Kulturelle Herrschaften als usurpative Auswüchse von Rollenentwicklern
Ihr wisset, daß die weltlichen Fürsten herrschen und die Obersten haben Gewalt. So soll es nicht sein unter euch. Sondern, so jemand will unter euch gewaltig sein, der sei euer Diener; und wer da will der Vornehmste sein, der sei euer Knecht.Damit wir unsere Rolle in der Welt unserer Gehießenheit nach entwickeln können, müssen wir nicht nur frei sein, sondern zugleich auch nicht die Verantwortung der Herrschaft über andere tragen, das heißt wir müssen uns für andere dienlich machen, so daß sie das Verhältnis zur angebotenen Rolle freiwillig eingehen, und das gilt für einzelne und Gruppen gleichermaßen. Mit letzteren werde ich mich im folgenden beschäftigen, manches gilt aber wieder auch für einzelne.
Damit eine Gruppe ihre Rolle entwicklen kann, muß sie hinreichend
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Zugang haben, um ihre Vorhaben umzusetzen,
- qualifiziert sein, um ihrer Entwicklung zu begegnen und
- abgestimmt, um ihre Haltung zu befriedigen.
In einer Repräsentationskultur beanspruchen die sie ausmachenden qualifizierten rollenentwickelnden Gruppen hingegen die Steuerung bestimmter Entwicklungen für sich, Ärzte etwa Eingriffe in die Gesundheit von Menschen, wobei die eigentliche Regierung die Festlegung dieser Ansprüche im Rahmen der Steuerung des Staates für sich beansprucht. De jure ist dies in allen Staaten so, de facto unterminieren Willenskulturen jedoch die vergebenen Lizenzen und in Erlebniskulturen kümmert sich die nur formal eigentliche Regierung faktisch nicht um deren praktische Rollenausgestaltung.
Stattdessen nötigt eine Erlebniskultur jegliche Rollenentwickler, sich der sie beherrschenden Gruppe zu bedienen, um den für die Umsetzung ihrer Vorhaben nötigen Zugang zu erhalten.
Hitler meinte im zweiten Band von Mein Kampf beschwichtigend, die Regierung solle alles den Experten überlassen, Platon im Politikos, ein Staatsmann müsse die unterschiedlichen Kräfte eines Staatswesens verweben können. Ohne diese Fähigkeit ist eine Repräsentationskultur unmöglich, aber auch Willens- und Erlebniskulturen verweben die Kräfte ihrer Staatswesen auf ihre Weise, jedoch formulaisch, ohne die Güte der Verwebung zu beurteilen.
Ich bleibe dabei: Eine Gesellschaft, welche aus ihrer Gehießenheit nach rollenentwickelnden Gruppen besteht, welche sich teils überschneiden, ist möglich, und die übergeordneten Strukturen, welche über die Entwicklung des gesamten Systems wachen, sind zweitrangig, da ihre Aufgaben entweder das Prozedere des Gewohnten oder Ausnahmesituationen betreffen.
Der Stein, welchen die Bauleute verworfen haben, hat sich trotz, und zum Teil vielleicht auch wegen der Bevormundung durch die Regierung als Eckstein erwiesen, dienend haben wir unsere Rollen entwickelt, und der einzige Grund, warum dies heute verkommen ist, besteht darin, daß sie aufgebläht werden, so weit es nur geht, bis die Abstimmung einer Gruppe erdrückend und die Anzahl der Gruppen überschaubar geworden ist.
Selbst wenn der Grund dafür wäre, besonders Vielen dienen zu wollen, wäre es immernoch eine gesellschaftsentflechtende Dummheit.
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