Granulare und ganzheitliche Seinsauffassung
- uns gemäß durch einen Schwierigkeitszusammenhang erleichterten Haltungen uns in ihm bewegend fassen können.
Es ließen sich aber auch je nach Lage unterschiedliche Haltungen annehmen: When in Rome, do as the Romans do. oder But when the blast of war blows in our ears, Then imitate the action of the tiger: Stiffen the sinews, conjure up the blood, Disguise fair nature with hard-favoured rage: Then lend the eye a terrible aspect; Let it pry through the portage of the head, Like the brass cannon; let the brow o'erwhelm it As fearfully as doth a galled rock O'erhang and jutty his confounded base, Swill'd with the wild and wasteful ocean. Now set the teeth and stretch the nostril wide; Hold hard the breath and bend up every spirit To his full height.
Nun mag man einwenden, daß es sich bei diesen nicht unbedingt um gesonderte Haltungen handelt, sondern lediglich um Spezialfälle einer, aber das müssen wir hier nicht entscheiden, sie könnten gesonderte sein, das genügt, und wenn sich Haltungen widersprechen, müssen sie gesonderte sein.
Nach kurzer Reflexion wird man finden, daß es genau genommen nicht die Lage ist, nach welcher unterschiedliche Haltungen angenommen werden, sondern die Rolle, oder gleichbedeutend damit, die eigene Funktion, um welche naturgemäß eine Blase aus Parametern und möglichen Funktionswerten besteht, welche die Eventualitäten der Haltung bestimmt, und welche ich Funktionsblase nennen möchte - Rollenblase führte nur zu schlimmstenfalls tagelangen Spekulationen darüber, wie sich Seifenblasen wohl rollen ließen.
Diese Funktionsblasen also bilden das granulare Sein der granularen Seinsauffassung, und sie erklären, warum der Abgrund in den Einfaltslosen blickt, wenn der Einfaltslose in ihn blickt, nämlich weil der Abgrund jenseits der Funktionsblase liegt und sich die Funktion des Einfaltslosen ändert, wenn er sich mit Gegenständen außerhalb seiner Funktionsblase beschäftigt.
Ich denke, es ist besser, die der granularen Seinsauffassung Anhangenden einfaltslos zu nennen als etwa schizophren oder vielfältig.
Grundsätzlich schätzen wir Menschen nach ihrer Haltung ein, einschließlich, wenn auch zu einem geringeren Grade, uns selbst, und so kommt es bei Einfaltslosen zu Selbst- und Fremdbildtransformationen, worüber ich im vorigen Beitrag gescherzt habe: B und D sind einfältig, C ist es nicht und A trachtet, letzteres auszunutzen.
Das Sprichwort: Was ich selber denk' und tu', das trau' ich auch den andern zu. macht sich allgemein über diese Transformationen lustig, also daß die bloße Verdächtigung des Andern ausreicht, den Einfaltslosen in das zu verwandeln, wessen er den Andern verdächtigt, indem sich seine Funktionsblase ändert - in Gedanken wird ihm stets ein: wenn noch nicht jetzt, so doch bald! hinzugefügt, was auch seine Reduktion auf Was ich selber mach' und tu', das trau' ich auch den andern zu. erklärt.
Betrachten wir exemplarisch zwei nahe verwandte, doch grundsätzlich verschiedene Selbst- und Fremdbildtransformationen infolge des Ukrainekriegs, nämlich
- Demokraten verteidigen die Demokratie,
- indem sie die russische Regierungsmafia bekämpfen.
Die interessante Frage ist natürlich, wie hoch der Anteil der Einfaltslosen an der Bevölkerung ist, welche ich einstweilen nicht beantworten kann, da es gesellschaftlich akzeptiert wird, diesbezügliche Verdachtsmomente nicht auszuräumen, so daß sich viele aus Bequemlichkeit widersprüchlich verhalten. Das müßte sich zunächst ändern, uns müßte die Wichtigkeit der Einfalt bewußt werden und dann müßten wir unsere Politiker auf sie hin überprüfen.
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