Zur staatlichen Brotausgabe
Der modernen Politikwissenschaft ist dieses Konzept als Information bekannt, welche in verschiedenen Informationssphären besteht, über welche verschiedene Staaten Hoheit beanspruchen. Ich denke, Tagesrat stellt einen ganz guten Kompromiß zwischen diesen beiden Extremen dar, Nachrichten mißfällt mir in seiner beamtendeutsch höhnenden Zweideutigkeit, welche der von In-Formation in nichts nachsteht.
Es gibt zwei Weisen, auf welche eine Gemeinschaft ihren Tagesrat erhalten kann, entweder
- sie berät sich oder
- sie wird beraten,
- forum- oder
- ratgewährend,
Ich habe im vorigen Beitrag die Abfälligkeit des Begriffs Peergruppe gegenüber seinen Gegenständen gestreift, und zurselben möchte ich hier weiter ausführen.
Ein nicht unwesentliches Problem der Ratgewährung besteht darin, daß der Tagesrat unter Umständen wesentlich der Aufrechterhaltung derselben gilt. Betrachten wir dazu die letzten 80 Jahre der britischen Geschichte.
Der Bedeutungsverlust Großbritanniens gegenüber den Vereinigten Staaten hatte 1946 einen Grad erreicht, welcher die britische Klassengesellschaft gefährdete, was bereits zuvor zu einem gewissen Defätismus geführt hatte, wie ihn etwa Agatha Christie in One, Two, Buckle My Shoe zu Markte trägt und wie er sich auch in A Matter of Life and Death (1946) (Stairway to Heaven...) und SOS Pacific (1959) niederschlägt, nämlich daß das viktorianische Zeitalter nun wirklich vorbei war.
Und weil das verstanden wurde, machte sich Prinz Edward, Herzog von Kent, daran, die britische Jugend in die Swinging Sixties zu führen, in der Hoffnung, die britische Klassengesellschaft und ihre Ratgewährung aus der Schußlinie des amerikanischen Tagesrats zu nehmen, darauf spekulierend, daß die derart akklimatisierten Briten eine kulturelle Brücke zu den Vereinigten Staaten bauen würden, anstatt schlicht überzulaufen.
Ich möchte mich nicht über die dadurch entstandene musikalische Landschaft beschweren, aber die britische Regierung selbst wurde ihres Werkes nicht froh. Bereits in den `50ern zeichnete sich ab, siehe etwa I'm Alright Jack (1959), daß die vorhandenen öffentlichen Foren, sprich die Diskussion in bürgerlichen Peergruppen, die Gesellschaft nach links trieben, bis 1979 denselben unter wirtschaftlichem und bald auch militärischen Druck der Kampf angesagt wurde, indem Expertenmeinungen aufgewertet wurden. Hatte David Niven den Engländern eine himmlische Zukunft an Amerikas Seite vorausgesagt, so hatte sich nun herausgestellt, daß England nicht amerikanischer geworden war, sondern sowjetischer und obendrein ein sowjetisches Einfallstor nach Amerika - wohl gemerkt, aus Sicht der britischen Klassengesellschaft.
Um nun längerfristig sicherzustellen, daß die Engländer keine unerwünschten Tagesräte mehr unterhalten würden, griff die britische Regierung zu zwei Maßnahmen, nämlich
-
Immobilienverteuerung, um der materiellen Seite des Lebens mehr Gewicht zu verleihen, und
- Peergruppenproblematisierung im Rahmen von Bullying oder Mobbing und der Gefahr der Sittenverderbung infolge von Kontakten mit derben Milieus, und der Herbeiführung all dessen durch wirtschaftlichen und militärischen (einschließlich sozialbehördlichen) Druck.
Und alles nur deswegen, weil sich die Regierung als Autor des Heils der Regierten versteht und diese Rolle aus diesem Grunde nicht abgeben mag. Das ist der einzige Vorteil, welchen die römisch katholische Welt besitzt: Sie achtet Foren.
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