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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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3. März 2017

Ist das Sport?

Ich kann 10 Stunden lang spazieren gehen, gemütlich.

Ja, ich kann sogar einen Monat lang ununterbrochen... atmen.

Und auch das menschliche Herz schlägt und schlägt und schlägt.

Nun ist es für mich nichts neues, daß ich auch einfach regungslos, bis auf das Atmen, natürlich, und den Herzschlag, auf dem Wasser treiben kann, selbst wenn es warmes Süßwasser ist. Und wie sich nun herausgestellt hat, erlaubt mir diese Fähigkeit zusätzlich, mich ohne merklichen Kraftaufwand auf dem Rücken liegend auf dem Wasser fortzubewegen, gemütlich, 1 Meter alle 2 Sekunden zurücklegend - oder 900 Meter in einer halben Stunde.

Ich habe heute 1,4 km auf diese Weise zurückgelegt, ohne die geringste körperliche Müdigkeit dabei empfunden zu haben, wiewohl ich fast eingeschlafen wäre. Als ich aus dem Becken kam, hatte ich allerdings zunächst Koordinations- und Gleichgewichtsprobleme, welche sich indes schnell legten. Anschließend tauchte ich wieder meine üblichen 50 Meter. Aber hätte ich mehr Zeit gehabt... warum sollte ich nicht auch 10 Stunden lang so schwimmen können?

Nur ist das Sport?

Beim Spazieren kann ich Selbstgespräche führen, beim Autofahren auch, aber das ist nicht ganz dasselbe, beim Fahrrad Fahren schon nicht mehr und beim Schwimmen auch nicht. Dafür macht mich das Schwimmen schläfrig: Das sanft vorbeiziehende Wasser, die herrliche Schwere, mit welcher Kopf und Körper im Wasser liegen - ich muß schon wieder gähnen - zwei-, dreimal wäre ich wirklich beinah eingenickt.

Na, sehen wir mal, ob ich morgen nicht doch Muskelkater habe, doch glauben tue ich es nicht: Die Sache ist keine Herausforderung... eher eine Art Meditation.

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Zur Entfaltung der Achtung

Zum rechten Wuchs eines Menschen gehört die Entfaltung aller seiner Seelenteile.

Die Achtung. Während das Wesen der Lust die Bewältigung ist, ist das Wesen der Achtung die Koordination: Werte werden formuliert und Rollen zu ihrer Durchsetzung entworfen und zugeteilt.

Wie auch bei der Lust vollzieht sich die Entwicklung der Achtung in drei Phasen.

In der ersten Phase machen sich Kinder die Haltung ihrer Eltern zu eigen, das heißt, sie studieren, welche Prinzipien ihre Eltern verteidigen und beginnen damit, sie ebenfalls zu verteidigen, wenngleich oftmals nur in Gesten.

In der zweiten Phase schließen sich Kinder zu Gruppen zusammen, in welchen sie Erfahrungen damit sammeln, die Werte der Gruppe in einer zugeteilten Rolle durchzusetzen und abhängig von ihrem Erfolg zum Kern der Gruppe, der Auslegung dieser Werte, hin aufzusteigen, oder zu ihrer Peripherie, der Erfüllung zunehmend unangenehmer Dienste, hin abzusteigen.

Mädchen leben dies ein Reinform aus, das heißt, daß über ihren Erfolg einzig ihre Identifikation mit den Werten der Gruppe entscheidet, der Grad, in welchem ihre Haltung ihnen entspricht, so daß das schönste Mädchen im Kern der Gruppe steht, und um es herum sich zunehmend derbere Formen der Schmeichelei staffeln.

Bei Jungen kommt hingegen noch die Fähigkeit hinzu, die Leistungen, welche zu den Werten der Gruppe dazugehören, auch tatsächlich zu vollbringen, so daß ihre Hierarchie sowohl die Vorbildlichkeit ihrer Haltung als auch ihre Talente widerspiegelt.

Im Gegensatz zur Lust, wo Kongenialität die Voraussetzung zur Bildung der Gruppe ist, lassen sich Jungengruppen unter äußerem Druck bilden*, etwa in Form von Sportmannschaften, wo es der Spielmacher ist, welcher den Kern der Gruppe bildet - aber dazu muß es selbstverständlich einen Spielmacher geben und idealerweise auch noch von ihm mit Unteraufgaben Betraute, denn also entwickelte sich die Achtung am besten, wobei es allerdings wichtig ist, daß über Auf- und Abstieg nie nur die reine Leistung entscheidet, sondern stets auch das Ansehen innerhalb der Gruppe, mit anderen Worten den Jugen also die Möglichkeit gegeben werden muß, selbst über ihre Hierarchie zu entscheiden, was bei Sportmannschaften freilich meistens nicht der Fall ist. Nichtsdestotrotz, es ist auf ein Gruppenbewußtsein, welches sich mit der Organisation der eigenen Gruppe befaßt, hinzuarbeiten, am einfachsten wohl dadurch, daß den Jungen eingeschärft wird, daß es ihre Mannschaft ist und sie selbst für ihre Strategie verantwortlich sind. Letztere einem Trainer zu überlassen, beschädigte die Achtung unter den Jungen nur.

In der dritten Phase schließlich schließen sich Jugendliche gesellschaftlich etablierten Gruppen nach Maßgabe der von ihnen kultivierten Werte an. (Ein Fall, in welchem die Doppeldeutigkeit des Satzes nichts an seiner Aussage ändert.)

Nachdem die Achtung voll entwickelt ist, erweist sie sich fortan an der ordnenden Verbindung der Gesellschaft, und es ist ihr also ein hinreichend variables Umfeld zu schaffen, in welchem sie ihre Dynamik zur Entfaltung bringen kann, wobei indes sowohl die Leistungsfähigkeit, als auch die Ethik des Systems zu garantieren ist.

* Ist der Druck nur groß genug, lassen sich wahrscheinlich auch Freundeskreise unter äußerem Druck bilden, etwa wenn ein Kind, welches nicht stocksteif daherschreitet, von jedem passierenden Erwachsenen zusammengeschissen wird, aber der Preis für die so erzwungene Gruppenbildung ist wohl zu hoch.

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2. März 2017

Zur Entfaltung der Lust

Zum rechten Wuchs eines Menschen gehört die Entfaltung aller seiner Seelenteile.

Die Lust. Damit sich die Lust eines Menschen entwickeln kann, muß ihm der Raum gegeben werden, welchen er braucht, um zu erfahren, was er zu vollbringen vermag, aber er braucht auch einen Anreiz dazu.

Idealerweise berührt dieser Anreiz dabei nur die Sphäre der Lust und nicht die der Achtung und Sorge, denn die Achtung beschneidet die Lust durch Einfügung und die Sorge erschöpft sie durch Verwertung.

Es ist also gut, wenn das Spiel, in welchem sich die Lust entfaltet, scheinbar sinnlos ist und auch keine Regeln besitzt, aus welchen sich eine beste Strategie ableiten ließe, das heißt, wenn es im kongenialen Erproben des Möglichen im Freundeskreis besteht.

In der ersten Entwicklungsphase versuchen sich Kinder dabei daran, gemeinsam Erwachsenen zu trotzen.

In der zweiten Entwicklungsphase versuchen sich Jugendliche dabei daran, gemeinsam Techniken der Erwachsenen zu beherrschen.

Und in der dritten Entwicklungsphase der Lust versuchen sich Mann und Frau daran, gemeinsam eine Familie zu gründen.

Ich habe die erste Entwicklungsphase komplett verschlafen, die anderen beiden hingegen zum Glück nicht. Wesentlich ist natürlich, daß sich in jeder Phase wenigstens ein Freund finden läßt, mit welchem zusammen sie durchlaufen werden kann.

Nachdem die Lust voll entwickelt ist, erweist sie sich fortan im Wettkampf, und es sind ihr also Gelegenheiten zu schaffen, mit der Welt zu ringen, welche sowohl das Schicksal der Lust, als auch das Schicksal der Welt im Auge haben, das heißt, welche sicherstellen, daß die Lust der Welt gewachsen ist, ohne daß der Lauf der Welt von der Lust bestimmt wird.

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1. März 2017

Es ist, als ob die Menschheit landet.

Es ist, als ob die Menschheit landet.
 
Indem das Internet die Vertriebsstrukturen einebnet,
verliert die Parteizugehörigkeit ihren Reiz
und tritt hinter die Vorzeigbarkeit zurück.

Und indem es die Kundschaft ausweitet
und die Stammkunden an Gewicht verlieren,
richtet sich die Hoffnung nicht mehr auf den Fang Einzelner,
sondern auf die Auffüllung der ausgeworfenen Netze.

Die Menschen werden so zu Taktikern,
Optimierern ihrer Netzpräsenz,
und auf die Leere ihres Lebens geeicht.

Die Leere wird zum Normalfall,
alle Begeisterung entweicht,
das Tier hat seine Ruhe,
und auch der Anspruchsloseste erscheint reserviert.

Doch zu welchem Ende?
Die Einen werden den Kopf in den Sand stecken
und die andern sich umseh'n.

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27. Februar 2017

Funktionale transzendente Akte beruhen auf Vereinbarungen, welche über Ahnungen realisiert werden - also über scheinbar grundlose Einschätzungen im Rahmen echter Spontanität.

Panik beruht auf der Aussetzung der Fähigkeit, die eigene Lage zu überblicken, also dem fortgesetzten Wirken einer feststehenden Mahnung, worin sich aber eine immanente Beeinflussung zeigt, im Gegensatz zu den ansonsten ähnlichen spirituellen Warnungen (man möge sich durch den abweichenden Gebrauch der Begriffe Ahnungen und Mahnungen in diesem Beitrag nicht verwirren lassen: Sie sind beide Mahnungen im üblichen Sinne, indem sie die eigene Lage außerzeitlich erfassen. Das besondere bei den spirituell warnenden Ahnungen ist hingegen, daß sie die noch nicht eingetretene Zukunft auf diese Weise betrachten), welche indes den Gewarnten nicht treiben, sondern ihn fesseln.

Angesichts meiner jüngsten Erlebnisse möchte ich zu den spirituellen Warnungen der Ahnung folgendes ergänzen: Nicht immer ahnen wir eine Vergeblichkeit, von welcher wir dann abstehen, manches Mal ahnen wir auch ein Verhängnis, welchem wir uns dann stellen. In jedem Falle schränken spirituelle Warnungen aber unsere Freiheit ein.

Der Gegensatz zwischen Panik und spirituellen Warnungen scheint mir interessant. Er ähnelt dem im vorigen Beitrag beschriebenen Gegensatz zwischen der gewöhnlichen Verzweiflung und dem, was ich darunter verstehe, was zur ersten Hälfte natürlich nicht weiter verwunderlich ist, da jene Verzweiflung eine Abart der Panik ist.

Das Englische hat übrigens den schönsten Begriff für diese Art Verzweiflung: anxiety und davon anxious, auch in der Bedeutung von brennend erwarten - im Gegensatz zur gänzlich anders gelagerten Angst oder Furcht: fear. Angst und Furcht im Deutschen bezeichnen hingegen mehr oder weniger dasselbe, wiewohl sie die gewöhnliche Verzweiflung begleiten, aber eben nur einen Aspekt ihrer bilden. Umgekehrt begleitet die gewöhnliche Verzweiflung Angst oder Furcht nicht unbedingt, und zwar dann nicht, wenn es statt ihrer die Vorsicht tut. Vorsicht ist hingegen nicht die einzige Weise, sich der Angst zu stellen. Eine weit sicherere besteht darin, sich mit dem Verlust dessen, auf wessen Erhalt die Angst zielt, abzufinden: MORITVRITESALVTANT, oder auch: You can't kill them. They are already dead, um mich einmal auf die Miami Vice-Folge Nobody Lives Forever zu beziehen. Ein Wutausbruch bewirkt übrigens, praktisch gesehen, genau dasselbe. Ein Beispiel erstaunlicher Aufrechterhaltungsfähigkeit der Vorsicht anstelle des Verfallens in Verzweiflung ist hingegen in der Folge The Maze gegeben. Doch damit genug des Miami Vice-Bezugs.

Also zurück zum nämlichen Gegensatz. Der gewöhnliche Geist stört sich an einer ungewohnten Lage, daran, daß seine Strategien nicht greifen. Aber es gibt eine tiefer liegende Störung, nämlich die Störung des Einflusses unserer Ideale auf unsere Entscheidungen, oder genauer gesagt eine Abweichung unseres Verhaltens von unserem Glauben, das ist eine Abweichung von dem, von welchem wir erwarten, daß es Gottes Segen hat, was natürlich eine indirekte Erwartung über den Umweg dessen, von welchem wir erwarten, daß es verflucht ist, darstellt, welche selbst sehr konkret und unmittelbar ist.

Die Störung, welche eine Abweichung unseres Verhaltens von unserem Glauben bewirkt, liegt entweder in der mangelnden Berücksichtigung unseres Glaubens, was wir als spirituelle Warnungen wahrnehmen, oder aber in einer Widersprüchlichkeit unseres Glaubens selbst, was zu der von mir gemeinten Verzweiflung führt.

Der gewöhnliche Geist entspricht der Wirkung der Achtung, sowohl im Menschen als auch in Tieren, es ist der Ansätze formulierende Verstand. Der andere Geist ist das Wirken der Sorge, welches so nur im Menschen Statt hat, es ist die Ziele setzende Vernunft. Und Verzweiflung in meinem Sinne ist ein Liebeskonflikt, wie er etwa in der Star Trek-Folge Requiem For Methuselah dargestellt wird, nur daß an seinem Ende nicht unbedingt der Tod, sondern auch etwas anderes stehen kann, etwa unter anderem ein Erdbeben: Man bedenke die Unwahrscheinlichkeit, daß eine feindliche Streitmacht von einem Tsunami vernichtet wird, und doch hat es sich zugetragen: 479 vor Christus in Potidaea. Ich weiß freilich, daß dies nicht das einzige Ereignis dieser Art war, aber dieses Wissen läßt sich nicht vermitteln, allenfalls könnte ich zur Nachahmung aufrufen, aber das tue ich aus verständlichen Gründen nicht. Alles, was ich in dieser Angelegenheit sagen kann, ist, daß es auch nicht sonderlich wahrscheinlich ist, daß zwei stärker als 8 auf der nach oben offenen Richterskala seiende Erdbeben auf den zweiten Weihnachtstag und den folgenden zweiten Ostertag fallen, das sind 2004 Indian Ocean earthquake and tsunami und 2005 Nias–Simeulue earthquake.

Das ist das Gewicht des Widerspruchs, von welchem wir in meinem Fall sprechen müssen, dem Widerspruch zwischen der Gesetzmäßigkeit der Welt und dem Wert menschlichen Lebens:
Bricht die Gesetzmäßigkeit der Welt,
mögen viele umkommen,
doch bricht der Wert menschlichen Lebens,
werden es alle.
Ich sollte mir das selbst ins Gedächtnis rufen. Die Deisten sind eh verflucht, aber wer bereit ist, an einen lebendigen, in das Weltgeschehen eingreifenden Gott zu glauben, der tue es.

Am Ende des Films QVO VADIS steht dieser blasphemische Ausspruch, daß der Konstanz des Staates die Konstanz der Religion unterzuordnen sei: In keinem Fall ist es so. Es läßt sich einfach nicht bewerkstelligen, daß ein Staat konstant sei, gleich was man einer Religion zu diesem Zwecke anzutun bereit ist.

Wir sehen also das Tier auf der Suche nach Ansätzen und sich über diese Ansätze transzendent verständigend und den Menschen auf der Suche nach Zielen und sich über diese transzendent verständigend, wenngleich diese Art der Verständigung weit schwerer zu erfassen ist, vergleiche dazu auch den eingangs referenzierten Beitrag zu den transzendenten Akten.

Beiden gemeinsam ist der Fluß ihres Daseins, die approximative Natur ihrer Existenz, von welcher der Mensch indes einen Begriff hat, indem er das Bewußtsein der weltschaffenden Kraft in sich trägt, und zwar auf solche Weise, daß gilt, wie Johannes schreibt:
Ist Gott verklärt in ihm, so wird ihn auch Gott verklären in sich selbst und wird ihn bald verklären.
Mit anderen Worten:
Ist etwas als göttlich im Menschen erkannt, wird es auch wirklich in der Welt werden.
Und um den Reigen der letzten Beiträge hiermit gebührlich abzuschließen: Es gibt keinen Weg, auf welchem das Tier in mir Frieden fände, ohne den Frieden des Menschen dabei zu gefährden, da die dazu nötigen Vereinbarungen in keiner Weise meinem Glauben Rechnung trügen, oder, um es anders zu sagen:
Auf dem sinkenden Schiff ist die menschliche Not selbst dem Glück des Tieres vorzuziehen.
Daß der Kapitän mit dem Schiff zusammen untergehen sollte, besitzt eine metaphysische Komponente, ja, ich bin fast geneigt zu sagen, daß der hauptsächliche Zweck dieser Vorschrift darin besteht, den Menschen daran zu erinnern, daß es seine Welt ist, von welcher es keine Abkehr geben kann, ein metaphysisches Gesetz, zu dessen Darstellung Kapitäne geopfert würden, wenn sie denn geopfert würden, und es sich nicht nur um einen Mythos handelte.

Denn es ist unsere Welt, und es hängt von unserer Entscheidung für das Heiligere ab, daß das Heiligere gerettet wird. Frauen und Kinder wiederum als bloße Sinnbilder, wiewohl die für sie getragene Sorge tatsächlich heilig ist. Wer immer diese Vorschrift aufgestellt hat, ihm ging es um die Manifestation der vollen Verantwortung des Menschen im Kapitän, daß ein Kapitän ungeteilt Priester und König sei. Die Lizenz zur Heiratsschließung tut ihr übriges. Es ist interessant, in sofern am Kapitän etwas offen zu Tage liegt, was die Kirche sonst als Mysterium hütet.

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26. Februar 2017

Hopp, hopp, hopp im Schweinsgalopp

Wenn ein Mensch mehr als nötig tut, so schätzt er entweder den Aufwand zu hoch ein, das nennt man Angst, oder er hat ein unmittelbares Bedürfnis nach Tätigkeit.

Nun ist die Prämisse allerdings nicht ganz eindeutig definiert. Ist es nötig, Erfüllung in einer Aktivität zu finden? Ich meine, wenn sie einem am Herzen liegt, ja, und letzteres bedeutet, wenn es einen betrüben würde, sich ihr weniger zu widmen.

Doch so hoch müssen wir gar nicht greifen, es sind uns noch weitere Maßstäbe in unseren Herzen vorgesetzt worden, nicht nur, worin wir Liebe und Frieden finden, sondern auch, wen wir beeindrucken wollen, weil wir alle auf ihn bezüglichen Möglichkeiten schätzen und also in jäher Kühnheit entflammen, sowie, was uns ganz einfach dazu reizt, es zu schaffen.

Nötig bedeutet also, dem eigenen Gericht über sich standzuhalten, wie ich es im Beitrag Die richtende Vierteilung des Denkens beschrieben habe.

Aber wenn das nicht das Maß der eigenen Mühen bestimmt, und auch nicht übertriebene Angst angesichts der Aufgabe, was bleibt dann noch übrig außer zwanghafter Unruhe, also Raserei?

Raserei ist ein Phänomen der annehmenden Achtung, welche keinen sicheren Grund hat, und verschiedene Strategien unter verschiedenen Prämissen entwirft, was dazu führt, daß die Achtung im Wechsel der Prämissen mit zunehmender Vehemenz und Verzweiflung mal in diese und mal in jene Richtung drängt, ohne es sich jemals zu gestatten, die fragliche Richtung tatsächlich einzuschlagen, siehe dazu auch meine Deutung des Ehrgeizes im Beitrag Die Weltenlieferanten der drei Seelenteile.

Diese geistige Raserei wird bei Untätigkeit immer stärker, so daß sich schließlich ein unstillbares Bedürfnis nach Erschöpfung einstellt, und dieses führt dann auch zu körperlicher Raserei.

Bevor ich mich nun der Frage zuwende, wie Menschen also dazu gebracht werden können, mehr als nötig zu arbeiten, möchte ich kurz bei der Verzeiflung verweilen. Das deutsche Wort meint offensichtlich genau die hier beschriebene Situation, aber ich meine für gewöhnlich den Fall, daß eine weltliche Gewißheit einer persönlichen Gewißheit widerspricht, also etwa die Gewißheit, daß wir Maschinen unterlegen sind, der Gewißheit, daß unser Leben einen Wert hat.

Was die Deutschen Verzweiflung nennen, sehe ich als eine Abart der Panik, nämlich den Fall, in welchem die Panik nicht in eine bestimmte Richtung kanalisiert wird, weil die dazu nötige Dominanz fehlt.

Doch kommen wir zum Abschluß zu praktischen Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitsmoral.

Angst läßt sich am besten durch allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit und Überhöhung der persönlichen Konkurrenz erreichen und Raserei?

Hier ist etwas Vorsicht geboten, denn Panik am Arbeitsplatz wäre zu viel des Guten. Besser ist es, die Panik in der Freizeit zu erzeugen. Das hat gleich einen doppelten Vorteil:
  1. Der Arbeitnehmer ist lieber an der Arbeit als zu Hause.
  2. Er wird seine Freizeit zur Steigerung seiner Ausdauer nutzen, indem er nach Erschöpfung sucht.
Mit anderen Worten ist der Arbeiter in seinen privaten Angelegenheit zu verunsichern, bis er sich in einem Zustand der Panik befindet, nämlich den, welcher gemeinhin Verzweiflung genannt wird, was am besten durch allerlei affirmierte sexuelle Thesen erreicht werden kann.

Sollten in Deutschland die Dämme brechen, wird weder die Welt, noch auch die Deutschen selbst wissen, welche Flut sich da ergießt. Es ist vor diesem Hintergrund, daß ich Merkels Handeln auch etwas Gutes abgewinnen kann, nur bestärkt die Kritiklosigkeit der Deutschen zugleich alle, welche sie für ihre Zwecke einzusetzen gedenken.

Doch das ist nicht der Grund für meine eigene Angst in letzter Zeit. Ich träumte, meine Mutter sei gestorben, und das hat mich mitgenommen und nimmt mich immernoch mit: Mein Vater mit erdrückter Stimme am Telephon. Was soll's. Spurt' ich denn auch, ich mag immerhin das Eine oder das Andere treffen auf meinem Ritt, und noch zerreißt die Ordnung nicht.

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Der Mensch allein

Daß es wohl glaubhaft sei,
daß ich liebe,
was ich liebe.

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Vor Gott und in ihm

Weder Gottes Güte,
noch Gottes Geradlinigkeit
duldet eine Ausnahme.

Wenn uns fehlt,
was wir brauchen,
müssen wir fragen,

niemals aber andere Wege suchen.

Ich hielt die Güte der Meinen,
trotz aller ihnen eigenen Mängel,
für erwiesen.

Ich gab ihr zu Hand,
wessen sie bedürfte,
um sich auch der Welt zu erweisen.

Dann sah ich mich um.

Auch andren ward Güte gegeben,
und ich begann,
auch auf sie zu bauen.

Zunächst zur Befreundung,
dann auch im Vertrauen darauf,
daß Gutes aus jedem Guten folgt.

Und nun schaue ich wieder zurück:

Auf die Meinen,
vernachlässigt scheinen sie,
verwildert.

Und ich sehe mich
von ihnen getrennt,
voller Hoffnung, aber ohne Worte.

So frag ich denn.

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Ihr seid das Volk

Wie kann mich die Einsicht dazu treiben, jene Menschen zu vergessen,
welchen ich von Kindesbeinen an vertraue,
und mein Wesen dazu, mich angewidert von allem abzuwenden,
was sie erreichen könnte.

Es tut mir leid, ihr hart arbeitenden,
euren Vorteil erkennenden und findenden Menschen:
Ich habe euch nichts anzubieten
- außer vielleicht ein anderes Leben,
welches zu gestalten an euch ist,
aber mich erschreckt eure Zielstrebigkeit.

Ihr müßt wissen,
daß ich schwach und langsam bin,
und die Zeit verstreichen lasse,
damit mein Herz Gelegenheit hat
zu bemerken, daß es etwas zu sagen hat.

Seht, welche Wende vollzieht ein Maurer?

Nimmt er jemals mehr als einen andre Sorte Stein in die Hand,
um seine Wand zu bauen?

Von einem Gleis auf's andere:
Es ist eure Natur.

Aber es sind noch keine Schienen ausgelegt!

Seht, durch euren Realismus hängt ihr an den Dingen
- wer hat euch je geheißen, es zu tun? - :
Ihr lebt, die Dinge leben nicht.

Ja, es fällt euch leichter so,
euch mit einander zu verständigen:
Ist erst die Schiene da,
kennt jeder seinen Platz,
- doch seht:
Was macht ihr,
wenn ihr keine Belegschaft seid,
was macht ihr,
wenn die Aufgabe nicht die Form diktiert?

Ihr seid für die Form der Welt,
in welcher ihr lebt, verantwortlich.
Die Zeit des Sachzwangs ist vorüber.
Ihr laßt es zu, daß eine handvoll Krimineller
euch zu Ressourcen oder Bemäntlern degradieren.

Ich brauche euch.
Wenn ich euch nicht vergessen soll,
dann müßt ihr selbst das Wetter festlegen,
welches euch ins Gesicht schlägt.

Versteht ihr das?

Ihr müßt euer Interesse kultivieren,
wie eine Topfpalme:
Ein geliebtes Ding,
welches vollständig von eurer Zuwendung abhängt.

Am Anfang ist es nur ein Begriff,
öd und leer,
aber wenn ihr es euch nur erlaubt,
werdet ihr den Glauben an es in euch finden:
Daß ihr tatsächlich ein gemeinsames Interesse habt,
daß ihr eure Herzen nur ergründen müßt
und eure Gedanken klären.

Macht einen Anfang!
Befaßt euch mit hoheitlichen Aufgaben!
Fragt euch, wodurch sich euer Hof auszeichne,
welche Regeln
und welche Anliegen
euren Thron schmücken,
wessen Geistes Kinder ihr seiet.

Tut es!

All das sage ich euch, und doch ist mir bang.

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24. Februar 2017

Höchste Liebe und höchster Haß

Der gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe,
aber zahlt er es auch den Wölfen hundertfach heim,
wenn sie ein Schaf gerissen haben?

Emotionen versteht nur, wer sie bezeugt. Rein aus den historischen Ereignissen heraus lassen sich nicht die Emotionen destillieren, welche sie mitanschoben.

Ich habe in letzter Zeit einige Fernsehserien aus den '80ern gesehen und mich dabei an etwas erinnert, nämlich die geradezu zärtliche Nähe zwischen Amerikanern und Südvietnamesen, etwa in Magnum, P.I. oder auch Miami Vice - und dann ist da der Katholizismus, Magnum's ungültig zur Frau gegebene Frau ist erzkatholisch und in der Miami Vice Episode Stone's War wird ein ikonisches Bild aus dem Vietnamkrieg als katholische Pietà in Lateinamerika nachgestellt, was mich etwas verstörte, weil das Original nur Entsetzen ausströmte und keine Wehklage.

Dies sind subtile Dinge, welche zur Nachbereitung des Vietnamkriegs gehörten und, wie auch glaube, und auch glauben muß, da ich zu jung bin, die Vorbereitung des Vietnamkriegs miterlebt zu haben, dazu dienten, einem zentralen Gefühl für die Notwendigkeit des Krieges, nicht nur die politische Form zu verteidigen, sondern Glaubensbrüdern und -schwestern beizustehen, einen neuen Platz an unschuldigerer Stelle zu verschaffen und die Aggression gefühllosen Geostrategen in die Schuhe zu schieben, damit die gerechte Entrüstung beim nächsten Krieg wieder als Motivator zur Verfügung stünde.

Dies scheint mir klar genug. Verbraucht hat sich die gerechte Entrüstung erst seit 2001, und nicht an ihrer Überzogenheit, sondern an ihrer Ungerechtigkeit. So gegen Ende 2004, würde ich sagen, ist sie Bush junior faktisch aus den Händen gefallen.

Aber mich interessiert hier mehr ihr intaktes Wirken, die Gehässigkeit, welche sie zu inspirieren vermochte.

Woran liegt sie? Woher kommt es, daß der Feind es verdient, schlimmer als jeder Kriminelle behandelt zu werden?

Nicht einmal einem Kinderschänder wollte man antun, was den Vietnamesen angetan wurde.

Welches Hirn kommt zu dem Entschluß: Dann nehmt Dioxin!

Doch nur ein Hirn, welches Menschkinder gegen eine tierische Brut zu verteidigen meint. Und woher kommt das? Sicher aus doppelter Aufladung, der Überhöhung der Eigenen und der Abwertung der Anderen, aber so radikal, wie wir sie hier erwägen, ist sie nur unter einer weiteren Voraussetzung möglich, nämlich, daß der Mensch ohne Würde geboren wird, ohne eigene Qualitäten, ohne die Möglichkeit, sie je aus eigener Kraft zu erlangen. Nur diese Auffassung ist zu einer derartigen, real vollzogenen Abwertung von Menschen fähig. Nur diese Auffassung erklärt Napoléons Griff nach Europa und Amerikas Griff nach der Welt.

Aber was ist diese Auffassung?

Katholisch, oder etwa nicht? Durch und durch, Wort für Wort.

Man erkennt einen Baum an seinen Früchten, und diese Früchte sind eindeutig. Niemals glaube ich, daß sie ein anderer Geist hervorbringen würde, das staatsmännische Getue dient nur der Abschirmung.

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23. Februar 2017

Zirze

Ehrlich gesagt, nachdem ich nun eine Nacht darüber geschlafen habe, scheint mir mein gestriger Gedanke doch nicht mehr so originär, und es braucht keiner fragwürdigen Bezugnahme auf Oscar Wilde, um ihn im kulturellen Erbe der Menschheit wiederzufinden, kurz gesagt, ich habe mich an den Film Ulysses  mit Kirk Douglas erinnert, und in der Episode mit Zirze treten alle relevanten Elemente, auch jene, welche ich nicht ausgesprochen habe, auf.
  1. Isn't the difference between one woman and another only in the mind of a man?
  2. No, the difference is: Penelope would never let a stranger take her into his arms.
  3. Not even a stranger like Ulysses?
  4. Where are my men?
  5. You have just been kicking them.
  6. You witch, while I slept you turned a band of heroes into swine!
  7. It was much easier to do than you think.
  8. You'd like to do the same to me, wouldn't you? But you wouldn't find it so easy. I know you hate men. Perhaps you even hate me.
  9. Don't you realise, she has never yet told you the truth. She is treacherous.
  10. May the Gods give you the strength that you will need to escape the spell which has blinded you!
  11. I shall give you something that will make you forget all your petty dreams! Your miserable kingdom, your wife who grows old! Remain, and this very night, our empress shall welcome a new god! Ulysseus!
  12. Immortal?
  13. This is my gift! The greatest gift that has ever been offered to a man.
  14. No, there are greater gifts, to be born and to die and in between to live like a man!
  15. To live like a man? Filled with petty fears?
  16. Only the fearful can know the value of courage.
  17. And old age? That poor flesh will rot one day! And at the end, nothing but death! This is the terrible heritage of men!
  18. If it should be that one day men shall speak of me, I hope they say with pride that I was one of them.
  19. Their pride will not serve to warm you in the kingdom of darkness. I offer you centuries of light!
  20. Have you not think that it will sadden me too much to close my eyes, when the time comes.
  21. Then let the dead tell you that, how happy they are!
Und an dieser Stelle erlaube ich mir, das zu schreiben, worum es wirklich geht:
Mother! Stop haunting me!
Aber zu dieser Einsicht darf Odysseus aus dramaturgischen Gründen nicht vordringen. Stattdessen schilt sie ihn, weiter auf seinem Weg zur Gottheit zu ziehen.

Es ist leicht für eine Frau, welche verkörpert, was seine Mutter idealisiert hat, einen Mann in die Verzweiflung zu treiben, indem sie ihn einfach nur seinen eigenen Gedanken überläßt.

Wobei ich aber, dessen ungeachtet, tatsächlich davon überzeugt bin, daß sie andere Männer in Schweine verwandelt!

Welche sich in Phantasien verlieren und dabei ihren eigenen Kurs aufgeben.

Nur ich selbst! In heroischer Zerrissenheit halte meinen Kurs und erfülle mein Schicksal. Zu ehren, was zu ehren sie vorgibt, indem ich über sie hinauswachse und an ihrergleichen meine Majestät verwirkliche.

Bwa-ha-ha.

Aber lassen wir mich und Odysseus sein. Wer die Gottheit in seiner Brust fühlt, weiß, daß er die Prüfungen der Götter bestanden hat.

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22. Februar 2017

Willkür im Manne und im Weib

Im Manne Feindseligkeit,
im Weibe Unterhaltung
- die Miniatur der Neueinrichtung.

Gott, ich wünsche mir keine Tochter. Über einen Sohn, welcher überall neue Feinde ausmacht, kann ich lachen. Über eine Tochter, welche stets neue Unterhaltungen sucht, nicht. Einem sprunghaften Menschen hilft die Schwierigkeit dabei, Wurzeln zu schlagen.

Und wahrhaftig, wenn ich mich selbst feindseliger vor mir ausmale, als ich es bin, weil mich die Schlichtheit meiner Lage langweilt, so muß ich zugleich auch mein weibliches Pendant weit unterhaltungssüchtiger vor mir ausmalen, als es das ist.

Die absolute Gleichzeitig- und Gesetzmäßigkeit dieser Wahrnehmungsänderung schockiert mich zutiefst: Wie kann ein anderer Mensch einen durch Erschrecken vor ihm dazu bringen, zu sich selbst zu finden?

Wer hat je davon gehört?

Dies ist vielleicht mein einziger originärer Gedanke, alles sonst mag historische Parallelen besitzen: Sobald ich mir irgendeine Gehässigkeit erlaube, erschrecke ich vor ihr.

Andererseits, wenn ich es so fasse, ähnelt es etwas dem Bildnis von Dorian Gray: Ich sehe meine eigene Bosheit in ihr, sobald sie mich erfüllt, erfüllt sie auch sie. Dennoch, ganz so hat Oscar Wilde es nicht ausgedrückt.

Es ist schlichter, natürlicher und weit poetischer in dieser Form - und gibt selbstverständlich nicht den Stoff zu einem Roman ab.

Und auch für manch anderes gibt es nicht unbedingt den Stoff ab: Wer will schon jedes Mal, wenn er nach einem lebhaft monologisierenden Spaziergang nach Hause kommt, über das Lächeln, welches ihn daheim begrüßt, zu Tode erschrecken?

Es ist eine Ikone eigener Art, nichts, was einen zu sich emporzöge, sondern etwas, was einen beständig zurecht schüttelt und ins Heiligtum der Kindheit zurückführt, wo ein Junge allen Menschen Freund und ein Mädchen fest in ihren Prinzipien sein kann.

Was für ein abscheulicher Mensch ich bin! Meine Frau so ähnlich zu ihr zu wählen! Mehr kleinliche Kleinlichkeit hat die Welt doch noch nie gesehen: Eine Liste physischer Merkmale anzulegen und sie Zähne knirschend abzuhaken. Und doch bin ich mit ihr in gewisser Weise reicher, sie hat ihren eigenen Standpunkt, ich kann sie nach ihren Werten bewerten und werde nicht ständig auf mich selbst zurückgeworfen. Und wenn ich sie zu der Form bringe, in welcher ich sie gerne sehe, so kann sie dort aus eigener Kraft stehen bleiben. Es ist angenehmer, Mühe darauf verwenden zu müssen, aber dafür hin und wieder davon auch einmal ausruhen zu können, als auf Schritt und Tritt von seinem Spiegelbild begleitet zu werden: Schwierigkeit tut dem Sprunghaften gut.

Die Form indessen, in welcher ich meine Frau gerne sehe, ist dieselbe, in welcher ich sie gerne sehe: zufrieden, stolz und von einem inneren Reichtum erfüllt. Frauen sind für mich Kerzen, welche von meiner Herrlichkeit künden sollten. Und da ist es nun aber sehr günstig, auf mich selbst zurückgeworfen zu werden, um nicht meine eigene Herrlichkeit zu verlieren.

Schon seltsam, daß auch diese Seite meines Lebens einem ausgeklügelten Mechanismus ähnelt.

Ich sollte vielleicht erwähnen, daß es einer Frau, die spottet, gut geht, und dies niemand zum Maßstab der Größe ihres Gatten nehmen sollte, es sei denn antiproportional, achtete er doch darauf, daß sie Witz und Selbstsicherheit bei sich behielte. Aber zugleich muß er in ihr auch das Verlangen nähren, sich an ihn anzulehnen, seinem Urteil zu vertrauen.

Und dazu muß er selbstverständlich auch an seinem Urteil arbeiten.

Es ist mein durch Erfahrung aus Instinkt erwachsener Glaube, daß in jedem als gut Erkannten, ein zu bergendes Gut steckt, und in jedem als schlecht Erkannten, ein zu fürchtendes Übel, und ein beträchtlicher Teil der Kunst zu leben darin besteht zu erkennen, worin genau Güter und Übel bestehen.

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Gestern, Heute, Morgen

Der Haß ist alt, grober Gebrauch der sozialen Stellung, der Kopf mag mit anderen Dingen gefüllt sein, aber der Abdruck ist immer noch da, in den Ängsten, Träumen, Aversionen, letzte Nacht schaute ich wohl 200 Jahre zurück, keiner meiner üblichen Träume.

Was meint ihr?

Wie werdet ihr der Bestialität entkommen?

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21. Februar 2017

Projektion

Hier in Estland erlebe ich es fast jeden Tag: Die Dinge sind, zu was wir sie machen.

Ob ich draußen spazieren gehe, drinnen in der Sauna sitze oder tauche, es ist ganz und gar meine Entscheidung, ob ich friere und meine Zähne klappern oder ob ich mich einem leichten Kältedruck, jetzt auf meinen Oberschenkeln, jetzt auf meiner Brust, jetzt in meinen Armbeugen, jetzt wieder auf meinen Oberschenkeln, stelle, ob meine Haut verbrennt oder ob ich gegebenenfalls mal kurz über eine etwas zu heiße Stelle drüberwische, ob ich in Panik gerate, weil ich keine Luft mehr kriege, oder ob ich in Ruhe den Frieden der unteren Etagen des Schwimmbeckens genieße.

Kurz, wir haben eine Verantwortung dafür, die Welt auf die richtige Weise zu nehmen, nicht nur bei unseren täglichen Geschäften, sondern noch viel mehr bei unseren Gebeten, was aber in beiden Fällen keine reine Frage der Entscheidung ist, sondern wesentlich von unserer emotionalen Stabilität abhängt.


Die Frau zur Linken erinnert mich an jemanden, vielleicht ist sie's auch selber, aber dann wäre sie in den letzten 20 Jahren genauso wenig gealtert wie ich. Diese Zusammenstellung ist natürlich so oder so in höchstem Maße kurios, ich will die einzelnen Aspekte hier nicht weiter durchgehen, und Spott fürchte ich sowieso nicht, aber ich fürchte ihr Gesicht, und als ich heute nachmittag an naheliegender Stelle über dieses Bild gestolpert bin, habe ich buchstäblich ein dutzend verschiedene Gesichter gesehen, und das alleine ist Grund genug, ihr Gesicht mit jenem früheren in Zusammenhang zu bringen, in welchem ich auch stets etwas anderes sah.

Jene damals hätte mein Herz nicht angesprochen, wenn ich ihr nicht irgendetwas hätte geben wollen, und zugleich empfand ich die deutlichste Warnung davor, ihr auch nur irgendetwas zu geben, und sei es die Hand.

Wie gesagt, ich hatte heute nachmittag dutzend verschiedene Gesichter im obigen gesehen, und auch in meinem eigenen, wenngleich nicht in dem hier gewählten, aber ich einigte mich schließlich mit mir selbst auf eine gewisse Traurigkeit und Eigensinnigkeit, welche prinzipiell unerreichbar ist, den Vorsatz, einen bestimmten Ton zu halten, und auch jetzt kann ich sie in ihm erkennen, wenn ich mich anstrenge, doch mittlerweile sehe ich in ihm in stabiler Ruhelage ein Friedensangebot eines zufriedenen Herzens, und es bedeutet mir nichts, es anzunehmen, außer jemandem diese Zufriedenheit zukommenzulassen, wie ich es auch dem Badesee zukommen ließe, hinreichend warm zum Baden zu sein.

Aber richten wir den Blick vielleicht einmal auf das Wahrscheinliche. Ich fürchtete ihr also damals auch nur irgendetwas zu geben, weil ich nicht erkennen konnte, was vor mir stand, und meine Angst durchstreifte die unmögliche Weite, welche ich zu durchstreifen hätte, um es zu wissen - ein Prozeß, in welchem ich mich selbst verlieren müßte.

Wäre ich wieder 20 und begegnete mir wieder ein weiblich hoffendes Herz, dessen Hoffnung zu erfüllen mir entweder unmöglich oder moralisch zuwider wäre, etwa wenn sie sich mir nur ganz oder gar nicht geben wollte, was mich faktisch zu ihrem Sklaven machte: Ich müßte wieder so leiden wie zuvor.

Mit zunehmendem Alter werden Männer gleichgültiger gegen die Welt, wie sie wirklich ist, und wähnen sie sich stattdessen zunehmend zurecht. Es ist ein Teil der natürlichen Ordnung, des Mannes geistige Starre prägt Weib und Kind. Und gerade deshalb hatte ich seit meiner Kindheit einen Horror davor, meine Frau in fortgeschrittenem Alter zu finden, denn da wäre ich, das wußte ich schon mit 6 Jahren, so ziemlich mit allem zufrieden, so lange sie mir nur den Bart kraulte.

Ich kann das Vergangene keinesfalls leicht nehmen, aber was immer ich tat, ich tat's, weil ich's zu müssen meinte, und so muß es bleiben. Unangenehmer als meine Jugend wird mein Alter nicht werden, und jede Stunde hat ihr Gebot. Natürlich wünsche ich, daß die Summe meines Diensts etwas bedeutet. Aber gibt es handfeste Hinweise darauf, daß sie es nicht tut? Selbst für die Welt mag ich erwiesen sein, und Gott hat meine Freiheit nun seit gut 12 Jahren: Das Leben ist gegeben und kann nicht zurückgenommen werden, zu tief, 100000-fach, in der einzigen Währung, die zählt, stehe ich in Seiner Schuld. Aber Frieden in meinen Angelegenheiten, Sieg über meine eigene Angst und Schwäche, Segen dem, was ich zu richten suchte, und Fluch und Vernichtung jenen, welche auf das Heilige spucken, das mag sich begeben, und mehr wünsche ich mit keiner Faser meines Herzens.

Das I Ching hat mich gewarnt: Feuer über Feuer, Größe vor Größe.

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Bleib in der zweiten Zeile, verfalle nicht in die dritte!

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Vom Tod meines Lebens

Ich sah den Tod meines Fleischs,
den Tod aller organischen Regung:
die Gier nach unbegrenzter Erfahrung.

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20. Februar 2017

Von der Macht der Starken und der Schwachen

Das letzte Lebenszeichen eines Stabs ist die Musterung,
und das erste einer Kirche die Spende.

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Zur Gesetzlosigkeit der deutschen Rechtschreibung

Natürlich ist bereits die deutsche Sprache gesetzlos, etwa was das grammatikalische Geschlecht angeht (die Fahrt, aber der Flug, die Marter, aber der Prügel) oder die jeweils zu verwendende Präposition (Glaube an, aber Vertrauen auf, auf Kosten, aber unter Verlusten), aber ihre schriftliche Fixierung bringt noch einmal eine weitere Schicht der Gesetzlosigkeit mit sich.

Mit der Kommasetzung, der Groß- und Klein- oder Getrennt- und Zusammenschreibung möchte ich mich hier nicht beschäftigen, sondern mein Augenmerk einzig auf die Wahl der einzelnen Buchstaben zur schriftlichen Wiedergabe der gesprochenen Laute richten.

Gesetzlos ist diese Wahl, wenn sie willkürlich einen oder mehrere Buchstaben für die Wiedergabe eines Lautes im selben Kontext wählt, und insbesondere, wenn das Alphabet mehrere willkürliche Varianten für denselben Laut umfaßt, wie zum Beispiel f und v oder chs, ks und x.

Einige Beispiele. Vater, Familie, von, für, Vogel, Fohlen. Achse, Axt, staksen, schnackseln, wichsen.

Bemerkung. Bei f und v kann man freilich einwenden, daß es sich gar nicht um denselben Laut handelt, sondern daß das v ein leichter labiodentaler Frikativ ist und das f ein schwerer. Allerdings ist es unklar, in wieweit das wirklich Konsens unter den Sprechern des Deutschen ist.

Gehen wir hier tatsächlich von der Nichtgleichwertigkeit von f und v aus, können wir uns bis hierhin damit trösten, daß es nur wenige Wörter mit chs, ks oder x im Deutschen gibt und wir diese Fälle also bald hinreichend gut kennen, wenn wir uns gesondert mit ihnen befassen.

Kommen wir somit zur Frage der Anzeige von kurzen oder langen Vokalen.

Folgende Mechanismen gibt es in der deutschen Rechtschreibung zu diesem Zweck:
  1. Konsonantenverdoppelung (einschließlich ck und tz) zur Anzeige eines kurzen Vokals,
  2. Vokalverdoppelung oder Ergänzung um ein e zur Anzeige eines langen Vokals,
  3. h und ß (aus hs in deutscher Schrift) zur Anzeige eines langen Vokals.
Das i wird nie verdoppelt (ha, ha, nie!), sondern um ein Dehnungs-e ergänzt, und die übrigen Fälle, in welchen ein Dehnungs-e auftritt sind ausgesprochen selten, gerade kommt mir nur Itzehoe in den Sinn.

Das heißt, um die innere Regelmäßigkeit der zweiten Klasse müssen wir uns nicht sorgen, und um die der ersten und der dritten auch nicht, da kk, zz und hs im Deutschen spätestens seit dem 19. Jahrhundert verboten sind.

Betrachten wir also die äußere Gesetzlosigkeit zwischen diesen Klassen.

Zunächst einmal ist dazu festzustellen, daß nur die Anzeige der Kürze, nicht aber die der Länge eines Vokals, im Deutschen obligatorisch ist, und auch das nur, wenn lediglich ein geschriebener Konsonant in der Grundform folgte, also nicht bei Konsonantenkombinationen oder bei ch oder sch. Davon ausgenommen sind Vor- und Endsilben, welche als bekannt angenommen und nie gekennzeichnet werden (er-, ver-, zer-, be-, ge-, ent-, -e, -en, -er, -in) und Präpositionen: an, in, unter, über, auf, neben, entlang, durch, für, von, zu, nach, bei, zwischen, um, vor, hinter, wobei spätere Bildungen wie nahe oder gemäß freilich davon ausgenommen sind, mal ganz abgesehen davon, daß das h in nahe natürlich, wenn auch nur schwach, gesprochen wird.

Und auch für einige Pronomen gilt dies: der, das, wer, was, dir, mir, uns, ich, du, er, es, wir, mich, dich, sich.

Aber bleiben wir beim allgemeinen Wortschatz: Moos, Los, Tal, Aal, Moor, Mohr, Tor, Boot, Kot, Schal, fahl, schwül, kühl, Teer, hehr, Heer, Wehr, Dame, Dänen, dehnen, wähnen, malen, mahlen, Mehl, scheel, schal, Schale, Wal, kahl, schälen, wählen und so weiter.

So gesetzlos das auch ist, es besitzt eine gewisse Ästhetik, nämlich die Ästhetik des Zierrats: Hier das hin, und dort dies...

Die Länge eines Vokals muß also nicht gekennzeichnet werden, und die Wahl der Kennzeichnung steht auch frei, wobei die Vokalverdoppelung, ausgenommen die Dehnung des i's durch's e, freilich eher selten ist.

Interessanterweise führt die mangelnde Kennzeichnungspflicht der Kürze eines Vokals im Deutschen nicht zu Willkür: Dach ist kurz, und Buch und Tuch sind lang, aber das liegt daran, daß es zwei verschiedene Vokale sind. Wucht, Schlucht, Macht, Tracht und so weiter sind alle kurz, aber hier folgt mehr als nur ein Konsonant. Und Gemach und Geruch sind beide lang, aber hier ist die Betonungssituation eine andere. Es ist also möglich alle Fälle als Fälle zu betrachten und sich an sie zu gewöhnen.

Summa summarum: Die Gesetzlosigkeit der deutschen Rechtschreibung entspringt dem wankelmütigen Bestreben, die Länge von Vokalen zu kennzeichnen, was an sich überhaupt nicht nötig wäre, da die Kennzeichnung der Kürze hinreicht, wiewohl die orthographische Trennung von Wörtern gleicher Aussprache, aber verschiedenen Sinnes, selbstverständlich nicht ohne Verdienst ist.

Für die aktuelle Debatte über phonetisches Schreiben heißt das, daß den Kindern vernünftigerweise gesagt werden sollte, daß sie sich um die Kennzeichnung der Länge eines Vokals zunächst mal keine Gedanken machen sollten, da es bei Kennzeichnung der Kürze schon klar ist, welche Vokale lang sind. Ihnen zuzureden, mal selbst mit Vokalverdoppelung und h Wörter zu verschönern, mag in der Tat zu nichts Gutem führen. Das ß nimmt selbstverständlich hinsichtlich der Sonorität in Ableitungen noch wieder eine Sonderstellung ein: mies und fies, aber Spieß; miese, fiese Spieße.

Natürlich mag es etas länger dauern, bis die Kinder auf diese Weise Boot richtig schreiben, aber dafür mag ihnen das Wesen der deutschen Orthographie um so klarer sein und sie weniger gezwungen erscheinen: Einen pädagogischen Schaden sehe ich eher nicht.

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18. Februar 2017

Mein Leben

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BITING THROUGH has success.
It is favorable to let justice be administered.
Nine in the fourth place means:
Bites on dried gristly meat.
Receives metal arrows.
It furthers one to be mindful of difficulties
And to be persevering.
Good fortune.
Six in the fifth place means:
Bites on dried lean meat.
Receives yellow gold.
Perseveringly aware of danger.

No blame.
Stimmt schon.

Die Traurigkeit der Jugend, der erlebte Verrat am Glauben, die Erbärmlichkeit der Niedertracht, die eigene Bescheidung des und Abscheidung vom Leben.

Ein Grund, das eigene Leben zu gebrauchen, eine Erinnerung an das Notwendige, ein Hoffnungsstoß, denn wo es Hunger gibt, da wird sich auch Nahrung finden.

Ehrlichkeit und Vertrauen können ohne Welt- und Menschenkenntnis nicht bestehen. Geradeheraus kann nur der Große sein, ohne sich von anderen behüten zu lassen.

Ich bin Fleisch vom Fleische eines Stamms, ich weiß, worin mein Leben liegt, und so schwach und verirrt der Fluß auch ist, mein Leben sei der Spaten, ihm den Weg zurück in sein Bett zu graben.

Das kraftlose Salz sei verworfen, der Abschaum flute die Straßen, der Sinn für das Rechte erhebe sich wieder.

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15. Februar 2017

Claudius and Nero

Since Nero is such a controversial figure, reliable accounts of his reign are hard to come by. But it seems a fair guess that his reign must have faced the same problems that Claudius' reign faced and so I'll turn my attention thither.

We can readily establish, based on Suetonius' account, that Claudius was a careful and detached person, who valued his own safety more than his own glory. And if this portrait of him is indeed his likeness,

we can safely say that that was so, because he was completely averse to the concept of glory, as would befit, of course, a crippled man.

When Claudius became emperor at the age of 49, he had already lived a life of ridicule and it is not hard to imagine that he would have taken further ridicule nonchalantly, in particular if it meant that he would be left alone as before during Caligula's reign, id est that he was prepared to put on a show for the sake of his environment.

Claudius wrote a lot, and from that alone we could deduce that in his view it was the written word that really mattered and not the political dealings of the day.

And if this was indeed his belief then it would figure that amongst all political questions he would be most concerned with the right form of worship, and it certainly appears that he was concerned with that:
He utterly abolished the cruel and inhuman religion of the Druids among the Gauls, which under Augustus had merely been prohibited to Roman citizens; on the other hand he even attempted to transfer the Eleusinian rites from Attica to Rome, and had the temple of Venus Erycina in Sicily, which had falled to ruin through age, restored at the expense of the treasury of the Roman people. He struck his treaties with foreign princes in the Forum, sacrificing a pig and reciting the ancient formula of the fetial priests.

- Gaius Suetonius Tranquillus

Although he refused the title, he was of course an emperor and as such he governed around the Senate, relying on freed men to administer his will. He ran into some trouble with that, but not a lot. He made some changes to the law, but generally he preferred to keep things as they were, trying only to reign in decadence, but never valuing principle higher than stability.

Now, with regard to the situation he was facing: It was fragile in terms of power struggles and fragile economically. And Claudius could be viewed as a restorer who worked on a ruin - at least that's not in disagreement with his efforts to restore some powers of the Senate, emphasise the nobility of his ancestors and to facilitate the food trade.

And then there's the matter of Christianity.
Since the Jews constantly made disturbances at the instigation of Chrestus, he expelled them from Rome.

- Gaius Suetonius Tranquillus

Chrestus might be Christos or not, but this is from Claudius' own hand:
[...] not to bring in or admit Jews who come down the river from Egypt or from Syria, a proceeding which will compel me to conceive serious suspicions. Otherwise I will by all means take vengeance on them as fomenters of which is a general plague infecting the whole world.

- Letter of the Emperor Claudius to the Alexandrians

Now, a staunch anti-semite might interprete the plague infecting the whole world to be the Jews themselves, but
  1. they are accused of fomenting the plague
  2. what bother, if the Jews themselves are the plague, whether they are in Syria or up the Nile or in Alexandria.

So, it is quite impossible to interprete the plague infecting the whole world in any other way than as Christianity and Syria and the Nile valley in any other than as its early hotbeds.

And the fact that Claudius would refer to Christianity as a plague demonstrates, given his overall character and ambition, that he perceived it as a threat to the established order.

And then came Nero: young, inexperienced, acquainted with murder as a means of advancement, instilled with a sense of physical and dynastical superiority and facing the same problems, the same ruin. And if only the account of Claudia Octavia's death is accurate, that he divorced her, because she bored him, we can be absolutely certain that Nero would destroy that which he aspired to embody: the dominance of the Greco-Roman spirit.

And this is a defining characteristic of the beast: that it will not know that, which it means to represent, that it will be severed from the tradition, in which it sees itself: young, fiercely proud and acquainted with crime. Or at least that's the character that would serve best to play the role of the beast, id est shorten its days to the shortest possible term.

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14. Februar 2017

Selbstbild und Rollenzuweisung

Die gesellschaftlichen Ansichten des deutschen Volkes lassen sich leicht von einem Selbstbild und den ihm eigenen Rollenzuweisungen ableiten, und durch diese Ableitungen tritt zu Tage, daß es sich dabei nicht nur um ein Selbstbild, sondern um sein Selbstbild handelt.

Ich möchte im folgenden drei Beispiele betrachten, nämlich die Meinung des deutschen Volkes zu
  1. Bernd Schuster,
  2. Silvia Renate Sommerlath und
  3. dem griechischen Volk anno 2015.
Das Selbstbild, welches ich im Sinn habe, ist das eines Knechts, beziehungsweise das einer Magd.

Denn wie würde ein Knecht über einen anderen Knecht denken, welcher im Ausland Karriere macht?

Doch wohl, daß er seinen Platz nicht kenne, daß er überheblich sei, ein großes Maul habe und so weiter.

Und wie würde er über eine Magd denken, welche im Ausland in einen höheren Stand eingeheiratet hätte?

Doch wohl, daß sie zu beglückwünschen sei und auch er selbst, nun, da er eine diplomatische Vertretung in fremden Gefilden besäße.

Und über ein anderes Volk, welches Geld von ihm will?

Ganz sicher, daß es zu faul sei, sein eigenes Geld zu verdienen, und das würde er ihm auch ins Gesicht sagen, mit vor Stolz auf seinen eigenen Fleiß geschwellter Brust.

Wir sehen, das deutsche Volk hält sich selbst für das Gesinde eines Haushalts, welches seinen Platz kennen und zusammenstehen sollte, und es gehört zu den ersten Aufgaben eines deutschen Politikers, seine Politik und seine Rhetorik auf diesen Umstand einzustellen, was in Deutschland selbstverständlich auch schon seit undenklichen Zeiten geschieht, wiewohl zuweilen die eine oder andere Regierung an der Gesinnung ihres Volkes verzweifelt, wann es sich dann ausnahmsweise ergibt, daß die Regierung wechselt.

Bei den Holländern und Türken verhält es sich selbstverständlich ganz ähnlich, aber sonst darf man nicht so ohne weiteres annehmen, daß sich das Volk im Ausland nach den selben Gesetzen verhält, welche im Inland gelten.

Und daraus ergeben sich auch Konflikte, welche jetzt beim Versuch der Harmonisierung des Weltbürgerverständnisses im Rahmen der Globalisierung aufbrechen: Das Gesinde will Haushälter, der freier gesinnte Teil der Menschheit nicht.

Und es ist diese Kante, entlang welcher sich der Druck zur Reform staut bis eine Lösung des Konflikts gefunden ist - bis die Folgsamkeit nicht mehr in den Händen jener ist, welche sie gegen die Freiheit wenden, und die Freiheit wieder in jenen Gefilden wirkt, welche die Folgsamkeit nicht abstoßen, sondern inspirieren.

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