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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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15. März 2009

Anstatt einer Skizze auf Papier

Meine Lebensumstände sind gerade nicht so besonders günstig, deshalb ein paar weniger abgeschlossene Beiträge hier.

Zum Thema Verstand und Verständnis.

Wenn man Teil und Ganzes, Grundlage und Abhängiges, Ansprache und Gemeintes, Aussage und Betroffenes, Begriff und Entsprechendes usw. betrachtet, könnte man auf die Idee verfallen, daß diese Gegensätze durch ihre Beziehungen zu einander definiert werden und daß es dieser Muster also unendlich viele geben müsse.

Dabei übersähe man allerdings, daß dadurch, daß man Viele immer wieder ein Ganzes oder Viele nennt, egal wieviele es sind, eine Klasse entsteht, welche nichts mit den Beziehungen von Teilen und Ganzen zu einander zu tun hat. Vielmehr handelt es sich beim Ganzen um eine Bedeutung, auf welche wir in allen diesen Fällen bezugnehmen. Und entsprechend sind Abhängen, Meinen, Aussagen und Entsprechen oder Sein (in diesem Sinne) Bedeutungen.

Indem wir diese Bedeutungen auf zwei Gegenstände beziehen ergibt sich wahlweise eine Aussage oder ein Urteil. Beziehen wir sie nur auf einen ergibt sich wahlweise eine Beschreibung oder ein Begriff.

Über den Akt des Beziehens selbst habe ich bisher nicht ausreichend nachgedacht. Ich werde das später tun.

Post scriptum vom 16. März 2009. Wenn ich im vorigen Bedeutung zwischen die Gegensätze gesetzt habe, so habe ich mich nur davor gedrückt, eindeutig Stellung zu beziehen. Eine Bedeutung, in diesem Sinne, ist aber gerade so ein Gegensatz, also z.B. Bestandteil oder Ganzes.

Und was den Akt des Beziehens angeht, so liegt das Problem nur darin, daß die Formulierung durch Beziehung eine Allgemeinheit vortäuscht, welche nicht vorhanden ist, denn wir können Bezügliches nicht durch einen allgemeinen Akt auf seine Bezugspunkte beziehen, sondern nur in sofern uns dies in speziellen Formen verstattet ist.

Im vorliegenden Fall handelt es sich bei der speziellen Form um die Annahme von Bedeutung, welche wahlweise einen Begriff oder eine Beschreibung ergibt. Dabei stellt die Annahme auch wieder ein Verhältnis dar, dessen Gegensätze Vertreter und Bedeutung sind, nur daß die Erfassug dieses Verhältnisses sich erst nach einer zusätzlichen Reflexion einstellt.

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11. März 2009

Klärung von Reflexion und Nachbildungen

Ich bin mit meiner bisherigen Darstellung dieses Themas nicht wirklich zufrieden und versuche es also erneut.

Ein Verständnis besitzt stets die Form einer Aussage über zwei Gegenstände und das zwischen ihnen bestehende Verhältnis. Somit hat eine Aussage drei Gegenstände, welche in einem sie verbindenen Verhältnis stehen und läßt sich also selber nicht unmittelbar verstehen.

Womit sich die Frage stellt, wie wir sie reflektiv verstehen.

Wenn man sich das Wörtchen „etwas“ vornimmt, und sich fragt, wie man es versteht, so lautet die Antwort, daß es sich dabei um dasjenige handelt, was im entsprechenden Verhältnis einer Verkörperung steht, und zwar ohne Bezug auf ein spezielles Verkörpertes. Dieser Bezug ist also nicht mitgedacht, wenn wir „etwas“ verstehen. Das heißt aber, daß das eine Rolle eines Verhältnisses Ausfüllen ein Verstandesgegenstand sein muß. Ich nenne ihn mal hoffnungsvoll Begriff, wir werden ja sehen, ob ich damit durchkomme. Die Idee dahinter ist natürlich, daß ein Begriff die Art ist, auf welche wir einen Gegenstand fixieren, wobei beim vorigen Beispiel diese Fixierung lediglich durch die Rolle eines Verhältnisses geschieht, in welchem der Gegenstand steht.

Nun steht ein Gegenstand auf diese Weise allerdings isoliert da und die Frage drängt sich auf, wie er wohl mit einem zweiten verbunden sein kann. Und da kann man nun nicht darum umhin zu sagen, daß die Fixierung in dem Fall durch den anderen Gegenstand bedingt ist. Das nächstliegende ist nun einfach von zwei Arten Begriffen zu sprechen, nämlich Rollenbegriffen und Verhältnisbegriffen, am Beispiel, eine Fläche ist ein Rollenbegriff und eine rote Fläche ein Verhältnisbegriff.

Dies wirkt freilich etwas willkürlich und es stellt sich auch die Frage nach der Symmetrie der reflexiven Erfassung, wobei eine konkrete Reflexion nicht symmetrisch ist, sondern zum Zwecke der Spiegelung des Verhältnisses erneut reflektiert werden muß. Interessant dabei ist aber, daß wir beide Reflexionen miteinander vergleichen können und ihre Gegenstände jeweils miteinander identifizieren. Dazu müssen aber beide Gegenstände als Gegenstände zunächst mal in der Reflexion vorliegen und nicht nur einer.

Es gibt also zu jedem Verhältnisbegriff einen adjungierten Verhältnisbegriff, nämlich seinen Bezugsbegriff, welcher den zweiten Gegenstand zur Entsprechung hat und einen zweiten, seinen Artbegriff, welcher das Verhältnis zur Entsprechung hat.

Das ternäre Verhältnis a~b~c, wobei b das binäre Verhältnis zwischen a und b bezeichnet, reflektieren wir also durch a~'bc, c~''bc und b~'''bc, wobei bc den durch b und c gebildeten Verhältnisbegriff bezeichnet, ~' das Verkörperungsverhältnis, ~'' das Bezugsverhältnis und ~''' das Artverhältnis.

Dieses Bezugsverhältnis ist aber dasselbe wie das bereits zuvor betrachtete Begleitungsverhältnis, die Verhältnisbegriffe werden von ihren Bezugsgegenständen begleitet. Allerdings zwingt mich diese Bemerkung dazu auch das Begleitungsverhältnis noch einmal genauer zu betrachten, denn es stellt sich die Frage, ob die Begleitung analytisch, synthetisch oder manchmal das eine und manchmal das andere ist.

Hier ist die Begleitung natürlich analytisch, und es geht kaum an diesen Fall synthetisch umzugestalten, da Verhältnisse im allgemeinen keineswegs von Bezugsgegenständen begleitet werden, wenngleich es für konkret erfaßte Verhältnisse schon gilt. Genau das ist aber wohl stets der springende Punkt bei der Begleitung, daß sie innerhalb einer konkreten Erfassung Gültigkeit besitzt. Was das allerdings bedeutet ist, daß die Menge, welche begleitet wird, variiert und jedes Mal mitangegeben werden muß. Außerdem mag hier ein und dasselbe Verhältnis mehrmals auftreten und also von mehreren Bezugsgegenständen begleitet werden, allerdings zwingenderweise jeweils einzeln. Nur wie geht das vonstatten?

Die Begleitung kann nicht für diese Synthese herangezogen werden, die Konjunktion durch „und“ hingegen schon, es lägen also mehrere Begleitungen zugleich vor, mit jeweils passender Grundmenge.

Nun, so läßt sich die Angelegenheit natürlich lösen, nur hieße das verschiedene Begleitungen von einander unterscheiden zu können, was uns ganz offenbar nicht möglich ist.

Was einzig bleibt ist zu sagen, daß nicht die Verhältnisse begleitet werden, sondern die Verhältnisbegriffe, m.a.W. bei der obigen Darstellungsweise zu bleiben. Bei Zeit und Raum allerdings wird man auf einer synthetischen Begleitung bestehen wollen, da hier die Gegenstände aus einer umfassenderen Anschauung heraus entstehen, wodurch die Eindeutigkeit der Begleitung a priori gewährt ist.

Es ist verlockend Ähnliches auch für unsere Begriffe zu entwickeln, nur wie sehr schnell klar wird, wenn man sich auch nur die Bedeutung des Satzes „Dieser Stab ist am längsten.“ anschaut, geht es ganz einfach nicht. Unsere Verhältnisse ergeben schlicht kein Raster, durch welches wir die Welt erfassen, wie es Zeit und Raum tun. Wir verwenden sie vielmehr kreativ und flexibel, ohne Absicht der dabei entstehenden Struktur.

Damit bleibt aber die Frage, durch welches Vermögen wir von einer Fläche auf die Farbe übergehen können, welche sie ausfüllt. Ich neige zu der Ansicht, daß wir einfach mit einer ausgefüllten Fläche vor Augen, diese eine ausgefüllte Fläche zur Antwort heranziehen und dabei schlicht voraussetzen, daß die so erhaltene Antwort eindeutig ist. Dasselbe könnten wir auch mit einem Verhältnisbegriff anstellen, nur wäre die Antwort da eben nicht eindeutig.

Desweiteren stellt sich so natürlich wieder die leidige Frage nach der Symmetrie, denn ein Ganzes wird offenbar von allen seinen Teilen begleitet. Da aber Begleitungen nur innerhalb konkreter Erfassungen bestehen, kann man voraussetzen, daß die betroffenen Ganzen immer das Ergebnis spezieller, asymmetrischer Synthesen sind, welche immer als Beziehung einer Funktion auf ihr Argument verstanden werden, auch wenn dies nicht eindeutig geschieht.

M.a.W. ist es sinnvoll davon auszugehen, daß es für jedes begleitete Ergebnis stets einen begleitenden Bezug gibt und eine begleitende Methode, wobei die Reflexion durch „ist Bezug von“ und „ist Methode von“ stattfindet.

Die Methode allerdings ist nicht mit ihrem Index gleichzusetzen. „Rot“ ist etwas anderes als „rot ausfüllen“. Letztlich handelt es sich hier in allen Fällen um eine kreative Synthese, nämlich den Übergang zur Vorstellung zweier in bezug gesetzter Teile, wobei dem einen die Rolle des Beziehenden und dem anderen die Rolle des Bezogenen zugeschrieben wird.

Eine solche kreative Synthese ist einem Verhältnis nicht gerade unähnlich, besitzt aber als Ergebnis kein Verständnis, sondern einen Verstandesgegenstand. Trotzdem stehen ihre Argumente zugleich in einem Verhältnis, nämlich dem von konkretisierendem und konkretisierten. Nur darüberhinaus gibt es auch noch das Konkrete, welches von den anderen beiden gebildet wird.

Ob nun rot eine Fläche konkretisiert oder umgekehrt ist eine Frage der Auffassung, wobei natürlicherweise ersteres der Fall ist. Bei Verhältnis und Bezugsgegenstand ist es allerdings üblicherweise der Bezugsgegenstand, welcher das Verhältnis konkretisiert, und zwar durch Beziehung des Verhältnisses.

M.a.W. wird a~b~c durch a~'bc, c~''b, b~'''bc und c~'''bc reflexiv erfaßt, wobei ~' das Verkörperungsverhältnis bezeichnet, ~'' das Konkretisierungsverhältnis und ~''' das Bildungsverhältnis.

Begleitung braucht man hierbei also gar nicht zu verwenden, sondern ist vielmehr etwas, was man zusätzlich betrachtet, um gewisse Überlegungen anzustellen. Genauer gesagt besagt Begleitung, daß jedes Element einer Menge von einem Element begleitet wird, welches zum jeweiligen Element in einem bestimmten Verhältnis steht, z.B. eine Partition der Ebene, welche von Farben begleitet wird, welche die jeweilige Fläche konkretisieren. Wenn ich allerdings oben ein Bildungsverhältnis einführe, so verallgemeinert es offenbar das Verhältnis zwischen einem Ganzen und seinen Teilen.

Es ist hierbei übrigens wichtig, Bildung auf Synthesen zu beschränken. Das Ergebnis einer bloßen intellektuellen Funktion, welche sich auf es von einem Argument ausgehend besinnt, wird nicht auf diese Weise verstanden werden, sondern über den Umweg des Verständnisses einer Tat, also als dasjenige, welches die Aufnahme nach einer Anstrengung darstellt.

Anstrengungen sind übrigens Begriffen analog, sie mögen für sich bestehen, oder aber auf einen Verstandesgegenstand bezogen sein, allerdings nicht wahlweise für jede Anstrengung, sondern wenn man die Menge der Anstrengungen als Ganzes betrachtet. In letzterem Falle wird eine Anstrengungsweise also ebenfalls konkretisiert, nur muß sie dann auch konkretisiert werden.

Für die Rollenbegriffe ändert dies alles nichts, allerdings lassen sich diese natürlich spezialisieren. Dafür braucht man aber keine weiteren Verhältnisse einzuführen, daß ein Begriff spezieller als ein anderer ist, ist eine Aussage, welche sich mit den vorhandenen Verhältnissen formulieren läßt, und daß der spezialisierte Begriff aus dem Rollenbegriff hervorgegangen wäre, läßt sich so nicht sagen, da ein Verhältnisbegriff stets schon eine Rolle enthält.

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8. März 2009

Versuch einer qualitativen Typologie der Menschheit

Ausgehend von der Einschätzung eines Menschen gemäß den drei aufgeführten Tugenden möchte ich an dieser Stelle zurück zur Empirie kommen und sehen, ob sich die Menschheit tatsächlich durch die entstehenden acht Klassen (wenn man die Dinge dahingehend vereinfacht, daß eine Tugend entweder vorhanden ist oder nicht) beschreiben läßt.

Disziplin wird sich in der Stetheit eines Menschenleben zeigen, emotionale Unabhängigkeit in Heiterkeit (bei Erwachsenen, Nietzsche hat die alterslichen Entwicklungsstufen zutreffend beschrieben) und intellektuelle Unabhängigkeit in Anspruchsfülle. Ich werde die Tugenden in der Folge in dieser Reihenfolge ansprechen und den Status ihres Vorhandenseins mit + und - symbolisieren.

Mit diesen Bemerkungen beginne ich also die Typologie.

Der Einfache [-+-]. Hierunter verstehe ich jemanden, welcher weiß, was ihm am Leben gefällt und es sich entsprechend einrichtet, dabei aber keine weiter reichenden Ansprüche hat und auch kein festes Thema seines Lebens.

Der Fromme [++-]. Wie der Einfache, nur mit festem Thema.

Der Störrische [--+]. Hierunter verstehe ich jemanden, welcher sein Leben sehr ernst nimmt, aber weder gestalterisch noch konsequent ist.

Der Verschlossene [+-+]. Wie der Störrische, nur konsequent.

Der Leichtfertige [-++]. Hierunter verstehe ich jemanden, welcher sein Leben zu Großem verwendet, dabei aber wenig auf dessen inneren und äußeren Zusammenhang achtet.

Der Majestätische [+++]. Wie der Leichtfertige, nur auf die Zusammenhänge achtend.

Der Hysterische [---]. Hierunter verstehe ich jemanden, welcher weder für sich noch die Welt etwas zu leisten vermag und kurzatmig ist.

Der Finstere [+--]. Wie der Hysterische, nur mit langem Atem.

Wenn ich das so überblicke, muß ich sagen, daß ein Mangel an Disziplin gesamtgesellschaftlich gesehen in Maßen durchaus zu ertragen ist, und zwar unabhängig von der Organisationsform der Gesellschaft. Ein Mangel an intellektueller Unabhängigkeit ist auch nicht weiter schlimm, so lange die Gesellschaft nicht gerade demokratisch organisiert ist. Und ein Mangel an emotionaler Unabhängigkeit schlägt lediglich negativ auf die Lebensfreude durch, tut dies aber unter allen Umständen. In Maßen allerdings sollte eine Gesellschaft auch das verkraften.

Wahrscheinlich kann man sogar noch den Einfachen und den Frommen in Schutz nehmen, wenn man ihnen, als erfüllten Menschen, zugesteht, sich aus den Dingen rauszuhalten, welche sie nicht betreffen, in welchem Falle sie kein demokratisches Problem darstellten. Was allerdings die letzten beiden angeführten Typen betrifft, so sind sie reines Gift für eine Gesellschaft.

Meine vorigen Ausführungen über die Notwendigkeit der Ausmerzung der Laster des Fehlens dieser Tugenden werden dadurch etwas relativiert. Man darf aber nicht übersehen, daß eine Gesellschaft nicht in jedem Aspekt demokratisch funktioniert und es wohl auch nicht kann, so daß zuweilen auch Minderheiten in die Lage versetzt sind, systemrelevante Entscheidungen zu treffen. Allerdings besteht da wohl Hoffnung in Kenntnis der Probleme und bei ausreichend vorhandenen Tugenhaften Lösungen zu finden, welche die Bildung von lasterhaften Entscheidungskreisen verhindern.

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22. Februar 2009

Übung in den Tugenden

Es gibt keinen anderen Weg, auf dem eine Gesellschaft gesund werden kann, als den der Übung in den Tugenden.

Beide Teile dieser Aussage lassen sich bezweifeln, sowohl daß die Tugenden zur Blüte einer Gesellschaft nötig sind, als auch daß sich Tugend nur durch Übung verbreiten kann.

Wenn ich Tugenden sage, meine ich konkret ja Disziplin und intellektuelle und emotionale Unabhängigkeit, wobei letztere gemäß meiner vorangegangenen Richtigstellung als das Vermögen zur Ergründung dessen, womit einer im Einklang ist, definiert ist, m.a.W. als Urteilsfähigkeit im Moralischen, was nicht als Rechtsbewußtsein trivialisiert werden sollte, da ein großer Unterschied dazwischen besteht, eine konkrete Handlung zu beurteilen oder eine gesellschaftliche Ordnung, worin jede vollständige moralische Betrachtung ja mündet.

Daß also diese Tugenden nötig seien, läßt sich gewiß bezweifeln. Ich habe mich aber schon dazu geäußert, was die Folgen ihres Fehlens sind und glücklicherweise muß ich mich diesbezüglich nicht korrigieren.

Daß diese Tugenden sich ohne Übung verbreiten könnten, ließe sich gewiß auch verfechten, am einfachsten gewiß durch den Hinweis auf die Wirkung von Vorbildern. Nun, solange man diesbezüglich keine besonderen Techniken anwendet, um die Wirkung von Vorbildern zu erhöhen, ist dieser Effekt ja stets gegeben, und damit sich etwas zum besseren wenden kann, muß also etwas anderes, wie z.B. Übung, hinzukommen. Freilich, es lassen sich Methoden zur Erhöhung der Wirksamkeit der Vorbilder anwenden, allerdings nicht, ohne in das Leben der Vorbilder störend einzugreifen oder, falls es sich bei den Vorbildern um reine Kunstgebilde handelt, ohne gerade jene von ihrer Wirkung auszuschließen, auf welche es vor allen anderen ankäme, welche also wieder üben müßten, womit sie dann aber auch natürliche Vorbilder abgäben. Daß Beten in dieser Angelegenheit hilft, habe ich ja bereits zuvor aus dem Grunde ausgeschlossen, daß Stärke immer schon gerecht verteilt ist, für eine etwas genauere Betrachtung verweise ich auf jenen Beitrag zur Transzendenz.

Bleibt also die Übung. Ich denke, daß die emotionale Unabhängigkeit als erste vollständig geübt werden muß. Mir scheinen zu diesem Zweck Aufgaben geeignet, in denen ein Kind über die Auswirkungen der Regeln eines Spieles nachdenken muß, zunächst einfach darüber, ob sie fair sind, später dann, was diese Regeln fördern und wozu diese Förderung führt.

Die intellektuelle Unabhängigkeit kann auch schon im Kindesalter vorbereitet werden, mehr allerdings nicht. Am geeignetsten ist es zu diesem Zweck wohl den Kindern Geschichten zu erzählen die mal wahr sind und mal nicht und zu sehen, ob die Kinder sie als solche erkennen.

Zur Übung der Disziplin muß ich sicherlich am wenigsten sagen, es geht darum sein niederes Wollen in den Griff zu kriegen, durch es weder verleitet noch frustriert zu werden. Nun, um das zu erreichen, muß man selbstverständlich das höhere Wollen stärken, das will ich dann doch für die ganz Doofen gesagt haben.

Am schwierigsten, und spätesten ihren Platz findend, ist aber die ernsthafte Übung der intellektuellen Unabhängigkeit. Um zu wissen, was ein gültiger Gedanke ist, muß man sein eigenes Denken verstehen. Ab einem gewissen Punkt versteht man freilich genug, um sein Verständnis selbständig zu vervollständigen, aber dieser Punkt wird üblicherweise erst nach einem halben Dutzend Jahren der Übung erreicht. Mathematik ist zu diesem Zwecke förderlich, und ich hoffe, daß ich ihm mit dem, was ich hier beitrage, ebenfalls dienen kann, bzw. können werde, wenn dies alles ordentlich revidiert ist.

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21. Februar 2009

Richtigstellung zum Thema Extrovertiertheit

Im vorigen habe ich mich, entgegen meiner ausdrücklichen Beteuerung, widersprüchlich zur Extrovertiertheit geäußert.

Ich hatte Extrovertiertheit zunächst als motivationale Negativität definiert, dann als motivationale Weltlichkeit und schließlich als Unfähigkeit zur Selbstergründung.

Die letzten beiden Definitionen stimmen überein, die erste allerdings bezeichnet etwas anderes, was mich weder hier noch im folgenden weiter interessieren wird, weil es keineswegs verbreitet ist.

Wir alle lernen in unserem Leben Vorstellungen von der Sinnhaftigkeit unseres Lebens kennen, aber nur einige von uns überprüfen diese darauf, ob sie mit dem, was wir in uns für richtig befinden, übereinstimmen. Die Bindung derjenigen, welche sich nicht auf diese Weise kritisch mit ihnen auseinandersetzen können, an ihre weltlichen Verkörperungen ist selbstverständlich ungleich stärker als es bei den Introvertierten der Fall ist, wodurch ihre Handlungen insgesamt auf die Stützung jener Verkörperungen durch Animation und Zwang hinauslaufen, wobei letztere Unterscheidung, wenn man das Ganze betrachtet, nicht sonderlich wichtig ist.

Weil sie also befangen sind, leben sie selbstverständlich auch in größerer Angst, da sie den Gegenstand, welcher ihrem Leben Sinn verleiht, verlieren könnten.

Diese Beschränkung auf die Sphäre dessen, was sich bereits manifestiert hat, verbunden mit der zugehörigen Orientierungslosigkeit innerhalb der Sphäre des Möglichen, macht diese Menschen in der Tat, wie ich es auch bereits geschrieben habe, zu Technokraten. Welchen Schaden sie anrichten würden, wenn sie sich nicht technokratisch betätigen würden, läßt sich nicht sonderlich schwer ausmalen.

Nun ist Introvertiertheit aber, wie gesagt, eine Stärke, welche zur Verkörperung des Möglichen befähigt. Ein Mensch, dessen Schicksal dies nun ist, jene Stärke aber nicht im angemessenen Maße besitzt, wird sich durch die Bindungen, welche er ihretwegen eingeht, selbst im Wege stehen und nicht zu dem werden können, wofür er lebt.

Und als letzte Bemerkung diese, daß die Gelähmtheit eines Volkes durch die Unwirksamkeit seiner Verkörperer hervorgerufen wird, wobei, wenn diese Unwirksamkeit in ihrem Fehlen gründet, die Lähmung das beste ist, was ihm passieren kann.

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12. Februar 2009

Wiederaufnahme der Erfassung des Tuns

Ich brach letztes Jahr die systematische Betrachtung der Verstandesverhältnisse mit der mißglückten Betrachtung des Tuns ab. Ich will das nun zurecht rücken und dieses Kapitel abschließen.

In einer Tat erfassen wir zwei Dinge, eine Anstrengung und ein Ziel. Die Form dieses Zieles hängt davon ab, ob unsere Anschauung handelt, in welchem Falle es ein Aufgehen in der betroffenen Anschauung ist, oder unser Verstand, in welchem Falle es im Aufnehmen eines Verstandesverhältnisses in unser Sein besteht, m.a.W. also in dessen Verwirklichung.

Unmittelbar verantwortlich fühlen wir uns nur für unsere Anstrengungen, wobei Anstrengung hier und bei der vorigen Verwendung Sehnen einschließt, ich es also in diesem Kontext für wenig sinnvoll erachte, in diesem Punkt Anschauung und Verstand getrennt zu betrachten.

Insbesondere versuchen Menschen in ihrer Ausrichtung auf die Welt aufzugehen, also einer Vorstellung rechten Handelns. Eine solche, nicht notwendigerweise vollständig ausgearbeitete, Vorstellung habe ich Seinsheimat genannt. Im jetzigen Rahmen betrachtet, ist das Bemühen um die Verwirklichung der Seinsheimat ihre Ausarbeitung. Wenn diese ausgearbeitet ist, hat man schließlich einen Begriff vom eigenen Handeln, in dem man aufgehen kann und die Seinsheimat wird Wirklichkeit. Allerdings, dies kann nicht passieren, bevor man nicht auch Stellung zum Verhalten anderer bezogen hat, und wenn man dazu Stellung bezogen hat, formuliert hat, was zu welchem taugt, so wird man in der Folge noch etwas tun wollen, nämlich die Ausrichtung anderer der eigenen gemäß beeinflussen, was für diese konkret bedeutet, ihre eigene Sehnsucht neu zu entdecken und ihrer Erfüllung gemäß in der so geformten Ausrichtung aufzugehen.

Diese Beeinflussung ist aber eine Verstandestat, deren zugehöriges Verhältnis ich als Lebensgeflecht beschrieben hatte. Konkret besteht es zwischen einem anderen Bewußtsein und einer Ausrichtung, zu welcher man es drängt. Die Einheitsschwelle bezeichnet dabei das Bewußtsein der Anstrengung zu dieser Tat.

Anstrengung und Aufnahme finden nie getrennt von einander statt, ebensowenig wie Sehnen und Aufgehen. Dieses sind retrospektive Zerlegungen eines stets ganz im Bewußtsein liegenden Verhältnisses. Freilich, gerade Sehnen hält üblicherweise länger an und resultiert somit in vielen verschiedenen Aufgehenserfahrungen, jedenfalls neigen wir dazu, die beteiligten Sehnensakte mit einander zu identifizieren.

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9. Februar 2009

Einige Spekulationen über das Wesen der Dinge

Ich habe bisher schon des öfteren spekuliert und möchte mich hier an einer Zusammenfassung versuchen.

Die Vorstellung, daß alles gerade frei ist seinem Willen, bei uns hauptsächlich durch unser Sehnen ausgeprägt, zu folgen, welcher indes unwandelbar und der Welt entrückt alles anleitet, ist unerträglich und mündete, wäre sie wahr, zwangsläufig in Resignation.

Wer diese Dinge in ihrem Grunde erwägt hat, wird den Anspruch erheben müssen, eine Willensänderung herbeiführen zu können.

Ein paar Dinge lassen sich von dieser Änderung sagen. Zum ersten wird sie gewiß nicht einseitig sein können. Und zum zweiten wird sie keine Kräfte verschieben können. Wäre ersteres der Fall, so folgte die nicht von der Änderung betroffene Partei ja doch nur ihrem Willen. Und was letzteres angeht, so sieht man wohl ein, daß Kraft eine Funktion des Willens und der Umstände ist und somit gesetzmäßig von einer nachwillentlichen Instanz vergeben wird.

Weiterhin ist natürlich auch schon das Ergebnis dieser Änderung seiner Art nach bekannt, nämlich als Sehnen, Aufgehen, Anstrengen oder Aufnehmen.

Nach dem vorigen ist das Sehnen und Anstrengen allerdings auf fremdartiges Wollen beschränkt. Und da die drei, in den vorigen Beiträgen besprochenen, Tugenden Kräfte sind, lassen diese sich also auch nicht fördern. Insbesondere läßt sich die Ergründungsfähigkeit, die Fähigkeit zu erfassen, ob etwas mit den ureigenen Heilsvorstellungen übereinstimmt, anderen Menschen nicht wünschen. Sie wird sich einstellen, wenn Eigenart und günstige Umstände zusammentreffen, und nur dann. Eigenart, allerdings, solange sie fremdartig ist, läßt sich anderen wünschen.

Der Preis für derartige Wünsche besteht offenbar darin, an dem betreffenden Sehnen oder Anstrengen teilzuhaben. Ein Preis nur deshalb, weil es fremdartig ist.

Diese Art der Änderung ließe sich als Unterstützung bezeichnen und die Freiheit, welche sie gewährt, ist die Freiheit, jene zu unterstützen, welche einem selbst zuträglich sind.

Neben dieser bietet die Übertragung des Aufgehens und Aufnehmens auf jene, welche dazu geschaffen sind, also die gleichartig wollenden, die Freiheit zu ihrer Einweihung, wofür man mit gesunkenem persönlichem Gewicht bezahlt.

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2. Februar 2009

Kulturelle Überforderung

Kulturen basieren auf kulturtragenden Selbstverpflichtungen, welchen die Vorstellung des durch sie ermöglichten gemeinschaftlichen Gutes innewohnt.

Ein Mensch nun mag sich zwar verpflichten, aber seine Verpflichtung als etwas rein passives ansehen, als bloßes Zugeständnis. Diese sind jene Menschen, welche die Gemeinschaft tragen, welche die nötige Arbeit erledigen. Sie suchen das Gute in der Welt, im festen Glauben daran, daß sie an ihr nichts ändern können. Der Gedanke selbst für ihr Umfeld Verantwortung zu tragen ist ihnen nie gekommen, obschon sie es natürlich zu einem gewissen Maße wie jeder tun. Insbesondere interessieren sie sich nicht für die Kultur, in welcher sie leben. Sie ist da, ein Rahmen, welcher akzeptiert wird und für dessen Annehmlichkeiten sie dankbar und bereit sind, ihn zu verteidigen, aber dieser Rahmen ist ein totes, entrücktes Ding.

Folgendes ist hier zu bemerken. Nicht jeder, welcher ein solches Leben führt, ist dazu gezwungen. Allerdings gibt es Umstände, welche jemanden zu einem solchen Leben zwingen, und wenn das der Fall ist, nimmt es wenig Wunder, daß der Betroffene sich unsicher in einer Gesellschaft fühlt, in welcher sich andere dieses entrückten Dinges annehmen und es verändern. Genauer gesagt gibt es einen Umstand, und zwar den Mangel an ausreichendem Verständnis der Funktionsmechanismen der Kultur, also nicht zu wissen, wieso etwas funktioniert. Natürlich weiß das zunächst niemand, was jene also kennzeichnet, ist ihre Kapitulation vor diesem Umstand, welche sie dann in der Tat dazu zwingt, ihr Leben auf die beschriebene Weise zu leben. Weil sie aber mißtrauisch gegenüber jenen sind, welche ihre Arbeitsweise nicht nur verstehen, sondern sie auch noch für angedachte Alternativen heranziehen, neigen sie dazu sich zusammenzuschließen und ihre politischen Interessen als Mob durchzusetzen.

Dies ist eine Art der kulturellen Überforderung, nämlich jene, welche den Zugang zu ihren Grundgedanken betrifft. In anderen macht sich eine Unfähigkeit zur Inbeziehungsetzung dieser Grundgedanken zu einander bemerkbar, und zwar als Mißtrauen gegenüber jenen, welche inbeziehungsetzend die Kultur weiterentwickeln und verfeinern, genauer gesagt als ein Beharren auf gewissen Grundgedanken oder Bildern, welche ihnen heilig sind. Zum Zwecke dieser Verteidigung bilden sie nun aber keinen Mob, sondern, ihrem Verständnis gemäß, einen sachbezogenen Bund. Was gemeinhin disziplinlos heißt, ist durchaus ein Spezialfall hiervon, wenn man nur Egoismus als eine Form des Heiligseins von etwas anerkennt.

Die dritte Art der Überforderung besteht schließlich darin, daß einem der Zugang zu den Quellen der kulturellen Grundgedanken verwehrt ist, daß sie sich nicht ergründen und dadurch ausschöpfen lassen. Wem dieses nicht möglich ist, der entwickelt eine gewisse Mißgunst jenen gegenüber, welche es können und sucht ihre Wirkung durch strikte Kodifizierung der Kultur zu unterbinden. Eine vollständig kodifizierte Kultur ist aber stets bereits zu einem Gebilde erstarrt, in welchem die auf einander gerichteten Wirkungen ihrer Mitglieder einem motivationsauslöschenden Prozeß unterworfen sind - letztlich, da sich Feindschaft nicht um ihrer selbst Willen bejahen läßt und die Quelle zum aktiven Frieden weggeschlossen wurde.

Gemein ist allen Überforderten, daß sie sich gegen ihre vermeintlichen Feinde recht rauh zur Wehr setzen. Und wenn eine heutige Kultur auch aus etwas einfacherem herangewachsen ist und somit Einfacheres beinhaltet, so ist es doch der unterschwellige Wunsch eines jeden Überforderten, sie auf das zurechtzustutzen, was er überschauen kann. Dieser Wunsch ist tödlich, und es gilt ihn zu besiegen, auf welche Weise auch immer, womit ich nicht gesagt haben will, daß es keinen Unterschied machte wie.

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25. Januar 2009

Von der Furcht um das Gute

Jeder Mensch lebt nunmal in einer Welt, in welcher er nur begrenzt Einfluß darauf nehmen kann, was ihm und wie es ihm begegnet. Das Gefühl, welches ihm dort den Weg weist, sich zu wappnen und Gefahren aus dem Weg zu gehen, ist die Angst.

Desweiteren hat jeder Mensch eine seinem Schicksal gemäße Vorstellung von der Verwirklichung des Guten und damit auch eine Vorstellung von dessen Auflösung.

Es ist daher nur natürlich, daß wir um die Verkörperung des Guten fürchten.

Ich schrieb zuvor von der emotionalen Abhängigkeit, daß sie darin bestehe, nur in Abgrenzung zu den Taten anderer aktiv zu werden. Dies ist aber dasselbe, wie um die Verkörperung des Guten zu fürchten, da letzteres eine Bedrohung durch die Taten anderer voraussetzt und ersteres die Verletzung seiner Verkörperung.

Wenn sich jemand aber auf diese Weise der Welt annimmt, so führt das nur zu den zuvor geschilderten negativen Konsequenzen für die Gesellschaft, welche nur dann von den positiven Konsequenzen überwogen werden, wenn die Schwierigkeit Arbeit auszuführen die Schwierigkeit Arbeit anzudenken überwiegt, da dann und nur dann Zwang ein angemessenes Mittel zur Steuerung der gesellschaftlichen Aktivitäten ist.

Doch abgesehen von den Konsequenzen, begeht jener doch in jedem Fall einen Fehler, da er durch Taten das zu stützen versucht, aus welchem Taten erst entstehen, also das Gute. Introvertiertheit heißt letztlich nichts anderes, als um die Natur des Guten zu wissen, es als den eigenen Leitfaden zu akzeptieren und dadurch das Gute selbst zu verkörpern, während der Extrovertierte dem bereits verkörperten Guten hinterherjagt, ohne ihm doch auch nur einen einzigen zusätzlichen Tag Lebenszeit schenken zu können, da das Gute unter äußerem Einfluß aufhört, Gutes zu sein.

Post scriptum vom 28. Januar 2009. Ich habe im vorigen keinen Unterschied zwischen jenen gemacht, welche nur in Abgrenzung zu den Taten anderer aktiv werden können und jenen, welche sehr wohl auch ihren eigenen Vorstellungen nachgehen könnten, es allerdings als ihre Pflicht ansehen, die Taten anderer zu regulieren. Das ist in sofern unglücklich, weil es sich bei jenen beiden natürlich um sehr verschiedene Persönlichkeiten handelt, und was von der einen gesagt ist, trifft auf die andere normalerweise nicht zu.

In sofern es die Tugend als solche betrifft, ist selbstverständlich nur das Potential von Bedeutung, wenn hingegen die gesellschaftlichen Auswirkungen studiert werden, zählen einzig die Taten. Diese Dinge müssen also entsprechend von einander getrennt werden.

Desweiteren besteht natürlich bei jeder Pflicht die Frage, ob sie wirklich eine ist, in welchem Falle die Disziplin geböte ihr nachzukommen, was unter Umständen sehr schwierig zu klären sein mag. Extrovertiertes Verhalten mag also einem Mangel an emotionaler Unabhängigkeit entspringen, aber auch großer Disziplin oder einer landläufigen Irrlehre von den Pflichten des Einzelnen. Wo es allerdings besonders stark verbreitet ist, da darf man schon den Mangel als Urgrund dieses Umstands annehmen.

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13. Januar 2009

Und nochmals zur Transzendenz

Ich habe mich bisher weitgehend an das Prinzip gehalten, nur von dem zu schreiben, was mir auf irgendeine Weise begegnet ist, aber um Ordnung in diese Phänomene zu bringen, habe ich auch Strukturbau um des Strukturbaus willen betrieben.

Dazu gehört auch die Dreifaltigkeit der Transzendenz, welche eher willkürlich zu ihrer Dreizahl gelangt ist.

Es gibt im Menschen zwei verschiedene wirksame Kräfte, das Organische, die Anschauung, und das Tierische, den Verstand. Diese Kräfte besitzen Leben und in diesem liegt der Grund für die Transzendenz.

Das Leben des Verstandes liegt in der Anstrengung einerseits und der Aufnahme einer Handlung andererseits. Gründet sich der Verstand auf die Reflexion, so ist die Anstrengung eine Besinnung und die Aufnahme ein Begreifen, tut er das nicht, so ist die Anstrengung eine Anspannung und die Aufnahme eine Bewegung.

Das Leben der Anschauung liegt im Sehnen einerseits und im Aufgehen andererseits. Im Falle der Reflexion ist das Sehnen dabei auf eine Einsicht gerichtet, in welchem es aufgeht, ansonsten ist es auf ein Erleben gerichtet, in welchem es das tut. Ein Beispiel für letzteres wird durch die Unrast gegeben, deren Ziel es ist, daß uns Neues begegnet.

Was ich die Seinsheimat nannte, gehört zum Sehnen, das Lebensgeflecht zur Anstrengung und Aufnahme und die Einheitsschwelle zum Aufgehen.

Die Transzendenz besteht dabei darin, daß Sehnen, Anstrengen, Aufgehen und Aufnehmen von einem Bewußtsein auf andere überspringen, wofür es eine Reihe von Beispielen in allen acht Bereichen gibt. Daneben bildet es das natürliche Werden der Dinge, daß auf ein Aufgehen immer wieder ein Sehnen folgt und auf ein Aufnehmen immer wieder ein Anstrengen.

Nun gut, das ist die saubere Erklärung dieser Dinge. Was ich sonst noch davon sagte, unter der Überschrift der geistigen Zeugung, ergibt sich rein logisch, also der existentielle Drang, das allgemeine Konzept und das Verschmelzungsvermögen mit dem Zielbewußtsein.

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10. Januar 2009

Die nötigen Tugenden

1. Disziplin. Die Fähigkeit niedere Impulse höheren Gütern zu Liebe zu unterdrücken. Dabei muß ein niederer Impuls nicht per se schlecht sein, es genügt, daß er einem höheren Gut entgegensteht. Alternativ dazu ein gesetzesmäßiger Lebenswandel, in welchem überhaupt keine Widersprüche mehr auftreten.

2. Emotionale Unabhängigkeit. Die Fähigkeit sich nicht von äußeren Anstößen leiten zu lassen.

3. Intellektuelle Unabhängigkeit. Die Fähigkeit Sachverhalte eigenverantwortlich zu beurteilen.

Das war's auch schon. Wozu Disziplinlosigkeit führt, muß ich nicht erklären, das ist klar genug, und über intellektuelle Abhängigkeit habe ich mich schon ausgelassen (Mobwesen). Bleibt also nur noch die Notwendigkeit der emotionalen Unabhängigkeit zu zeigen.

Emotionale Abhängigkeit bedeutet nun aber per definitionem, daß ein Mensch nur durch äußere Reize tätig bleibt. Nun kann es in einer Gruppe solcher Menschen zu zwei verschiedenen Verläufen kommen. Entweder, die Mitglieder der Gruppe reizen sich gegenseitig zu immer neuen Taten oder sie tun es nicht. Damit aber ersteres eintreten kann, müssen wenigstens zwei Fraktionen mit einander verfehdet sein, also gegensätzliche Interessen verfolgen, da eine den eigenen Interessen entsprechende Tat kein Anreiz für diese Art Mensch sein kann, denn es macht ja keinen Unterschied, ob diese Tat von einem selbst oder von einem anderen ausgeführt wurde, und wäre sie von so einem selbst ausgeführt worden, erschöpfte sich sein Handlungswille laut Voraussetzung ja bald wieder. Wer nun einwendet, daß es der gute Wille der anderen sei, welcher den entscheidenden Unterschied bei der Motivation mache, dem halte ich entgegen, daß dieser Umstand nur bei mangelnder Disziplin einen Unterschied machen kann.

Die Folge aus dieser Auseinandersetzung ist, daß emotionale Abhängigkeit entweder mit Streit oder mit Apathie einhergeht, oder, anders ausgedrückt, daß der emotional Abhängige nur lebt, um anderen das Leben zu vermiesen.

An dieser Stelle könnte man wieder eine Betrachtung von Loki anschließen. Loki ist, nach dem bisher gesagten, emotional abhängig, zugleich aber intellektuell unabhängig und andere zu intellektueller Unabhängigkeit erziehend. Indem auf diese Weise der Mob aufhört Mob zu sein, wird der hierarchischen Gesellschaftsordnung der Boden entzogen, zugleich aber verliert Loki auch seinen äußeren Anstoß, wie bereits gesagt, nochmals in diesem Rahmen reflektiert.

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6. Januar 2009

Vom inneren Schweinehund

Dieser Beitrag betrifft mich persönlich, ist aber vielleicht trotzdem auch für andere von Interesse.

Mir macht seit einigen Monaten meine eigene Unzufriedenheit zu schaffen. Dabei geht es gar nicht mal um meine Ohnmacht, denn ohnmächtig bin ich nicht, sondern vielmehr darum, daß ich mich, wie ich nun einsehe, aus eindeutig niederen Motiven gegen meine persönliche Integration in eine, meiner Meinung nach, wohlgeordnete Welt gesträubt habe.

Ich möchte ein paar Worte zu Loki sagen, nicht der Frau von Helmut Schmidt, sondern dem Mann von Sigyn. Sigyn ist eine der älteren Gestalten der germanischen Mythologie, wie auch die Vanen, und es ist wohl dieser älteren Fraktion, welcher sie schließlich durch ihren Mann den Sieg über die Asen bringt. Jedenfalls ist das meine Interpretation von Lokis Wirken, die germanische Mythologie verarbeitet die Militarisierung Skandinaviens während der Epoche des klimabedingten Exodus', indem sie durch Loki die Wiederkehr vormaliger idyllischer Zeiten in Aussicht stellt.

Loki ist aber zugleich auch ein psychologisches Phänomen, nämlich der entfremdete Wille, das sich selbst verkennende Wirken, womit er sowohl für die Verzerrung des Selbstbildes zuständig ist, als auch für die spontane, scheinbar unmotivierte, Tat. Es sind also diese Kräfte, denen der finale Sieg über die Kräfte der Selbstherrlichkeit zugetraut wird, welche die militaristische Ordnung stützen. Folgerichtig töten sich Loki und Heimdall am Ende gegenseitig, stirbt der alles zu kontrollieren trachtete durch die grundlose Tat und der grundlos handelte dadurch, daß er endlich auf sich selbst zurückgeworfen ward.

Daß Loki ausgerechnet mit den Gedärmen seines Sohnes gefesselt wurde, gibt eine klare Vorstellung davon, mit welchen Mitteln die herrschende Ordnung ihre Herrschaft aufrechterhält. Einst aber wird die Sorge um die eigenen Kinder der Entschlossenheit zu handeln nicht mehr im Wege stehen.

Nach diesem mythologischen Überbau wieder zurück zu mir und meinem eigenen Gefallen an der Entfremdung meines Willens, welche mir zu einer ziemlich festen Gewohnheit geworden ist.

Was mich aber konkret zurückhält, meine Liebe aufzunehmen und selbst anderen Menschen bereitzustehen, das sind diese drei. Ich fürchte übervorteilt zu werden und zu übervorteilen. Lächerlich, aber wenn man sich ein Problem nicht bewußt macht, spielt seine Größe keine Rolle. Ich fürchte, daß sich meine Investition in mein Leben nicht zufriedenstellend auszahlt. Eine berechtigtere Furcht, aber eine auf Eitelkeit gebaute. Und schließlich fürchte ich, daß mein Wirkungshorizont zu klein bleibt. Das aber zu fürchten gleicht dem, das Schwimmen zu fürchten, weil man das Wasser fürchtet, während man sich schon mitten im Wasser befindet.

Mit diesen Worten will ich diese Fürchte nun hinter mir lassen.

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31. Dezember 2008

Gegenwärtige Versündigungen durch Zwang und Ausgrenzung

Ich beziehe mich hier auf den Sympathien-Antipathien-Zykel des vorigen Beitrags.

Gelingt es einem Glied das umworbene Glied zur Zusammenarbeit zu zwingen, obschon jenes das ja nicht will, so geht damit, wie gesagt, die Ausgrenzung des dritten Gliedes und damit eine defizitäre Gesellschaft einher.

Es gibt heute zwei große auf diese Weise defizitäre Strömungen. Von der einen habe ich schon gesprochen, nämlich der kommunistisch-humanistischen Strömung, bei welcher der Heroismus den Opportunismus zu zwingen versucht, unter Ausgrenzung der Philosophie, welcher in der in dieser Strömung vorherrschenden negativen Betrachtungsweise menschlichen Fortschritts auch keine Rolle zukommt. Die andere Strömung ist der Kapitalismus, bei welchem der Opportunismus die Philosophie zu zwingen trachtet, unter Ausgrenzung des Heroismus.

In gewisser Weise mache ich mich selbst der Ausgrenzung der Opportunisten schuldig, ich hatte es aber anfänglich nicht darauf abgesehen, vielmehr vollzieht sich an ihnen nur das Gericht über ihre eigenen Verfehlungen, und ich fürchte, es muß so sein. Letztlich kann eine Gesellschaft nur funktionieren, wenn jede Gruppe die von ihr ungeliebte Gruppe gewähren läßt. Nun, da sich unsere Gesellschaften hingegen verfahren haben, muß wohl oder übel ein Neuanfang versucht werden, und in diesem Neuanfang spielen die Verwalter bestehender Macht naturgemäß keine Rolle, genauso wenig wie die Verfechter alter Ideale.

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30. Dezember 2008

Die drei Wege

Wo es drei Schlachtfelder gibt, da gibt es offenbar auch drei Wege, sich dem Leben zu stellen.

Wen es zu Besitz, Macht und Herrschaft zieht, der ist opportunistisch gesonnen.

Wer seine Wirkungsansprüche nichts und niemandem unterordnen mag, heroisch.

Und wer Selbstverständnis als etwas erst mühselig zu erreichendes betrachtet, philosophisch.

Die zu erringenden Güter sind Macht, Tapferkeit und Weisheit, und ihr Fehlen Ohnmacht, Feigheit, Narrheit, woraus sich bereits eine Reihe professioneller Antipathien ergibt, da die Bedachtheit des Weisen dem Helden als Feigheit erscheinen wird, die Festigkeit des Helden dem Opportunisten als Verbohrtheit und der Realitätssinn des Opportunisten dem Weisen als Ziellosigkeit. Umgekehrt besteht in diesen Fällen Sympathie, der Opportunist bedarf ja einer leitenden Idee, der Held einer zu verteidigenden Herrschaft und der Weise eines bewahrenden Herzens.

Wenn man diese Verhältnisse etwas bedenkt, so wird man wohl zu dem Schluß kommen, daß die Rolle der Antipathien darin besteht, dafür zu sorgen, daß der jeweils als uninteressant befundene Teil als Mittler der Sympathien miteinbezogen wird. Geschähe dies nicht, so würde die Zusammenarbeit stets gegen den ausgegrenzten Teil gerichtet sein, was mit entsprechenden Verlusten einherginge. Deshalb sollte auch kein Held ohne die Bereitschaft eines Opportunisten auf die Worte eines Weisen hören, kein Opportunist sich ohne die Bereitschaft eines Weisen an Helden richten und kein Weiser sich ohne die Bereitschaft von Helden um einen Opportunisten kümmern.

Diese drei Wege verbinden sich nicht per se mit den fünf Schicksalen. Es ist vielmehr so, daß diese drei Wege sich einander im Laufe der Zeit immer weiter annähern, so daß nach Eintritt der persönlichen Reife keine wesentliche Spezialisierung mehr besteht. Wer sich schließlich selbst versteht, wird schließlich auch entschlossen, wer seine Wirkungsansprüche stets in die Tat umsetzt, wird schließlich auch realistisch und wer sich alles unter den Nagel reißt, was er kriegen kann, der versteht schließlich auch seinen Willen.

Andererseits gibt es natürlich gewisse Präferenzen der sich auf diesen Wegen Mühenden bezüglich ihrer Lebensaufgaben. Dabei wird der Opportunist als Bewahrer und Gestalter taugen, der Held als Bewahrer und Verkörperer und der Weise als Verbreiter, Entwickler und Verkörperer, wobei Helden und Weise recht unterschiedliche Dinge verkörpern, wie auch Opportunisten und Helden recht unterschiedliche Dinge bewahren.

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29. Dezember 2008

Die drei Schlachtfelder

Es ist töricht zu glauben, daß nur um Herrschaftsbereiche gekämpft werde, denn Machtausübung hat psychologische Voraussetzungen, welche sich oftmals leichter unterminieren lassen als einen direkten Angriff zu führen. Am deutlichsten zeigt sich dies natürlich bei der Tierdressur. Das Tier wird dabei an eine bestimmte Verhaltensweise gewöhnt, und diese Gewohnheit verhindert in der Folge, daß das Tier seine ursprünglichen Handlungsanreize aufnimmt.

Beim Menschen nun gibt es noch eine weitere Art der Zähmung, welche nicht auf die Unterdrückung seiner Wirkungsansprüche abzielt, sondern auf die Verwirrung seines Selbstverständnisses.

Dabei besteht ein gewisser Gegensatz zwischen den zugehörigen Freiheitsbestrebungen, denn jedes Selbstverständnis beinhaltet auf es gegründete Gewohnheiten, welche im einzelnen Fall zu psychischem Anpassungsdruck führen können. Das deutlichste Beispiel ist wohl das im Rahmen der Gastfreundschaft geschlachtete Lamm, welches einem Vegetarier angeboten wird.

Derartige Dinge passieren stets, sobald man sich gesellschaftlich auf gewisse Grundpfeiler dessen festlegt, was das menschliche Wesen ausmacht. Würde man auf diese verzichten, raubte man damit dem sozialen Umgang seinen ethischen Wert, was auch wieder völlig inakzeptabel wäre.

Kulturen definieren sich durch ihre Verallgemeinerungen und sind somit zwangsläufig fehlerbehaftet, deswegen gibt es ihrer auch mehrere, welchen indes insgesamt ihre Sterblichkeit gemein ist. Es ist diese mangelnde Vollkommenheit, welche in den letzten 150 Jahren dazu geführt hat, gesellschaftlichen Fortschritt ex negativo zu definieren, also die Aufhebung von Ungerechtigkeiten und Hindernissen in den Mittelpunkt zu stellen, was freilich zu Lasten zunächst des Selbstverständnisses und in Folge dessen der menschlichen Substanz geht.

Interessanterweise ist dieser Schwenk umgehend thematisiert worden, in herausragender Form von Friedrich Wilhelm Nietzsche, welcher in ihm allerdings die bloße Fortführung der jüdisch-christlichen Moral sah. Das allerdings ist überzogen, denn sowohl die jüdische, als auch die christliche Lebensweise hat jeweils einen positiven Kern, ganz im Gegensatz zu den Utopiegebilden, welche aus dem Hegelschen Gedankengut emporsprossen. Aber auch wenn Nietzsche diesen Kern nicht zur Kenntnis nehmen wollte, mindert das nicht die Berechtigung seiner Einwände gegen eine gesellschaftliche Dynamik, welche lediglich auf Negation ausgerichtet ist und im Endeffekt eine gute, wenn auch nicht vollkommene Herrschaft, durch eine katastrophale ersetzt.

Wie gesagt, es besteht in dieser Frage ein Gegensatz zwischen für sich genommen löblichen Absichten, welcher heute zu Lasten eines menschlichen Miteinanders, welches eben eine Vorstellung des Menschseins des Gegenübers voraussetzt, aufgelöst wird, und ohne menschliches Miteinander kann dann auch kein Mensch mehr sonderlich gut Mensch sein.

Dies ist natürlich der Grundgedanke des Nihilismus', daß es etwas dreckiges zu gebähren gelte, wie Nietzsche es gesagt hat. So beliebig, denke ich, müssen wir aber nicht verfahren, dafür besitzen wir ethischen Instinkt genug, aber es bleibt natürlich ein ungeheuerliches gesellschaftliches Versagen, daß diese Fragestellung der wissenschaftlichen Diskussion entglitten ist und sich auf die historische Weise politisch manifestiert hat. Ein Versagen, von dem wir auch heute noch nicht frei sind, und es scheint mir darum so, als ob der größte Dienst, welchen man der Gesellschaft heute erbringen könne, darin bestehe, das Gefallen der Menschen an universeller Regulierung gründlich zu zerrütten.

Aber wie dem auch sei, dieses entbindet den Einzelnen ja nicht von seiner Verantwortung für die Gewichtung von Bewertung und Offenheit, und seine eigene Position diesbezüglich zu finden, mit welchen Maßen man sich und andere messen will, welche Freiheiten man sich und anderen gestatten möchte, ist ein langwieriger und schwieriger Prozeß und je langwieriger und schwieriger, desto weniger die vorherrschende politische Strömung darauf verzichtet, ihre eigene Meinung durchzudrücken, wozu sie natürlich immer neigt, nur dummerweise in wodurch auch immer verschuldeten Krisenzeiten (also insbesondere auch in selbstverschuldeten) um so unnachgiebiger, was zu der unschönen Erscheinung des hadernden Sturkopfes führt, welche man allerdings nur dort findet, wo Gutes zu tun bestrebte Menschen Verantwortung tragen.

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8. Dezember 2008

Berichtigungen einiger Vermutungen

Ich habe mich zuletzt wieder praktisch mit der geistigen Zeugung beschäftigt und möchte meine bisherige Darstellung in einigen Punkten korrigieren oder, angesichts ihrer Vagheit, jedenfalls in ein richtigeres Licht rücken.

Die wesentlichste Grundlage der geistigen Zeugung ist ein existentieller Drang sein Schicksal zu erfüllen, welcher, solange wir reifen, uns zu weiterer Vorbereitung zwingt, und, wenn wir unsere Reife erreicht haben, sich in dem Bestreben äußert unserer wesensgebundenen Wertschätzung eine konkrete Form zu geben.

Wir, das sind im vorigen Satz die Fremden, Überkulturellen oder Personen vom sexuellen Typ 3a, welche eben gerade dazu leben, Kultur zu erzeugen, indem sie ihrer Liebe Form geben, und in meinem Fall betrifft es meine Gewissenhaftigkeit oder anders ausgedrückt meine Vorstellung von Verantwortlichkeit, nämlich eine maximale, allumfassende Verantwortlichkeit, welche ich im vorigen immer wieder beschrieben habe, ein uns Bereitstehen zu unserer Handlungsfreiheit, ein uns Grundlage zu all dem zu sein, was wir im Leben genießen wollen.

Eine konkrete Form wird dabei dadurch konkret, daß wir uns vorstellen können, wie das Leben in einer Gemeinschaft, welche den von uns geliebten Wert verkörpert, aussähe, nicht in jedem Detail, aber ein allgemeines Konzept der entstehenden Lebenssituation ist dafür notwendig, also ein Konzept, welches alle Menschen einbezieht.

Und neben diesen beiden Teilen, welche sich schon, wenn man es darauf absähe, mit Hinterkopf und Herz identifizieren ließen, gibt es noch einen dritten Teil, welcher aber von anderer Art ist, als ich es bisher beschrieben habe.

Wir müssen uns dem stellen, was da ist, soweit stimmt das noch, also dem Lebensgeflecht, und da weicht es bereits von der vorigen Darstellung ab. Es gibt nur eine Trinität, nicht zwei in einander verschachtelte. Unser Herz hängt an unserer Seinsheimat, und unsere Treue an dem Faden, durch den unsere individuelle Existenz mit der Einheit allen Seins verbunden ist. Und unsere Zügelung betrifft unseren Umgang mit der Welt, mit dem Lebensgeflecht.

Es geht nicht darum ein Gesetz aufzuheben, das ist bereits in der geliebten Form enthalten, es geht darum zu wissen, welchen Teil der Welt es zu treffen gilt, welchen Teil der Welt es zu beeinflussen gilt, um in ihm und durch ihn die Form Wirklichkeit werden zu lassen.

Im Grunde ist es dasselbe, wie wenn man eine Pflanze zum Wachstum anregt. Ich schreibe das natürlich nur für jene, welche dies können. Wenn man hingegen nicht weiß, welchen Teil der Welt es zu treffen gilt, so wird man blind Teile herausgreifen und Dinge tun, welche anderen Zwecken, nicht notwendigerweise schlechten, dienen, aber in jedem Falle im Nachhinein als besser vermiedene betrachtet sein werden.

Wie bei der Pflanze ist Liebe des Teiles die Voraussetzung dafür, ihn in seinem Leben anzuregen und zu erweitern. In meinem Fall besteht ein beträchtliches Problem darin, daß ich die Naturgewalten mehr liebe als die Menschen. Aber jene überkulturellen Menschen liebe ich doch, egal welcher Mission sie sich nun verschrieben haben. Letztlich hoffe ich darauf, daß sie meine Liebe absorbieren, und mein eigenes Bewußtsein gibt mir auch Hoffnung, daß sie es tun werden, denn ich selbst habe mehrmals Kongenialität zu anderen Liebenden erfahren, mit welchen ich nie persönlichen Kontakt hatte, welche lange vor meiner Zeit gestorben sind. Und indem sie meine Liebe absorbieren und ihr Leben danach ausrichten werden sie meiner Vorstellung von Verantwortlichkeit Form geben und die kulturgebundenen Menschen durch ihr Vorbild einbinden.

Dreimal habe ich bisher jene Zeugung versucht, dreimal ist es zu nachrichtenwerten Ereignissen in der nämlichen Stunde gekommen. Der Schaden wurde dabei von Mal zu Mal geringer und zugleich gezielter. Wenn ich es noch einmal versuchen werde, was nicht alleine in meiner Macht steht, so wird es hoffentlich still von Statten gehen und nachhaltig.

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30. November 2008

Vom Lebensrhythmus

Was ich im letzten Beitrag schrieb, betrifft nur die eine Hälfte unserer Handlungen, nämlich die Schritte. Neben diesen gibt es natürlich noch die Haltungen, oder, genauer gesagt, zwischen diesen.

Ich meine damit die Zeiten, in welchen uns die Verfolgung eines Zieles ausfüllt, in welchen wir mit unserem Handeln im Reinen sind.

Wenn wir schreiten, so auf der Suche nach einer neuen Haltung. Und ja, unsere Weltsicht macht einen Großteil unseres Haltens aus. Daneben gibt es aber natürlich auch noch unser Tagesgeschäft, welches es auch erst zu finden gilt.

Ich bin es letztlich zufrieden ein einfacher Teil einer Gesellschaft zu sein, welche ihre Machtgrundlage gemeinschaftlich errichtet und betreibt. Privatbesitz von Macht sollte einem schlicht anstößig sein. Mir jedenfalls ist er das auch, wozu ist Handlungsfreiheit schon gut, wenn sie über die eigenen Bedürfnisse hinausgeht? Warum sollte sich jemand Gedanken darüber machen, auf welche Weise andere ihr Leben erkaufen dürfen? Die Möglichkeiten, welche uns gemeinschaftlich verbunden offenstehen, können doch letztlich nur von uns jeweils selbst genossen werden. Nur wen Komplexe, Sadismus oder andere Perversionen steuern, kann an der Zerstörung oder Beschneidung anderer Menschen Freude empfinden. Genug gibt es von denen natürlich auch.

Aber niemand zwingt einen sich mit ihnen gemein zu machen.

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28. November 2008

Nochmals zum Lebensgeflecht

Mein gestriges post scriptum wurde der Angelegenheit nicht gerecht, ich muß weiter ausholen.

Wer kennt sie nicht?, die Haltung, ohnmächtig dabei zuzusehen, wie alles, einschließlich einem selbst, langsam zerfällt. Aber gerade in dieser Distanz zur Welt fühlen wir uns sicher, nein, sind wir sicher, so sicher, wie wir es überhaupt nur sein können.

Es ist natürlich nicht genug, und früher oder später wehren wir uns gegen uns selbst. Was dann aber passiert ist unheimlich und auch schwer zu ertragen, wir nehmen an einer Schlacht teil, in der nichts so kommt, wie wir es gerne hätten, sondern alles so, wie wir es wollen. Es ist schwer seinen eigenen Willen anzunehmen, die Aufgaben anzunehmen, welche sich aus seiner Erfüllung ergeben. Am schwersten aber ist es, die Polyphonie alles Geschehenden, das Zusammenfließen der Einzelwillen, bewußt zu ertragen, es ist so schwer, weil wir in ihr zu ertrinken drohen, weil wir in ihr beständig mit den Grenzen und dem Ende unseres Wollens konfrontiert sind und wir uns daran gewöhnt haben, Zeit zu haben. Wenn wir dort also sehen, wie monatelange Beschäftigung sich in einem Augenblick umsetzt, um dadurch irrelevant zu werden und uns auf das Nichts zurückwirft, welches der Anfang aller Beschäftigung ist, so fühlen wir uns natürlicherweise verschlungen.

Und das ist der glückliche Verlauf, in welchem sich unsere Beschäftigung umsetzt und nicht etwa zerbricht.

Wir müssen aber voranschreiten, Anläufe nehmen und sehen, wohin es uns bringt. Letztlich liegt alles dort im Dunkeln, einschließlich der Kraft, welche die Fragen der Welt klärt. Sie liegt auch dort, oder genauer gesagt ist sie eine Facette einer größeren Kraft, der Teil, welcher die Saat austreibt, welcher das nimmt, was ward, um es zu seinem Ende sein zu lassen.

Was liegt vor mir?

Ich weiß, daß alle weltlichen Taten inadäquat sind, ich weiß es schon seit längerem. Und dennoch muß ich mich der Welt in kleinen Dosen stellen, hier und dort ein Schicksal beeinflussen, ohne daß es dadurch aufhörte auf sein eigenes Ziel zuzulaufen, und gelangte wohl zu dem Schluß, daß es nichts Höheres zu hoffen gibt, als daß all diese Lektionen, welche wir uns beibringen, für ein späteres Zusammenkommen von Nutzen gewesen sein werden, wenn ich nicht wüßte, daß sie realisiert werden müssen, daß es die Lehren hier und jetzt zu ziehen gilt, weil die Zeit da ist, weil sich die Frucht über die Reife hinaus nicht weiter verbessert.

Die Möglichkeit besteht, daß die Menschen ihre Wunden zur Kenntnis nehmen und heilen. Niemand wird aufgrund seiner Leichtgläubigkeit verdammt, und es ihre Leichtgläubigkeit, welche die Menschen in ihre Verstrickungen getrieben hat. Aus diesem Dickicht führt ein breiter Weg heraus, aber beschritten werden muß er doch von jedem selbst.

Was kann ich hoffen?

Exemplarisch zu erfahren, was sich bewerkstelligen läßt, um diese Gewißheit weiterzureichen, weiterzureichen als praktische Gewißheit, nicht bloß als theoretische. Aber dazu muß ich meine Ansprüche ernst nehmen in meinem Leben. Jeder muß es.

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26. November 2008

Von dem, was falsch und von dem, was richtig ist.

Ich sprach den Unterschied dazwischen sich in der Welt einzufinden und sich der Welt anzunehmen schon an, aber so recht bewußt, wie sich dieser Unterschied zeigt, war ich mir noch nicht. Das ist mir nun am Beispiel menschlicher Bekanntschaften klar geworden, wo es nämlich darum geht, ob man sich mit jemandem einläßt oder an ihn herantritt, auf ihn zugeht, weil er ganz einfach etwas hat, was man von ihm will, im Gegensatz dazu, daß man Für und Wider abwägen müßte.

Und das ist freilich eine Volkskrankheit. Wenn man den menschlichen Hang betrachtet, sich einer Gruppe anzuschließen, mit welcher einen zumeist rein nichts verbindet, und selbst wenn einen geschmackliche Gesichtspunkte verbänden, diese Beziehungen doch nicht mit dem geringsten persönlichen Gewicht belastbar sind, nur um dann als Mitglied der Gruppe in der Lage zu sein, auf bestimmte Fragen mit einer Stimme antworten zu können, und sei es auf die Frage, wohin der Touristenführer den Bus lenken solle, und insbesondere wie hoch die Menschen ihre Zugehörigkeit zu ihr einschätzen, welche Dinge sie ihr unterzuordnen bereit sind, nämlich alle, so packt einen hoffentlich das Entsetzen.

Wie konnte es nur soweit kommen?

Ich denke, daß der Anfang in der Kindeserziehung liegt. Es ist nur natürlich, daß das Kind nimmt und der Erwachsene gibt. Hätte der Erwachsene nicht vor zu geben, setzte er doch gar nicht erst Kinder in die Welt. Und obwohl dies die einfachste und natürlichste Sache ist, halten es viele Erwachsene für nötig ihren Kindern einzubleuen, daß sie lernen müssen dienstbar zu sein - als ob sie's nicht von selbst würden. Kindern indes, welche sich mehr überlegen, was ihre Eltern wohl zu ihren Entscheidungen sagen würden, als was sie selbst wollen, wird die Sorge um das elterliche Vermögen unnatürlich nahe ans Herz gelegt, und es ist wohl diese charakterliche Deformation, aus welcher alle weiteren Übel sprießen, und welche das Bewußtsein selbst eine Verantwortung gegenüber der Welt zu tragen genauso abtötet wie auch den offenen Umgang der Menschen miteinander, in welchem die eigene Handlungsbereitschaft ein frei verfügbares Gut ist.

Die Menschheit wird lernen müssen, daß sie sich selbst ihre Freiheit schuldet und nicht ihrem Besitz. Ich will den Menschen nicht die Grundlage ihrer Souveränität, und damit ihre Würde, nehmen, aber was darüber hinausgeht, das teilten sie besser miteinander, aus freien Stücken und im gemeinsamen Interesse.

Damit ist, denke ich, der Unterschied zwischen dem Menschen, welcher ist, und dem Menschen, welcher werden muß, hinreichend anschaulich geworden. Darum geht es beim geliebten Dienst der Gewährung der Handlungsfreiheit anderer durch die eigene Bereitschaft, dazu zur Verfügung zu stehen.

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17. November 2008

Von der Unmöglichkeit freier Liebe und den Strategien ihrer Bewältigung

Zur Unmöglichkeit will ich gar nichts weiter schreiben, ich überlasse es jedem sich selbst davon zu überzeugen, und legte ich hier ihre vollkommenste Begründung dar, ich würde dafür doch nur gehaßt.

Also zu den Strategien ihrer Bewältigung. Es gibt, meines Wissens, vier derer, wovon zwei es verdienen edel und zwei es verdienen kultiviert genannt zu werden und diese beiden Unterscheidungsmerkmale ausreichen, um sie von einander abzugrenzen.

1. Die edele und kultivierte Strategie: Sublimierung des Triebs durch den Flirt.

Da unserem Geschlechtstrieb die Bedeutung von Geschichte unbekannt ist regt er sich bei jeder Kompatibilität erneut, und wenn zwei Menschen näheren Umgang mit einander haben, so wissen sie irgendwann von einander, wie sie fühlen. Was dann machen? Nun, die schönste Form der Auflösung dieses Konflikts besteht darin, wenn beide ihre Gefühle freimütig zugeben, nur um sie dann gemeinsam zu entschärfen, indem sie in einem kindlichen Austausch von Artigkeiten die präsexuelle Reinheit ihrer Liebe wiederherstellen. Dies wird aber nur gelingen, wenn beide Seiten in vollem Ernst den Trieb als etwas Störendes ansehen und Gefallen daran finden, ihn aufzulösen.

2. Die edele aber barbarische Strategie: Unterbindung des Triebs durch Gewalt.

In der harmlosesten Form läuft es darauf hinaus, sich dem anderen Geschlecht gegenüber generell unfreundlich zu benehmen. Es bleibt einem auch gar nichts anderes übrig, wenn man selbst ein Edler unter Unedlen ist. Interessanterweise verstehen aber andere, kultiviertere Edele sofort, was man mit diesem Verhalten bezweckt und erwidern es durch Flirten, ganz im Gegensatz zu den Unedlen, welche es für bare Münze nehmen (Gott sei Dank). In ihren stärkeren Ausprägungen bedeutet diese Strategie Freiheitsentzug und Kontrolle des Umgangs der Geschlechter mit einander.

3. Die unedele aber kultivierte Strategie: Süß ist die Sünd', süßer nur die Absolution.

Die Unedelheit macht sich gerade dadurch bemerkbar, daß der Trieb ausgelebt wird. Wenn er also schon ausgelebt werden muß, man aber weiß, daß dies nur Unglück bringt, was macht man da? Richtig, man richtet ein Katastropheneindämmungskommando ein, welches nach dem Armeeprinzip des Meldens, Meldens, Meldens funktioniert, nämlich die in der katholischen Kirche organisierte Beichtvaterschaft. Mehr muß man zu dieser Strategie eigentlich nicht sagen, außer vielleicht, daß man sie in Österreich und um Österreich herum besonders schön veranschaulicht vorfindet.

4. Die unedele und barbarische Strategie: Trennung von Sexualität und Liebe.

Freie Liebe ist unmöglich, freie Sexualität dagegen nicht. Alle Probleme sinken also mit der Liebe ins Grab, wenn man denn dazu bereit ist. Huxley hat ja bereits auf die interessanteren Auswirkungen einer Bruttosozialproduktsmaximierungsstrategie aufmerksam gemacht (und wer es bisher nicht zur Kenntnis genommen hat, kann ja gerne dem Verweis in meiner Linksammlung folgen), aber um einmal den Weg zum dort dargestellten Endstadium genauer zu beleuchten, möchte ich noch dieses anfügen. Wie wäre es eigentlich, wenn es in Zukunft nur noch Leihmütterschaften gäbe und Eizellen und Sperma in riesigen dafür eingerichteten Fortpflanzungsshops gelagert würden, in denen man sich in kleinen Kinokabinen die Lebensgeschichte des Spenders ansehen könnte, um sich anschließend, je nach Geldbeutel, ein passendes Angebot zur Verschmelzung mit dem eigenen Erbgut einkaufen zu können?

Würde das das Bruttosozialprodukt etwa nicht steigern? Man bedenke, in jedem einzelnen Schritt fließt Geld, wird Gewinn erwirtschaftet.

Und wenn man den Menschen keine anderen Gelegenheiten gibt, Geld zu verdienen, werden sie schließlich auf genau jene Wege ausweichen müssen, durch welche sich das Bruttosozialprodukt noch steigern läßt.

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