernen müssen dienstbar zu sein - als ob sie's nicht von selbst würden. Kindern indes, welche sich mehr überlegen, was ihre Eltern wohl zu ihren Entscheidungen sagen würden, als was sie selbst wollen, wird die Sorge um das elterliche Vermögen unnatürlich nahe ans Herz gelegt, und es ist wohl diese charakterliche Deformation, aus welcher alle weiteren Übel sprießen, und welche das Bewußtsein selbst eine Verantwortung gegenüber der Welt zu tragen genauso abtötet wie auch den offenen Umgang der Menschen miteinander, in welchem die eigene Handlungsbereitschaft ein frei verfügbares Gut ist.

Die Menschheit wird lernen müssen, daß sie sich selbst ihre Freiheit schuldet und nicht ihrem Besitz. Ich will den Menschen nicht die Grundlage ihrer Souveränität, und damit ihre Würde, nehmen, aber was darüber hinausgeht, das teilten sie besser miteinander, aus freien Stücken und im gemeinsamen Interesse.

Damit ist, denke ich, der Unterschied zwischen dem Menschen, welcher ist, und dem Menschen, welcher werden muß, hinreichend anschaulich geworden. Darum geht es beim geliebten Dienst der Gewährung der Handlungsfreiheit anderer durch die eigene Bereitschaft, dazu zur Verfügung zu stehen.

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17. November 2008

Von der Unmöglichkeit freier Liebe und den Strategien ihrer Bewältigung

Zur Unmöglichkeit will ich gar nichts weiter schreiben, ich überlasse es jedem sich selbst davon zu überzeugen, und legte ich hier ihre vollkommenste Begründung dar, ich würde dafür doch nur gehaßt.

Also zu den Strategien ihrer Bewältigung. Es gibt, meines Wissens, vier derer, wovon zwei es verdienen edel und zwei es verdienen kultiviert genannt zu werden und diese beiden Unterscheidungsmerkmale ausreichen, um sie von einander abzugrenzen.

1. Die edele und kultivierte Strategie: Sublimierung des Triebs durch den Flirt.

Da unserem Geschlechtstrieb die Bedeutung von Geschichte unbekannt ist regt er sich bei jeder Kompatibilität erneut, und wenn zwei Menschen näheren Umgang mit einander haben, so wissen sie irgendwann von einander, wie sie fühlen. Was dann machen? Nun, die schönste Form der Auflösung dieses Konflikts besteht darin, wenn beide ihre Gefühle freimütig zugeben, nur um sie dann gemeinsam zu entschärfen, indem sie in einem kindlichen Austausch von Artigkeiten die präsexuelle Reinheit ihrer Liebe wiederherstellen. Dies wird aber nur gelingen, wenn beide Seiten in vollem Ernst den Trieb als etwas Störendes ansehen und Gefallen daran finden, ihn aufzulösen.

2. Die edele aber barbarische Strategie: Unterbindung des Triebs durch Gewalt.

In der harmlosesten Form läuft es darauf hinaus, sich dem anderen Geschlecht gegenüber generell unfreundlich zu benehmen. Es bleibt einem auch gar nichts anderes übrig, wenn man selbst ein Edler unter Unedlen ist. Interessanterweise verstehen aber andere, kultiviertere Edele sofort, was man mit diesem Verhalten bezweckt und erwidern es durch Flirten, ganz im Gegensatz zu den Unedlen, welche es für bare Münze nehmen (Gott sei Dank). In ihren stärkeren Ausprägungen bedeutet diese Strategie Freiheitsentzug und Kontrolle des Umgangs der Geschlechter mit einander.

3. Die unedele aber kultivierte Strategie: Süß ist die Sünd', süßer nur die Absolution.

Die Unedelheit macht sich gerade dadurch bemerkbar, daß der Trieb ausgelebt wird. Wenn er also schon ausgelebt werden muß, man aber weiß, daß dies nur Unglück bringt, was macht man da? Richtig, man richtet ein Katastropheneindämmungskommando ein, welches nach dem Armeeprinzip des Meldens, Meldens, Meldens funktioniert, nämlich die in der katholischen Kirche organisierte Beichtvaterschaft. Mehr muß man zu dieser Strategie eigentlich nicht sagen, außer vielleicht, daß man sie in Österreich und um Österreich herum besonders schön veranschaulicht vorfindet.

4. Die unedele und barbarische Strategie: Trennung von Sexualität und Liebe.

Freie Liebe ist unmöglich, freie Sexualität dagegen nicht. Alle Probleme sinken also mit der Liebe ins Grab, wenn man denn dazu bereit ist. Huxley hat ja bereits auf die interessanteren Auswirkungen einer Bruttosozialproduktsmaximierungsstrategie aufmerksam gemacht (und wer es bisher nicht zur Kenntnis genommen hat, kann ja gerne dem Verweis in meiner Linksammlung folgen), aber um einmal den Weg zum dort dargestellten Endstadium genauer zu beleuchten, möchte ich noch dieses anfügen. Wie wäre es eigentlich, wenn es in Zukunft nur noch Leihmütterschaften gäbe und Eizellen und Sperma in riesigen dafür eingerichteten Fortpflanzungsshops gelagert würden, in denen man sich in kleinen Kinokabinen die Lebensgeschichte des Spenders ansehen könnte, um sich anschließend, je nach Geldbeutel, ein passendes Angebot zur Verschmelzung mit dem eigenen Erbgut einkaufen zu können?

Würde das das Bruttosozialprodukt etwa nicht steigern? Man bedenke, in jedem einzelnen Schritt fließt Geld, wird Gewinn erwirtschaftet.

Und wenn man den Menschen keine anderen Gelegenheiten gibt, Geld zu verdienen, werden sie schließlich auf genau jene Wege ausweichen müssen, durch welche sich das Bruttosozialprodukt noch steigern läßt.

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15. November 2008

DE TRINITATES

Ich schrieb schon von diesen Dingen, denke aber, daß die Zeit herangereift ist, sie nochmals durchzugehen.

Das Göttliche, Transzendente, begegnet uns auf dreifache Art. Zum einen als Vorbild, als Heimat unseres Seins und Wesens, eine ideale Welt, in welcher wir gänzlich heimisch wären. Zum zweiten als Partner, als das Geflecht all jener Dinge, welche für unser Leben bedeutsam sind und für welche unser Leben bedeutsam ist. Und zum dritten als Gewährer, als die Einheit, aus welcher alle Dinge sind.

Von der Seinsheimat schrieb ich ja gerade erst, dazu muß ich hier also nichts weiter sagen, zum Lebensgeflecht hingegen schon.

Wenn wir uns auf unser Schicksal konzentrieren, wie ich es zuvor nannte, so wird uns unser Weg in dieser Welt bewußt. Es wird uns aber nicht nur der bewußt, sondern der Zustand der Dinge überhaupt, der Geist einer Stadt, die Zukunft einer geistigen Strömung, die Erreichbarkeit der Welt. Es wird uns bewußt, wie sich die Dinge an sich und in bezug auf uns verhalten. Es wird uns bewußt, was wir ändern können und was nicht. Jenes, welches uns verschlossen ist, verfluchen wir, und jenes, welches uns offen ist, segnen wir. Wir verstärken also nur das Schicksal der Dinge. Auch wenn wir jemandem einen Gedanken eingeben, wie es wohl so manches Mal passiert, nutzen wir seine diesbezügliche Offenheit und ebenso, wenn wir auf das Wachstum einer Pflanze oder das Wetter Einfluß nähmen. Aber dieses ist alles wechselseitig, auch wir werden durch unsere Offenheit auf Gedanken gebracht, und Neues finden wir nur bei Regen, beispielsweise, während es uns erst bei Sonnenschein klar wird. Es ist also so, daß wir uns in unserem Lebensgeflecht mit unserer Umwelt austauschen, sie einmal zu unseren Vorstellungen herüberziehen und einandermal zu ihren Vorstellungen herübergezogen werden.

Jenes Herüberziehen der Umwelt zu ihrem eigenen Segen, soweit dies uns angesichts ihres Wesens möglich ist (soll heißen, soweit sie sich lieben läßt), stellt natürlich einen tiefen und dauernden Dienst dar, welchen aufzunehmen ein großen Glück ist. Sie zu verfluchen, soweit dies angesichts ihres Wesens nötig ist, in weit minderem Maße, doch kann man gar nicht danach streben, es nicht zu tun. Verderber muß man jene nennen, welche gezielt Aversionen herbeiführen.

Doch was wir auch auf diese Weise Zeit unseres Lebens tun, es ist nur ein Windhauch, welcher das Gras für eine Weile in eine Richtung drückt. Es bleibt nicht, und nichts bleibt, solange wir uns nicht zurück zur Schwelle jener Einheit wagen, aus welcher heraus wir sind. Damit etwas bleibe, muß es nämlich diese Einheitsschwelle passieren, müssen wir unsere Funktion und Verantwortung dem Ganzen gegenüber übernehmen und unser Leben in die Waagschale des Seinsgrundes werfen, sein Urteil (welches alle Existenz gewährt) höher schätzend als die Summe unserer Pflichten.

Es ist dieses, wovon ich bei der geistigen Zeugung schrieb. Genauer gesagt müssen wir nämlich nicht nur unser Leben, sondern auch die Leiden anderer in die Waagschale werfen und gegen ein Gesetz, also einen Seinswillen, abwägen lassen, wobei wir den Schlüssel zur Befreiung jener von ihrem Leiden in den Händen hielten.

Und es ist darum, daß geschrieben steht, daß man Gott in Jesu Namen bitten solle, denn um der Liebe zu sich selbst Willen wird Gott nichts tun, nur um der Liebe zu den Menschen.

Post scriptum vom 27. November 2008. Was ich da vom Lebensgeflecht schrieb ist mir ja fast ein wenig peinlich, wenngleich es keineswegs völlig an den Haaren herbeigezogen ist, nur sind die Dinge, von denen ich da schrieb, geradezu unwesentlich. Im wesentlichen geht es um die Erfahrungen, welche wir machen müssen, welche vor uns liegen. Es geht darum, daß wir nicht für uns alleine existieren und deshalb mit anderen existenten Teilen in Kontakt treten müssen.

Diese Kontakte regulieren die Betroffenen, sie zwingen die Menschen zur Auseinandersetzung mit ihren jeweils gehegten Konstruktionen. Ohne diese Kontakte wären wir nicht in der Lage unsere Konstruktionen zu korrigieren und wir also zum Scheitern verurteilt, soweit es diese betrifft.

Der Sinn dieser Kontakte besteht aber auch nur darin, sich selbst seinen Irrtümern zu stellen, einen gemeinschaftsgründenden Charakter können sie aufgrund des Umfangs der eigenen Konstruktionen nicht besitzen, denn daß auch nur zwei Menschen ihre Konstruktionen gegenseitig vollständig verstünden ist schon viel verlangt, daß es eine ganze Gruppe täte ist positiv absurd. Deshalb stimmt es andererseits schon, wenn diesem transzendenten Aspekt eine gewisse Vergänglichkeit zugeschrieben wird, eine Bedeutung nur für unseren Weg.

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12. November 2008

Von Annahme und Einfindung

Wenn wir die Welt entdecken, so sind wir uns unserer Hoffnungen dabei ja in jedem Fall bewußt, aber nicht notwendigerweise unserer Stellung zu ihr, denn zu oft suchen wir in ihr lediglich Umstände, welche sich zu einem möglichst großen Teile mit unseren Hoffnungen decken, finden uns also in ihr ein, als daß wir uns ihrer mit all unseren Hoffnungen annähmen.

Die Bestrebung uns günstige Umstände möglichst fest zu halten stellt aber das größte Problem auf dem Wege zur Erfüllung unserer Hoffnungen dar.

Freilich, hörten die Menschen morgen auf, sich in ihre Umwelt einzufinden, so zerbrächen die heutigen Strukturen auf einen Schlag, denn sie setzen die Formbarkeit der Bürger voraus.

Wert sich zu ereignen ist ein solches Ende wohl trotzdem, um der Menschen Willen, welche ihre Seinsheimat klar in sich tragen und sich ihrer Verantwortung bewußt sind, sich der Welt anzunehmen, damit aus ihr ihre Heimat werde, denn solange jene Bestrebung die Herzen der Menschen lenkt, werden diese zu zaghaft sein, um sich erfolgreich zusammenzuschließen.

Ihre Freuden müssen ihnen unbehaglich werden, ihre Blöße hervortreten und sie sich ihrer schämen. Ihre Hoffnung auf die Zukunft muß ihnen schwinden und ihr zuwarten sie von innen heraus zerfressen. Und wenn sie sich nicht fangen, so werden sie fallen müssen.

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4. November 2008

Nochmals zum spirituellem Befinden und der männlichen und weiblichen Erscheinungsweise Gottes

Als ich vom spirituellen Befinden schrieb, schilderte ich dort insbesondere das Gefühl der Ungnade, welches darin besteht, daß einem die Welt entfremdet ist, genauer gesagt, daß sie an einem vorbei geht, ohne daß man irgendeine Beziehung zum dort Geschehenden hätte. Das war aus männlicher Sicht geschrieben. Die Gnade, welche einem Manne zu Teil wird, besteht darin, daß die Geschehnisse um ihn herum seine Umwelt verständiger werden lassen für das, was ihn antreibt. Es ist das, wofür er betet, das, worin er seinen Frieden findet. Der Preis, welchen er für diese Gnade zu zahlen hat, besteht darin, daß er die Welt selbst verstehe und nicht in blinder Ignoranz auf seine Marotten beharrt. Zunächst erscheint ihm Gott streng und die Welt verschlossen, später geradezu verspielt, im ständigen Austausch von Verständnis, wobei dieses Wort freilich recht unterschiedliche Dinge in diesem Austausch bezeichnet. Ein Mann muß lernen, was geschehen muß, und indem er es lernt, beginnt er selbst zum Vorbild für andere zu werden, folgen andere seiner Bahn.

Wenn man dieses etwas bedenkt, so fällt einem wohl auf, daß es sich ganz säkular verstehen läßt. Der Prozeß ist aber nicht säkular, sondern transzendent, welches ich bereits bezeugt habe, welches zu bezeugen aber nur jenen vergönnt ist, welche sich auf diesen Weg begeben.

Für Frauen besteht Gnade nicht darin verstanden, sondern darin angenommen zu werden. Sie bezahlen dafür mit den Gefallen, welche sie ihrer Umwelt tun. Auch ihnen erscheint Gott zunächst streng und die Welt furchteinflößend, dann aber beginnen sie seine Güte und Rechtschaffenheit zu entdecken. Damit eine Frau also aus der Ungnade der Unbedachtheit befreit werde, muß sie selbst ihre Mitmenschen bedenken. Auch hier stellt sich wieder ein Austausch ein, ein Austausch des Bedenkens. Desweiteren gilt entsprechend alles, was ich bereits vom Manne gesagt habe.

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30. Oktober 2008

Schicksal und Sexualität

Dieser Beitrag ist arg spekulativ, dadurch aber zugleich auch wieder spekulationshemmend, da ja jede offene Frage zu Spekulationen einlädt.

Ich hatte zuvor schon von der Wagnerschen Spekulation gesprochen, daß Aufrichtungssexualität mit platonischer Liebe einhergeht, und nur diese Sexualität mit derselben einhergeht.

Das halte ich mittlerweile für falsch. Ich denke, daß die sexuellen Typen, also zweckfreie Paarung, Anlehnung, Verkörperungsaufrichtung und Wesensaufrichtung unmittelbar mit den eingangs besprochenen Schicksalen zusammenhängen, wobei die zweckfrei Gepaarten die Erhalter stellen, die Anlehnungsverbundenen die Eroberer, die Verkörperungsaufrichtungsverbundenen die Verbreiter und Entwickler und die Wesensaufrichtungsverbundenen schließlich die Erzeuger.

Ja, mir ist die Unmöglichkeit dieser Ausdrucksweise bewußt, sei's drum. Zu den Erzeugern muß ich mich hier nun aber etwas genauer auslassen.

Nicht jeder vom Typ 3a (Wesensaufrichtung) leitet eine Menschheitsepoche ein. Es gibt ja auch nur vier Menschheitsepochen, das versteht sich also fast von selbst. Alle vom Typ 3a hingegen besitzen die Fähigkeit zur geistigen Zeugung. Ich habe dieses etwas bedacht und kann anhand einiger Beispiele beleuchten, was auf diese Weise bewirkt wird.

Der weibliche Wert, so schrieb ich, besteht in der Güte einer Frau. Diese Güte kann allerdings unterschiedlich ausgeprägt sein, je nachdem, was eine Frau für die wertvollste Hilfe hält.

Eine Frau mag zum Beispiel Schüchternheit und Angst als die größten Hindernisse für einen Mann ansehen, zu dem zu werden, was er sein könnte. Ihre Güte drückte sich dann in Zuspruch und Charakterfestigung aus. Sie hätte auch, wo sie auch stünde oder ginge, stets diese Wirkung auf Männer, also sie mutiger zu machen. Wahrlich, ein solcher Mensch ist ein halber Gott. Offenbar besteht ihre geistige Zeugung damit in gefestigten Menschen.

Eine andere Frau mag beispielsweise Gleichgültigkeit als das größte Menschheitsübel erachten, und entsprechend machte sie alle Männer um sich herum engagiert, oftmals zu engagiert.

Auf männlicher Seite zählt, wie gesagt, der Idealismus. Naja, soll ich es ein Beispiel nennen?, ich fürchte, das alles hier ist durchsichtig genug, trotz des kleinen chronologischen Schlenkers, welchen ich da gerade eingebaut habe, also auf männlicher Seite haben wir da beispielsweise die Gewissenhaftigkeit. Und ein solcher Mann macht die Frauen um sicher herum gewissenhafter, ja, wie ich in diesem Falle ja aus erster Hand weiß, schon im Alter von sechs Jahren.

Freilich, die weibliche Wirkung ist den Männern freudig, die männliche Wirkung den Frauen hingegen schmerzhaft. Überhaupt, wie sollte man den Wert eines Ideals auch anders erkennen, als in Krisenzeiten?

Es liegt natürlich in der Natur der Gewissenhaftigkeit den Dingen auf den Grund zu gehen, und eine solche Begründung der menschlichen Existenz ist zu einem epochalen Umbruch auch zwingend erforderlich. Genauso natürlich kann es dazu aber auch nur kommen, wenn die menschliche Existenz bis in ihre Wurzeln hinein erschüttert wird, alter Halt seine Wirkung verliert, Gesellschaften erschüttert und verunsichert werden etc. pp.

Es ist wohl bald vollbracht. Nun, ich sage es nochmal explizit, jeder vom Typ 3a schreibt seinen Teil der Geschichte selbst, also das, was geschehen muß, damit der sich in ihm oder ihr verherrlichende Wert zu seiner angemessenen Geltung kommt, freilich ohne zu wissen, auf welche Weise dies geschehen wird.

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27. Oktober 2008

Vom spirituellen Befinden

Universelle Treue, Zucht und Anteilnahme bilden nicht nur die Grundlage dessen, was ich geistige Zeugung genannt habe, sondern sie stehen auch im Mittelpunkt unseres Gefallens an unserem Dasein, oder anders ausgedrückt, unseres spirituellen Befindens.

Dies ist durchaus bedenkswert für jene, welche nicht an die geistige Zeugung glauben, aber nachvollziehen, daß ihr spirituelles Befinden gerade an diesen zeugungsspezifischen Parametern hängt, denn warum sollten wir den Wert unseres Daseins auf diese Weise schätzen?

Doch machen wir uns zunächst klar, daß wir seinen Wert tatsächlich auf diese Weise schätzen.

Ich spreche nun jene an, welche das Gefühl kennen, daß ihr Leben eine Art Rückzugsraum ist, in welchen sie einerseits aus der handlungenerfordernden Welt fliehen und andererseits in ihm in feindlichem Gegensatz zu dieser Welt gefangen sind, als ihr ausgeliefert, nicht gewachsen, und wo sie sie doch beeinflussen, ihnen diese Beeinflussung wie ein schlechter Traum erscheint.

Ein Gefühl der Abgekoppeltheit, ein Wunsch irgendwozu durchzubrechen, ohne daß sich der erwünschte Ort auch nur irgendwie vorstellen ließe, denn jede auch noch so erfolgreiche Tat wirkt doch matt und ohnmächtig in diesem Zustand.

Es gibt nur eine Gewißheit, welche ihn begleitet, nämlich daß es uns erlösen würde, wenn wir erhoben würden, leichter und feiner würden, offener, freigiebiger, das losließen, was wir besser aufgäben.

Es ist ein Zustand der Ungnade, in welchen wir fielen, weil wir es an Treue mangeln ließen. Es sind oftmals die täglichen Pflichten, welche uns von jenem abfallen lassen, welches uns eigentlich angelegen ist. Oder es ist die Größe der Aufgabe, die Länge des Weges, welche uns erdrückt. Was aber auch immer es ist, es zwingt uns, uns zum Wesentlichen zu bekennen und uns dem zu stellen, was uns aus dieser Einschränkung an Unangenehmem erwächst, und nur die Reinheit des leidensbereiten Herzens stellt unsere Gnade wieder her.

Dieses also zur Schätzung der Treue. Was die Zucht angeht, das ist ziemlich schnell erklärt, nämlich einfach durch unsere Gesundheit, unseren Lebenswillen, unseren Drang, denn es ist dieses, welches uns abhanden kommt, wenn wir es an Zucht mangeln lassen. In solchen Fällen ist es am ratsamsten einfach etwas härter zu sich zu sein und sich so wieder in Schwung zu bringen, wobei es am besten ist, wenn man der Härte etwas herausforderndes abgewinnen kann. Das beste Mittel gegen eine verschleppte Erkältung ist es immer noch mit nacktem Oberkörper in den Herbstregen zu gehen, habe ich gerade erst wieder zu meiner vollen Zufriedenheit gemacht; mich jedenfalls bläst der Sturm gesund. Hilft auch gegen Betrübtheit: Wenn es draußen richtig kalt wird, einfach mal für ein paar Stunden ohne Mütze, Handschuhe und lange Unterhosen bei -15°C spatzieren gehen, und schon sieht die Welt wieder anders aus. Nein, was für mich gut ist, muß es für andere nicht sein. Eine ausdrückliche Warnung also.

Einen Mangel an Anteilnahme schließlich erleben wir als Furcht vor uns selbst, als Erschrecken über unsere Taten, als Leiden unseres Gewissens. Der Kirche sei Dank ist letzteres Konzept ja mittlerweile allgemein bekannt, ich möchte diesbezüglich nur noch anfügen, daß das Gewissen als Anteilnahme regulierende Fakultät nur sehr schwach und nur in der Reflexion an der eigenen Gleichgültigkeit, also des Mangels der Anteilnahme an einem selbst, Anstoß nimmt, diesen Bereich überwacht natürlicherweise die eigene Treue, und es ist so gesehen wohl kein Zufall, daß sich die Christenheit in ihrer gegenwärtigen Verfassung befindet, da sie sich von letzterer abgewendet hat.

Dieses also ist unser spirituelles Empfinden aus welchem unser spirituelles Befinden erwächst.

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25. Oktober 2008

Von Hoffnung und Anteilnahme und von Bereitschaft und Treue

Mit Anteilnahme sind hier die Schritte gemeint, welche ein Mensch unternimmt, um einem anderen Menschen dabei zu helfen, sich zu entwickeln und also seine Hoffnungen zu erfüllen, denn Hoffnungen weisen uns noch stets den Weg zum Ziele unseres künftigen Seins.

Mit anderen Worten ist es der aufrichtende Teil einer Beziehung, welcher an der Aufrichtung des anderen Teiles Anteil nimmt, dessen Herz sich also für ihn erweicht und welcher sich also um ihn kümmert.

Derjenige Teil, welcher bei den Griechen der Geliebte genannt wurde, im Gegensatz zum Liebenden; näheres dazu beispielsweise bei Platon.

Bereitschaft nun ist was einer zu sein bereit ist, welches ohne Bedenken auch seine Edelkeit genannt werden kann. Es ist die Summe der Pflichten, welche sich jemand zum Zwecke des Dienstes an der Allgemeinheit auferlegen mag. Diesem nun gilt die Liebe des Treuen als das Verlangen auf seine Befreiung zu Macht und Verantwortung hinzuwirken, daß aus der Bereitschaft etwas Faßbares werde. Darum dient er ihm, der Liebende, wie die Griechen ihn nennen. Treue ist also das Einstehen zum Zwecke des Werdens eines Höheren und der Treue der durch seine Treue aufgerichtete Teil.

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Von Gewalt und Zügelung

Der letzte Beitrag ist leider dazu angetan mißverstanden zu werden. Deshalb werde ich noch die vorgestellten drei Paare gesondert durchgehen, und hier geht es um das Niedere, Gewalt und Zügelung.

Mit Gewalt ist so viel wie Lebenskraft gemeint. Die Bezeichnung ist aber nicht zufällig gewählt, sondern im Hinblick darauf, wie diese Lebenskraft der Zügelung erscheint, also als etwas schlechtes, welches es schlecht zu behandeln gilt.

Um an einem Bilde zu erklären, worum es hier geht, sei auf einen Obstbaum verwiesen, welcher vor dem Frühjahr beschnitten wird und dann auf geordnete Weise neu austreibt.

Frauen nun zügeln sich selbst, solange sie noch solo sind, und zwar so, wie sie gezügelt werden wollen und nicht so, wie es ihrer angeborenen Zucht entspricht. Durch diesen Gegensatz werden sie mit der Zeit depressiv, empfinden ihre selbstverordnete Persönlichkeit zunehmend als Belastung und geben sie schließlich, wenn sie sich nicht vorher paaren, auf. Für den Mann ist es dabei natürlich ein leichtes eine Frau zu finden, welche auf die ihm angeborene Weise gezügelt werden will, er muß lediglich das Gebahren einer Frau beachten.

Dieses Gebahren, wenn man es eindimensional messen sollte, ließe sich Schwere nennen, eine Frau gibt sich entweder leicht und beschwingt oder schwer und träumerisch oder irgendwas dazwischen. Die Zucht, welche sie sich dabei angedeihen läßt und später von ihrem Partner fordert, ist dabei durch den Gegensatz von unerbittlich und grob beschrieben, welcher sich durch den Spielraum ergibt, welcher der Frau gelassen wird. Wird sie unablässig kontrolliert, so wird sie schlecht etwas falsch machen können und entsprechend sanft sind die Mittel der Kontrolle. Wird ihr mehr Raum gelassen, so wird sie hin und wieder doch recht unsanft zusammegestaucht werden müssen. Ein leichtes und beschwingtes Leben ist natürlich ein makelloses, ich erwähne es hier trotzdem, um nicht allzu arrogant zu erscheinen. Nun wird kein Mann sich als unerbittlich oder grob zu erkennen geben, er wird statt dessen seine Sanftheit oder seine Großzügigkeit zur Schau stellen, eine Frau, welche um die Natur der Dinge weiß, kann daraus aber ihre Schlüsse ziehen; das ist meine praktische Hilfe für die Weiber.

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24. Oktober 2008

Von der Zeugung

Der 42.ste Beitrag in diesem Blog, naja, völlig unbeabsichtigt. Auch will ich hier nicht wieder mit jenem Thema anfangen, welches ich drei Beiträge zuvor ruhen gelassen habe. Nein, mich zwingt die Isomorphie, die Strukturgleichheit der geistigen Zeugung mit der fleischlichen auf dieses Terrain und zu dieser Überschrift.

Zu dieser Isomorphie ist wohl einiges zu sagen, also dazu, ob sie unerwartet oder nur allzu erwartet ist, was eine vorsichtige Formulierung der Frage ist, ob Religiösität sich aus einer möglicherweise krankhaften Erweiterung von Sexualität ergibt.

Diesen Gedanken sollte man ruhig mal eine Weile auf sich wirken lassen, denn seine Folgen sind ja nicht gerade gegenstandslos. Nichtsdestotrotz, ich muß hier fortschreiten. Die eigentliche Frage in diesem Zusammenhang lautet, das ist jedenfalls meine Überzeugung, ob eine fleischliche Zeugung in jedem Falle zweckmäßig ist, denn zweckmäßig, denke ich, ist die Welt noch überall eingerichtet. Die fleischliche Zeugung beruht auf dem Prinzip der lokalen Anpassung, sie ist eine lokale Zeugung als Resultat lokaler Gegebenheiten. Solange es um lokale Entwicklung geht, ist sie sicherlich zweckmäßig, wenn sich allerdings etwas über dem lokalen Horizont entwickeln soll, so ist die Frage durchaus berechtigt, ob dies jedesmal durch eine expansive Dynamik geschehen kann. Insbesondere stellt sich diese Frage bei sozialen Verhaltensweisen, welche erst im Rahmen einer größeren Gemeinschaft Sinn ergeben.

Ich behaupte also, daß Zeugung eine gewisse Struktur besitzt, welche sich aber in unterschiedlichen Vorgängen manifestiert.

Zur Struktur der Zeugung. Es gibt drei Substanzen, wenn man so will, und drei sie beherrschende Kräfte. Kommen diese drei jeweils miteinander zusammen, so wird ein Bewußtsein gezeugt. Die Substanzen aber sind Hoffnung (mehr als Wünsche, denn als Vertrauen auf etwas oder jemanden), Gewalt und Bereitschaft. Die zugehörigen Kräfte sind Anteilnahme, Zügelung (meinetwegen auch Züchtigung) und Treue (Ehrerweisung ist hier gemeint). Hoffnung und Anteilnahme wohnen im Herzen, Gewalt und Zügelung in den Lenden und Bereitschaft und Treue im Hinterkopf. Gewalt ist weiblich und Zügelung männlich, und so kommen sie in der fleischlichen Zeugung zusammen. Die anderen beiden Substanzen und Kräfte sind nicht geschlechtsspezifisch. Zu ihrem Zusammenkommen in der fleischlichen Zeugung läßt sich aber dieses sagen, daß jeweils eine Kraft und eine Substanz zusammen einem Geschlecht einwohnen, also zwei Kräfte vom Mann beigesteuert werden und eine von der Frau, wobei die letztere entweder Anteilnahme oder Treue ist, denn es ist unmöglich einem Menschen gegenüber Anteilnahme und Treue im Gemüte zu vereinen, entweder man nimmt an seiner Hoffnung anteil oder man verehrt seine Bereitschaft.

Es ist also in jedem Falle die Frau, welche dem Nachwuchs seine Lebhaftigkeit vererbt und in jedem Falle der Mann, welcher ihm seine Zucht gibt. Ob er hingegen seine Achtung, die Gesetze, welche ihm heilig sind, vom Vater oder von der Mutter ererbt, hängt davon ab, ob er oder sie den verehrten Teil der Paarung darstellt, denn mit dieser Ehrerweisung zusammen geht die Achtung des Verehrten in den Nachwuchs über. Diese Achtung aber ist mit Bereitschaft identisch. Vom anderen Teil erlangt er seine Treue. Und schließlich erbt er vom anteilnehmenden Teil die Anteilnahme und vom hoffenden die Hoffnung.

Alles kann man in einer Paarung also nie vererben, was aber keinen Aufruf zur Polygamie darstellen soll, schließlich funktioniert Auswahl nur, wenn etwas dabei ausscheidet, und selbst wenn man sich mit mehreren Partner paarte, in keinem Kinde würde sich all das vereinigen, was in einem vereinigt war (Inzest ausgenommen).

Nun, nachdem dies damit exemplarisch an der fleischlichen Zeugung durchgegangen worden ist, komme ich also zur geistigen. Einige mögen in ihrem Herzen die Hoffnung eines ganzen Volkes (gemeint ist einfach eine Menge von Menschen, keine Nation) spüren, und zwar wie andere die Hoffnung ihres Liebsten spüren, konkret, als etwas was da ist, in ihnen, andere die Gewalt der Welt, auf eben dieselbe Weise, und wieder andere die unergründliche Seinsbereitschaft Gottes, wiederum auf jene Art. Manche auch all dies in sich zusammen. Wenn diese nun bereit sind auf eine Zucht zu verzichten, ein Gesetz, welches die Gewalt bändigt, wenn sie sich für die Hoffnungen anderer erweichen und wenn sie bekennen, daß ihr Glück an ihrer Haltung, ihrer Verehrung, welche ihre eigene Seinsoffenheit formt, nichts ist gegen das Glück, welchen den Menschen insgesamt durch sie zukäme, so vermögen sie wohl gar einen Geist zu zeugen, welcher die Welt fortan durchzieht, und zwar als gewandelte Zucht, Anteilnahme und Ehrfurcht, welche freilich zuvor alle erst einmal geformt worden sein müssen.

Anteilnahme zu formen heißt zu erkennen, worunter Menschen leiden.

Zucht zu formen heißt zu erkennen, was menschliches (und anderes auch) Verhalten bestimmt.

Ehrfurcht zu formen heißt zu erkennen, was Menschen hilft.

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