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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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29. März 2011

Grüße

Sowohl zur Selbstdiagnose als auch zur praktischen Übung der Diagnostizierung anderer bietet sich die bevorzugte Ansprache an, als da wären:
  • Sichere Bewährung!
  • Klare Haltung!
  • Guten Fortschritt!
  • Liebenden Frieden!

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27. März 2011

Sinnlichkeit, Gemüt, Vernunft und Seinssinn in der aktuellen Architektur

Sinnlichkeit, Gemüt, Vernunft und Seinssinn waren als Verbindungen definiert worden, zwischen Wahrnehmung und Tat, Stimmung und Haltung, Gegenstand und Begriff und zwischen Not und Vertrauen, mit der innewohnenden Aufgabe, die richtige Antwort auf die vorliegende Situation zu finden, wobei sich die Richtigkeit in den ersten drei Fällen aus einer zugehörigen Form des Gefallens ergibt und im letzten Fall aus einer Zusammenfassung dieser drei Formen.

In der jetzigen Architektur wirken diese Definitionen und Behauptungen sehr krumm, wobei es wenigstens jene Verbindungen gibt. Aber sind sie so, wie sie sind, auch nur sinnvoll?

Gehen wir es mal anders an. Die Gesinnungen sollten sich als unterschiedliche Schwerpunkte der Besorgtheit zeigen. Und sie sollten menschlich sein, also auf Vernunft beruhen. Also wäre der Materialist um seine Erfahrung besorgt, wie sie sich ihm durch Vernunft darstellt und ihm gefällt. Die Brücke zur Tat ergibt sich daraus, daß Taten Sprünge in andere Erfahrungen sind. Der Held wäre hingegen nicht direkt um seine Erfahrung besorgt, sondern um seine Haltung zu ihr und allgemeiner zur Sinnlichkeit, wie sie sich ihm durch Vernunft darstellt und ihm gefällt. Und der Philosoph wäre um seine Darstellung der Gewahrung durch Vernunft, wie sie sich ihm durch Vernunft darstellt und ihm gefällt, besorgt.

Die Darstellung der Gewahrung durch Vernunft ist, wie gesagt, eine Haltung und resultiert also in einer Stimmung. Sie ist indes keine Haltung zur Sinnlichkeit, sondern zum Assoziationsgeflecht der Begrifflichkeit, welches durch Verstand und Vernunft entsteht. Durch Verstand alleine entstehen lediglich Assoziationen von Eindrücken, welche allerdings selten gesondert betrachtet werden (ausgenommen von der modernen Psychologie) und zwar eine Stimmung erzeugen, aber keine spezielle Sorge um sie, da niemand gerne traumatisiert ist, mit anderen Worten hier lediglich für die eigene Gesundheit Sorge getragen wird, ohne daß es in diesem Bereich so etwas wie eine positive Leistung gäbe. Gäbe es nur Philosophie und keine Mathematik, könnte man, wenn man boshaft wäre, das selbe freilich auch von der Begrifflichkeit sagen. Dann wäre es allerdings erstaunlich, daß die Massen in diesem Punkt schwerkrank wären.

Der Grund für die drei Gesinnungen besteht also im wesentlichen aus dem Vorhandensein der Haltung, durchaus meiner anfänglichen Darstellung entsprechend, wenngleich ich damals die Dinge unzulässig vereinfacht hatte.

Der geistige Horizont ergibt sich aus der Beschäftigung mit den Zusammenhängen, welche ja für Gemüt und Vernunft mit den obigen Verbindungen mehr oder weniger übereinstimmen und, wenn man großzügig ist, für die Sinnlichkeit auch. Natürlich ist all dies auch ein stückweit vage geblieben und mußte zu allen Zeiten geeignet gedeutet werden, wobei ich aber denke, daß diese letzte Darstellung jetzt doch einigermaßen eindeutig ist.

Die Verbindung zwischen Vertrauen und Not wurde ja bereits in den letzten beiden Beiträgen gesondert behandelt und ist natürlich weitgehend unverändert übernommen worden.

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Nochmals zur Architektur des Bewußtseins

Ich werde im folgenden versuchen, Bezeichnungen mit doppelter Bedeutung zu vermeiden.

Bewußtsein ist zunächst die Gewahrung dreier Dinge, welche erst durch eine Erweiterung seiner unterschieden werden, Erfahrung, Besorgtheit und Gefallen.

Die Besorgtheit ist eine Funktion der Erfahrung und des Gefallens, sowie des vorherigen Vertrauens aller existierenden Bewußtseine und Gottes Willens, sowohl als Moderator des letzteren als auch als eigenständige Instanz. Es ist dies der natürliche Zustand, daß die Sorgen in einen hineinströmen und man dadurch, daß man vertraut, Sorgen der Besorgtheit anderer beisteuert. Dabei ist die Besorgtheit ein Reservoir von Handlungsimpulsen, aus dem man schöpft, wobei Vertrauen eben ein Abtreten einer dieser Sorgen ist.

Das Gefallen wiederum ist eine Funktion der ersten beiden Teile, insbesondere ist Seinsangst die Antwort auf fehlende Sorgen. Wie sich die gegenseitige Abhängigkeit von Gefallen und Sorge genau auflöst, läßt sich schwer beantworten. Nahe läge zu vermuten, daß einer der beiden Teile der vorherigen Gewahrung hinterherhinkt, und es gibt auch eine Beobachtung, welche das Hinterherhinken des Gefallens zu beweisen scheint, nämlich die vorsätzliche Änderung der eigenen Stimmung durch Vorstellung einer anderen, welches zunächst gelingt, dann aber zu einer Abwehrreaktion, einem Mißfallen dieses Vorstellens führt. Die Antwort auf dieses Problem ist indessen nicht von allzu großer Bedeutung, so daß ich mir darüber nicht weiter den Kopf zerbrechen werde.

In diesen immer gleichen Mechanismus des Bewußtseins sind unterschiedliche Schichten eingetaucht. Wie gesagt, im einfachsten Falle, wenn Gewahrung reine Sinnlichkeit ist, ist nichts vom Vorigen von einander unterschieden, und alles ist bloß gewahrte Bewegung.

Kommt Verstand hinzu, so wird die Sinnlichkeit gegliedert und die Gewahrung um diese Gliederung erweitert. Dieses ist auch bei Tieren so. Das Gefallen an dieser Gliederung besteht aus den eigentlichen Emotionen, und das Vertrauen unter dieser Gliederung besteht aus Kommunikationen unter dieser Gliederung.

Kommt wie beim Menschen Vernunft hinzu, so wird die letztere Gliederung selbst wieder durch das Tripel zweier Gegenstände und eines Verhältnisses gegliedert und die Gewahrung um diese Gliederung erweitert. Das Gefallen an dieser Gliederung besteht aus den Stimmungen, und das Vertrauen unter dieser Gliederung besteht wieder aus Kommunikationen unter dieser Gliederung, wobei allerdings Gott hier aktiv als Übersetzer in Erscheinung tritt.

Es bleibt noch über Haltungen zu sprechen. Eine Haltung ist nichts weiter als eine willkürliche Assoziation, in welcher man sich als handelndes Subjekt zu gewissen Verhaltensweisen setzt, also daß man von sich sagt, daß man sich auf eine bestimmte Weise verhalte. Die Bezeichnung eines Begriffs, ist ein Spezialfall dessen. Beides findet in der Vernunft statt und wird durch Stimmungen gespiegelt, wobei die Ordnung der Begriffe zu Klarheit führt, nach welcher der Philosoph strebt.

Haltungen werden aber nicht zwangsläufig befolgt, vielmehr ist das Befolgen der eigenen Haltungen selbst eine Sorge, welche Teil der eigenen Besorgheit sein mag oder auch nicht, meistens natürlich graduell für die einzelnen Sorgen verschieden irgendwo dazwischen liegt.

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26. März 2011

Leere und Fülle

Daß, wenn man sich auf die Gänze seines Bewußtseins besinnt, dort ein Abgrund erkennbar wird, kann man so natürlich nicht sagen. Er wird sichtbar, wenn man leer ist.

Jemand kommentierte dieses Video mit der Aussage, daß es voller Angst sei. Ist das so?



Ich würde es verneinen. Gezeigt wird die ursprüngliche menschliche Haltung und wie alles ihr gemäß, alles Ausdruck ihrer ist. Was immer all das stimmt, es stimmt auch uns. Und wer gestimmt ist, der ist voll, wobei wirklicher Friede voraussetzt, daß man auch zurückgibt, seine eigene Stimme findet.

Man ist aber nicht immer voll, alleine schon weil man schläft. Jugendliche wollen leer sein, und sind es auch. Es entspringt dem Hang zum Triumphalismus des Lebens, daß neue Herrlichkeit stets inmitten von Ruinen ersteht. Das ist im Urwald so, und in den Herzen der Menschen eben auch.

Wenn allerdings einer voll ist, so sieht er da keinen Abgrund, sondern sein ganzes Selbst, wie es allem entspringt und in alles zurückfließt.

Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna, Krishna, Hare, Hare.
Hare Rama, Hare Rama, Rama, Rama, Hare, Hare.

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24. März 2011

Einige, wohl notwendige, Klarstellungen zum gestrigen Beitrag

Die Wesensgleichheit zwischen Handlungen und Vertrauen sollte nicht dahin gehend verstanden werden, daß es sich um Äußerungen desselben Organs handelt. Gemeint ist lediglich eine Gleichheit des Auftretens in unserem Bewußtsein. Also, was ich vom Vertrauen schrieb, daß es eine Antwort auf unser Leiden an unserer Wahrnehmung ist, das gilt so auch von den Handlungen. Beides sind Sprünge aus der Not.

Wir können uns darauf bescheiden, sinnlich zu sein, die Reflexionen des Lichts auf der Wasseroberfläche spielen zu sehen, eine Weile, bis die Lichtlachen, welche wir anfangs auffaßten, vorübergezogen sind oder sich rekombiniert haben. Unser Bewußtsein macht dann keinen Gebrauch von unserem Verstand und keine Handlung findet statt, denn die Handlung ist eine Verstandesäußerung. (Freilich arbeitet der Verstand auch dann autonom weiter vor sich hin, in sofern er die Auffassung der einzelnen Lichtlachen aktualisiert.)

Selbst in diesem Zustand können wir indes vertrauen, allerdings nicht auf eine Weise, welche auf den Verstand bezug nimmt. Und um das hier ganz klar zu sagen, ohne Verstand gibt es kein Bewußtsein eines Sprunges, keine Grenze zwischen den Wahrnehmungen, vielmehr wächst eine Wahrnehmung, bis sich schließlich doch wieder der Verstand einschaltet oder sie beginnt, sich örtlich zu verlieren.

Es kann aber Willen, also Leiden, und anknüpfendes Vertrauen in diesem Zustand geben. Leiden ist sehr melodramatisch gesagt, zumeist kann man's nicht wirklich so nennen, aber es verdeutlicht den Zusammenhang zum Vertrauen halt sehr schön. Wobei der explizit natürlich durch Ohnmacht gegeben ist. Und da stellt sich die Frage, ob es neben der Handlung, welche ja des Verstandes bedarf, noch eine andere Form der Macht gibt. Oder ist alles Organische, Sinnliche stets auf Vertrauen angewiesen? Die Frage wird leichter zu beantworten, wenn man sich besäuft, denn in dem sich dann vollziehenden organischen Versagen wird es klarer erkennbar. (Ich habe gerade ein Déjà vu, das zweite heute..., wahrscheinlich habe ich mich schonmal hierzu geäußert, schlimm wäre das natürlich nicht.) Nun, die Antwort muß notwendig unbefriedigend bleiben, es gibt dort erkennbare Anstrengungen, bestimmte Formen zu bilden, doch stecken wir in diesen Anstrengungen nunmal nicht drin, wie es bei den Äußerungen unseres Verstandes der Fall ist, es bleibt also Spekulation, ob dabei stets Vertrauen eine Rolle spielt oder nicht. Allerdings, wenn etwas autonom in unserem Bewußtsein abläuft, dann müssen wir, um es gut einzubinden, auf höherer Ebene darauf vertrauen. Das gilt insbesondere für unsere Vorstellung und damit für unsere malerische Begabung, nun, bezogen auf Stimmungen gilt es natürlich ebenso für unsere kompositorische Begabung. Aber, interessanterweise, werden Dinge, die zuvor autonom abliefen, wenn man betrunken ist, abhängig von bewußter Konzentration auf sie. (Die Gedankenführung hier sieht wahrscheinlich besoffener aus, als sie es ist. Nichts für ungut, an dieser Stelle ist eben Schluß, bewußte Konzentration ist ja nicht das eigentlich Interessante, sondern lediglich der letzte Schritt davor.)

Im Sinnlichen bleiben wir also am besten undifferenziert. Es kommt zu Anstrengungen. Manchmal sind diese transzendent, das läßt sich durch Experimente erschließen. Wie es um sie gewöhnlich bestellt ist, dafür fehlt uns schlicht der Begriff.

Lassen wir aber das Sinnliche hinter uns und ziehen unseren Verstand hinzu, dann sind wir uns des zwischenzeitlichen Abgrunds nur zu bewußt, welcher vor unseren Handlungen klafft.

Es sind dies die Angst und das Nichts, von denen Heidegger spricht. Die Angst entspringt dabei daraus, in diesem Bewußtsein keinen Anhaltspunkt für die nächste Handlung zu haben, denn so ist es, wenn wir uns auf unser Sein in der Zeit als Ganzes konzentrieren, unser Wesen wird von unserer Phantasie vor uns ausgebreitet, aber alles bleibt zu dunkel, als daß es uns anleiten könnte. Natürlich besteht der nächste Schritt dann immer darin, sich auf einen Teil dieses Ganzen zu konzentrieren, und sobald das geschieht, gibt es wieder Anleitung genug. Diese Teile sind aber Vertrauen, Verstand, Gemüt und Sinnlichkeit, wobei letztere normalerweise nicht ohne Verstand wahrgenommen wird, sondern nur, wenn man explizit das Bewußtsein der Innerzeitlichkeit unterdrückt. Bei den anderen Teilen geht dieses nicht, denn sie sind, in dieser Form (das betrifft das Vertrauen, welches ansonsten ohne Bewußtsein seiner stattfindet), allesamt Verstandesäußerungen, wobei allerdings beim Gemüt nicht recht von Innerzeitlichkeit die Rede sein kann, da bleibt man beim Leiden an einem bestimmten Eindruck stehen, wenn man nicht gerade der Phantasie folgt, und beim Vertrauen vielleicht auch eher von Überzeitlichkeit die Rede sein sollte, denn der Sprung geht ja quer zur Zeit.

Der tiefere Grund für den vorigen Umstand ist natürlich, daß unser Wille in diesen Teilen steckt.

Die vorige Erklärung ist im Hinblick auf das Gemüt verwirrend. Wir erfassen unsere Willensäußerungen in unserem Gemüt, es sei denn, sie wären rein sinnlich, also Anstrengungen. Da es aber so viele Erfahrungen und Ideen gibt, auf welche unser Wille reagiert, wenn man sie ihm zuführt, macht es eben Sinn, sich auf sein Gemüt zu konzentrieren, in welchem alle Anhaltspunkte von Interesse von der Phantasie aufbereitet werden. Dies funktioniert natürlich nur deshalb, weil unsere Phantasie unseren Willen kennt.

Im sinnlichen Bereich ergibt der letzte Gedanke überhaupt keinen Sinn, da die Sinnlichkeit selber das Produkt der Anstrengungen ist, und allenfalls gefragt werden könnte, welchen Bereichen der eigenen Sinnlichkeit der eigene Wille wohl gerne zum Bewußtsein verhülfe, was aber für die eigentliche Sinnlichkeit deswegen nie gefragt wird, weil der Wille, sofern er rein sinnlich ist, gerne die gesamte Sinnlichkeit zum Bewußtsein brächte.

Der Unterschied zwischen der Besinnung auf das Gemüt und der Besinnung auf die Sinnlichkeit besteht darin, daß in letzterer der Wille nicht reflektiert wird, sondern direkt auf ihrer Grundlage wirkt. Man könnte auch sagen, daß im Gemüt alle unaufgelösten Emotionen gespeichert werden.

Post scriptum vom 25.3.1011. Natürlich handelt es sich bei der Besinnung auf das Vertrauen auch um eine Besinnung auf etwas, das sonst schlicht nebenher läuft. Ich denke, ich habe mit dem Vorigen Sinn und Zweck der Besinnung auf das Gemüt gut getroffen, also Fehler des ersten Durchgangs auszubügeln, doch das Vertrauen verhält sich nicht analog dazu. Und wo ich gerade dabei bin, die Besinnung auf den Verstand erlaubt natürlich den systematischen Ausbau von Begriffen, nicht daß ich morgen noch ein Post Scriptum anfüge. Beim Vertrauen allerdings geht es um etwas ganz anderes, nämlich um die Begrenzung, also Überwindung, diesseitiger Ambitionen. Es erlaubt eine objektive Sicht auf die Existenz als Ganzes, befreit von den Ängsten des zwingenden Geistes, also eine objektive Wahl zwischen Haß und Liebe.

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23. März 2011

Handlungen (zum wiederholten Male)

Doch, es ist schon mehr als nur etwas verwunderlich, daß das, was die meisten Menschen für das Wichtigste überhaupt halten, kein eigenständiger Gegenstand in unserem Bewußtsein ist.

Wenn ich im Kopf 12 mal 17 ausrechne (was so natürlich nur funktioniert, wenn ich das große Einmaleins nicht parat habe), dann ergreife ich dabei nicht in mir selbst vorliegende Additions- und Multiplikationsroutinen.

Und wenn ich schnüffele, kann ich etwa nach einer bestimmten Geruchskomponente schnüffeln? Oder wenn ich spähe, kann ich, bevor ich eine Form als Ganzes aufgefaßt habe, nach der Farbe fragen, welche mir ein bestimmter Punkt auf der Netzhaut liefert?

Und auch wenn ich einen Finger bewege, ist es nicht anders, wenngleich das Skelett den Anschein dessen zu geben vermag. Man konzentriere sich nur auf seine Augenmuskeln. Alles ist Eindruck, Eindruck, der ist, und Eindruck, in welchen man hinüberspringt, dabei den Willen zum Sprung, die organische Anspannung vor ihm gewahrend.

Üblicherweise findet dieses Springen in einem Sprung statt, wenn man es aber sorgsam tut, springt man zunächst besinnend in die Gewahrung des gegenwärtigen Eindrucks, durch welche das Ziel eines Sprunges innerhalb dieser Eindrucksform vorstellbar wird, was dann der nächste Sprung sein mag oder auch nicht, aber selbst wenn nicht, so sind wir uns doch unterschwellig verschiedener Ziele bewußt, da unsere Phantasie zu einem gewissen Grade autonom agiert und es auch muß, um uns die Möglichkeit zu geben, aus den vorhandenen Möglichkeiten zu wählen. Wohl gemerkt, eine solche Wahl setzt voraus, daß man sich zunächst besinnt. Sie ist dabei auf zwei Weisen möglich, nämlich zum einen als Vorstellung und zum anderen als Tat, wobei die Vorstellung lediglich festhält, was die Phantasie vorgab, oder anders ausgedrückt einen dieser Phantasieeindrücke als ausgewählt bezeichnet, wodurch er referierbar wird. Die Vorstellung gibt dabei der autonom agierenden Phantasie eine genauere Richtung, welche entweder zu nützlicheren oder zu weniger nützlichen Phantasieeindrücken als den vorherigen führt. Im letzteren Falle würde die anfängliche Besinnung wiederholt.

Allerdings ist auch hier alles nur ein Hinüberspringen in einen Eindruck, daß man weiß, was Vorstellung ist, daß durch sie ein Referenzpunkt erzeugt wird, ändert nichts daran, daß dieses Vorstellen selbst nur wieder durch den Eindruck im Bewußtsein bekannt ist, welchen es erzeugt, also den Eindruck etwas aufzufassen, welcher letztlich nicht von den Eindrücken verschieden ist, etwas zu spüren, zu sehen oder zu riechen.

Unabhängig davon, ob ein Phantasieeindruck vorgestellt wird oder nicht, bleibt er selbstverständlich unterscheidbar vom gegenwärtigen Eindruck der selben Form. Dies beruht auf dem Bewußtsein des Wahrnehmens, naheliegender Weise, welches in Träumen allerdings nicht vorhanden ist, wodurch Träume auch gekennzeichnet sind. Wenn jemand träumt, so kann es vorkommen, daß er sich zwar seines Auffassens bewußt ist, seiner visuellen Wahrnehmung aber nicht, was ihm die Möglichkeit gibt, sich durch Besinnung auf seine visuelle - oder auch gleich auf seine volle - Wahrnehmung aufzuwecken.

Das Bewußtsein des Wahrnehmens des Wahrgenommenen ist dabei schlicht die natürliche Form, welche sich nicht anders denn als Wachheit bezeichnen läßt. Zugleich ist sie auch die Voraussetzung dafür, das eigene Gefallen vertrauend zu bewerten. Im Traum passiert das nicht, entsprechend werden wir von unserem Mißfallen im Traum erdrückt. Ebenfalls fehlt im Traum die Möglichkeit zu handeln.

Ich wage also an dieser Stelle zu behaupten, daß unsere Handlungen, jenes Hinüberspringen, wesensgleich ist dazu zu vertrauen. Streng genommen gibt es keine immanenten Akte. Sämtliche Akte verlassen den Bereich des uns Bewußten, der Unterschied besteht einzig darin, daß zu vertrauen sich auf etwas außerhalb unserer Eindrucksformen bezieht, mithin kein bloßer Sprung zurück in die Zeit ist, sondern die im wahrsten Sinne des Wortes zwischenzeitliche Transzendenz zur Verbindung nutzt.

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22. März 2011

Parsifal

Es gibt schon beachtliche Konvergenzen im Denken Kants, Schopenhauers, Dostojewskis, Wagners, Tolstois und Tarkowskis. Ich denke, es ist sinnvoll, dies als eine wesentliche neuzeitliche Geistesströmung zu bezeichnen. Als Name böte sich Bewußtseinsrestauratismus an.

Übrigens, durchaus interessant, da ich nicht wußte, ob es Restaurismus oder Restauratismus heißen muß, habe ich beide Begriffe gegoogelt und dabei diesen SPIEGEL-Artikel gefunden. Paßt sehr schön zu geistigen Strömungen, und deutlicher hätte der SPIEGEL auch nicht sagen können, daß er marxistisch ist. Mich irritierte dbzgl. lange Zeit seine unterschwellig psychologische Unterstützung nationalsozialistischer Sichtweisen, doch erklärt sich dies wohl aus der Notwendigkeit, im Leser einen (gelenkten) Prozeß innerer Auseinandersetzung im Gang zu halten.

Ich denke freilich nicht, daß diese Strömung bisher auch nur in der Theorie einen ausreichenden Entwicklungsstand erreicht hat, bemühe mich indessen natürlich genau hier Abhilfe zu verschaffen, muß aber andererseits einräumen, daß sie bereits überragende Kunstwerke hervorgebracht hat, die größten wahrscheinlich Parsifal von Wagner und Stalker von Tarkowski.

Stalker verdeutlicht das Wesen der Transzendenz als Vertrauen und unterstreicht zugleich die Bedeutung persönlicher Reife. Dies ist absolut zutreffend dargestellt, in dem Punkt gibt es auch theoretisch nichts zu kritisieren, doch ist das eben nur eine punktuelle Betrachtung.

Parsifal andererseits ist eine interessante Weiterentwicklung der Gedanken, welche Wagner in Erkenne dich selbst (die Schrift steht auf dem Index, entsprechend hier die englische Übersetzung) geäußert hat. An der Rolle der Juden als ewige Versucher hat Wagner freilich nichts geändert, auch nicht an der Notwendigkeit, ihnen zu widerstehen, noch an der sich daraus ergebenden Folge, daß sie dann schließlich ihr Judentum aufgeben werden (Kundrys Taufe), aber es ist doch bemerkenswert, daß Kundry in Parsifal nur auf Geheiß eines Eunuchen tätig wird. Bisher habe ich Klingsor allerdings noch nicht mit Bischofsstab in der Hand gesehen. Das wäre allerdings eine schöne Inszenierung, Bindung durch Sündhaftigkeit.

Es ist dies eine tiefe Einsicht Wagners, zu der ich ja vor kurzem unabhängig von ihm, Hitlers geschichtliche Bedeutung bedenkend, auch gekommen bin. Daß Hitler sich bei der Zerstörung Wagners Kernanliegen auf dessen Spuren wähnte, ist natürlich wieder einmal eine böse geschichtliche Ironie, dieses Mal indes nicht Folge eines Versagens des Wagnerschen Erklärungsansatzes der Realität, sondern Folge einer mangelnden Bereitschaft, sich auf ihn einzulassen, welche sich auch schon zu Wagners Lebzeiten zeigte, als man ihm vorwarf, die Uraufführung von Parsifal von Hermann Levi dirigieren zu lassen.

Parsifal gibt also ein sehr klares Bild von der geschichtlichen Situation, in welcher sich der Bewußtseinsrestauratismus vollziehen muß, und den konkreten Herausforderungen, welchen er gegenüber steht. Darüberhinaus ist in der Figur des Narren die Grundhaltung vorgezeichnet, mit welcher sich dieses nur bewerkstelligen läßt.

Dieses sind sehr wertvolle Betrachtungen, welche freilich nicht sagen, worin Bewußtseinsrestauration eigentlich besteht. Natürlich, eingedenk Wagners Hintergrund, ist es klar, daß sie für Wagner selbst im Werk Schopenhauers bestand.

Man sollte sich, denke ich, nicht von den unerfreulichen Wendungen auf dem bisherigen Weg entmutigen lassen. Letztlich kann man für die eigene Ohnmacht und den damit einhergehenden Mißbrauch durch Mächtige nichts. Es bedarf eines Bewußtseins für die Länge des Weges, für die gegenwärtige Situation und auch einer gewissen Flexibilität, um sich nicht an unnützer Stelle zu verschleißen.

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15. März 2011

Zur grundlegenden Architektur

Ich habe zuletzt Sinnlichkeit, Gemüt, Vernunft (die vorherige Verwendung des Wortes Verstand hierfür ist höchst unvorteilhaft, siehe unten) und Vertrauen als separate Teile behandelt, was aber so, wenn man sich mit der Beschaffenheit des Bewußtseins beschäftigt, nicht stimmt.

Sinnlichkeit ist die frühere Anschauung. In ihr ist alles enthalten. Sie liefert einen Zustand, welcher wiederum in ihr selbst bewegt erscheint. Die Bewegung begleitet unser Wollen, ein Streben hin zu einer angenehmeren Form, welches doch keine andere Möglichkeit eröffnet als an dieser Bewegung leidend, wenn wir nämlich ohnmächtig sind, uns anderen Mächten anzuvertrauen.

Es gibt keine Sinnlichkeit ohne Vertrauen und kein Vertrauen ohne Sinnlichkeit. Diese beiden bilden zusammen in ihrer vorstehenden Beziehung die einfachste Form von Bewußtsein.

Das Gemüt ist eine Erweiterung der Sinnlichkeit innerhalb der Sinnlichkeit, deren Zuständigkeitsbereich aus den durch einen Verstand im Schopenhauerschen Sinne zum Zwecke der Analyse der Sinnlichkeit gebildeten Verhältnissen besteht. Wo Vernunft fehlt, richtet sich das Gemüt nur auf die Gegenwart und die Art und Weise, auf welche sie zu verbessern ist, also beispielsweise Ungerechtigkeit durch einen Wutausbruch. Wo Vernunft vorhanden ist, werden die eigentlichen Emotionen um Stimmungen ergänzt, deren Gegenpart durch die in der Haltung zusammengefaßten begrifflich festgelegten Verhaltensweisen gegeben ist. Man wird also niemals ein Tier melancholisch finden oder sonstwie gestimmt. Ich kann an dieser Stelle nur betonen, daß meine Gleichsetzung des Gemüts mit dem Thymus rein gleichnishaft gemeint war. Ein Gleichnis freilich, daß sich nur dem erschließt, wer sowohl Gemüt als auch Thymus genau versteht.

Die Vernunft schließlich ergibt sich daraus, daß die Verhältnisse, welche der Verstand liefert, selbst in den Bereich der Sinnlichkeit rücken und dort auch wieder vom Verstand analysiert werden, also durch die so genannte Fähigkeit zur Reflexion, wohingegen das Gemüt diese Verhältnisse bearbeitet, ohne mehr als sein Wollen dabei der Sinnlichkeit zu offenbaren. Die Vernunft als bewegende Kraft, als Erkenntnisdrang, das Bestehen von Verhältnissen zwischen Gegenständen aufzufinden, ist also wieder Teil des Gemüts, da auch dies eine Verbesserung der Gegenwart nach Maßgabe der Verstandesanalyse ist.

Freilich kann auch das Wollen des Gemüts nicht grundsätzlich vom organischen Wollen der Sinnlichkeit unterschieden werden, sondern stellt vielmehr eine Spezialisierung durch ein bestimmtes Organ, nämlich das Gehirn, dar, welches in ein Kontinuum Fallunterscheidungen bringt.

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14. März 2011

Epochenanfänge

Vorneweg, es ist nicht meine Schuld, daß der Begründer der gegenwärtigen Epoche als Menschwerdung Gottes gilt. Ich bitte dies im folgenden zu berücksichtigen.

Ich schrieb, daß Jesus Christus für den Fortschrittsglauben verantwortlich ist. Die entsprechende Stelle findet sich im Johannesevangelium, Augustinus hat das Thema später im Gottesstaat ausgebreitet. Indirekt stimmt das auch, in sofern Jesus Christus die notwendige Voraussetzung dieses Glaubens geschaffen hat, nämlich daß Menschen die Initiative bei der Gestaltung gesellschaftlicher Ideale ergreifen, selbst bestimmen, was ihnen verdienstvoll ist und es nicht den Umständen überlassen. Erst aus dieser ideologischen Selbständigkeit heraus ergibt ein Glaube an einen kontinuierlichen Fortschritt auch Sinn.

Nun muß an dieser Stelle angemerkt werden, daß die heroisch Gesinnten Träger sämtlicher Kulturen sind, weil sie formbar sind. Eine neue Epoche kann nur beginnen, wenn sie sich neu ausrichten. Die Zielausrichtung des Christentums war gemäß der erstrebten ideologischen Selbständigkeit der Vorrang des Guten, Schönen, Wahren vor der Loyalität der eigenen Interessengruppe gegenüber und das Vehikel, diese Neuausrichtung herbeizuführen, das Martyrium.

Fragen wir jetzt also analog, welche Voraussetzung ein Leben in gegenseitiger Bereitschaft hat. Nun, zentral dabei dürfte, neben wirtschaftlicher Unabhängigkeit und Disziplin, die klare Erkenntnis der eigenen Natur sein, denn nur unter Voraussetzung allgemeiner Klarheit in dieser Frage kann eine praxistaugliche Selbstorganisation nach Interesse angenommen werden, können etwaige Interessenkonflikte antizipiert und verhandelt werden. Heute wird dieses Problem durch die Nachfrage gelöst, es wird produziert, von wem geglaubt wird, daß es nachgefragt werden wird, aber das Charakteristikum gegenseitiger Bereitschaft ist es ja gerade, sich gegenseitig durch Zusammenarbeit Gestaltungsfreiheit zu geben.

Was ist also die Zielausrichtung der heroisch Gesinnten und wie läßt sie sich erreichen? Das Ziel ist es, daß allgemeine Selbständigkeit in ihren drei Facetten als höchstes irdisches Gut gilt. Der Weg dahin führt über den fröhlichen Verzicht auf alles Unwesentliche beim Bemühen um das Wesentliche.

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6. März 2011

Temperamente und Gesinnungen

Von den vier Teilen des Bewußtseins, Vertrauen, Verstand, Gemüt und Sinnlichkeit - letzteren Begriff werde ich fortan im Sinne von sinnlicher Erfahrbarkeit an Stelle von Handhabung und Beherrschung verwenden - sind drei willenshaft und der vierte (bzw. hier der erste) vermittelnd. Aus diesen drei Teilen entspringen die drei Gesinnungen, die Suche nach dem rechten Begriff, der rechten Haltung und der rechten Handhabung (im engeren Sinne) oder eben die philosophische, die heroische und die materialistische Gesinnung.

Diese werden schon von Platon erwähnt, und es wäre daher nicht direkt verwunderlich, wenn sich die klassischen vier Temperamente mit ihnen decken würden - was sie tun. Der Phlegmatiker hat schlicht keine Motivation, und wir können ihn also von vorn herein aussortieren. Die übrigen drei Temperamente, also der Sanguiniker, der Choleriker und der Melancholiker, werden durch ihre schlechten Seiten beschrieben, genauer gesagt durch ihre Nervenzusammenbrüche, was freilich das gemeine Volk nur bei den letzten beiden Temperamenten als solches versteht und dem Sanguiniker also vor ihm den Anschein der Erstrebenswertheit gibt, da er als einziger nicht defizitär zu sein scheint.

Das ist aber eine lächerliche Falschdarstellung, oder jedenfalls wäre sie es, wenn sie nicht auch zugleich gefährlich wäre, denn durch sie werden Materialisten eugenisch und Helden und Philosophen dysgenisch beeinflußt. Nur weil der Philosoph, in seinem Bemühen, die Dinge zu begreifen, manchmal melancholisch wird und der Held, in seinem Bemühen vorbildlich zu sein, manchmal in Wut ausbricht, sind sie gewiß nicht defizitärer als der Materialist, welcher manchmal die feine Abwägung seiner Interessen über der Leidenschaft (zumeist der Spielsucht) vernachlässigt.

So ist es richtig dargestellt, und es ist beunruhigend, wie wenig diese richtige Darstellung verbreitet ist, denn natürlich ist dies sehr wichtiges Wissen, welches für ein gedeihliches Zusammenleben auch unabdingbar ist. Aus dem Grund haben es die antiken Autoren auch immer hervorgehoben, welcher Bewußtseinsteil für die Handlung eines tragischen Helden verantwortlich war: als Beweis ihrer Einsicht und Würde, nämlich legitime Kulturschaffende zu sein.

Heutige Wissenschaftler sehen darin hingegen einen niederen Bewußtseinszustand, in welchem es keine Verbindung zwischen den einzelnen Teilen gegeben hat. Damit ist freilich alles gesagt. Aber wie kann das sein? Kann diese Einsicht restlos verschüttet worden sein oder werden wir planmäßig dumm gehalten?

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22. Februar 2011

Konditionierungen

Ich schrieb schon von diesen Dingen, aber ihre Gewalt wurde mir jüngst wieder spürbar, weshalb ich noch einmal auf sie zu sprechen kommen möchte.

Betrachten wir der Einfachheit halber zunächst einmal nur Deutsche, Engländer und Franzosen. Insbesondere in Deutschland wurde viel Aufheben über die charakterlichen Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschen und deren Aufbruch in der Reformation gemacht. Ich will das gar nicht bestreiten, doch wer sich zu sehr darauf konzentriert, verliert die Perspektive auf das Ganze, denn jenes Kapitel ist wirklich nicht mehr als ein Detail, wenngleich auch ein weltgeschichtlich bedeutendes.

Wichtiger also als dieser Unterschied im sozialen Bereich, der Norddeutsche an sich ist eben asozial, ist zum Beispiel die Frage, welche Formen der Normabweichung es in Deutschland, England und Frankreich gibt, denn diese Frage führt einen zu einer Reihe frappierender Einsichten.

Die einzige Form der Normabweichung in Deutschland ist die des Penners, in England sind es die Exzentriker und in Frankreich kann man überhaupt keine Lebensnorm finden. Das muß Gründe haben und das hat auch Gründe. Deutschland, England und Frankreich besitzen nationale Tugenden, welche sich, im Lauf der letzten doch recht abwechslungsreichen Jahrhunderte jedenfalls, weder geändert, noch an Verbindlichkeit eingebüßt haben. Daraus ergeben sich schwer wiegende Konsequenzen, doch zunächst einmal seien diese Tugenden vorgestellt.

Die französische nationale Tugend ist die Achtung des Rechts, was einmal zugestanden wurde, das gilt für alle Zeit, auch wenn sich die Machtverhältnisse gravierend verändert hätten. Diese Besonderheit der Franzosen nutzten schon ihre Könige dazu, Lizenzen zu verkaufen. Und an dieser Neigung zur Lizensierung hat auch die Französische Revolution nichts geändert.

Die englische nationale Tugend ist die Anerkennung von Talent, insbesondere in kriegerischen und allgemeiner in nützlichen Angelegenheiten. Daraus ergibt sich mehreres, einerseits daß Menschen Freiräume eingeräumt werden, damit sie ihr Talent beweisen können, andererseits aber auch, daß, sollten sie Talent besitzen, von ihnen verlangt wird, auf den Posten zu gehen, auf welchen sie geschickt werden, wo sie dann allerdings wiederum einen gewissen Spielraum besitzen.

Es gibt heute natürlich niemanden mehr, welcher talentierte Engländer auf ihren Posten schickt. Diese Tugend setzt, wenn sie in einen funktionalen Ablauf eingebunden sein soll, eine Art Timokratie voraus. Als sich England vor ein paar hundert Jahren in eine Oligarchie der Reichen verwandelte, wurde die nationale Tugend also zu einem Relikt. Nichtsdestotrotz ist die Konditionierung der Engländer auf sie bis heute ungebrochen.

Die deutsche nationale Tugend nun kann man getrost darin sehen, Gott ein wandelnder Tempel zu sein. Und es ist eben nur die Einfallslosigkeit des Norddeutschen, welche daraus ableitet, er müsse also sparsam und fleißig sein. Wichtig ist dabei die Unbedingtheit der Argumentation, die gnadenlose Verfolgung dessen, was als größtes gemeinschaftliches Lob Gottes anerkannt wird. Da er die Sache so angeht, wird der Deutsche immer finden, daß die gemeinschaftliche Anstrengung zentral gelenkt werden muß, sich entsprechend der Führung unterstellen und dies auch von allen anderen Deutschen einfordern.

So wie der Engländer einen König an der Spitze einer Timokratie braucht, braucht der Deutsche einen Philosophenkönig. Beides ist heute selbstverständlich nicht gegeben, und ich möchte jetzt darauf zu sprechen kommen, was das für Deutsche und Engländer bedeutet.

Fangen wir mit den Deutschen an. Die unbedingte Hörigkeit der Deutschen macht es unmöglich in Deutschland auch nur irgendeine Sache lokal vor Ort ohne Hinzuziehung irgendwelcher Autoritäten zu verbessern. Und wer es auch nur versuchte, würde von allen Seiten angegriffen. Derweil hoffen alle Deutschen, daß die Regierung Wunder was auf den Weg bringt. Pointiert gesagt, die Deutschen bezahlen das Fehlen eines Königs mit der Fähigkeit, sich auch nur um eine einzige, und sei es noch so kleine Angelegenheit ihres Zusammenlebens kümmern zu können. Die deutsche Konditionierung führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung, wenn den Deutschen kein König vorsteht, und zwar schnell.

Bei den Engländern sieht es freilich etwas besser aus, weil es gesellschaftlich akzeptiert ist, wenn jemand mal zusieht, wie man was verbessern könnte, und ein bißchen herumexperimentiert. Sollte er dabei erfolgreich sein, wird er auch Gehör finden und kann also die Umstände ein Stück weit verbessern. Das Problem ist freilich, daß die Engländer annehmen, daß, wenn jemand auf einem Posten steht, es jemanden gegeben habe, welcher ihn da hinbeordert hat und dabei das Gemeinwohl bedacht hat. Weil sie das annehmen, entwickeln sie selbst nicht die geringste Initiative, sich selbst um das gesamtgesellschaftliche Gleichgewicht zu kümmern. Wie es ist, ist es richtig. Das mag man freilich im Nachhinein Darwinistisch neu zu begründen suchen, aber daher stammt der soziale Instinkt der Engländer nicht, in ihm lebt definitiv der Glaube an einen nicht mehr existierenden König fort. Und wenn diese Neubegründungen nicht so recht taugen, wonach es zunehmend aussieht, und was ich auch erklären könnte, allerdings nicht ohne ein neues Thema anzufangen, dann gilt letztlich für die Engländer ebenso wie für die Deutschen, daß ihre Konditionierung zur Selbstzerstörung führt, wenn ihnen kein König vorsteht, allerdings langsam.

Es ist beunruhigend zu sehen, wie zäh diese Konditionierungen sind und zugleich, wie einschränkend. Allerdings wird man dergleichen nur in Westeuropa finden, was mit dem Urheber dieser Konditionierungen zusammenhängt, der katholischen Kirche. Ob es reine Experimentierfreude war, oder ob diese Konditionierungen eine wichtige Funktion in der mittelalterlichen Machtarchitektur spielten, mit dafür sorgten, daß Rom über den Thrönen der europäischen Könige sitzen konnte, kann ich zur Zeit noch nicht sagen, und so sehr interessiert mich dieses Thema auch nicht, nur im Falle der Juden ist es natürlich offensichtlich, daß ihre Konditionierung essentiell mit Roms Macht zusammenhing und Dank Hitler auch weiterhin -hängt, doch davon handelte ich ja zuvor schon ausführlich.

Post scriptum vom 25.2.2011. Ein bißchen wie bei Dornröschen gibt es für die Deutschen doch immerhin einen Ausweg aus ihrer Lage, wenn ihnen nämlich klar würde, daß es ihre eigene Aufgabe ist, das Amt der idealen Regierung anzunehmen, was allerdings konditionierungsgemäß nur zentralistisch geschehen könnte, also in Form eines direktdemokratischen Zentralstaats. Klein genug dafür ist Deutschland wohl, man sollte die Möglichkeit nicht leichtfertig vom Tisch wischen, vielleicht ist sie das Beste, was mittelfristig für Deutschland erreichbar ist.

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28. Januar 2011

Deutsche Kinderlieder

Ich gönne mir mal wieder ein Thema von eher persönlichem Interesse.

Musik transportiert Stimmungen und Stimmungen korrespondieren Haltungen.

Was ist es nur, was da in deutschen Kinderliedern anklingt?

Natürlich klingt nicht in jedem Lied das gleiche an, aber öfter tut es das als nicht, und die Frage geht auf eben diese Stimmung. Die formale Seite dieser Gemeinsamkeit ist die nach oben springende, nach unten gleitende Melodie mit nur maßvoll eingesetzter Gegenbewegung. Das verleiht den meisten Liedern etwas Seufzendes, welches indes nicht in Resignation mündet, sondern Teil eines Wogens zwischen Hoffen und sich Ergeben ist. Während die Verdichtung dieser Gefühle in Mozarts Requiem etwas Schwindelerregendes hat, all das Unausgesprochene, Ungetane zusammen auf einem Haufen mit allen phantastisch ausgeschmückten Jenseitserwartungen, erweckt die Schlichtheit der meisten Kinderlieder ein Gefühl von Einsamkeit.

Man ist auf einem Weg durch ein Zauberland, schön, aber unwahr, und hofft darauf, einst jemanden zu finden, welcher einem das wahre Leben aufschließt, welcher den Schleier von den Dingen nimmt und ihre Verbundenheit unter einander enthüllt.

So lange aber bleibt man außen vor, im Stillen hoffend, daß man eingelassen werde und seinen Platz finde, wobei für manchen dies gleich ins Jenseits führen mag, für andere ins Geschäft.

Ich erspare mir eine großartige Kritik dessen, ich erspare mir sogar einzelne Blüten vorzustellen, welche es treibt, und treiben muß, da sich eine Nation auf die eine oder andere Weise nationale Grundbedürfnisse erfüllen wird - Grundbedürfnisse freilich, welche einst zu anderem Zwecke gesäät wurden. Viel wichtiger ist, daß die eigentliche Befreiung, selbst zum Strom der selbst für gut befundenen Dinge zu werden, ganz anders abläuft, von innen und nicht von außen kommt und daß kein Mensch, wie besonders er auch wäre, diesen ganzen Strom zu inspirieren vermöchte. Die Liebe, auf einen Menschen gerichtet, tut, wessen dieser Mensch bedarf, das inspiriert er, nicht mehr. Auch das ist Glück, aber die Masse des Guten bleibt weiterhin hinter dem Damm eines gekränkten Willens gestaut. Zugleich ist dieses stille Hoffen aber immerhin ein erster Schritt hin zu einem Bewußtsein dessen, was wirkliches Glück bedeutet. Man müßte sich nur fragen, wie man weitergehen könnte, wenn man nicht irgendwann darin gefangen sein möchte.

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14. Januar 2011

Vom dritten Akt letzten Vertrauens

Es ist mir schon ein wenig peinlich, daß ich ausgerechnet diesen Akt im letzten Beitrag übersehen habe, da er der am einfachsten vollziehbare dieser drei ist. Die Rede ist von der Auslieferung an die Zukunft, an die Erfahrungen, welche noch zu machen sind. Es ist dies der kindliche Akt, und so ist auch die Mahnung wie Kinder zu sein zu verstehen, nicht männlich oder weiblich zu urteilen, sondern kindlich um Inspiration zu bitten.

In allen Teilen unseres Bewußtseins, Handhabung, Gemüt, Verstand und Vertrauen, können wir Ideen aufnehmen und austeilen. Ersteres läßt sich bewußt durch einen Akt des Vertrauens auf Anleitung fördern, letzteres durch einen Akt des Vertrauens auf ein positives oder negatives Urteil, unter anderem, alle Urteile auf diese Weise zu unterscheiden, ist wenig sinnvoll, es betrifft wie gesagt die allgemeinen. Und natürlich ist auch die hier besprochene Art der Anleitung allgemein. Ob eine spezielle Anleitung möglich ist, muß ich aus Unkenntnis offen lassen, ein Beispiel wäre durch die Fähigkeit, die Gedanken einer bestimmten Person lesen zu können, gegeben. Allerdings kann die allgemeine Offenheit auch dazu führen, daß eine speziell adressierte Idee aufgenommen wird, wobei ich aber gleich hinzufügen muß, daß mir ziemlich unklar ist, wie eine solche Adressierung überhaupt funktioniert, lediglich daß sich diese Art der Adressierung von der Adressierung des Allgemeinen unterscheidet ist mir hinreichend klar. Es wäre also auch gut möglich, daß schlicht an irgendeinen Menschen adressiert wird, beispielsweise, und es dann an der Offenheit der Adressaten und Gottes Vermittlungsvorlieben liegt, wer die Idee letztlich aufnimmt. Freilich, ich kenne auch Beispiele, wo sich feste Kanäle gebildet haben, möglicherweise auf der Grundlage einer körperlichen Ansprache, aber dann auch wieder nicht so klar umrissen, wie man meinen könnte.

Ich beschrieb die Inspiration zuvor durch den Begriff der Seinsheimat, welche ich als Manifestation des individuellen Willens betrachtet habe. Doch diese Sichtweise scheint mir, wenn ich das Wesen der Suche nach Inspiration recht bedenke, zu einseitig. Unbeirrt davon, daß insbesondere unser Gemüt Verbindungen zwischen Haltungen und Stimmungen herstellt, welche für uns schwer verständlich sind, und welche wir daher für äußere Eingebungen halten könnten, obwohl sie schlicht auf seinem Übersetzungstalent beruhen, ist doch nicht jede Stimmung so erzeugt, und selbst Haltungen ergeben sich nicht stets aus mühsamer deduktiver Arbeit, sondern fliegen einem manchmal zu oder steigen in einem auf, ohne daß sich erklären ließe, warum es gerade dann geschieht.

Unser Wesen ist, von mir so genannten, jenseitigen Einflüssen unterworfen, wobei ich mich natürlich nicht auf eine Totenwelt beziehe, sondern schlicht auf die andere Seite unserer Verbundenheit neben der durch die Welt. Oftmals denken Leute über das selbe nach, ohne daß sie sich vorher darauf geeinigt hätten oder jemandem kommt ein Lied in den Kopf, welches ein anderer zuvor in seinem hatte. Und es schon eine logisch ästhetische Notwendigkeit, daß, wenn wir mit einander speziell auf diese Weise verbunden sind, wir es dann auch mit dem allgemeinen sind, das heißt mit Gott durch den heiligen Geist, da es sich ja mit den aktiven Vertrauensakten ebenso verhält.

Freilich, jemand kann davon überzeugt sein, daß es das beste ist, sich auf das Schöne und Gute zu besinnen und doch nicht davon überzeugt sein, daß es der lebendige Gott ist, welcher ihn zu ihm führt. Und es ist ja auch sehr schwer darüber Gewißheit zu erlangen, wenn einem dabei nicht nebenbei Dinge offenbart würden, welche niemand wissen kann, was üblicherweise natürlich nicht geschieht.

Wenn hingegen auf andere Weise, also durch ein Wunder, daß geschieht, was niemand bewirken kann, erst einmal die Existenz einer zentralen Instanz bewiesen ist, dann wird die Leugnung einer zentralen Inspiration zu einer geradezu widersinnigen Übung.

Schopenhauer spekulierte in die Richtung, daß Männer öfter dazu beitrügen, daß geschieht, was niemand bewirken kann und Frauen öfter erführen, was niemand wissen kann, was nicht ganz meiner Charakterisierung entspricht, bei mir müßten es die Kinder sein, welche öfter wüßten, was niemand wissen kann. Meiner Erfahrung nach stimmt das aber auch, der Instinkt eines Kindes ist besser als der einer Frau.

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8. Januar 2011

Von den letzten Akten des Vertrauens

Es gibt vielerlei Vertrauensakte, und oft ist es gar nicht so leicht ersichtlich, in wiefern es sich überhaupt um solche handelt, beispielsweise bei der Jagd, aber nur zwei Vertrauensakte beziehen sich allgemein auf die Welt und nicht auf einzelne Aspekte derselben, wobei, um dort nicht Anlaß zu Verirrung zu geben, auch jene partiellen Akte über den Weg des Allgemeinen vermittelt werden.

Diese beiden Akte kann man getrost als männlich und weiblich bezeichnen, und das nicht nur, weil es sich bei ihnen um entsprechende Stereotypen handelt, sondern auch weil es einen direkten Bezug zur weiblichen und männlichen Sexualität gibt, wobei der Chiasmus beabsichtigt ist und dem Umstand entspringt, daß Sexualität zum jeweils Anderen hinüberführt.

Die beiden allgemeinen Vertrauensakte nun sind einmal, das Üble vernichten zu lassen, auch wenn man dabei selbst zu Schaden käme und das andere Mal, das Gute stärken zu lassen, ohne daß man dabei seinen weiteren Weg kennte noch beeinflussen könnte.

Offenbar finden diese Vertrauensakte auch beim Geschlechtsverkehr statt, allerdings eben mit vertauschten Rollen und in nicht allgemeiner Weise, und das ist in sofern relevant, als diese sexuelle Vertrautheit des weiblichen Aktes für den Mann, beispielsweise, ihn daran hindert, diesen Akt in allgemeiner Transzendenz zu vollziehen, er also, wenn er das versucht, mit einer Erektion zu rechnen hat und der damit einhergehenden psychischen Ablenkung.

Den männlichen Akt in allgemeiner Transzendenz zu vollziehen fällt Männern hingegen nicht übermäßig schwer, vorausgesetzt, daß sie das entsprechende Bewußtsein besitzen, welches natürlich die Voraussetzung bewußter Vertrauensakte ist. Allerdings reicht das erkennbar nicht aus, wozu das Üble vernichtet sehen, wenn das Gute nicht stärker wird?

Dabei ist es natürlich sowohl nötig, das Gute, wie auch das Üble, zuvor klar erkannt zu haben, und nur wer allgemein an der Welt ob dieser Einsicht verzweifelt, besitzt die Bereitschaft zu den beiden allgemeinen Vertrauensakten, wobei es natürlich auch sein kann, daß diese Bereitschaft auf einem Irrtum, einer vermeintlichen Einsicht also, beruht, was den Akt indes nicht unterbindet, wiewohl es ihn modifiziert, wobei kein Mensch wissen kann, nach welchen Gesetzen das geschieht.

Ich sprach schon des Öfteren aus, daß es eingedenk dieser Beeinflussungsmöglichkeit schwer fällt, allgemein an der Welt zu verzweifeln, doch das heißt natürlich nicht, daß mit der Einsicht der Möglichkeit die Möglichkeit sofort wieder dahinschwindet, die Verzweiflung ist lediglich das Tor, durch welches man eintritt. Allerdings ändert sich selbstverständlich vieles an der eigenen Ethik und damit auch der eigene Kurs.

Auch heißt es nicht, daß, wer nur davon gelesen hat, daß es eine solche Möglichkeit gebe, danach nicht mehr verzweifeln könne. Indes ist so viel wahr, daß, wenn nur eine Gemeinschaft Menschen so handelt, als ob es diese Möglichkeit gäbe, es dann bereits nicht mehr passieren wird, daß diese Gemeinschaft Anlaß zur Verzweiflung gibt und umgekehrt also gesellschaftlich verbreiteter materialistischer Atheismus die Grundvoraussetzung für diese Art der Beeinflussung ist.

Das ist, wenn man es bedenkt, leicht paradox, indes letztlich nicht weiter verwunderlich, da es sich hierbei auch nur um einen Regulationsmechanismus handelt. Wenn die Menschen glücklich sind, bleiben sie ungestört ihrem eigenen Wesen überlassen, aber wenn sie anfangen reihenweise psychisch zu erkranken, verkürzt der Herr ihre Tage.

Das ist natürlich ein durchgängiges Motiv in der Bibel, Katastrophe und paradisische Erneuerung. Es ist aber fraglich wie gut dieses Motiv ist, sicherlich sollte man den Leuten nicht einreden, daß es am besten wäre, wenn alles kaputt geht, weil nur dann wieder etwas heiles entstehen könne. Heute denken sicherlich schon zu viele so. Aber wenn man es transzendental betrachtet, so stimmt es natürlich (wenn man mal annimt, daß Frauen nicht bewußt transzendent tätig werden), zunächst wird ein Mann gewiß auf männliche Weise aktiv, bevor er es auf weibliche überhaupt kann. Jesus Christus wäre die Ausnahme, wenn man uns nicht seine männliche Akte vorenthalten hätte, wobei diese vielleicht durch das Zerreißen des Vorhangs angedeutet sind.

Aber das ist natürlich mit Bedacht so geschildert, denn gerade weil der weibliche Vertrauensakt für den Mann schwierig ist, gerade deswegen wird er zentral verherrlicht. Die Offenbarung hingegen schildert die Schatten, das Dunkel der Gottlosigkeit einerseits und der männlichen strafenden Akte andererseits. Wenn die Evangelien vom Paradies sprechen, dann die Offenbarung von der Hölle. Es wäre schön, wenn die Menschen das als Warnung verstehen würden, und nicht ernsthaft darauf hofften, daß, wenn dies nur erst alles über sie gekommen wäre, sie endlich Frieden und Erleuchtung fänden.

Letztlich liegt bereits im Johannesevangelium genug Weisheit vor ihnen ausgebreitet, um sich daraus eine paradiesische Welt zu bauen, aber dann ist es wohl auch wieder so, daß diese Weisheit wiederkehrender Konkretisierung bedarf, um sich mit der Zeit geistig entleerende Gesellschaften mit neuem Leben zu erfüllen.

Ich kann nur wiederholen, daß mir nichts an dramatischen Brüchen liegt, aber es muß andererseits auch klar sein, daß eine wellen- und schlagartige Begeisterung nur durch das Aufzehren angelegter Vorräte erreicht werden könnte und also eine schnelle Verbesserung nur durch einen Ressourcen freisetzenden Bruch erreichbar ist.

Freilich, es gibt gar nicht Wenige, welche bereits gewaltige Vorräte angelegt haben, nur verfolgen diese, ausnahmslos, mit ihnen den genau entgegengesetzten Zweck, nämlich sie gegebenenfalls einzusetzen, um entstehende Schockwellen zu stoppen. Und auch das ist ein guter Grund, warum man von schnellen Lösungen Abstand nehmen sollte. Derartig schlecht, daß die äußersten Strafen fällig würden, geht es uns noch nicht, jedenfalls nicht im körperlichen Leben, was die Verbreitung des atheistischen Materialismusses betrifft, das ist eine andere Geschichte. Nun gut, ich wende mich jedenfalls an diesem Punkt transzendental dem Konstruktiven zu.

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4. Januar 2011

Über die Sekundärität der beschriebenen Dysfunktionalitäten

Die gestern beschriebenen Störungen sind fast alle sekundär, was bedeutet, daß sich ihr isolierter Rückgang noch nicht einmal wünschen läßt.

Die einzige Ausnahme ist der erste Punkt, die Unausgewogenheit der Gesinnungen, allerdings, wenn sich da ein isolierter Rückgang auch prinzipiell wünschen läßt, so ist es doch ein starkes Stück, es auch zu tun, und für sich alleine wäre damit wenig gewonnen.

Geistlosigkeit ist die Folge einer Welt, in welcher sich jeder nur um seinen eigenen Kram zu kümmern braucht und Zynismus die Folge davon, es auch nur zu können.

Immanenz ist für Gemütsmenschen die Folge einer Welt, in welcher sie keine aufrechte Bewunderung erfahren und Minderwertigkeitskomplexe sind ganz allgemein ein Problem arrivierter Gesellschaften, da sie wenig Gelegenheit zur Persönlichkeitsentfaltung bieten, wobei das natürlich noch einen Entfaltungswunsch, und damit Transzendenz, voraussetzt. Wie ich schon sagte, die negativen Auswüchse dieser gegensätzlichen Störungen lassen sich wohl vermeiden, aber heil würden die Menschen, im jetzigen Lichte, dadurch auch nicht.

Die Welt, in welcher wir leben, ist wie sie ist. Und also zeitigt sie die ihr gemäßen Folgen. Spezialisierung und Individualisierung ließen sich womöglich aufbrechen, nur stellt sich da die Frage, warum man es tun sollte - allein der gesellschaftlichen Gesundheit wegen wird es kaum einer tun wollen. Bei der Immanenz sind einem hingegen gänzlich die Hände gebunden und bei den Minderwertigkeitskomplexen auch, jedenfalls bei den klügeren Zeitgenossen, den dümmeren könnte man eventuell durch geeigneten Betrug ihre Komplexe nehmen.

Die Welt wird sich den Menschen erst dann wieder öffnen, wenn ihnen ihre Möglichkeiten als ein großer, unerschlossener Raum erscheinen, auf dessen Erschließung sich ihre Sehnsüchte richten. Erst wenn sie spüren, daß ihnen heute etwas fehlt. Und erst wenn sie das höher schätzen als all die Dinge, welche ihnen heute zum Fraß vorgeworfen werden.

Vorher passiert nichts. Man könnte es auch so sagen, daß das christliche Bewußtsein in einem Punkt auszubauen ist, nämlich in der Freisetzung der menschlichen Potentiale (unter Befolgung sämtlicher Pflichten natürlich und als soziale Wesen.)

An und für sich könnte ein solcher Prozeß als Welle ablaufen, aber dabei würde man die heute existierenden Abhängigkeiten und Interessengegensätze ignorieren, also die doch sehr angespannte Lage, welche kaum irgendwo Freiräume zuläßt und damit auch keine freien Entscheidungen. Entsprechend wird eine Erneuerungsbewegung sich sehr einschränken müssen und also keine sonderliche Attraktivität entwickeln. Indes zeigt die Geschichte, daß dies kein Hinderungsgrund sein muß und sich eine solche Bewegung dennoch durchzusetzen vermag, wenn ihre Mitglieder nur ein klares Bewußtsein dessen haben, was sie durch ihre Mitgliedschaft für sich gewonnen haben, und dies kann ausdrücklich auch nichts weiter als eine neue Lebensauffassung sein.

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3. Januar 2011

Verbindung verschiedener Gedanken zu gesellschaftlicher Dysfunktionalität

Ich habe zuletzt, und auch schon vorher, verschiedene Theorien aufgestellt, worauf gesellschaftliche Mißstände zurückzuführen seien. Ich möchte diese Gedanken hier noch einmal rekapitulieren und dann sehen, ob sich ein geschlossenes Bild ergibt.
  1. Schuld ist eine unausgewogene Gesinnung, insbesondere bei zu vielen Gemütsmenschen.
  2. Schuld sind Minderwertigkeitskomplexe.
  3. Schuld ist Geistlosigkeit, ein mangelndes Interesse am Großen Ganzen.
  4. Schuld ist Asozialität, die mangelnde Begeisterung für ein gesellschaftliches Projekt.
  5. Schuld ist Immanenz, das Aufgehen in den Freuden der Welt.
Zweitens läßt sich als Spezialfall von Erstens betrachten, allerdings nicht als unbedingten, sondern durch Unvereinbarkeit mit Fünftens bedingten. Fünftens wiederum steht in keiner logischen Beziehung zu Erstens. Der Komplex Erstens, Zweitens und Fünftens bildet also bei Vorliegen von Erstens die beiden pathologischen Typen Neider und Narzist aus. Wenn sowohl Zweitens als auch Fünftens nicht vorliegen, scheint mir indessen Erstens alleine keinen großen Schaden anrichten zu können. Es ist allerdings fraglich, ob beide jemals zusammen ausbleiben. Steuert man dem Neid entgegen, wird sich Selbstgefälligkeit ausbreiten, und von ihr ist es nur ein kleiner Schritt zum Hochmut (Hochmut und Narzißmus treffen die Sache besser als Arroganz oder Überheblichkeit, gemeint ist aber ein aggressiver Narzißmus, welcher bedeutungsgleich zu Hochmut ist.) Freilich, wenn man zurück in die Geschichte solcher Gesellschaften blickt, so scheint eine rigide Regelung des alltäglichen Lebens das Potential zu besitzen, beide Phänomene zugleich unterdrücken zu können, nur stellt sich da auch die Frage nach der Wünschenswertheit. Liegt hingegen Erstens im Sinne einer Übergewichtung der Gemütsmenschen nicht vor, sondern ein anderes Ungleichgewicht, so werden sich daraus gewiß auch Dysfunktionalitäten ergeben, nur nicht solche, welche einem in modernen Gesellschaften begegnen, weswegen ich mir diese Fälle an dieser Stelle ersparen werde. Allenfalls Fünftens bei Idealgewichtung verdiente vielleicht noch eine Betrachtung, aber die Immanenz der Verstandesmenschen ist ausgesprochen langweilig und die der Handhabungsmenschen auch.

Kommen wir also zu Drittens und Viertens. Offensichtlich handelt es sich bei ihnen um zwei Facetten des selben Problems, bei Drittens um eine intellektuelle Störung der Sozialität und bei Viertens um eine willentliche. Diese Störungen sind indes beide unabhängig von der jeweiligen Ausprägung eines Menschen, jedenfalls weitestgehend, ein Verstandesmensch kann nicht intellektuell gestört sein, sonst sind indessen alle Störungen möglich. Insbesondere verfolgen Menschen sämtlicher intellektueller und willentlicher Ausprägungen gesellschaftliche Projekte, von denen ich auch schon an früherer Stelle gehandelt habe, das heißt, wenn sie gesund sind. Die beiden Typen Gestörter hingegen sind Zombie und Zyniker, wobei ich es dahingestellt sein lassen möchte, ob es auch zynische Zombies gibt (aus irgendwelchen Gründen fällt mir dazu Dilbert ein.)

Gänzlich unkorreliert werden Neider und Narzisten gegenüber entweder Zombies oder Zynikern nicht sein, wohl mit Präferenz für neidische Zombies und hochmütige Zyniker, aber zunächst einmal liegen diesen Phänomenen mit einander nicht verbundene Stöungen zu Grunde (Cartman aus South Park mag als Musterbeispiel für einen hochmütigen Zombie herhalten, neidische Zyniker sollten leichter zu finden sein.)

Damit möchte ich diese Betrachtung abschließen. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, daß diese Störungen in Comics verarbeitet werden, und dieser Umstand gibt mir auch einige Zuversicht, das Thema einigermaßen zielgerichtet und umfassend analysiert zu haben.

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29. Dezember 2010

Zum Volksbewußtsein

Ich schreibe Volksbewußtsein statt sozialem Bewußtsein, weil letzteres doch immer als Feigenblatt gebraucht wird, um den Mangel an ihm selbst zu verdecken.

Es genügt nicht dies und das zu tun, es geht darum, das Schicksal der eigenen Lebensgemeinschaft zu gestalten, wobei ich mit Lebensgemeinschaft die Gesellschaft meine, als deren Teil man lebt.

Diese ist eine Gesellschaft, kein Orden, und das ist auch notwendig so, da die entsprechende Homogenität nur durch stets wiederholte Selektion erreicht werden könnte. Und auch wenn es auf dem Papier eine einfache Sache ist zu fordern, daß sich die Menschen unterschiedlichen Orden anschließen möchten und die Orden unter einander auf das Gemeinwohl bedachte Regeln einhalten, so wird dies realistisch doch nur dann geschehen können, wenn die Mitglieder der betroffenen Gesellschaft es, wie Kant es sagt, als ihre sittliche Pflicht ansehen, das ihre zu tun, um das gesellschaftliche Leben so vorteilhaft wie möglich zu gestalten oder, wie ich es nennen möchte, ein Volksbewußtsein besitzen.

Es ist aber nicht selbstverständlich, daß ein Mensch denkt, daß er eine sittliche Pflicht hat oder ein Volksbewußtsein besitzt. Und gerade Bürger haben normalerweise kein Volksbewußtsein, was daran liegt, daß das Volk für sie ein Wirt ist, von dem sie leben müssen. Nun ist Bürger natürlich keine ökonomische Kategorie, aber man irrte schwer, wenn man dächte, daß Bürger und Bauer, beispielsweise, stochastisch unabhängig von einander wären. Und also gilt von bürgerlichen Regierungen, daß sie weder selbst einer sittlichen Verpflichtung folgen, noch das Volksbewußtsein der Bevölkerung stärken.

Bürger bilden Oligarchien aus und Oligarchien ein Stammesrecht, welches auf die Interessen der stärksten Stämme zugeschnitten ist. Heute sind die Gruppen, welche die stärksten Fraktionen der bestehenden Oligarchie bilden, noch keine Stämme im biologischen Sinn, aber das käme schon noch, wenn der Prozeß nur lange genug anhielte.

Dieser Prozeß ist aber der Untergang all jener Menschen, welche von Natur aus sittliche Pflicht empfinden oder anders ausgedrückt es vorziehen, sich als Volk zu organisieren denn als Stamm.

Es stellt sich also die Frage, wodurch sich die Zersetzung des Volksbewußtseins verhindern läßt. Mit Blick auf Deutschland bin ich geneigt zu sagen, daß der uniformen Verblödung offenbar viel zugetraut wird, aber da ich es nicht tue, wende ich mich lieber der grundlegenden Situation zu, ohne viel zu tricksen.

Warum sollte jemand die sittliche Pflicht akzeptieren?

Nun, entweder, weil er sie selbst verspürt oder weil er einen äußeren Anreiz dazu hat.

Der äußere Anreiz wiederum ist entweder positiv oder negativ, entweder wird jemand gezwungen oder gekauft. Zwang bedeutet in diesem Zusammenhang eine autoritäre Staatsform, aber von welchen Preisen reden wir hier?

Es kann kein materieller Preis sein, denn die entsprechende Machtfülle, um ihn zu bezahlen, könnte sich die Elite der sittliche Pflicht Verspürenden nur durch Zwang sichern, womit die ganze Übung hinfällig wäre.

Was bleibt ist die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, die Erweisung von Achtung und Aufmerksamkeit, je nachdem, ob es sich um jemanden des eigenen Geschlechts handelte oder nicht, bzw., bei Fehlverhalten, der Entzug derselben.

Ob letztere Mittel überhaupt genügen können, ein Volksbewußtsein zu bewahren, hängt natürlich auch von der wirtschaftlichen Situation ab, genauer gesagt davon, wie viele Menschen selbständig sind.

Ich bin mir indes sicher, daß jedes Volk, welches weder durch eiserne Hand geeint wird, noch frei genug ist, daß die Scham den Edlen gegenüber die weniger Edlen, indes nicht Schamlosen!, in die Schranken weist, was auf Seiten der Edlen auch echte Anteilnahme an ihnen voraussetzt, vergehen wird und in ihm alle Menschen, welche ein Volksbewußtsein besitzen.

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16. Dezember 2010

Sexiness and sexual liberation

Keine Bange, ich schreibe wie immer auf deutsch, aber ich wollte keine Sprachpanscherei im Titel und Sexiness ist nun einmal mit definierender Bestandteil der anglo-amerikanischen Kultur.

Meine Sicht auf dieses Thema ist weder wirklich neu, insbesondere Feministinnen sehen es nicht selten ähnlich, noch wirklich Konsens, da es mir fern liegt, alles einzuschließen, was irgendjemand gerne eingeschlossen sähe.

Andererseits möchte ich den Schwerpunkt hier nicht auf Gesellschaftspolitik legen, sondern auf Psychologie.

Der Mann, wenigstens, was weiß ich von Frauen?, beginnt sein sexuelles Leben in einem Zustand der Wut, so könnte man es jedenfalls nennen, welche üblicherweise auch noch über den Zeitpunkt hinaus andauert, an welchem er aufgrund seiner schließlich abgeschlossenen körperlichen und seelischen Entwicklung aufhört einen Grund zu haben, wütend zu sein.

Diese Wut ist also subjektiv etwas anderes als das, was sie objektiv ist, nämlich die Klage darüber, sich bereits gut ein Jahrzehnt bevor er dazu schließlich in der Lage ist paaren zu wollen. Bei Tieren sieht man die selbe Wut, indes leiden Tiere wohl nicht unter ihrem Nachklingen.

Ersparen wir uns also weitere vergleichende biologische Betrachtungen und forschen dem nach, was im Herzen eines Mannes vor sich hin kocht und sich zu Zeiten auch dann noch gewaltsam entlädt, wenn er bereits saturiert sein sollte.

Es ist nicht ganz leicht, es zu beschreiben. Am ehesten kommt man wohl auf Neid, und Neid begleitet es oft, aber nicht immer. Als nächstes erwöge man vielleicht einen ernsthaften Haß auf die Weiber, weil sie einen aufziehen. Nur, das kann es ja auch nicht sein, wenn man es recht bedenkt. Dieses allgemein weibliche Aufziehen ist dabei größtenteils eine Erscheinung der Art, nicht des Individuums, dient also in den wenigsten Fällen dem Interesse der aufziehenden Frau, sondern vielmehr der Steigerung der Aggressivität des männlichen Nachwuchses. Haß allerdings, um nicht länger dieses und jenes zu verwerfen, ist es schon, nur nicht Haß auf Frauen, sondern Haß auf die eigene Animalität.

Ein Tier kann das natürlich nicht hassen (streng genommen kann ein Tier natürlich gar nichts hassen), für den Menschen bleibt seine Animalität aber auch dann noch ein Problem, wenn er seinen biologischen Pflichten nachkommen kann, denn ein Mensch steht da vor der Frage, was er in diesem Moment eigentlich ist, wobei er sich bis dahin bereits daran gewöhnt hat, sich von seiner Geschlechtlichkeit zu distanzieren, diese Distanzierung ihn aber in ihrer Totalität daran hindert, mit sich ins Reine zu kommen.

Ein Mann, welcher klar versteht, daß er beim Sex nicht Tier sein will, das allenfalls bei großer geistiger Verwandtschaft mit einer Frau im Spaß erwägt, sondern seinen Schwanz dahin lenkt, wohin es ihm im völligen Einklang mit seiner ganzen Persönlichkeit richtig erscheint, ist sexuell befreit und nur der.

Sexiness ist hingegen die gezielte Präsentation des Tierischen (so definiere ich sie) und vergiftet das allgemeine Bewußtsein, dergestalt sie die sexuelle Befreiung nach Kräften hindert. Für Frauen ist es wohl nur wieder Teil des Aufziehens, andererseits sollte es einem zu denken geben, daß die anglo-amerikanische Kultur die erste und einzige der Menschheitsgeschichte ist, welche diesen Bereich für das vorbewußte Spiel der Weiber freigibt.

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11. Dezember 2010

Warten auf die nächste Depression

Es scheint, als ob sich mein Gemüt von meinem Verstand entkoppelt hätte, jedenfalls nun schon seit ein paar Tagen. Zum ersten Mal in meinem Leben empfinde ich die Gegenwart nicht als einen stumpfen, zerreibenden Ort, sondern spüre so etwas wie einen süßen Frieden.

Ein etwas ambivalentes Zeichen, vielleicht die Ruhe vor dem Sturm oder das Hochgefühl nach langer Krankheit, bevor man ihr schließlich erliegt, aber vielleicht auch der endgültige Vollzug einer lange ausgestanden habenden Entscheidung. Die Frage ist nur, zu was ich mich entschieden hätte.

Wenigstens sind mir die beiden Alternativen nun intellektuell klar geworden, mein Glück zu versuchen mit dem, was ist oder, was ich alleine tun kann, abzuschließen. So formuliert scheint das Zweite wenig verlockend, aber gerade durch den Abschluß des eigenen Wollens wird es Allgemeingut und dadurch zur geteilten Voraussetzung all dessen, was man vom eigenen Wollen abgerissen hat. Tut man es nicht, bleibt, wie ein Taufspruch sagt, das Samenkorn alleine.

Es ist natürlich ein schlechter Taufspruch, zur Beerdigung wird er auch benutzt - ich frage mich, ob die Pastoren wissen, was sie da tun?, nicht, daß jemand denke, die Anmaßung läge auf meiner Seite, man mache sich es klar, sie sprechen Jesu Worte zur Begründung seines Kreuzestodes zur Beerdigung einer alten Frau, und das heißt nicht, daß sie ein guter Christ gewesen wäre sondern, daß sie wie Christus den heiligen Geist durch ihren Tod über die Welt gebracht hätte.

Intellektuell ist es also ziemlich klar, was ich tun sollte, aber ob mein Gemüt damit einhergeht? Aus unerfindlichen Gründen scheine ich zur Zeit zu glauben, daß schon alles gut gehen wird, was freilich auch zweideutig ist.

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29. November 2010

Et voilà, ein paar Worte zur Diplomatie der USA

Sie erinnern sich vielleicht, ich hatte vor ein paar Jahren lapidar angemerkt, daß es leichter sei, sich anzulehnen als auf eigenen Beinen zu stehen, und daß darum in einem Umfeld, in welchem Anlehnung möglich ist, ein systematischer Schwund selbständiger Kräfte zu beobachten sein würde.

Das ist natürlich auch so, und um sich dessen zu vergewissern, braucht man keine Auslandserfahrungen, Schulbesuch reicht dafür in der Regel vollkommen aus. Aber weil der SPIEGEL angesichts der jüngsten WikiLeaks Enthüllungen auf diesen Gedanken gestoßen wurde und also subsumiert Vor allem die Nahost-Depeschen enthüllen die Schwäche der Supermacht, wobei natürlich nur der Geier weiß, warum dieses Phänomen vor allem im Nahen Osten zu finden sei, möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um an ihr das Wesen einer Hegemonie im allgemeinen und der US-Hegemonie im besonderen zu veranschaulichen.

Interessanterweise führt so eine Hegemonie, soweit es die Regierungsstrukturen betrifft, zu einem einer Tyrannei entgegengesetztem Zustand, also daß anstatt daß jeder jeden fürchtet, niemand niemanden fürchtet, was freilich die Relevanz der Regierungsstrukturen unterhöhlt, wobei die Erkenntnis der wahren Verhältnisse sich natürlich zunächst wieder einmal durchsetzen muß.

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