Direkte und indirekte Herrschaften zur Etablierung einer Ordnung
Die direkten Herrschaften zur Etablierung einer Ordnung sind die Herrschaft der Sorge und der Abgemessenheit, welche sie beide offen propagieren und dabei direkten Anklang finden.
Die indirekte Herrschaft zur Etablierung einer Ordnung ist die Herrschaft der Unvernunft oder genauer gesagt die Repräsentationskultur, indem sie einer Gruppe materielle Vorteile verspricht, wenn sie ihre Ordnung übernimmt, wobei diese Gruppe entweder die Regierung der Herrschaft der Rücksichtslosigkeit, einer anderen Form der Herrschaft der Unvernunft (also einer Erlebnis- oder Willenskultur) oder die gesamte Gesellschaft ist.
Wenn nur einer Teilgruppe materielle Vorteile versprochen werden, um eine Ordnung zu etablieren, handelt es sich offenbar um eine Verwaltung, und wenn es sich bei ihr um eine Regierungsform des I Ching's handelt, fallen die Herrschaften der Sorge, Achtung und Lust aus, weil ihre Struktur auf inneren Prinzipien beruht, und die der Abgemessenheit, weil sie keinen Zweck erfüllt.
Wenn eine Herrschaft der Sorge oder Abgemessenheit also keinen direkten Anklang mehr findet, kann sie entweder versuchen, indirekten Anklang über Wohlstand bei einer rücksichtslosen Regierung, jener einer Erlebnis- oder Willenskultur oder bei der Allgemeinheit zu finden, wobei die Herrschaft der Sorge, auch wenn sie das nicht versucht, bei hinreichend starkem Einfluß der Fordernden in die Herrschaft der Rücksichtslosigkeit übergeht - der Unterschied ist nur, daß es sich bei den Rücksichtslosen im letzteren Falle um wahre Gläubige handelt, welche Resultate sehen wollen, und nicht um kooptierte Feudalherren.
Idealerweise alle Völker der Erde für die eigene Ordnung streiten zu lassen, ist dabei traditionellerweise die Aufgabe des Papstes, aber zur Etablierung der westlichen Ordnung werden mittlerweile dieselben Methoden verwendet, das heißt, wie sich einst das Christentum von einem Bekenntnis zu einer Plattform wandelte, indem päpstliche Lizenzen über das Schicksal von Nationen entschieden, so tut es heute der Glaube an Liberté, égalité, fraternité, indem Lizenzen jenen kreative Formen geben, und Argument und Appell weichen Bestechung und Erpressung als Mittel der Entscheidungsfindung: Eine Weile bewahrt der kleinste gemeinsame Nenner (ein Bürge(r) zu sein) den Glauben vor öffentlichen Angriffen, dann kommt er wieder in die Schußlinie, und diesmal bleibt dem Einzelnen keine Deckung mehr.
Konkret sollte eine Ordnung nur aufgezwungen werden, wenn ihr Fehlen unverantwortlich ist, niemals aus positiven Gründen: Auch genügt die Natur zur Erschütterung erstarrter Ordnungen, systematisch nachgeholfen werden sollte ihr nicht. Derartige Richtlinien lassen sich mißbrauchen, aber wann hat der Papst zuletzt gesagt, daß der Verletzung der eigenen Ordnung an einem fremden Ort wegen zu den Waffen gegriffen werden sollte? Und doch ist das seit Napoléon das Mittel der Wahl: die bürgerliche Ordnung befindet sich auf einem ewigen totalen Kreuzzug, und ein solcher kann nur zu dem Grade schadlos durch die Welt ziehen, zu welchem es unverantwortlich ist, ihn nicht zu führen, wohingegen er heute eindeutig mit positiven Gründen in Verbindung gebracht wird.
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