Disclosure Day (2026)
Spielberg's Film dreht sich weniger um Außerirdische und ihr Verhältnis zu Regierungsbehörden als um die Rolle von Journalisten. Der Wrestler, der dem Publikum am Anfang ins Gesicht tritt, nun, das war nicht Alex Jones, aber er sieht ihm schon verdammt ähnlich.
Die Linse, durch welche der Film zugänglich wird, denn von selbst ist er es nicht, ist die Neugier, das Streben nach dem Unendlichen, zum einen in die Breite, die Welt verbindend, und zum andern in die Tiefe, die Welt verstehend, und indem Margaret Fairchild und Daniel Kellner (Herr Ober, die Story bitte!) dies ernster als normal nehmen und so zu Außenseitern werden, muß sie Hugo Wakefield zur universalen Quelle zurückführen, um ihnen zu verdeutlichen, wie die Paarung R&D (Research & Development) und Marketing zum Segen aller ist, indem sie unser aller Verlangen nach Neuem stillt, und daß sie also eine ganz besondere Begabung besitzen.
Freilich, hätte Kellner den Hula-Hoop Reifen erfunden und Fairchild hätte ihn popularisiert, indem sie ihn während einer Tornadovorhersage um ihre Hüfte hätte kreisen lassen, hätte der Film diese Botschaft überzeugender 'rübergebracht, aber das ist die einzige positive Botschaft, welche sich in ihm finden läßt, also daß Nerds und Bimbos keine Freaks sind, sondern die wahren Helden unserer Zeit.
Ich könnte jetzt ein paar Paragraphen über das nominalistische Verständnis Gottes schimpfen, welches Nonnen dem Film nach besitzen - wenn es keine Universalien gäbe, könnte Gemeinsamkeit nur durch die Zuordnung des selben Namens hergestellt werden und alle Definitionen müßten enumerativ sein, und wir könnten etwa nur jene Bäume, auf welche unsere Mutter gezeigt hat und sie Baum nannte, unter ihren Begriff bringen - aber ich werde Spielberg's Beispiel folgen und positiv bleiben, wenn auch nicht zur größeren Ehre des Journalismusses.
Spielberg benutzt die Außerirdischen, um Tele- und Empathie zu thematisieren, der Name Ingo Swann sagt ihm wahrscheinlich schon seit Minority Report etwas, und bindet sie als Vermarktungswerkzeug in die Handlung und theoretisch auch die amerikanische Wirtschaftsordnung ein. Das ist, wie gesagt, etwas gesucht, hält den Film aber zusammen.
Denn neben der positiven, enthält der Film natürlich auch eine negative Botschaft, nämlich daß das Fremde in Form der Außerirdischen in der amerikanischen Gesellschaft stets mit dem Feindlichen identifiziert wird, während es in Wirklichkeit Amerika wie die Laborratte die medizinische Forschung ertragen muß. Ich habe im vorigen Beitrag erklärt, woran das liegt, nämlich an dem Bedürfnis der Geführten nach jemandem, welcher ihre Führer herausfordert - eigentlich ein subversiver Zug, welcher indes Wasser (beziehungsweise Blut) auf die Mühlen der Rüstungsindustrie leitet.
Das ist so ein bißchen das Problem mit Leuten von Spielberg's Schlag: Die Führung umarmen sie und winden ihr sie verherrlichende Kränze in ihren Erzählungen, aber wenn sich die Natur dann regt, wenn sie verschleppt wird, und Dritte nach den Prinzipien der Führung ihr Süppchen aus ihr kochen, so gestehen sie sich nicht die Autorenschaft der Führung im ganzen Werk ein, sondern bekämpfen im heiligen Auftrage Teufel.
Genauer gesagt erkennt Spielberg die Kategorie des Anderen zwar an, aber nur als Inspiration und nicht als potentielles Korrektiv der eigenen Führung, dessen Sinn natürlich darin besteht, die eigene Führung auf Trab zu halten, und in der gegenwärtigen politischen Lage mag es der bessere Weg sein zu erkennen, daß die Herausforderung nicht von einem Andern kommen wird, sondern von einem selbst kommen muß, und diesbezüglich blieb Alex Jones bisher weitgehend untadelig, als der Führung unter deformierender Integration alles Schönen (und hier rede ich nicht von jener von IMDb in Amazon's Bestellungsprognostik, sondern von jener, welche den Wert der delphischen Sibylle für die Marketingabteilung entdeckt, aber wenn Amerika das Neue Jerusalem ist, ist Widerstand natürlich zwecklos) in eine immer verzerrtere Welt zu folgen.
So, ich habe mich nicht gedrückt und Spielberg's unter seinem eigenen Gewicht verzogenen Bau zurechtgerückt und lehne ihn immernoch ab. Ohne diese Mühe ist der Film schlicht öde und deprimierend, kein Dom, sondern ein Klumpen (wie das Halstenbeker Knick-Ei). Es war auch keine gute Idee, die Passenger-Metapher zu verwenden, ob mit oder ohne Antonioni-Bezug, Segler wäre besser gewesen, um die sich treiben lassende Fairchild zu beschreiben: Es ist alles gewollt und zusammengestückelt.
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