Die Dialektik der Wirtschaftssektoren und die Funktion von Zöllen
Die erste Unterscheidung, welche wir vornehmen, besteht darin zu fragen, ob der Sinn der wirtschaftlichen Aktivität darin besteht, etwas Erwünschtes zu erzeugen oder etwas Unerwünschtes zu verhindern. Den Wirtschaftssektor, welcher sich mit letzterem beschäftigt, nennen wir die (Verhaltens-)Unterbindung, üblicherweise handelt es sich bei ihm um die Regierung.
Besteht der Sinn der Aktivität hingegen in ersterem, so fragen wir, ob in das erzeugte Gut erworbene Güter eingehen oder nicht. Ist letzteres der Fall, so nennen wir den entsprechenden Wirtschaftssektor die (Güter-)Abgewinnung. Im Falle der Landwirtschaft führt der Einfluß von Dünger und Heizung dabei zu einer bedingten Zugehörigkeit. Der Friseur gewinnt dem Kunden den gewünschten Haarschnitt ab, aber der Chirurg braucht wenigsten den Faden, um den Einschnitt zu nähen.
Ist hingegen ersteres der Fall, so fragen wir, ob aus den erworbenen Gütern neue Güter erzeugt werden oder ob die wirtschaftliche Aktivität lediglich im Tausch von Gütern besteht. Ist ersteres der Fall, so nennen wir den damit befaßten Wirtschaftssektor die (Güter-)Herstellung, im entgegengesetzten Fall die (Güter-)Vermittlung.
Es ist bei alledem unerheblich, ob ein Gut materiell ist oder nicht. Ein Berater, etwa, gewinnt seiner eigenen Intelligenz seinen Rat ab, aber wenn er dabei die Expertise von anderen Beratern erwirbt, so stellt er ihn her.
Wir erhalten also die folgenden vier Wirtschaftssektoren, von welchen die ersten beiden den üblichen wenigstens ähneln:
- Abgewinnung,
- Herstellung,
- Vermittlung und
- Unterbindung.
Wir unterscheiden die willkürliche von der unwillkürlichen Unterbindung. Der wirtschaftliche Wettbewerb führt zu unwillkürlicher Absatzunterbindung von Gütern, deren Erzeugung unprofitabel ist. Ebenso unterscheiden wir die globale von der lokalen Unterbindung.
Zölle unterbinden die freie Vermittlung auswärtiger Güter lokal und verhindern damit, daß die globale Absatzunterbindung lokal im globalen Wettbewerb nicht profitabel erzeugbarer Güter auf den lokalen Markt durchschlägt.
Es gilt aber ganz allgemein, daß Unterbindung und Stabilität antiproportional zu einander sind, weil die Verhinderung von Aktivitäten es überflüssig macht, mit ihnen umzugehen, man denke etwa an ein Kind, welches in einem sterilen Umfeld aufwuchs, und entsprechend die Einstellung auf sie verhindert.
Also gilt der folgende Satz, welchen ich auch schon zuvor behauptete: Die im Rahmen des Freihandels unwillkürlich bestehende globale Absatzunterbindung schlägt auf die lokalen Märkte durch und erzwingt willkürliche lokale Unterbindungen von unprofitablen Erzeugungen und führt damit zu lokaler Instabilität.
Oder im Umkehrschluß: Nur eine im freiheitlichen Rahmen bleibende lokale Unterbindung erlaubt lokale Stabilität und, um in demselben zu bleiben, muß die freie Vermittlung auswärtiger Güter unterbunden werden.
Natürlich hat dies etliche Anwendungen in der Gegenwart und mehr noch in der Vergangenheit, aber ich schreibe es mit Blick auf eine kommunal geordnete Zukunft, in welcher sich die Bürger auf kommunaler Ebene über die Erfordernisse ihres Wirtschaftens klar sein müssen, da sie andernfalls unter der bestehenden Absatzunterbindung unmöglich im kommunalen Rahmen wirtschaften könnten.
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