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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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26. Mai 2015

Der Unterschied zwischen autoritärer und antiautoritärer Erziehung

Autoritär:
Bestrafe einen, erziehe hundert.
Antiautoritär:
Ich hoffe, ihr wißt alle, daß wir hier heute nur wegen Thomas zusammensitzen.

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25. Mai 2015

Stalker, eine Inquisition.

Laß alles, wie es vorgesehen ist, wahr werden.
Laß sie glauben und über ihre Leidenschaften lachen.
Denn was sie Leidenschaften nennen ist in Wahrheit keine emotionale Kraft,
sondern nur die Reibung ihrer Seele an der äußeren Welt.
Und vor allem, laß sie an sich selbst glauben,
laß sie hilflos sein wie die Kinder,
denn Schwäche ist ein großes Ding und Stärke nichts.
Wenn ein Mensch gerade geboren ist, ist er schwach und anschmiegsam,
wenn er stirbt, hart und fühllos.
Wenn ein Baum wächst, ist er zart und biegsam,
aber wenn trocken und hart, so stirbt er.
Härte und Stärke sind des Todes Gefährten,
Biegsamkeit und Schwäche Ausdruck der Frische des Seins,
denn was erstarrt ist, wird nie siegen.

Vergiß im Ringen mit der Welt nicht, welcher Reichtum mit ihr ringt.

Experimente, Fakten, Wahrheit der höchsten Instanz.
Es gibt keine Fakten, ganz besonders hier nicht.
All dies ist jemandes idiotische Erfindung.
Fühlst du es nicht?
Aber du mußt natürlich herausfinden, wessen Erfindung es ist.
Und wozu?
Welchen Nutzen kann dein Wissen haben?
Wem wird es ins Gewissen reden?
Mir?
Ich habe kein Gewissen, nur Nerven.
Ein Arschloch kritisiert mich, und es verletzt mich,
ein andres preist mich an, und es verletzt mich erneut.
Einmal ergieße ich mein Herz und meine Seele,
und sie verschlingen mein Herz und meine Seele,
ein andres schreib' ich mir den Schmutz von derselben,
und sie verschlingen auch ihn.
Sie alle sind so gebildet.
Ihnen allen fehlt es an Wahrnehmung.
Und sie alle schwärmen umher, Journalisten, Redakteure, Kritiker, wandelnde Bücherregale.
Uns sie alle fordern: Mehr, mehr!
Was für ein Schriftsteller bin ich, wenn ich das Schreiben hasse?
Wenn es mir stete Folter ist, eine schmerz- und schamvolle Beschäftigung?,
als preßte ich Hämorrhoiden aus.
Früher dachte ich, meine Bücher würden jemanden verbessern.
Nein. Niemand braucht mich!
Zwei Tage, nachdem ich gestorben bin, werden sie jemanden anders verschlingen.
Ich wollte sie verändern, aber sie haben mich verändert,
mich nach ihrem Bilde geschaffen.
Die Zukunft war einst nur die Fortführung der Gegenwart,
und alle Veränderungen lagen weit hinter dem Horizont,
jetzt sind Zukunft und Gegenwart eins.
Sind sie bereit dafür?
Sie wollen nichts wissen!
Alles was sie wissen ist, wie man verschlingt!

Ein langer Weg ist's, sich seiner Situation zu stellen,
was man wollte,
was man tut,
was man zu wollen scheint.
Wer mag sich der Schwierigkeit des Lebens just in dem Augenblick stellen,
in welchem ihn die Kraft zu verlassen beginnt?

Freilich, es ist nur das Alter und schmerzhaft nur für den, wer noch nicht alt sein will oder keine Gelegenheit dazu hat.


Wir sind nun an der Schwelle.
Dies ist der gewichtigste Augenblick in eurem Leben.
Ihr müßt wissen, daß eure innersten Wünsche hier in Erfüllung gehen.
Euer ernstester Wunsch! Durch Leiden geboren!
Es braucht keine Worte.
Konzentriert euch nur und erinnert euer ganzes Leben.
Wenn ein Mensch an die Vergangenheit denkt, wird er gütiger.
Und vor allem,
vor allem:
Ihr müßt glauben!
Nun könnt ihr gehen.

Wenn ich mein ganzes Leben erinnere, so steht vor mir ein Junge mit einer Empfänglichkeit für das Schöne und wenig sonst.

Was sollte ich mir andres wünschen, als daß Gott die Liebe der Menschen zu ihm anerkennt?

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23. Mai 2015

Schreibt's euch hinter die Ohren!

Etwas, das man fürchtet, obwohl man es nie gesehen hat, hört man nicht auf zu fürchten, nachdem sich die eigene Befürchtung nicht bewahrheitet hat.

Die Urängste des Menschen wurzeln in der Urausgeliefertheit des Menschen.

Wer seinen eigenen Weg geht, der muß sein Leben selber schützen,
und wer in der Herde mitläuft, dem muß der Weg gleichgültig sein.
Weder gedeihen die Menschen im Gegensatz, noch in Unbestimmtheit.

Jene, welche anderen nachlaufen, laufen ihnen auch schnell wieder davon.
Sie scheinen Sklaven der Macht und sind doch Sklaven der Freiheit.

Alles menschliche Tun ist Wille, und der Wille zum Guten lebt in der Intimität der eigenen Beziehung zum Seinsgrund.
Atheistischer Altruismus ist eine Rüstung ohne Ritter: schwer, hohl und instabil.

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22. Mai 2015

Das Licht

Wahrlich, der Witz ist der Trost des hinterbliebenen Denkers.

Warum eigentlich versuchen so viele witzig zu sein?

Welch seltsamer Ort. Wie kann Bedeutungslosigkeit anziehend wirken?

Im Einzelfall vielleicht als Begleiterscheinung der Eigenständigkeit, aber Humor ist ja die Bedingung schlechthin.

Ist es ein prophylaktisches Lachen?

Damit es nicht von alleine aufsteigt?

All die Unterhaltung, um nicht selbst auf die Inkongruenzen aufmerksam zu werden?

Menschen bei der präfinalen Kompensation des Verdrängten?

Juden nennt Johannes sie (11:19, natürlich).

Liegt da eine allgemeinere Wahrheit?

Malen sie sich das Ende aus, um es nicht zu sehen?

Wie oft träumt ein Mensch von einer Gefahr, bevor er sich ihr stellt?

Aber wenn er träumt, kaut er nur bekanntes wieder, große Kreativität fließt in die Ausgestaltung unserer Träume, aber es ist eine Kreativität, welche von einer Prämisse ausgeht, welche ihren ganzen Ehrgeiz in die Ausschmückung einer Aussage setzt. Sie reformuliert und bezieht dadurch Stellung, aber sie stellt sich nicht, sie faucht: So werd' ich mich stellen!, aber sie überläßt es dem Wachsein. Das Wachsein aber betrachtet die Dinge bei Licht, und bei Licht betrachtet wird aus den Dingen, zu was wir sie werden lassen, und so blickt es mit Unverständnis auf den Traum und seine paralysierte Welt, in welcher alles auf ewig so bleiben muß, wie es schon immer war.

Wir lernen, wie die Welt funktioniert. Und wenn wir dabei nicht selbst zu den unmittelbaren Quellen des Wissens vordringen, uns nicht selbst heranleiten lassen, fallen wir alsbald in den Traum der Welt, welche uns gelehrt wird. Auch erfahrene Ohnmacht kann uns fesseln und uns den Glauben an den Sinn rauben. So oder so, ist die philosophische oder heroische Beschäftigung mit der Welt gestört, schwindet das Licht aus dem eigenen Abbild ihrer.

Aber in der Welt selbst bleibt das Licht, und dieses Licht bedeutet, daß wir an der Gestaltung des Potentials des Seins teilhaben können, daß, was uns augenblicklich beengend entgegentritt, nur für diesen Augenblick gemacht ist, und wir schon heute die Entwicklung spüren können, welche uns aus ihm herausführt, wenn wir uns dem Licht nur anvertrauen.

Ich fürchte mich ganz wesentlich davor, dem Zicklein hinterherzulaufen, statt es zu leiten, auch schon sehr lang, und meine Träume kauen es wieder. Mag ihr totes Sein unter der Zukunft begraben werden.

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21. Mai 2015

Macros, Macros, Macros

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20. Mai 2015

Zur Vollständigkeit der Unterteilung der menschlichen Geister und ihrer gesellschaftlichen Verbundenheit

Wenn sich das Wesen eines Tieres an der Antwort auf die Frage, was es bei seiner Futtersuche beachtet, ablesen läßt, so muß sich doch auch das Wesen des Menschen an der Antwort auf die Frage, was er im Umgang mit seinen Mitmenschen ermißt, ablesen lassen können.

Da alles menschliche Streben aus Lust, Achtung und Sorge entspringt und auf Fähigkeit, Besonderheit und Bedachtheit zielt, um einmal den Dreiklang von Macht, Glanz und  Wahrheit aufzulockern, läßt sich am Mitmenschen auch nur der Grad des Erreichens eben dieser Ziele ermessen und insgesamt ganze Gesellschaften auf diese Punkte hin ansehen.

Das also sind die verschiedenen Geister, welche fragen, wie bedacht Menschen sind, wie besonders oder wie fähig, und dabei die Lebendigkeit des Strebens der Vernunft, des Verstandes oder der Anschauung ermessen.

Wenn aber eine Gesellschaft die Bedachtheit umstößt, was soll dann aus ihr werden? Was ist ihre Besonderheit noch wert und wohin treiben ihre Fähigkeiten?

Es muß ihr doch als ganzes wie einem Tier ergehen, wenn sie sich als ganzes wie ein Tier verhält, und den Gestimmten, welche in den Augen ihres Gegenübers die Bedachtheit am höchsten schätzen, wird dies als ersten klar.

Wie verhält es sich mit der Besonderheit, woran entzünden sich die Augen der Erwartenden?

Verfahren und Kreise.

Kann es mehr Objekte zu bewundern geben als diese? Daß einer weiß, wie zu bewirken, und ein weit'rer, wie einen andern einzuspannen?

Der erste leistet selbst, der zweite hebt die Chancen des Erfolgs, indem er die Schwierigkeit verteilt. Aus dieser Perspektive heraus kann es nichts weiter geben, jede Verzweigung endet in einem Ast, den Leistungserwartenden erhebt die besondere Leistung des Verfahrens, den Umgangserwartenden die besondere Versatilität des Kreises, und freilich ist es so, daß es noch lange, nachdem die Bedachtheit gefallen ist, besondere Verfahren und Kreise gibt, welche das Leben der Erwartenden mit Sinn zu erfüllen vermögen.

Aber schließlich sehen auch sie, daß diese Besonderheiten keinen tragenden Platz im Ganzen haben, daß sie vielmehr Ausbrüche organischen Zusammenspiels eines Motors sind, welcher zunehmend zu stpttern anfängt.

Die Erregten, mit ihrem Blick auf die Fähigkeiten, wird der Niedergang überraschen, dann verärgern und schließlich verängstigen.

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19. Mai 2015

Das ermessende Geschlecht

Der Wald rollt in Wellen fort,
in Schüben rollen die Wolken heran
und sprenkeln Regen fleckenweise über's Land.

Die Welt umweht des Wachstums Atem,
ungestört und unbedacht
entfaltet er der Wärme Grün.

Was ist der Ort, an dem ich steh'?

Ein Nichts,
verwachsen mit dem Rest
wie ein Hautstück mit dem andern,
durch die Umgebung bestimmt
wie ein Maß Wasser im Strudel.

Ich geb' ihm Sinn,
Besonderheit durch Tat und Blick,
Wert, durch was ich ihm entnehme.

Ermiß!

Ermiß den Rahmen deiner selbst,
ermiß, wohin er dich geleite!

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15. Mai 2015

Die Furcht Gottes

In Anbetracht dessen, was ich über spirituelle Warnungen schrieb, stellt sich vielleicht die Frage, worin Angst und Schrecken jener liegen.

Nicht jede Reue geht mit Angst einher, ebensowenig jede Trauer und jedes Erschaudern. Und nicht jede kühne Ahnung besitzt Schrecken. Doch im Falle der spirituellen Warnungen ist all das so. Wir werden ermahnt, zusätzlich zu unserem sonstigen Empfinden, ermahnt, auf unsere spirituelle Lage zu achten.

Das heißt, wir tauchen in eine andere Welt ein, eine Welt, in welcher Abkehr Folter bedeutet und Verlassenheit ein Todesurteil ist.

Eine Welt, in welcher derjenige, welcher ihre Ordnung lästert, zerstört wird und derjenige, welchem etwas bedeutet wird, weiß, daß es geschieht.

Es ist die Welt des Beschließens, des Beschließens von allem, was ist und sein wird, in welche wir uns für gewöhnlich nur zaghaft und dann auch nur für den Bruchteil einer Sekunde begeben, um es uns alsbald wieder froh, dort nirgendwo angestoßen zu sein, in der Betrachtung gemütlich zu machen.

Am Dienstag sah ich mich im Spiegel, in meinem Gesicht keine Spur des Erinnerns, der Körper aus Gummi; so sehr hatte ich diese Welt verlassen, und ich verstand zum ersten Mal den Blick derer, welche aus einer anderen kommen.

Aber meine Fremde sucht dem, welchem sie sich entfremdet hat, zu dienen. Sie kennt und schätzt, was aus ihr heraus in unerreichbarer Ferne liegt. Sie sucht keinen persönlichen Unterschlupf, sondern den gebährenden Beschluß, welcher den Geliebten eine neue Heimat gibt.

Wie im Kleinen, so im Großen.

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14. Mai 2015

Das Fraukind

Sieh! Die anderen neigen sich ihrem Alter zu,
ihre Anlagen bilden sich heraus,
und sie umtanzen sie,
ihres Zieles inne.

Und du willst zu den Sternen,
klar ist es in dein Hirn gebrannt,
und die Leute lachen, lachen noch,
plötzlich nicht mehr,
und sehen dich verwundert an.

Da steht ein Mensch, fertig,
noch nicht abgeholt
und auf verwaistem Posten.

Was will er da?
Was wird er da?
Wohin wird ihn die Zukunft tragen?

Vor deinen Augen steht das All,
um dich herum die Welt,
mir ist nicht ganz geheuer,
sie treten vor,
betrinken sich,
und wähnen sich geliebt.

Und du kreist und wartest.

Wahrlich, in beziehungslose Fremde geht,
wer zu dir tritt,
und nur wer es versteht,
führt dich heraus.

Zurück in die Welt,
an welch lächerlichen Ort er dich auch bringen mag.

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13. Mai 2015

Regungen

Im Gegensatz zu Stimmungen spiegeln Regungen nicht unser Verhältnis zu uns selbst wider, sondern zu etwas anderem.

Entsprechend entspringt ihre Wirkung auch nicht einem Vermissen von oder Scheuen vor etwas, was wir als zu uns gehörig betrachten, ist also keine Eigenwirkung der Sorge, sondern geht von Anziehungen aus, womit sie auch nicht Verpflichtung, sondern Aufgerufenheit ist.

Freilich, erstere mag sich an letztere anknüpfen, wenn wir dafürhalten, daß uns Aufrufe in bestimmten Lagen zu bestimmten Diensten verpflichten, ausgehend von unserem Verständnis unserer Einbringung ins Leben, das heißt unserem Verständnis ethischer Schönheit, aber zunächst einmal sind dies klar unterscheidbare Dinge: Wohl möchte man einem Aufruf folgeleisten, aber wenn man nicht dazu kommt, fühlt man sich weder per se schuldig, noch traurig, sondern ärgert sich höchstens.

Interessant ist aber auch weniger die Struktur von Regungen,
  • Anziehung,
  • Aufgerufenheit,
als vielmehr ihre Breite.

Was zieht einen Menschen an?
  • Das Unverständliche durch Verwunderung,
  • das Kooperative durch Interesse,
  • das Unbeholfene durch Belustigung,
  • das Unglückliche durch Mitleid,
  • das Erfolgreiche durch Neid,
  • das Vorbildliche durch Bewunderung,
  • das Ungerechte durch Zorn und
  • das Entrechtende durch Lähmung.
Die erste Regung ist intellektueller Art, die übrigen sozialer, wobei die zweite bis fünfte operational sind und die übrigen ethisch.

Betrachten wir das genauer. Was die Ethik betrifft, so ist es ziemlich klar, daß sie drei verschiedene Verhältnisse zu ihr mit sich bringt,
  • der Ethik wird entsprochen,
  • der Ethik wird nicht entsprochen,
  • die Ethik wird in ihrem Bestand gefährdet.
Bleiben die Operationen. Ein Mal mag der Kooperation nichts im Wege stehen, und zum anderen mag sie grundsätzlich unerwünscht sein, in welchem Fall es auch keinen Grund zu irgendeiner Regung gibt. Sonst aber liegt irgendein Hindernis vor. Welche Hindernisse kann es aber bei beidseitigem grundsätzlichen Interesse geben?
  • Der Andere ist zu unerfahren,
  • dem Anderen ist zu wenig Gutes oder zu viel Schlechtes zugestoßen,
  • der Andere hat zu viel Erfolg.
Betrachten wir nun die Aufrufe und machen uns dann ein Bild von der Natur der Regungen und damit auch des Menschen.
  • Der Verwunderung folgt die Faszination, welche zur Untersuchung aufruft,
  • dem Interesse die Sympathie, welche zur Zusammenarbeit aufruft,
  • der Belustigung die Altklugheit, welche zur Hilfestellung aufruft,
  • dem Mitleid die Barmherzigkeit, welche zur Spende aufruft,
  • dem Neid die Besessenheit, welche zur Imitation aufruft,
  • der Bewunderung die Gunst, welche zum Dienst aufruft,
  • dem Zorn die Wut, welche zur Strafe aufruft,
  • der Lähmung der Haß, welcher zur Feindschaft aufruft.
Anmerkung. Zusammenarbeit kann natürlich auch heißen, daß man zusammen in die Kiste steigt, aber von Liebe möchte ich bei Sympathie erst sprechen, wenn Verantwortung für den anderen im Rahmen eines ethischen Ideals übernommen wird.

Wenn man die menschlichen Regungen also betrachtet, fällt es schwer zu glauben, daß die menschlichen Beziehungen unter einander jemals überwiegend vergiftet sein könnten - aber sie sind ist. Wenigstens heute, und vielleicht sogar meistens.

Woran liegt das?

Zum einen setzt es einen Willen zur systematischen Störung voraus, einigermaßen notwendigerweise im Rahmen eines fehlgeleiteten ethischen Ideals, wiewohl es natürlich auch zuweilen zum Sieg der Lust über die Ethik kommt und sie dabei unter Umständen deren Instrumente in ihren Besitz nimmt; Napoléon und Hitler sind Beispiele, wenn auch keine reinen.

Zum anderen aber in methodischer Hinsicht die Verknüpfung von Scham und Neid durch Förderung der Großmannssucht, um letzteren in einen Antrieb zur Feindschaft zu verwandeln (wenn individuelle Großartigkeit ein gesellschaftliches ethisches Ideal ist, bedroht der Beneidete den Bestand der Ethik, während er einen ansonsten lediglich zu ein bißchen widerwilliger Anpassung zwingt) und allgemeiner die grundsätzliche Förderung von Scheinschuld und Scheinscham, um Feindschaft unter den Menschen zu entfachen.

Es ist übrigens natürlicherweise nie so, daß jemand dafür Schuld trägt, daß sich ein anderer schämt. Eine gesellschaftliche Ethik, welche zu solchem führt, ist grundpervers und begründet konkret eine Scham, wo keine zu sein hat. Mithin ist es auch dann nicht die Schuld des Einzelnen, daß sich jemand schämt, sondern die Schuld der Gemeinschaft, welche diese Ethik angenommen hat.

Beispiele dafür gibt es noch und nöcher. Neben der Großmannssucht, welche sich dafür schämt, nicht groß zu sein, auch die Erfolgssucht, welche sich dafür schämt zu verlieren und die Unbezwingbarkeitssucht, welche sich dafür schämt, Opfer zu werden. Ein Beispiel für letztere ist es auch, wenn sich ein Schüler dafür schämt, daß ihm ein anderer von hinten erfolgreich die Hose vor weiteren heruntergezogen hat. Daß dies die anderen belustig ist natürlich, aber darin liegt nicht die Scham, es wäre ja auch möglich, daß sie dem Opfer zurufen: Los, schnappen wir uns den Strolch und hängen ihn an den Beinen am nächsten Baum auf! Stattdessen aber sind sie so erzogen, daß sie die technische Leistung anerkennen. Und die Lehrerin hängt den Täter auch nicht für seine Nötigung an den Beinen am nächsten Baum auf, sondern sagt: Das ist natürlich sehr lustig, aber du mußt daran denken, daß sich der andere schämt. Zorn ist da angemessen, Scham nicht.

Freilich, zur Natur gehört es auch, daß, wenn Wut gesellschaftsfähig ist, mancher über die Stränge schlägt und dadurch eine Spirale der Gewalt entsteht, wenn keine ethischen Mechanismen greifen, die Menschen zur Besinnung zu bringen und die Eskalation der Gewalt zu unterbinden. Indes ist der Grad sozialer Vergiftung heutzutage kaum zu überbieten, und ich würde stark dafür plädieren, Gottes Schöpfung grundsätzlich zu vertrauen: Die Makel, welche sie an sich selbst erkennt, erkennt sie, um sie auf höherer Ebene zu beheben. Zynismus gegen sich selbst führt zu Wunden gegen sich selbst.

Post Scriptum vom 16.8.2015. Die anziehende Regung geht der aufrufenden zum Zweck der sozialen Koordination voran, also wenn man beispielsweise erst einmal verwundert einen anderen fragt, bevor man fasziniert selbst die Untersuchung beginnt.

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12. Mai 2015

Von Schafen und Wölfen

Nicht soll hier ihr Wesen gelten,
sondern wie zu beherrschen sie
und was ihnen daraus erwächst.

Und ist's nicht so,
das Schaf gibt für den guten Zweck,
der Wolf nimmt für den bösen?

Und wer das Wolfsrudel lenkt,
dem gibt man,
um es abzulenken?

Und wer die Schafsherde lehrt,
den hört man,
um ihr zu gefallen?

Weniger aber gibt ein Schaf zum Schutz
denn aus Überzeugung.

Und weniger auch gibt ein Wolf zu gefallen
denn zum Schutz.

So züchtet der Lenker denn Schafe
und der Lehrer Wölfe,
beide auf der and'ren Rücken,
und so kommt es,
daß die Zeiten kippen.

Bedenk indes:

Nicht jeder Hirte
ist ein guter.

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Die zurückführenden Stimmungen

Diesen Bereich menschlicher Geleitetheit habe ich im ursprünglichen Beitrag Gefühle besonders schlecht abgebildet, weniger, weil ich ihn nicht kennen würde, als aus dem Bestreben heraus, jenen Beitrag möglichst bündig zu halten und zu dem Zweck eine möglichst einfache Struktur zu finden, in welche ich möglichst viele relevanten Gefühle pressen konnte. Man verzeihe mir die Dreiteilung der Stimmungen und Regungen dort, sie hat weder Hand noch Fuß.

Es gibt zwei zurückführende Stimmungskomplexe, den Schuldkomplex und den Trauerkomplex. Ersterer beschreibt ein Abkommen vom rechten Weg, für welches man selber die Schuld trägt, letzterer eines, an welchem man unschuldig ist.

Sie fügen sich wie folgt in das Walten der Sorge ein.

Der Schuldkomplex.
  • Mißfallen: Schuld,
  • Vermissen: Reue,
  • Scheuen: Erschaudern,
  • Zuversicht: Geduldetheit,
  • Sorge: Verworfenheit,
  • Verpflichtung: Buße.
Der Trauerkomplex.
  • Mißfallen: Trauer,
  • Zuversicht: Trost,
  • Sorge: Bescheidung.
Wie man sieht führt Schuld zu Aktivität, Trauer hingegen ist mit keiner Verpflichtung verbunden, weshalb der Trauernde eben auch in ein Loch fallen kann, wenn ihn nicht eine anderweitige Verpflichtung davor bewahrt, bestenfalls natürlich die Verpflichtung zur Ergebenheit. In diesem Loch neigt er dann zur Bescheidung, wie ein Hund, welcher sich in eine Ecke zurückzieht und sich weigert zu fressen.

Freilich, ein Hund tut es auch dann, wenn er an seiner Misere selber schuld ist. Tiere besitzen keinen Schuldkomplex und folgen in einer mißlichen Lage stets dem Trauerkomplex, welcher auch so rudimentär ist, daß er keine Vernunft voraussetzt, dennoch aber im Falle des Menschen aufgrund seiner Stellung dem Seelenteil der Sorge zugeordnet werden sollte. Auch verwischt bei Tieren Geduldetheit mit Trost und Verworfenheit mit Bescheidung.

Es gibt dabei allerdings einen Fall, wo auch bei Menschen zuweilen Schuld- und Trauerkomplex verwischen, dann nämlich, wenn sich einer selbst verletzt. Entweder er reißt sich dann zusammen und betrachtet es als seine Schuld, das heißt
  • Schuld: Verdammte Scheiße! Kannst du nicht vorsichtiger sein?
  • Reue: Aua, aua, aua!
  • Erschaudern: Brrr!
  • Buße: Zähne zusammenbeißen, säubern, still halten,
wobei er sich einer Beurteilung seiner Chancen zu gesunden enthält (So Gott will), oder er bricht zusammen und trauert
  • Trauer: Warum muß mir das immer passieren?
  • Trost: Ach wie schön, es wird schon besser.
  • Bescheidung: Ich bin verloren!
- man verzeihe mir die etwas heitere Note.

Doch werden wir wieder ernster. Schuld im vollen Sinne entsteht, wenn sich unser Verhalten von der Haltung, zu welcher wir herangeleitet wurden, entfernt, wenn wir erkennen müssen, daß wir auf die Weise, auf welche wir es zuletzt versuchten, keinen segensreichen Platz im Leben einnehmen können, daß wir uns gegen andere so nicht zum gegenseitigen Gedeihen betragen haben und so auch zukünftig nicht zu ihm beitragen werden.

In der Reue entflammt dann die Hingabe zu dem, was wir verraten haben, wenn uns das Erschaudern nicht von diesem Verrat abzuhalten vermochte, üblicherweise unter den beschwichtigenden Worten: Was tust du schon Schlimmes? Wem tust du damit ein Unrecht an?, welche verkennen, daß es im Leben nicht darum geht, Verträge einzuhalten, sondern darum, seinen Platz einzunehmen und seine Qualitäten in den Dienst des Lebens zu stellen.

Freilich, das heißt nicht, daß man frei wäre, Versprechen nach Belieben zu brechen. Versprechen sind zu halten, wobei oftmals ein gewisser Spielraum bei der Frage besteht, was genau versprochen wurde, und Mißverständnisse und Uneinigkeit in dieser Frage, aber Versprechen sind nichts weiter als Werkzeuge, Fundamente und Brücken genauer gesagt, und nur weil man keine solche Brücke zwischen den Menschen einreißt, ist man noch lange nicht gerechtfertigt vor Gott, denn es gibt noch unzählige andere Brücken, Abhängigkeiten, welchen man gerecht werden muß.

Die Buße, welche sich an ein derartiges Vergehen anschließt, besteht einigermaßen zwangsläufig darin, weniger für sich zu fordern und mehr zu geben, denn aus deren Ungleichgewicht heraus wird es noch jedes Mal zum schuldhaften Vergehen gekommen sein. Freilich, dies betrifft nur jene, welche Schuld empfinden, welche einem segensreichen Platz im Leben verpflichtet sind und erkennen, daß sie dabei sind, ihn zu verwirken.

Und über dieser pastoralen Note möchte ich den Beitrag ausklingen lassen, die Stimmungen im Sinne des Eigenwirkens der Sorge sind damit vollständig behandelt, wir werden herangeleitet, zurückgeführt und verwalten unsere Verpflichtung.

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11. Mai 2015

Die Stimmungen des Waltens der Sorge

Ich setze das Anliegen des vorigen Beitrags fort.

Über den voranleitenden und den zurückführenden Stimmungen gibt es eine Gruppe von Stimmungen verwaltender Art, welche das Walten der Sorge begleiten. Sie stellen übergeordnete Klassen dar, in welche sich erstere einfügen. Diese Klassen sind die folgenden:
  • Gefallen,
  • Mißfallen,
  • Vermissen,
  • Scheuen,
  • Zuversicht,
  • Sorge,
  • Verpflichtung,
  • Ergebenheit,
und die Einfügung für die heranleitenden Stimmungen gestaltet sich so:
  • Gefallen: Triumph, Zufriedenheit;
  • Mißfallen: Frustration, Unzufriedenheit, Lethargie;
  • Vermissen: Nihilismus;
  • Verpflichtung: Überwindung.
Zur Dynamik des Waltens der Sorge.

Alles Walten der Sorge geht von Gefallen oder Mißfallen aus, um welche sie sich sorgt, indem sie was gefällt vermißt und was mißfällt scheut, woran sich konkrete Verpflichtungen anknüpfen.

Es gehört dabei zum Wesen der Sorge, ihre Aussichten bei der Verfolgung dieser Verpflichtungen zu reflektieren, sofern dies möglich und sinnvoll ist, also falls Vergleichserfahrungen und Alternativen bestehen. Sie tut dies durch Zuversichtung und Sorge (die Stimmung, welche dem Seelenteil ihren Namen geliehen hat).

Es bleibt die Stimmung der Ergebenheit, welche da ist eine Offenheit für alles, was Gott einen ins Herz geben mag. Diese Stimmung gefällt, aber nur schwach. Indes wird sie mit zunehmender Zeit immer stärker vermißt, bis jede bestehende Verpflichtung sich ihr anpassen muß oder verdrängt wird, weil die Ergebenheit selbst zur Verpflichtung wird.

Leidenschaft ist Ergebenheit in Fesseln, Glaube bedeutet, eine Verpflichtung gefunden zu haben, in derem Rahmen die Ergebenheit verbleibt, was dadurch erreicht wird, daß man so lange an ihm herumschnitzt, bis sie sich nicht mehr gegen ihn wehrt. Der Glaube ist also dann der Ergebenheit angepaßt, wenn die Ergebenheit sich ihm begrifflich unterordnet, mit anderen Worten, wenn man sein Herz verstanden hat.

Dies ist, wie gesagt, das Wort von der Erfüllung des Gesetzes durch die Liebe.

Abschließende Bemerkung.

Gestimmte werden vom Walten der Sorge dominiert, nicht von den heranleitenden Stimmungen der Sorge (Stolz, Behaglichkeit, Gekränktheit, Langeweile, Erhabenheit, Enthebung). Welchen heranleitenden Stimmungen einer das größte Gewicht beimißt, ergibt sich aus den Erfordernissen der Zeit und stellt die grundlegendste Form der Glaubensfindung dar.

Hieraus ergibt sich auch der Umstand, daß die von mir so genannten ästhetischen Objekte Wahrheit, Glanz (Exzellenz) und Macht sind und nicht das Schöne, das Wesentliche und das Mächtige. Erstere beschreiben, worauf Sorge, Achtung und Lust, respektive Vernunft, Verstand und Anschauung, unmittelbar zielen: das Reflektieren auf wahrheitsfixierende Einsicht, das Begreifen von Zusammenhängen auf den ausschlaggebenden Ansatz oder Hebel bei der Bewältigung einer Aufgabe und die Zusammenführung der Sinne in der Anschauung auf die Beherrschung des Wahrgenommenen, seine Ausrichtung nach der einem innewohnenden Vorstellung seiner, weshalb auch jemand, welcher Tag und Nacht eine Brille trägt, durch welche er die Welt auf dem Kopf stehend sieht, nach einer gewissen Zeit anfängt, sie dessen ungeachtet wieder richtig herum zu sehen.

Es sind Dinge, welche jeder a priori kennt, während das Wesen des Schönen, des Wesentlichen und des Mächtigen erst a posteriori erkennbar wird, nämlich als Gleichgewicht, Transzendenz und Leidenschaft, ebenso wie der Umstand, daß es sich bei ihnen um die Ideale der drei Seelenteile handelt, wozu anzumerken ist, daß Leidenschaft die hervorstechendste Form der Herrschaft der Lust ist, auch als spezielle Form der Ergebenheit, denn alle Seelenteile sind Ausformungen der Lust als des formgebenden Prinzips, und wahre Anerkennung untrennbar mit Transzendenz verbunden ist, wie auch umgekehrt.

Hier haben wir es also nicht mit Elementen zu tun, sondern mit etwas, was sich in der Verbindung verschiedener Elemente darstellt, mithin nicht mit Formen der Anschauung, sondern mit etwas Angeschautem, nämlich unserem Willen im Gegensatz zu unseren Formen des Befriedigtseins, welche durch Wahrheit, Glanz (Exzellenz) und Macht gegeben sind.

Es hört sich vielleicht etwas komisch an, aber meine Antwort auf diese Frage beweist, daß es nicht trivial ist zu sagen, was ein solcher Art Befriedigter eigentlich will. Und es kommt ja auch zu seltsamen Verdrehungen, wie der, daß jemand, welcher das Gleichgewicht des Rechts sucht und will darauf geführt wird, daß es voraussetzt, daß uns die Transzendenz bewußt wird und wir auf sie vertrauen. Es ist schon so: Ich will das Schöne und muß mich deshalb an das Wesentliche heranleiten lassen.

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10. Mai 2015

Tafel der heranleitenden Stimmungen

Ich möchte an den Beitrag Gefühle anknüpfen und ihn zum einen substantiell erweitern und seine Systematik zum anderen partiell umbauen.

Zu den Idealen der Lust, Achtung und Sorge, also zu der Macht, dem Wesentlichen und der Schönheit, gehören Stimmungen, welche ihre Entfaltung im Leben eines Menschen anleiten. Dies sind die heranleitenden Stimmungen. Außerdem gibt es die zurückführenden Stimmungen für den Fall, daß ein Mensch auf einen Abweg geriet.

Unser Fühlen in Bezug auf ein solches Ideal kann zunächst wie folgt gegliedert werden:
  • Triumph,
  • Zufriedenheit,
  • Unzufriedenheit,
  • Lethargie,
  • Nihilismus,
  • Überwindung,
wobei der Unterschied zwischen Triumph und Zufriedenheit darin besteht, daß im Triumph die Verantwortlichkeit für einen bestimmten Akt bewußt ist, während Zufriedenheit und Unzufriedenheit ein Nachklingen der allgemeinen Lage darstellen. Das Gegenteil des Triumphs ist die Frustration, welche indes ein sehr umbestimmtes Gefühl ist und alsbald in Unzufriedenheit umschlägt.

Die Lethargie ist ein Zustand, in welchem das Ideal derart fern ist, daß sich eine Bewertung des eigenen Erfolgs durch Zufrieden- oder Unzufriedenheit erübrigt, und früher oder später führt sie zur Überwindung des als nichtig Empfundenen.

Nihilismus kann nicht gelehrt werden, nur provoziert, in dieser Frage fehlt Einigen das Schuldverständnis.

Es ergibt sich somit folgende Tafel.

Macht Wesentlichkeit Schönheit
Triumph: Genugtuung Freude Stolz
Zufriedenheit: Zärtlichkeit Fröhlichkeit Behaglichkeit
Unzufriedenheit: Trotzigkeit Albernheit Gekränktheit
Lethargie: Hilflosigkeit Niedergedrücktheit Langeweile
Nihilismus: Ehrfurcht Verzweiflung Erhabenheit
Überwindung: Unterwerfung Auslieferung Enthebung

Das Zeitalter der Wacht beginnt mit der Unterwerfung unter die menschlichen Leidenschaften, das Zeitalter der Werke mit der Enthebung aus der Rücksicht und das Zeitalter der Wunder mit der Auslieferung an die Transzendenz.

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9. Mai 2015

Où nous sommes

Ich habe das I Ching befragt, was es mit der Zärtlichkeit auf sich hat, welche seit Anfang März mein Herz umspielt; die Antwort fiel wie erwartet aus.

- -
-o-
---
---
-x-
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Zur fünften Zeile ist zu sagen, daß ich in der Tat begonnen habe, so zu handeln, als ob ich ein Geschenk für ein einfaches Gemüt vorbereitete. Es schien und scheint mir richtig das zu tun, weil die Bejahung des Lebens, welche in dieser Einfachheit steckt, höchstwahrscheinlich notwendig ist, um auch nur zu überleben. Freilich, dieses Unterfangen spielt sich für mich in einem Bereich ab, welchen man Gottesdienst oder Gelübde nennen könnte. Sonderlich wankelmütig dürfte ich dabei also tatsächlich nicht werden.

Und zur zweiten Zeile ist zu sagen, daß ich in der Tat zur Zeit kaum etwas sinnvolles tun kann. Ich könnte noch einmal die Natur unseres Begreifens und Handelns zusammenfassen, genauer gesagt habe ich das gestern auch getan (Philosophie ist die Untersuchung von Gewahrungskreisen, Begreifen das Assoziieren von Gewahrtem zu Gewahrtem und Handeln der Übergang zur Assoziation der Verantwortlichkeit zur Absicht; immer wieder schön beim Köpfer vom 4-Meter-Turm zu beobachten), aber selbst dagegen sträubt sich etwas in mir. Wer meine bisherigen Beiträge zum Thema verdaut hat, kann dessen wahrnehmbare Wahrheit nicht verfehlen. Und sonst? Reden bringt nichts, organisieren auch nichts. Die Menschen werden sich sukzessive wieder ihres Wollens bewußt, aber das ist ein altes Wollen, welches sich nur deshalb regt, weil das Selbstverständliche nicht mehr selbstverständlich erscheint. Schon jetzt ist es in England und Frankreich erwacht, und es reißt die beiden auseinander. In Folge ihrer fortgesetzten Schlacht um den einstmals gemeinsamen Haushalt werden auch jene zur Selbstbesinnung genötigt werden, welche eigentlich von sich selbst nichts mehr wissen wollten, denn nur diese Selbstbesinnung schützt sie vor von außen lancierten politischen Strömungen: Herrschte bisher der Pragmatismus, wird der Pragmatiker schon bald von (ferngesteuerten) Ideologen gebissen werden.

Dies alles ist erst am Erwachen. Und wenn es sich in den leeren Herzen der Heutigen entfalten wird, wird es ihnen zweifellos gewaltig erscheinen. Aber in Wirklichkeit ist es nur ein Reflex, ein Reflex der Selbstverteidigung, ähnlich dem Ausspucken von Wasser, wenn man nach zwischenzeitlichem Ertrinken wieder zu sich kommt. Und nur wenn der so wieder zu Sinnen Gekommene anfängt, nach dem zukünftigen Weg zu fragen, wird er für mich und ich für ihn interessant werden. Bis dahin aber habe ich nichts zu tun.

Ja, und dann fragte ich das I Ching noch, ob, und wenn ja, welche Beziehung ich zu W.F. hätte. Die Antwort ist etwas kitschig, aber sie stimmt wohl (jedenfalls für mich).

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Donner über Wind, Duration, nach jedem Ende ein neuer Anfang, warum nicht gleich aus dem Englischen Patienten zitieren...

Natürlich ist das Leben selbst so. Man durchlebt die Jahrzehnte seines Lebens mit absoluter Sicherheit, auch wenn man im Vornhinein keine Ahnung davon hat, wie man es anstellen wird. Ob ich es will oder nicht, ich nehme sie dabei mit.

Ich habe übrigens noch keine 1260 = 42*30 = 1*360+2*360+½*360 Beiträge geschrieben, dies ist erst der 1152., aber vielleicht komme ich ja trotz allem noch hin. Indes, sehen wir vielleicht schon jetzt einmal, wo die Grenzen liegen.
Mag schon sein, daß es sich hierbei um die findende, die bekräftigende und die weitergebende Phase handelt.

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8. Mai 2015

Vom stets und nie Wesentlichen

Ich weiß nicht recht, wie ich dieses Thema anfassen soll. Alles scheint so albern. Jedenfalls für den Augenblick.

Aber mir ist heute etwas klar geworden, von dessen Gewichtigkeit ich überzeugt bin, nämlich daß, was ich Unnatürlichkeit oder Betörtheit nenne, eine Hingabe an Klischees, ein Übernehmen feilgebotener Träume, eine ferngesteuerte Erwartungshaltung, keine neue Geschichte ist, sondern lediglich ein neues Kapitel einer alten.

Ich dachte, der Grund dieses Phänomens wäre durch die Massenmedien und im besonderen den Film gegeben, und daß es sich bei ihm um eine Art Trunkenheit handelte, aber so verhält es sich nicht.

Es gibt Menschen, welche glauben, daß alles wesentlich sei. Sie werden auch leicht suggestibel genannt.

Weder neigen sie zu Schwermut, noch zu Albernheit oder Fröhlichkeit, denn das bezieht sich alles auf das Fehlen des Wesentlichen: Sei es, daß es vermißt wird, daß es verdrängt wird oder daß man sich von ihm erholt. Der Unterschied zwischen letzteren beiden besteht darin, daß Erholung voraussetzt, daß man mit dem bisher Erreichten zu Frieden ist.

Aber diesen ist das alles gleich. Sie wähnen sich ja stets auf einer wesentlichen Bahn, und da gibt es für all das keinen Platz, da gibt es nur Interesse, Möglichkeiten und Träume.

Und es gibt sie eben schon länger. Bevor Hollywood und Werbung sich ihrer annahmen, tat es die Kirche.

Es sind ja die blind Vertrauenden. Auch heute noch hält sie einige Wenige in ihren Händen, und das hat mir auch die Vorlage zur besagten Einsicht gegeben. Zwischenzeitlich waren sie noch für nationale Erzählungen erreichbar, aber das dürfte sich gegeben haben. Wer heute nationalen Erzählungen anhängt, tut es aus Gründen der Vernunft, also des eigenen faßbaren Vorteils wegen, genauer gesagt als ein Festhalten am Bewährten. Die Zeit der hochfliegenden nationalen Träume dürfte vorbei sein.

Heute also machen diese sich bei Konsum und Arbeit zum Narren.

Aber gibt es sie überhaupt?

Kann man von ihnen als einer Gruppe Erbgeschädigter reden?

Wenn ich mich im Gemeindesaal umblicke, sehe ich Belanglosigkeit, aber keine partielle Unempfindlichkeit. Einen Wesentlichkeitsdauerorgasmus hat keiner von ihnen.

Da ist der Junge, welcher von seinen Eltern unter Druck gesetzt wird und sich tapfer schlägt, der Junge, welcher schon mit sechs Jahren die Freundlich- und Gewissenhaftigkeit von dreißig hat und das Mädchen, welches lächelt, als wäre sie die chinesische Handelsvertretung.

Ja, wo sind sie bloß, die Leichtgläubigen?

Häßlich sind manche, leichtgläubig nicht. War's zu Hause, als ich noch ein Kind war, anders?

Ein Mädchen gab's, Verena F., mein bevorzugter Helfer beim Galgenraten. Hörte nicht hin, was die anderen sagten, nahm schön alle Buchstaben selber durch. Sehr zum Verdruß des Rests der Klasse.

Letztlich aber auch dort eine verschwindend kleine Minderheit, und wie hätte mir im Gemeindesaal nun auch wirklich jeder auffallen sollen?

Aber wie steht es also mit der Relevanz der Wesentlichkeitsdurchdrungenen? Die katholische Kirche hat viel von dem, was sie sagt, auf ihre Ohren zugeschnitten, Hollywood und Werbung machen es nicht anders, von vormaliger nationaler Propaganda ganz zu schweigen. Das würden sie doch nicht alle machen, wenn wir hier von maximal 5% der Bevölkerung redeten?

Freilich, Schleswig-Holstein und Estland sind nicht gerade die katholischsten Gegenden. Aber Negativselektion kann die Sache alleine nicht erklären. Nein, es muß eine dynamische Komponente geben, etwas, das die Anlage wachruft oder eine entgegenstehende Anlage ausschaltet.

Im Film heißt es suspension of disbelief. Da fliegt dann in Ghostbusters ein grüner Schleimklops durch die Luft, damit man später keinen Anstoß daran nimmt, wenn Mr. Stay Puft auf eine Kirche tritt.

Blöde Theorie? Sie hätten die grünen Schleimklops eher durch Mr. Stay Puft vorbereitet? Nun, das ist hier nicht das Thema. Oder doch? Überlegen wir mal. Eigentlich ist doch Mr. Stay Puft wahrscheinlicher. Existieren tun beide nicht, aber der grüne Schleimklops widersetzt sich der Schwerkraft und Mr. Stay Puft nicht. Und doch... die umgekehrte Einführung funktioniert offensichtlich nicht. Aber warum... warum? Weil es nicht um Existenz geht, sondern um Besiegbarkeit.

Und so ist es auch im richtigen Leben. Die Zauberformel lautet Erfolg. Wenn irgendein Unsinn von Erfolg begleitet wird, interessieren sich plötzlich auch skeptischere Geister für ihn und beginnen, an weitere Erfolge zu glauben. (Vergleiche hierzu auch meinen Kommentar zum trojanischen Pferd.)

Deshalb setzen die Besitzer von Gütern auf Geschichten, welche die von ihnen gewünschte Handhabe dieser Güter implizieren, selbst wenn diese Geschichten in den Augen der meisten blöd sind; sie können ja schließlich als Besitzer dieser Güter Glauben an ihre Geschichten im erforderlichen Maße honorieren: If there's a steady paycheqe in it, I'll believe anything you say.

Die eigentliche Gefahr, sich über das Wesentliche zu täuschen, besteht in der eigenen Käuflichkeit, oder, falls einer nicht käuflich sein sollte, in seinem Neid, denn wen er bestimmt, dem ist er wesentlich. Die Wesentlichkeit wird also von konstruktiven oder destruktiven Abwegen, welche sie auf sich ziehen, verdeckt. Die Wenigsten werden mit einem Wesentlichkeitsdauerorgasmus geboren, aber allzu viele entwickeln ihn durch die Verschleuderung ihres Herzens an die Richtlinien derer, welche mächtig genug sind, sie aufzustellen.

Wahrlich, Gott ist bei uns, wenn wir ihn nur lassen. Es ist nicht immer leicht, gerade als Kind nicht, so lange wir noch in der Pflicht stehen, zur vorigen Generation aufzuschließen, da ermahnt er uns nur an sie, aber schließlich weist und ebnet er uns den Weg, wenn wir ihn nur lassen.

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The day ZARDOZ came to life

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6. Mai 2015

One Bond to find them

The James Bond series quite is the elephant in the room about whose identity the blind argue.

It's interesting to listen to all the documentary material on the 007-DVDs. You learn that Bond is the result of committee work with eyes fixed on popular demands and as such it seems far fetched that the series should actually shape them, but it did.

The phenomenon at hand is a transposition, you take a public fascination and place it not in its own fictitious world, but in a foreign one, the reason for this usually being fear of public stigma.

In the case of James Bond this went full circle: by trying to make a shady genre publicly respectable, the publicly respectable became shady.

People watch James Bond because of the sets, the scenery, the stunts, the gadgets, the villain and his invincible helper and, to a lesser extent, some hard insights into the game behind the scenes.

The only Bond worth watching for the female form's appreciation's sake is Moonraker. Other Bond's just offer the Hollywood standard in this regard or are outright obnoxious, like the tart parade that is Octopussy.

Now, concerning the latter, I'm not referring to the lead. And I'm not saying that all the women appearing as tarts therein really are. As I was watching the documentary on the making of Octopussy I was actually puzzled how they could turn that vigorous, radiating woman into an apparent heroin addict with sunken cheeks; you'd think make-up is for something else.

No, nobody watches Bond to see the Bond girl, except future wannabe Bond girls.

And the committee behind the series knows this full well. The popular stuff is all publicly respectable, but the shady stuff defines the human interactions shown. Though nowadays the audience has grown so accustomed to the shady aspects that it misses them, when they're lacking; a sign, however, that the series has outlived its days.

It's sort of funny to hear Bond girls over the course of a full generation say the same lines: being in men's league, playing the real game, fighting themselves. If you listen carefully you can also hear the changing social environment in their words. In 1964 it was about social standing, there's bitterness and refuge in bravado, while personal considerations are of a pecuniary nature. In 1983 on the other hand there's the slight embarrassment of having lived for this, playing that role, being a bit perplexed of having actually gotten it and wondering what more there is to do.

That's the real effect: there are women, who model themselves on those lines, those lines are a defense and guiding stars at the same time, and there are men who likewise slurp from the shady brew, believing its take on human nature, a phantasy, shady for the reason that it doesn't stand the light of reflected experience.

Feminists can be relieved. Women are not reduced to objects in Bond films, on the contrary, they are elevated to the level of men, though in a purely relative sense, since both of them are bereft of all what distinguishes a normal human being from a psychopath; in line, of course, with the amoral world of secret services.

Considering this it is funny too how Alex Jones is an Anti-Bond. Whereas Bond lets the audience identify itself with the world of secret services, Alex Jones works towards the opposite. Perhaps, if likely from a slightly overly mistrustful point of view, James Bond really is the one bond to find them and in the darkness bind them.

And it makes you think about censorship. How far would the producers have gone, had they not been restrained? And how many people in turn would have let their kids see the series? You almost get the idea that the censor's job is to remove the bitterness from the poison.

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4. Mai 2015

Eine neue Heimat

An diesem Ort, welcher nur die Summe seiner Insassen ist,
scheint es mir einzig selig, einen hinauszuführen
zu einem Ort, an welchem die Menschen geben.

Welche Narrheit.

Aber ich werde mich der Schnöde nicht ergeben.

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3. Mai 2015

Der Sommer

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