Kirke
Nachdem ich die entsprechende Stelle nun ebenfalls bei Homer gelesen habe, möchte ich sagen, daß der Topos derselbe blieb, wenn der Film ihn auch psychologisiert und ihm eine dem Starkult Hollywoods geschuldete Dimension gibt.
Homer thematisiert also, was Männern und Frauen gebührt, und in wiefern das sexuelle Begehren es gefährdet:
- Männer müssen das Gute schaffen und Frauen dazu fähige und gewillte Männer,
- Frauen gelüstet es danach, Kandidaten durchzuprobieren, und Männer, sich dienen zu lassen,
- damit eine Frau einen Mann achten kann, muß er sie also bezwingen können,
- und dann stellt der Eheeid sicher, daß sie ihm als Mutter in ihrer Funktion dient.
Die männliche Herausforderung wird etwas subtiler dargestellt, nämlich die Heimat nicht zu vergessen, das heißt die konkrete räumliche und zeitliche Verortung des zu schaffenden Gutes: Mag sich das Weib an gesunden Kindern freuen, der Mann als Potential kann es nur an seiner Aktualisierung tun, und diese ist naturgemäß nicht größer als er selbst, sondern durch seine existentiellen Bedingtheiten begrenzt, von welchen die Heimat die situative Beholfenheit darstellt.
Soweit Homers die männliche und weibliche Göttlichkeit begrenzende Lehre. Der Eheeid ist dabei eine der Einsicht in die Begünstigung des Gebührenden geschuldete Einrichtung, und diesbezüglich läßt sich einiges anfügen, wobei ich die Griechen für ihren Ehrsinn bewundern muß, welcher ihnen verbat, etwas zu tun, was das Gebührende nicht begünstigen würde.
Indem Frauen in staatlichen Aufgaben aufgehen, also die Welt zu verbessern, kann ein Mann eine ihn derart bezirzende Frau allenfalls nach drei, vier Jahrzehnten für sich gewinnen, da es so lange braucht, um die staatlichen Kräfte auf Linie zu bringen, und dann ist sie natürlich zu nichts mehr nutze.
Das ist also so ziemlich das genaue Gegenteil einer das Gebührende begünstigenden Einrichtung. Es gibt nur zwei Weisen, dies aufzulösen:
- entweder die Frau willigt in eine riskantere Verbindung mit einem nicht als überlegen erwiesenen Mann ein,
- oder die Fortpflanzung findet zwischen alten Männern und jungen Frauen ohne persönliche Verbundenheit statt.
Ach würden wir nur von solch ungebührlichen Einrichtungen abstehen! Aber was schert dies die Machtgier?
Ich war nicht sonderlich situativ beholfen in meiner Heimat, und darauf baue ich auch nicht. Meine kognitive Versetztheit habe ich im Laufe der Jahrzehnte verbessert. Und obschon die zeitliche Betroffenheit nie etwas ist, auf was man bauen kann, so nehme ich sie doch als weniger widrig wahr, wiewohl dies einzig daran liegen mag, daß ich weniger über sie erschrecke, was wiederum seine Gründe hat.
Doch noch einmal zurück zum Film. Auch wenn Homer die Mutter Odysseus nicht explizit zur Gattin zurückrufen läßt, so ist es doch klar, daß sie genau das tut, indem sie deren und des Sohnes Treue betont, und das ganze Unsterblichkeitgedöns ist eh an mir abgeperlt. Wirklich über die Vorlage gehen nur Manganos Fragen hinaus, und dies ist ein intelligentes Spiel mit dem Gebührlichen, welches die Frage nach der eigenen Wirkstätte unseren modernen Auffassungen anpaßt, vielleicht etwas zu sehr ins moralische, hier die christliche Treue, dort die aufgeklärte Versuchung, ziehend, aber doch unzweideutig auf die homerische Antwort weisend.
Mit anderen Worten dürfen sich sowohl Homer, als auch Ulisse rühmen, weiterhin Antworten zu geben. Ich habe von Nolan's Film nur gehört, und nichts davon hatte den geringsten Wert, aber wenn ich also wohl auch nichts wertvolles zu ihm beizutragen habe, ist er doch eine zeitige Erinnerung an meine eigene Beschäftigung mit der Odyssee.
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