Immer ist es Spock, der als Hippieliaison fungiert, doch im Gegensatz zu
This Side of Paradise gibt es hier keinen Schutz vor den Einflüssen, welche die Utopie zur solchen machen, und welche es dennoch meinen, sind verrückt.
Die Hippielieder der Folge wurden damals als peinlich empfunden, aber für Fernsehstandards und
Star Trek im besonderen sind sie sensationell gut, und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob sie wohl von Charles
Napier Manson persönlich komponiert wurden, insbesondere als Napier anfing, davon zu sprechen, daß die beste Weise, Leute für sich zu gewinnen, darin bestehe, freundlich zu ihnen zu sein, welches von jenem so genannte
Mirroring den Kern
Manson's Moralphilosophie darstellt.
Die Verteufelung des platonischen Philosophenkönigtums, vulgo der Hippiesekte, fällt wie gesagt auf, doch noch penetranter ist Spock's Versicherung, daß das Hippietum an sich gut sei, womit er, ob nun gewollt oder nicht, in die Rolle des die Trennung von Kirche und Staat anerkennenden Priesters schlüpft, und dies erscheint aus sowjetischer Perspektive, welche ich aufgrund meines Aufenthalts in Estland hinreichend gut kennengelernt habe, noch weit bedeutungsvoller als aus westlicher, denn es gibt ein sowjetisches Äquivalent von Priestern, welche soziologische Prozesse im Sinne des Marxismusses gedeutet hat und bisweilen auch heute noch deutet.
Und diesbezüglich lautet die zentrale These dieser Folge:
Es ist unmöglich, die Utopie mit den gegenwärtigen Menschen zu erreichen. Zunächst muß der neue Mensch erschaffen werden, welcher zur universalen Brüderlichkeit fähig ist.
Tatsächlich führte die Subkultur der Hippies nicht zu einer solchen Transformation, sondern bot der grauen Masse in erster Linie eine Spielwiese, auf welcher sie ihre eigenen Regeln etablieren konnte, bis sie schließlich unter drogenbedingten Ausfällen wie dem Mord an Sharon Tate in Verruf geriet. Daran beteiligt hat sich die Sowjetunion nicht, jedoch hat sie mit der üblichen 10 jährigen Verspätung ausgewählte Elemente sanktioniert, was Spock hier vorwegnimmt: Es ist wohl so, daß soziologische Prozesse zunächst auf ihr Potential hin ausgeleuchtet wurden, danach gegebenenfalls unterstützt und in dem Maße, in welchem sie erfolgreich waren, später in das große soziologische Heldenepos aufgenommen.
Ich habe guten Grund zu glauben, daß der gegenwärtige Nationalismus in Osteuropa genau dieser Vorgehensweise entspringt, nur dominiert gegenwärtig die technologische Entwicklung die soziologische, wenn nicht überall auf der Welt, so doch bei den technologischen Spitzenreitern, und dies hindert nötige Korrekturen: Die Entwicklung der Waffentechnik ist kein Segen, sondern führt letztlich zu extremen Formen der Kriegswirtschaft und taktischen Unruhestiftungen, da es zunehmend schwieriger wird, sich Angriffen zu entziehen - letztlich eine banale und immergültige Betrachtung, nur daß wir zurzeit einen Entwicklungsschub erleben, welcher dabei ist, seiner soziologischen Korrektur zu enteilen.
Vielleicht wäre es ein kleineres Problem, wenn die verschiedenen Seiten ihr Kontrollbedürfnis mäßigen würden, wie es ist, suchen sie herauszufinden, woran sie sind, um ihre Berechnungen daran anzupassen, und gleichzeitig, die Lage möglichst weit in ihrem Sinne umzugestalten.
Labels: 44, filmkritik, formalisierung, geschichte, gesellschaftskritik, gesetze, institutionen, präsentation, rezension, sehhilfen, wahrnehmungen, zeitgeschichte, ἰδέα, φιλοσοφία