Das Problem der Souveränität und die Dialektik seiner Lösungen durch die politischen Instinkte der Völker
Um es zu lösen, muß ein solches Bestreben durch ihm entgegengesetzte Reichsausdehungsbestreben, Unterstützung Unterdrückter oder Verbündung Schwächerer aufgewogen werden. Indes erlaubt diese Dialektik die Unterscheidung der politischen Instinkte der Völker nur sehr unvollständig, und damit wenden wir uns der folgenden zu.
Um das Problem der Reichsausdehnung zu lösen, müssen entweder die Ideale oder ihre Verwirklichungen beschränkt werden.
Eine Idealbeschränkung erfolgt entweder durch
- statische zu berücksichtigende Ideale oder
- im Rahmen der ideellen Entwicklung augenblicklich basale zu berücksichtigende Ideale.
Türken und Chinesen sind zwei Völker, welche die Berücksichtigung eines statischen Ideals fordern, nämlich ihren Wohlstand zu gewähren und sie von allen anderen politischen Idealen zu verschonen, wobei die Türken ihren Wohlstand bereits dadurch gewährt sehen, daß sie niemand beraubt, während die Chinesen ihrem Souverän die Möglichkeit geben, sie diesbezüglich zu beeindrucken.
Auch bei Teilen des englischen Volks hat sich eine pseudochinesische Einstellung breitgemacht, welche sich indes weniger rabiat gegen sonstige Ideale wehrt.
Ansonsten sind die Engländer nämlich wie die Katholiken Traditionalisten auf der Basis des Westfälischen Friedens, und diese supranationale Basis ist es, welche ich meine, wenn ich von dem System spreche.
Eine Verwirklichungsbeschränkung erfolgt entweder dadurch, daß
-
der Souverän schwach ist oder
- die Verwirklichung Auflagen erfüllt, nämlich entweder
- andere Ideale miteinzubeziehen oder
- ihnen Raum zu lassen.
Darauf zu bestehen, alle vorgebrachten Ideal miteinzubeziehen, ist ein slawischer Zug, wie ihn etwa Dostojewskij propagiert. Er führt in der Praxis entweder zu wässriger Subversivität oder ihr begegnender eisiger Willkür, wobei der Krieg die Eigenschaft hat, die Ideale in eine hierarchische Ordnung zu bringen und damit sowohl der Subversivität, als auch der Willkür zu begegnen. Theoretisch ließe er sich als Anleitung gebrauchen, um slawische Gesellschaften zu zivilisieren, aber das führte bei hinreichend komplexen zu stalinesken Gemeinwohlentwicklungsräten.
Und darauf zu bestehen, sich zurückzuhalten und Anderen ihren Raum zu lassen, ist ein germanischer Zug, welcher zu stets auf der Lauer liegender Widersetzung führt.
Und damit habe ich die politischen Instinkte der Völker jenseits der bisher behandelten vervollständigt.
Ich sehe keine Möglichkeit, auf der Basis des Systems in das Zeitalter der Wunder überzugehen oder auch nur die notwendigen Reformen vorzunehmen, um der Gefahr durch die Automatisierung des Denkens vorzubeugen. Nachdem ein neues System etabliert worden wäre, würden Traditionalisten kein Problem mehr darstellen, aber bis dahin tun sie es. Mein Ansatz besteht in der Ausräumung der Kriegsursachen, was am besten im kommunalen Rahmen erreicht werden kann, welcher im Islam das theoretische Ideal ist und zu welchem es die Germanen instinktiv zieht. Das einzige verbleibende Problem bei ihm stellt der Zugang zu Bodenschätzen dar, dessen ideale Lösung darin bestünde, jeder Gemeinde, welche Minenarbeiter stellt, vergleichbar schwer auszubeutende Minen zuzuweisen, bis die einen oder die anderen erschöpft sind, wobei etwaige kommunale Gebiets- und Bauverluste zu entschädigen wären oder im Falle eines kategorischen Nutzungsverzichts des betroffenen Rohstoffs sogar Grund genug sein könnten, das Schürfrecht zu verwehren. Praktisch würde es indes genügen, wenn sich genügend viele Gemeinden nicht dem jeweiligen Kartell anschlössen, und dies würde der slawische Instinkt, alle vorgebrachten Ideale miteinzubeziehen, garantieren, indem er wenigstens selbst die ideale Lösung umsetzt und dadurch das Kartell bricht, siehe auch Imperiale und kleinstaatliche Wirtschaftsdynamik. (Ob es dazu dieses Instinkts bedarf, oder ob eine volkswirtschaftliche Kalkulation ebenfalls zu diesem Ergebnis führte, möchte ich hier nicht entscheiden. Meine Behauptung, daß sich in einer von Kleinstaaten dominierten Weltwirtschaft immer Rohstofflieferanten finden lassen, ist zunächst einmal eine historische Beobachtung.)
Im übrigen stellen Reichsvorstellungen auch dann ein Problem dar, wenn sie nicht zu Expansionskriegen führen, sondern das Staatsvolk lediglich zu internen Verrücktheiten zwingen, und wenn eine traditionalistische Zivilisation mehr keine derselben Tradition angehörenden Gegengewichte besitzt, wie das Byzantinische Reich seinerzeit, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Verschrobenheit des Souveräns das Staatsvolk dazu bringt, jede andere Herrschaft zu bevorzugen, wie seinerzeit die Seldschuken, welche ihm nur verspricht, es mit derartigen Verschrobenheiten zu verschonen; ein Prozeß, welchen man die Türkisierung eines Volkes nennen könnte.
Analog stellt die Aufgabe der Strategie, sich auf die Seite des Schwächeren zu schlagen, und stattdessen Wohlstand vom Stärkeren zu fordern, eine Anglisierung dar.
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